SU. IM _
Deutsch 1#13 und 1914.
Ctnfi ist die Zeit, Gefahren drohen um uns überall Aus Zungdeutschland. deutsch« Zugend, bau« eine, Ulächtgen Wall,
Treue. Freundschaft, «rast und Lieb«, welche schlingt um dich ein heilig Band,
Sie mögen führen uns zum Sieg, wir nehmen ihn aus Gottes band.
Germania ruft vom Rheinesstrand, weit hallt c» durch das Vaterland:
Älldeutschland wappne dich, und schirme rasch die Grenzen vom heilge» Hermannsland Gott >e- mit uns, lein andre Hilfe brauchen wir, bott und Deutschland, die lieben wir, Gott und Deutschland sei's Panier!
Cine herzliche Bitte.
Wir haben in den ersten schweren Tagen alles getan, um
brr Publikum über seine Pflichten gegenüber den Geschäftsleute» aufruklLrcn, und wir werden auch weiterhin in diesem Br strebe» nicht ermüden.
Auf der anderen Sette ersuchen wir aber auch die Eeschasts- leute sich ihrer
Berpflichtuuge»
eingedenk zu bleiben und vor allem auch ihre Rechuungen zu
bezohleu. Wenn das nicht geschieht, dann werden Stockungen eiatrctcu und die Geschäftsleute selbst werden wieder die Ge-
.chödigten sein.
Eine heilige Pflicht!
G-3 konimt vor, daß Truppenzuge erst spät am Abend in die Quartiere kommen. Denn dann, wie es gestern abend der Fall war, die Truppen stundenlang im Regen marschie- ren »inijte» und ganz durchnäßt aukaoien, dem tut nichts Wähler, als eine warme Speise und sei cs nur eine Tasse heißen Kaffee. Wir geben ja zu, daß es für die Ouartier- geber gerade nicht angcnelm, ist, au? den Federn zu müssen, uni Feuer anznniachen ustv. Aber bedenkt, was erst die Soldaten auszuhalten haben, haltet Euch vor Augen, wie cs euren eigenen Angehörigen zumute ist, wenn sie nachts durchnäßt und ermüdet in ihre Quartiere kommen. Handelt also in solchen Fällen nach dem Spniche: Was ihr euren Brüdern getan habt, das habt ihr Euch getan.
Ans der Heimat.
* Friedberg, s. August. Vom 7. August ab finden an Wochentagen nur 2 Briefbestellungen — 8 Uhr vorm, und b Uhr nachm statt.
' Osfrnhciin. 8. Slug. Zur Nachahmung entpfohlenl Durch den Ortsausschuß vom Roten Kreuz wurde von 2 Damen von hier sür das Rote Kreuz eine Sammlung in Miseren, 377 Einwonher zählenden Dorfe veranstaltet, welches die Summe von 361 Mark 75 Pfg. ergab. Der Be- trag ist heute an den Hess. Landesvcrein sür das Rot- Kreuz abgeschickt worden.
• Frankfurt a. 3)1. 8. August. Die Kolonialwaren-Eroß- handlung Bodenheimer u. Co., Breitegasi« 24, hat vorlitg-nden Rechnungen zufolge einen langjährigen kleinen Spezereihändler in schmählicher Weise bewuchert. Sie verkaufte dem Mann Mehl zu 54 Mark pro Doppelzentner gegen 33 Mark sonst, g,ie pro Zentner 32 Mark, sonst 17 Mark. Ferner steigerte sie lörbfen von 2V auf 4V, Linsen von 22 aus 5V, Erünkern von 28 aas 4', Gerste von 16 auf 38 Mark, alles für 166 Pfd. Dem Ge-
:raliomn,and» wurde sofort Mitteilung von dieser unerhörten
Erna nnd Ilse.
Roman von D. Feußner.
23 (Fortsetzung).
.Zch bin schon enttäuscht genug." sagte er auf die letzte Erwiderung des Rittergutsbesitzers, „und bin gewappnet gegen mein weiteres Schicksal. Was mir die Zukiinst bringen wird, will ich ohne Groll aus ihrer Hand nehmen, und sei es selbst der Tod — im freien Lande."
„Allmächtiger Gott!" rief der Kranke und schnellte sinnlich in die Höhe, „was haben Sic getan?"
„Mch nach China gemeldet." erwiderte Roderich . insach.
„Sic — haben — sich — nach — China — genreldet?" sagte der Kranke gedehnt. „Kaum halte ich cs sür mög- lich — sind Sie auch tauglich? Und kommen Sie bald weg!
„Ich bin tropendienstsähig und muß mich in drei Tagen in A. melden."
