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Krimmer 181

Mittwoch, den 5. Angnst 1914.

7. JaljVi^ntt

Krieg mit England. Mit Belgien in Kriegszustand. Drückt sich Italien. - Der einige

Reichstag.

Was komme» mußte, da? kam. Wo sich die Feinde Dcnisckpands samnieln, da darf dessen tückischer Feind nicht fehlen. Wenn das nienchclniörderischc Rußland seinen Lolch zuckt, dann ist es der Hilfe deS perfiden Albions sicher. Tein Treubruch Rußlands steht das Verhalten Englands, würdig zur Seite, daß sich nach außen heuchlerisch um den Frieden bemühte, um Deutschland in Sicherheit zu wiegen, ans daß man e§ um so sicherer überfallen könnte.

Deutschland hat an Belgien die Aufforderung gerichtet, den Turchinarsch seiner Truppen zu gestatten. Im Inte­resse der wohlvorbcrcitctcn Kriegsplans ist diese Maßregel notwendig. Belgien hat, was vorauszusehcn war, diese Er­laubnis abgelchnt und so befinden wir uns auch mit Bel­gien im Kriegszustand. Praktisch hat dies Wohl nicht viel zu bedeuten, denn wir werden keine belgischen Truppen an- grcifcn und umgekehrt ist die? auch nicht zu erwarten.

Bedenklicher ist die Haltung Italiens. Es scheint kest- zustehcn, daß uns unser Bundesgenosse aufsitzcn laßt. Zwar ist er zu einer teilweise» Mobilmachung geschritten. Seine Minister aber begnügen sich nüt nichtssagenden Erklärungen mit denen uns nicht gedient ist. So scheinen diejenigen recht zu behalten, die auf das Bündnis mit Italien von jeher kein Vertrauen gesetzt haben.

Erhebend in dieser schweren Zeit ist die Einmütigkeit i :- deutschen Volkes. Glänzend kam sie gestern in der ~ aliung des Deutschen Reichstages zum Ausdruck. Ver- geisen war aller Partcihadcr und FraktionSzwist. E i n - m ü! i g traten alle Parteien ein für den Schutz des bedroh­ten Vaterlandes und lauter Beifall, selbst auf der Rechten er­schall, als der Redner der Sozialdemokraten erklärte, daß auch seine Partei dem Daterlaudc die schuldigen Opfer brin­gen werde. Es war Wohl die größte Stunde der deutschen Volksvertreter, als sie der Aufforderung des deutschen Kai­ser? nachkamen und ihm in die Hand gelobten, zusammenzu- balten durch Not und Tod.

Der Geist, der in dem deutschen Volke lebt, das Ver­trauen aus Gott und unsere gerechte Sache gibt uns die Zuversicht auf den Sieg unserer Waffen. Unser liebes Vaterland hat schon schwere Zeiten durchkämpfen niüssen, cs hat sie überstanden und wenn jetzt die schwerste Stunde ge- kouuucn ist werden sic ertragen und nicht verzagen.

Feinde ringsum I Feinde ringsum I Um diese züngelnde Schlange,

Vaterland, ist Dir so bange?

Dange warum, bange warum?

Nun gute Nacht! Nun gute Nacht!

Pallasche zwischen die Zähne!

Fällt auch darauf niauchc Träne

Fort in die Schlacht! Fort in die Schlacht!

hat de» Krieg erklärt.

Berlin, 4. Aug. (Amtliches Telcgranuu.) Kurz nach 7 Uhr erschien der englische Botschafter Gosche» aus de», lluoivr.rtigcn Amt, um im Namen Englands den Krieg >u wklnrcn und seine Pässe zu fordern.

@itt Ultimatum au Belgien.

Wie dieEtoilc Beige" mitteilt, hat der deutsche Ge­sandte ein Sonntag Abcno 7 Uhr der belgischen Regie.n,,g ein Ultimatum überreicht, das Montag Abend 7 Uhr el-gc- laufen war.

Italiens Haltung.

Rom. 4. Aug. (W. B.) TicAgenzia St.'fani" i er- öscntlicht eine Erklärung des Ministcrrats, die hervorhebt. daß, de. einige Mächte sich in> Kriegszustand, Italien sich aber nn FricdcnSzustand mit allen kriegführenden Mäeä.'cn befinde, die Regierung und die Bürger verpjlichlct '-neu, die Pflichten der Neutralität zu beobachten.

Die genannte Agentur kündigt sodann die Einberusnug der ersten Kategorie der Jahrgänge 1889 und 1890 der Armer für den 8. August, sowie der Jahrgänge 18-89 und 1900 der Marine an. Außerdem werden cinbeenfe» sie!-,:. Jahrgänge der Unteroffiziere, und zwar der Mau.,

Heizer, Steuerleute und Elektriker der Marine and ! . ganze kriegödienstpflichtige Tigualpersonal.

