Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
Ulit Liebesgaben nach Frankreich.
Ei»: Kriegsreift von Friepberg nach Bonziers. sSchlutz).
Am anderen Margen ging es unter Führung des Herrn Major Beck aus Sedan hinaus, die Etappenstraße entlang. Ueberall sahen mir die Anzeichen eines harten Kampfes. Den ganzen Morgen kamen wir an endlosen Wagenkolonnen vor- lider. teils mit Munition, teils mit Lebensmitteln beladen. Häufig ging auf der rechten Seite ein Zug in unserer Richtung und auf der anderen Straßenseite eine Leerwagen-Kolonne oder Berwuribet Antransporte in der anderen Richtung, und wir mittest durch. Wenn es der Zufall wollte, wurden wir auch noch von einem Offiziersauto liberholt, fodaß mall sich manch- '!.at selbst wundern mutzte, daß alles so glatt vonstatten ging.
Unser erster Halt war- Tanay, wo wir einen Teil unserer Lad: .,g für eine Kompagnie des Landsturmbataillons Darm- f adl (11 r>. ) abluden Da sah mail erst, was doch iu so 14
o; alles verstaut werden kann. Ganze Berge kamen an's ".i.'esilcht und wurden von unseren Landsturmlenten mit gro- l. n Jubel begrüßt. Zu unserer großen Freude entdeckte einer
r?r Herren, daß unsere Hessen ein ausgezeichnetes Well- " : !.’j ici Siegel hatten, was uns ganz ausgezeichnet mundete, ".ick; kurzer Raft ging es weiter nach Bouziers, wo wir einen :n.irren T.'i h :i einer anderen Kompaglrie des Dariilstädter Lan>.'5Ur..kba«a'4ons abluden. Hier hiech es leider Kehrt ge ''-u-cht. unser >nilitäelscher Begleiter ließ uns nicht weiter. Wir ' itten gar zu gerne arick) unseren aktiven Truppell in der .ro:N die es noch weit nötiger haben, als unser Landsturm, einen Te l rurfe.er Liebosgaben gebracht. Jedoch es ging nicht, wir waren nur noch 20 25 Kilometer von der Schlacht entsernt nnd kotinlen sehr gut den anhaltenden Kanonendonner v >rcn Wir trennten uns noch von Bizefeldwebel Winkler.
uns hier verlie'j, um sich zu den 108er» zu begeben. Hoffen •vir, dah er sein Regiment gut erreichte und es uns vergönnt ljt. ein frohes Wi.'der'eheil mit ihm zu feiern. Ec läßt durch l?;cfo Stelle »seinen Bekannien »lochmals herzlich Lebewohl lagen ^
Hier wie auf unserem Heimweg in Tanay nahmen wir e»Rc groge Zahl Pakete und Briefschaften für die Heimat zurück. In Tanay wurde uns auf dem Heimweg eine große Ueberrafchung zu Teil. Wie wir hielten, um die Pakete und Briese mitzunehmen, wurden wir zunl Mittagessen eingeladen. Aus einer Anhöhe neben der Kirche war ein Tisch gedeckt und >nit Feldblumen geschmückt. Wir bekamen ein recht gutes kräftiges Essen, bestehend aus einer starken Bouillonsuppe. Rindfleisch mit gemischtem Lala! oder Hammelgemüse. Es schmeckte UNS vortrefflich, wozu nicht wenig der vortreffliche Rotwein und das Kirfchwaffer beitrug. Letztere Getränke waren aus dem Schlosse la cnsine, eines der schönsten Schlösser bei Ben- tresse. Dos Schloß ist vollständig unversehrt, denn seine Bewohner sind nicht wie die meisten Einwohner geflohen, sondern wohnen geblieben. Hierdurch sind die Franzosen wahrscheinlich von der Zerstörung des Schlosses abgehalten worden, denn V ‘ L isten Zerstörungen haben die Franzosen selbst auf dem Ge wißen. Der deutsche Soldat ist mit wenigen Aus«,ahmen kein Plünderer und Vernichter. Da. wo es geschehen ist, und w:r sind auch solchen Plötzen begegnet, wo uns die Offiziere sagten, das haben unsere Truppen getan, da kann man sicher fern, daß die Wut der Leute durch unmenschliche Behandlung der Verwundeten, oder andere Umstände so gereizt war, daß stc nicht anders konnten, und eine exemplarische Bestrafung der Bevölkerung am Platze war. Der Deutsche hat viel zu viel Ecist und Gemüt, um an solchen Unmenschlichkeiten Gefallen >'u finden Sellien wirklich einige andere Elemente darunter sem oder durch das rauhe Kriegshandwerk etwas unmenschlich gemacht worden sein, so ist die eiserne deutsche Disziplin da, die die Leute im Zaum hält und von den Leuten alles verlangen kann. Wenn wir hier und da von Greueltaten lesen, die mijcre Soldaten begangen haben sollen, so können wir ruhig sein, die Zukunft wird lehren, daß die meisten Verheerungen von den Franzosen selbst verübt worden sind, und da, wo sie von unseren Leuten geschehen sind, sie dazu gezwungen worden und.