„Ueberraschender ist mir in meinem ganzen Leben noch nichts gekommen, selbst die MobilmachungSordre <0 nicht.
„Daß Sic dieses überrascht, kann ich mir wohl denken," sagte Roderich.
„ES überrascht mich aber nicht allein, sondern geht mir auch sehr ans Herz," entgegnet« Herr Ruth, „denn ich habe Sie lieb gewonnen, wie einen Sohn und bin ihnen viel Tank schuldig für die Hilfeleistung mir gegenüber. Und haben Sie meiner Tochter nicht dar Leben gerettet? Sie wollen sich niir nun ans lange Zeit, ja vielleicht auf immer entziehen. Dieses macht mich tief traurig, denn ich zittre für Ihr Leben. Wer weiß, ob Ihnen die Stunde der Rück- tt-hr schlagen wird; hoffen wir aber, daß Gott mit Ihnen und Sic mit Gott gehen, und in seiner Gemeinschaft die Gefahren, welche Ihrer »«arten, bestehcm — Wenn es sein Dille ist, wird auch der große Moment, in dem Sie den -eiligen Boden dc-S Vaterlandes betreten dürfen, kommen."
„Ja. ich gehe mit Gott," erwiderte der junge Mann tief bewegt.
„Ilse!" rief der Kranke jetzt. Doch keine Antwort er-
_ Tagerz«itvn». »amstog, den 8 . August m«
vllksbewucherung gemacht. Daraufhin wurde da» erste fij «B,p«' statuiert: die Großkolanialwarenhondlung Bodenheimer u Tie., Brcitegaffe 24. wurde von der Polizei geschloffen. Diese strenge, nb»r gerechte Maßregel wird hoffentlich eine Warnung für die Lebrnsmittrlverteurer sein, di« kleinen und die gr. ße». Jenes Beispiel zeigt aber, daß in sehr vielen Fällen die lleinen Händler gar nicht die eigentlich Schuldigen sind, denn sie sind wirtschaftlich abhängig und müffen die Waren von den ezirmcn nehmen, die ihnen bisher Kredit gewährt haben und NU» die Gclrgenheit fkruprllos benutzen, um sich auf Kosten der ohnedies notleidenden Mitbürger zu bereichern. Es ist selbstverständlich, daß dann der Kleinhändler, um zu existiere», selbst die Ware zu Wucherprcisen an das Publikum abgcbcn muß, — ®ci Direktor der Süddeutschen Waffcrwerke, Paul Hcffemcr, gewährte vorgestern Abend drei Soldaten des Refervcregiments 87 kein Quartier. Er wies sie mit dem Bemerken ab, sie sollten sich auf seine Kosten in einem Hotel Unterkunft suchen. Die Leute erhielten von Heffemer aber kein Gelds schließlich fanden sie in später Rächt bei Leuten mit mehr Vatcrlandsgcsühl Quartier, — Verschiedene Hausbesitzer tiiudigten Familien, deren Ernäher im Frldc steht, die Wohnung, — Don diesen bedauerlichen Erscheinungen abgesehen offenbart die Bepölker- unz einen Patriotismus und eine Opferwilligkeit ohne gleichet: Geld und Liebcsfpcnden fliegen den Sammclftellc» in ungeahnter Fülle zu. Der Andrang Freiwilliger für den Heeresdienst geht in die Tausende, die Anmeldestelle ist buchstäblich außer Stande, des Ansturms Herr zu werden, Leute, die längst 56 und 66 überschritten haben, verpflichtete» sich für den Dienst im Felde.
* Frankfurt a. M„ 8, August. An der Dcutschhcrrnbrücke crttank beim Baden im Main der 12jährige Schüler Franz Kreß. In der Forsthausstraße geriet der Gärtner Benkcscr unter sei» Fuhrwerk. Er erlitt Verletzungen, di« seinen Tod nach kurzer Zeit zur Folge hatte.
* Franksurt a. M„ 7. August. Am Donnerstag nachmittag hatte ein Mann, der in Bonames zum Bahnschutz mit einem Gewehr ausgerüstet war, dasselbe im B-bnhofsggebäude abgc- stellt und sich einen Augenblick entfernt. Ein Kind, das vorüberging, stieß an das Gewehr, wodurch ei» Schuß losging, der die LLjährigc Fra» Degenhard aus Preungesheim in die Brust traf und auf der Stelle tötete,
* Frankfurt n. M., 7. Aug, Auf dem Polizeipräsi- dium haben sich bis heute rund 6000 Kriegsfreiwillige an- gemeldet. Heute trafen hier zahlreick>e Berliner Studenten ein, die in Berlin wegen des Ricfcnandrangs zurückg-wiese» wurden und nun in Frankfurt ihre Dienste anboten. Auch mehrere schwedische Studenten stellten sich der hiesigen Militärverwaltung zur Verfügung.
* Franksurt a. M., 7. Aug, Der Privatmann Platt im Stadtteil Bockenheim schickt fünf Söhne nnd drei Schwieger- söhne in das Feld.
Hesse».Nassau.
* x. Oberursel, 7. August, Der Nachtpolizeidienst und der Sicherheitsdienst an der Bahn wird durch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ausgeübt. Denselben sind die Funktionen eine» Polizcibcamlcn überttagen. — Die Bürgermeisterei gibt bekannt, daß die Beschaffung von Arbeitskräften und di« Vermittlung von Arbeitsgelegenheit für Arbeitslose, lediglich durch den städtischen Arbeitsnachweis im Ratskeller bewirkt wird. Landwirte insbesondere wollen ihren Bedarf sofort anmclden und Schüler und Erwachsene, welche bei den Erntearbeiten ihre Arbeitskräfte unentgeltlich zur Verfügung stellen wellen, werden gebeten, ihre bezüglichen Erklärungen bei der Rachwcisstelle abzugeben, — Der Magistrat hat »arge schlagen, zur Unterstützung der Familien der zur Einstellung kommenden Männer einen Fond von 26 666 Mark bereit zu stellen,
* Ocbcrursel, 6. August, Für die Unterstützung von Familie», deren Angehörige im Felde stehen, bewilligte die Stadt
folgte. denn das Mädchen hatte das Gemach verlassen. —
Währenddem sich die beiden Männer unterhielten, saß Ilse auf ihrem Zimmer und — weinte.
Und worüber?
Eigentlich war cs ihr selbst nicht klar. Als Roderich sagte: Ich habe mich nach China gemeldet, war ihr etwas Unerklärliches gekommen. Ihr war mit einem Schlage so web ums Herz, daß sie nur Linderung im Weinen z» finden glaubte. Aber es sollte niemand wissen, was ihr Tränen erpreßte, drum hatte sie unbemerkt die Stube verlassen »i>d war iu die Einsamkeit ihres Zimniers geflüchtet.
Hier saß sie, uni das traurige Gesichtchen in der schneeigen Kissen ihres Bettes zu vergraben und ließ den Tränen freien Lauf.
Warum mußte er auch grade nach China gehen? Daß sie noch keinen tieferen Eindruck aus den jungen Mann gemacht hatte, wußte sie, hoffe aber vielleicht durch längeren Verkehr mit ihm seine Zuneigung zu gewinnen. Und nun mit einem Schlage alle Hoffnungen zertrümmert, denn er wollte'fort, fort in ein unbekanntes Land, unter hinterlistige Menschen, und sie konnte ihn nicht halten. — Sie kam sich viel zu unscheinbar vor, ::m ibn zu zwingen, ihr z» Füßen zu kniecn) ihrem ganzen Wesen fehlte die Kraft, ihn an sich zu fesseln.
Sonderbar! Sie war das gefeiertste Mädchen der ganzen Stadt, von Verehrern umringt, welche alle glücklich gewesen, hätte ihnen ei» Lächeln von ihr gegolten. Eindruckslos gingen die Abende an denen sich die hante-volce des Städtchens zu einem Vergnügen einfand, an ihr vorüber. Die Phräsen und Kompliniente der Salonhelden ließen sie kalt, bis der junge Rosiarzt ihren Lebensweg kreuzte ,i»d — ihr Herz und Sinn gefangen nahm.
Höflich und zuvorkommend war er ihr gegenüber stets gewesen, aber auch weiter nichts, doch desto mehr bewunderte sie ihn und aus dieser Bewunderung wuchs bald das Barte Pflänzchen der unverdorbenen reinen Erstlingsliebe.
,1 „Ich muß hinunter denn'er wird wobt bald aeben."
______Seite 8.
vcioidnctrnsitzung 26660 Mark. Den Familien der städtischen Arbeiter wird der halbe Tageslohn ausgczahll. Eine hiesige Firma gewährt jeder Frau 6 Mark und jedem Kinde 2,56 Mk. Wochen Unterstützung während des Feldzuges.
* Bad Homburg. 6. August. Der Fuhrmann Christoph Kof- le, geriet bei Hattersheim während eines Möbelttansportes i'ntcr den frr.ren Möbelwagen und wurde auf der Stelle getötet.
Griesheim a. M., 7. Aug. Zehn Familienangehörige stellt der Kriegsvetcran von 1870—71 Ludwig Wiegand dem deutsch»«» Volksheere zur Verfügung, und zwar acht Söhne im Atter von 19 bis 39 Jahren und ztvei Schwiegersöhne.