Fedoch wir wollen zurückkehren zu unserem Mittagessen in Tanay Wir wunderten uns etwas über die Reichhaltigkeit und Güte. Da wurden wir belehrt, daß dies nur der Tüchtig- lei t unserer Landsturmmänner zu verdanken sei. Im Orte >Hbst. in dein bei Ankunft der Soldaten die Einwohner geflohen waren, — erst jetzt kamen sie vereinzelt wieder zurück —, war nichts mehr zu haben. Hier wie überall hatten die französisches! Soldaten bei ihrem Rückzug alles was sie nicht gebraucht hatte», vernichtet. Jedoch unsere Landesverteidiger wußten frch zu helfen Die Frucht stand auf dem Felde, sie wurde heimgefahren, gedroschen. gemahlen in einer -lernen AZassermühle, die auch erst wieder in Stand gesetzt werden »nutzte und dann ging rs an's Brot backen. Andere Feldfrüchte waren auch auf dem Felde. Vieh läuft in Hülle und Fülle herum, so daß sich dort mit der Zeit ganz gut leben läßt. Wenn sich die Leute auch viel behelfen müssen und alles sehr priinitiv ist. so haben sie es doch bedeutend besser als unsere aktiven Truppen in der Front, die gar keine Zeit haben, an ihr eignes Wohl zu denken.
Sehr erfreut wurden wir durch mehrere mehrstimmige Gesänge. Ein einberusener Gesangslehrer hatte die Zünger der Kompagnie gesammelt und eifrig mit ihnen im Feindesland geübt. Es wurden auch mehrere Ansprachen gehalten, ein Hoch auf unser liebes deutsches Vaterland ausgebracht und „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen. Wir haben auf unserer Fahrt manches gesehen und viele Eindrücke erhalten, doch oas Schönste und Erhebendste war dieses Mittagest'en unter freiem Himmel in Fenrdesland bei unseren Landstürmern ; sämtliche Teilnehmer werden es nie vergessen.
Mittwoch, den 7. Oktober 1914.
Aber einmal muh geschieden sein. Zum Abschied sangen unsere Landstürme! un» noch: „Weh dag wir scheide» müssen" schmückten unsere Autos mit Blumen und lies bewegt fuhren wir nach herzlichem Abschied und Danl weiter durch die uns zujubelnden, Spalier bildenden Soldaten,
Wir bogen bald, nachdem wir uns von Herrn Major Beck getrennt hatten, von der Etappenstratze ab und kamen »ach Ranrourt, Hier tragen wir Landsturmmänner aus Kassel, die die Schlachtfelder räumten und alle liegen gebliebene Mafien usw, zusammenfuhren. Der Hauptmann riet uns, die Schlachtenfelder bei dem Hof Montjoie zu besehen. Nach etlichen Irrfahrten kamen wir auf der Höhe an, und bemerkten beim Austritt aus dem Walde die deutschen Schützengrübe», sowie die befestigten Stellungen der Schnellseuergeschütze und der Artillerie, Hier mutzte ein harter Kamps stattgefunden haben, der Boden war zerstampft und überall lagen Unisor,»stücke, Teile von Waffen, Tornister usw, herum. Die Spuren waren bis weit in den Wald hinein zu verfolgen, ei» Zeichen, datz ein erbitterter Kampf Mann zu Mann stattgefundcn haben niutz. Der Hof selbst war ganz verbrannt und zerstört, um ibn herum lagen verschiedene halb verweste Pferdekadaoer, die die Luft mit einem schauerhaften Leichengeruch erfüllten. Längs des Waldes auf der Anhöhe erstreckten sich die Gräber unserer Gefallene», an der Spitze dasjenige eines Hauptmanns der 25, Artillerie,