* Ried 0 . 3)1., 6. August. Die Gemeindevertretung bewil- ligle zu Fürsorgezweckcu wahrend des Krieges die Summe von 56 666 Mark.
* «rulda, 7. Aug. Bo» hierentsendet der Lehrer Selig seine sechs Söhne in den Krieg.
Aus Ersuchen der Landesversicherungsallstalt Eroßh. Scffc» mcchcn wir die Zntereffentcn daraus ausmcrksam, daß die U»»- zahlung der von der Landesoersicherungsanstalt Eroßh. Hcffcn auf Grund der Reichsvcrsicherungsordnuug angewiesenen Rcn- leiibcträge lZnvaliden, Alters, Witwen- und Waisciirenlen pp.) durch den Kriegszustand nicht beeinträchtigt wird.
Kirchliche Anstigen.
Evangclijchr (heineinde.
9. Sonntag nach Trin., g. August.
Gottesdienst in der Stadtiirch«, rillgemeiner Kriegsbettog.
Vorm. SK Uhr: Herr Direktor Schockl.
Anschließend Beichte und hl. Abendmahl.
Gottesdienst in der Burgttrche,
Abends 8K Uhr: Herr Dircllor Schockt.
Vorm. 8)4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter.
Gottesdienst II» Stadlleil Fauerbach Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdieust: Herr Psr Ritter. Nachm. 2 Uhr: Katechismuslehre sür di« Mädchen: Herr Pfarrer Ritter.
Anschließend Beichte und hl. Abendmahl.
In allen Gottesdiensten Kollekte für die Tätigkeit des Ro- teu Kreuzes.
Katholische Gemeinde Zehnter Sonntag »ach Pfingsten.
Jahrgedächtnis der Kircheuciuweihuug.
Beichtgelegcnheit Samstag nachm, von 5 Uhr, Sonntag früh von %6 Uhr an.
y.7 Uhr: Frühmesse.
8 Uhr: Singmesic mit Predigt lMiUtärgottesdienst).
>416 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachm. 2y, Uhr: Festandacht.
Mittwoch, Donnerstag und Freitag Abend 8:4 Ilh, ist Buß und Vittandacht zur Vorbereitung auf die am Fest« Mariä Himmelfahrt und dem darauffolgenden Sonntag abzuheltendi gemeinschaftliche Kommunion.
Feierabend griedber»
Sonntag, den 9. August: Lese- und Spielabend
Franksurirr Wetlcrbrricht.
Voraussage: Wollig, meist trocken, warm, nordwestliche
bis westliche Winde.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otlo H i rschel, Jiiedberg; sür den lokalen »nd unlcrhallendcn Teil: Bernhard Lenz. Fricdbcrg; für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedbcrg. Druck und Verlag der „Neuen Tages- _ zeituna". A.-G.. Friedberg i. H. __
murmelte» ihre Lippen und langsam stand sic auf, um die Träncnspuren zu verwischen, er sollte nicht sehen, wie eS um sie stand.
Als sie in daS Krankenzimnier trat, verabschiedete sich Roderich gerade von ihren! Vater.
Als er ihr die Hand reichte, glitt sein sorschender Blick über sie hin, denn ihr kleines Händchen zitterte merklich. Ahnte er, was m ihr vorging? Sah er, daß sie geweint hatte?
Sie konnte den Blick nicht ertragen, und ihre Träne» drohten anss neue hervorznbrechen, darum wandte sie sich irm.
„Auf Wiedersehen, Fräulein!" sagte Roderich »nd ging.
Ilse setzte sich an das Bett ihres Vaters, aber so, daß sie das Licht im Rücken hatte, denn sein scharfer Blick hätte gar bald erkannt, daß sie aufgeregt war
„Denke dir, Ilse, Herr Tietze geht nach China."
„Ich weiß es, Bater," erwidette sie kaum hörbar.
„Schade um den jungen Mann. Ich hatte mich schon so an ihn gewöhnt, daß ich seine Besuche sehr vermissen werde. — Wenn ich nur den wahren Grund zu diesem Schritte wüßte."
„Vielleicht will er sich die Welt einmal ansehen," meinte Ilse.
„Allerdings ist dies bei vielen der Grund, nicht aber bei ihm."
„Vielleicht ist es auch der Drang, dein Vaterlande seine Dienste zu leisten."
„Damit ist die Frag« „warum" noch nicht erschöpft, es muß unbedingt noch einen andern Hintergrund haben," sagte der Vater mit Bestimmtheit.
„Es ist ja möglich, daß ihm schon große Enttäuschungen zuteil geworden sind, und er will einem geheimen Kummer entgehen."
(Fortsetzung folgt)