Mit bewegtem Herzen schieden wir von dieser Stätie deutscher Ehre und fuhren über Haraucourt nach Remillq, wo unsere letzte» Sachen abgeladen wurde» und die Post für die Heimat Mitnahme», Gegen g Uhr kamen wir wieder in Seda» an. Wir hatten uns verabredet, wieder an unserem alten Platze vom Abend vorher uns zu treffe» und auch hier zu Nach! zu effen. Leider käme» wir etwas zu spät und bemerkten, datz ein grotzer Teil des Lolals besetzt und datz es auch mit dem Effen schlecht bestellt war. Jedoch wir Netze» uns nicht bange machen, holten in unserem Logie unseren eisernen Bestand, »ahmen unserer Wirtin, die UNS wegen der späten Stunde nichts mehr herausrücke» wollte, etliche Flaschen Rotwein ab, die einfach dazu bemerlte „c'eft la guerre comme a la gucrre" Sie suhlte sich aber ganz wohl bei diesem Krieg und wünschte vielleicht im Stille», datz es »och etwas so weiter ging, denn ihr Haus war immer voll und was der deutsche Soldat verzehrt, bezahlt er. Bald erklang das Klavier und vaterländische Lieder bis in die späte Stunde, Unsere Wirtsleute baten »ns, etwas an ihre Tür zu schreibe», was wir in Anbetracht der freundlichen Verpflegung sehr gern taten. So ist an dieser Türe wie an vielen Häuser» in Sedan zu lesen: „Hier wohnen sehr gute Leute, bitte schonen!"
Am nächsten Morgen hietz es Abschied nehmen von Sedan, Nachdem unsere Pakete, deren Adressaten wir nicht erreichen konnten, an die Feldpost abgegeben und diejenigen sür die Heimat in einem Eisenbahnwaggo» verladen hatten, fotzten wir Benzin und fuhren nach dem Lazarett Torcy, wo wir Verwundete in unseren Wagen nahmen. Um I Uhr ging es wieder der Heimat zu, auf eine»« anderen Wege bis an die ftanzösischc Grenze, An dem Zollhans Anor wurde Halt ge- inacht und das letzte Kampjfeld besichtigt. Hier mutzte auch ein stärkerer Kaiupf staitgesunde» habe». Die Häuser waren zerstört und ausgeräuint, aber nicht verbrannt. Nicht weit davon stand noch eine ftanzösifche Protze mit unabgejchossenen Granaten, auch waren sonst die Spuren des Kampfes zu sehen. Wir nahmen Abschied oo» den Gräber» unserer Tapseren, meistens Regiment ltii, mit der Hoffnung, datz die Opfer nicht vergebens waren, sondern uns einen langen Frieden sichern werden. Jetzt ging es wieder aus dem alten Wege durch Belgien nach Luxemburg und von da uach Trier, Unterwegs i» Arlon stärkten wir uns sowie unsere Verwundete» noch mit einer Tasse guten Kaffees, I» Trier gaben wir unsere Verwundeten im Garnisonslazarett ab und vereinigten uns im Hotel Porta Nigra zu einer kleinen Abschiedsfeier, denn am nächste» Morgen wollten wir »NS trennen, die Darmstadier wollten über den Hunsrück und wir durch das Äkofeltal über Kobleuz »ach Hause, Am nächsten Morgen hatten wir »och etwas an unsere» Wagen zu mache», unsere beiden Verwundeten, die wir mit nach Friedberg nahmen, im Lazarett wieder in Eupsang zu nehme» und in der Zwischenzeit waren die Gietzener Herren weggesahren. Wir fuhren also die alte Poststratze hinaus und alsdann durch das wunderbare Höllcnbachtal herunter und kamen bei Alf an die Mosel, Po» hier ab folgten wir dem Laufe der Mosel bis nach Trais, wo wir mit der Fähre übersetzten und bei einer Flasche Moselwein und einem guten Mittagessen »»sere geschwundenen Kräste wieder ansftischten. Von hier ging cs weiter der Moje! entlang bis »ach Koblenz, wo wir um das deutsche Eck fuhren und den Rhein hinaus der engeren Heimat entgegen. Von beiden Seiten» griitzlcn uns die Burgen und bei Eaub sahen mir das Standbild Blüchers von der anderen Seite des Rheines, das uns erinnert« an de» urdeutsche» Mann, de» grimmigsten Feind des Welschtumes, Gott sei Dank, datz dies urwüchsige Draufgäugertum Blüchers noch lebendig ist in unserem Heere,
Ilmgoldet von de» Strahlen der »ntergehenden Sonne, sahen wir das Nationaldenlmal vom Niederwald auf uns herab als Zeichen deutscher Einigkeit, erstanden durch welsche Habsucht und Ueberhebung, Gebe der Lenker der Geschicke, datz diesmal unsere Erbfeinde den Anlatz dazu geben, datz die Sehnsucht unseres grötzte» Freiheitsdichters, die er ausdrückt in dem bekaunren Lied: „Was ist des Deutschen Vaterland", sich erfülle und sich alle deutschsprechenden Stämme, das gesamte Germanentum, zusammenschlietze als Schutz und Trutz gegen das Welschtum und Slaventum
In flotter Fahrt kamen wir über Bingen, Mainz, wo wir in der Dunkelheit ein Friedberger Auto verloren haben, nach Homburg und von da in unsere Heimatstadt.
I 7. Jahrgang
Beinahe hatte die so gut verlausen« Fahrt »och einen bösen Abschlutz erhalten. Wir nahmen von Sedan eine Rote Kreuzschwesler mit zurück, die zur Erholung in die Heimat wollte. An den schönen Gefilden der Mosel und des Rheines zog sie eine französische Uniform über und setzte ein Käppi aus, zum Ergötzen der Passanten, Jedoch die guten Mainzer nah inen es anders auf und es wurden schon einige Stimmen laut: Die riesen: „haut ihn!" Jedoch wie unsere Dame das Käppi entnahm, löste sich alles in Wohlgefallen auf und gab es ein allgemeines Gelachter,
Wen» wir auch nicht bis zu unseren aktive» Truppe» vor dringen konnten, so waren wir doch hochbefriedigt von unserer Fahrt, war es doch einigen vvi> denen, die das Schicksal ver urteilt hat, zu Hause bleiben zu müssen, vergüniit, wenigsteiis etwas für ihr höchstes Gut, ihr Vaterland zu tuiu
Pariser Verkehrsleben.
Von Julius Adler, Friedberg.
Je weiter der Morgen voranschreitet, desto mehr nimmt der Straßenverkehr von Geschäfts- und Lieserungswagen. Autobussen, Velozipeten. Droschken. Mietautos, herrschaftlichen Wagen aller Art, wie auch ait Fußgängern und Straßenhändlern zu. Der Straßenlärm ist ein gewaltiger in, Vergleich mit un seren großen deutschen Städten, da Alles ziemlich laut schreit und gestikuliert. — Höchst sonderbar berühren auch die lauten Rufe der Händler, die die Snaßen durchziehen und alle möglichen Geschäfte machen. — Außer den bereits erwähnten Händlern „der 4-Iahreszeiten", gibt es in Paris noch eine ganze Anzahl von Berufen, die im Umherziehen betrieben werden, z. B. der Glaser zum Ersetzen zerbrochener Scheiben (oitrier) der Scheerenschleiser (remouleur), dev Alt Kleider-Händler (marchand d'habits), der Lumpenhändler (marchand de chif- fons), der Ziegenmilch-Berkäujer, der mit seiner Herde die Straßen durchzieht, mit einer schrillen Pfeife, worauf er ein ganzes Stückchen pfeift, feine Ankunft meldet und das gewünschte Glas Milch vor den Augen des Käufers abu,elkt, die Fischhändlerin, die mit ihrem schweren Korb um die Mittags- stunde erscheint, damit die Fische gleich frisch in die Pfanne der Hausfrau wandern können; — alle diese Händler, ferner der Geschirr- und Porzellan Ausbesserer, der Stuhlslechter und noch viele andere mehr rufen ihr Gewerbe iu langgezogenem, singendem Ton aus. — Außerdem gibt es im Zentrum der Stadt auf den großen Boulevards noch verschiedene andere, aus die Fremden berechnete Straßen Becussarten. wovo», spä tcr die Rede sein wird.
Wir nähern uns nun der elften Morgenstunde, der Zeit, zu der der Pariser seinen „Aperitif" = appetitreizendes Gläschen. nehmen muß. ja: „muß", denn diejer Gebrauch, oder besser Mißbrauch, ist in ganz Frankreich so enorm eingebürgert, daß Tausende lieber nichts zu Mittag resp. zu Stacht essen würden, als Aeritif vorher zu entbehren. Es handelt sich bei diesen Aperitifs, wovon jeder noch so kleine Bar. jedes unbedeutende Cafe 50— 100 verschiedene Sorten führt, stets um stark alkoholhaltige Getränke, meistens Liköre, die in der Mehrzahl in Deutschland nicht einmal den, Rainen nach bekannt sind: da
gibt es: Wermuth, Bitter, Minze, Ehinaweine, Südweine usw., alle mehr oder weniger schädlich: an, verbreitetsten aber und in allen Kreisen, ist der Absinth, ein bitterschmeckendes, sehr anregendes Getränk, aus einer Pflanze bereitet, die in Siid- frankreich und Italien wächst. Dieses außerordentliche gesund heitsschädliche Getränk enthält über 60 Prozent Alkohol: überall, in ganz Frankreich, steht inan zu den Aperitif-Stunden die Männer aller Stände, auch viele Frauen, in den Bars und Cafes bei dieser schmutzig-grün aussehenden Flüssigkeit sitzend, langsam und voller AufinerksamieU beschäftigt, sie. durch Ver mischen mit ungefähr y x Wasser und etwas Zucker, zurechtzu- machen und dann m kleinen, behaglichen Zügen hinunterzuschlürfen. Der Absinth hat, infolge seiner schwer schädigenden Wirkung aus den Organismus und bei seiner enormen Verbreitung durch ganz Frankreich, die französische Volksgesundheit in den letzten Jahrzehnten erheblich angegriffen und untergraben: die Bars aber machen brillante Geschäfte damit und sind stets überfüllt: die Regierung beabsichtigte schon mehrmals,
durch ein Gesetz, dieses unheilvolle Getränk zu verbieten (wie cs in anderen Ländern verboten ist): die Wirte haben aber
einen derartigen Einfluß, daß sie diese Versuche in den Ansän« ge>, ersticken konnten.
Aus die Aperitif-Stunde folgt das Mittagessen — in Frankreich Dejeuner — Frühstück genannt. (N. H Die erste leichte Mahlzeit morgens nach dem Ausstehen beißt: „Petit
dejeuner" — kleines Frühstück). Die für das Dejeuner iu Betracht kommende Zeit schwankt in Paris zwischen YA'l und 1 Uhr ungefähr: die Bevölkerung ißt zu ga»,z einheitlichen Stun den und der Franzose läßt sich nicht gern durch ein Geschäft, eine Arbeit oder dergk., sei es auch noch so wichtig, die Zeit, seines Mittag- oder Abendessens verschieben oder verkürzen. Uebrigens ist es auch nicht üblich, zwischen den drei Mahlzeiten -- Morgens. Mittags und Abends — etwas zu sich zu nehmen und kan,l man in den Restaurants zu ande er Stunde als ungefähr von K12—2 und von Vil —9 Uhr tatsächlich nichts bekommen, — außer in einigen Bierwirtschaften — Brasseries nach deutscher Art, sowie Abends spat "in den Nachtlokalen. Mittag- und Abendmahlzeit sind dann auch verhältnismäßig reichlich und stets, sogar in allen Arbeiterfamilien, wird Wein dazu gdtrunken, der ja in Frankreich billig — billiger als Bier — ist.
Das Restaurant Leben ist in Paris stark entwickelt, da der Pariser viel und gern ausgeht. Um die Mittagszeit sind die Restaurants gestopft voll und dabet nehmen die meisten dieser Lokale noch die halbe Straße hinzu, indem sie. bis über die Hälfte des Trottoir» hinaus. Tische aufstetlen und becke«. Das