Vao victis!

TaSMilitär-Wochenblatt" veröffentlicht in der beit- tigcn Ansgabc solgeudcu Ausruf: In rmglc-i.e W- >ie n i- tigte uns Rußland eines Serbiens wegen den Krieg an.. Die Stunde der Abrechnung, die in einige» Jahren d.-.r,

unausbleiblich komnicn mußte, schlug. Wenn es einen ge­rechten Gott im Himmel gibt. er ist da so dürfen wir auf den Sieg der gerechten Sache unserer deutsch»':, Wafs'» hoffen! Keine weiteren Worte mehr als dies, daß vcr lo­dernde Zorn über diesen Uebcrfall, begangen an dem sried- lichen deutschen Volke, uns eingibt: Wenn Gott in seiner Gnade uns den Sieg verleihen sollte, dannVae Biet-.--" (Wehe dem Besiegten.) Unser Kanivfruf aber sei: Es lebe der Kaiser und Tentschkand über alles!

(Gefechte an der Ostgrenze.

Berlin, 4. Aug. (W. B.) Teile der Besatzung von Memel schlugen gestern einen Vorstoß feindlicher Grenz- wachen aus der Richtung von Krottingen zurück.

Kibartq gestürmt!

Königsberg, 4. Aug. (SB. ID.) Trutsche Truppe» ha­ben Kibnrty (hart hinter der Krcnzr, vor Wirbnllcn gcicgrn. D. Rrd.) gestürmt. Tic Russen gingen unter Zurücktaff- »ng von Gefangenen nach Osten zurück. Tie deutschen Ver­luste sind gering.

Amnestie.

Berlin, «. Aug, Die Norddcullche Allgemeine Zeitung schreibt: Wie wir hören, steht der Erlaß einer weitgehenden A m n e st i e auch für Preußen unmittelbar bevor. Der Kaiser will angesichts der opscrwilligen Vaterlandsliebe, die das gesamte Volk in dem uns aujgedrängten Kriege beweist, eine» allgemeinen Straferlaß namentlich für Verfehlungen aus politischem Gebiete, daneben aber auch für solche Straftaten eintrctcn lassen, die aus wirtjchajtlicher Not und Bedrängnis hervcrgcgangen sind.

Fort Helgoland.

Der Altonaer Magistrat erließ einen Ausruf, in welchem er mitteilt, baß Altona vom 5. August ab lvvü Helgoländer auszunehmen habe. Die Bevölkerung wurde ausgcsordcrt, Luartiere anzumelden.

Reichstags-Eröffnung.

Mit reinem Gewissen und reiner Hnnd rrgrcijcn >oir das Schwert."

Amtliches Telegrauim.

Brrlin, 4. A»g.

Ter Kaiser crösfnete heute mittag 1 Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlosses die außerordentliche Session des Reichstages mit folgender Thronrede:

Geehrte Herren!

In schicksalschwerer Stunde habe ich die gewählten Ver­treter des deutschen Volkes um mich versammelt. Fast ein halbe? Jahrhundert lang konnten wir auf dem Wege des Friedens verharren. Versuche. Deutschland kriegerische Neigungen anzudichten, und seine Stellung in der Welt ein- zucngen, haben unseres Volkes Geduld oft auf harte Prob-.-n gestelll. In unbeirrbarer Redlichkeit hat meine Negierung auch unter herausfordernden Umständen die Entwickelung aller sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte als höch­stes Ziel verfolgt. Tic Welt ist Zeuge gewesen, wie nn- crmiidlich wir in den. Drang und den Wirren der letzten Jahr' in erster Reihe standen, um den Völkern Europas einen Krieg zwischen den Großmächten zu ersparen.

Die sckwcrften Gefahren die durch die Ereignisse am Balkon heranfbeschworcn waren, schienen überwunden, da tat sich mit der Ermordung meines Freundes, des Erzher­zog? Franz Ferdinand, ein Abgrnnd ans. Mein yohcr Ver­bündeter Kaiser und König Franz Josef, war gczwungcii zu den Walen zu greisen, -.9» die Sicherheit seines Reiches gegen- gefährliche Umtriebe ans einem Nachbarstaat zu ver­teidigen, Bei der Verfolgung ihrer berechtigten Interessen ist der verbündeten Monarchie das Nnssische Reich in den Weg getreten.

An die Seite Oeflerrcich-UngainS ruft uns nicht nur unser-: Diindnikpflicht, »ns fällt zugleich die gewaltige Ans- g-abe zu, mit der alten Knltnrgcnieinschast der beiden Reiche niere eigene Stellung gegen den Anstnrni feindlicher Kräfte zu schirmen.

Mit schweren, Herzen babe ich meine Armee gegen einen Nachbar inobilisicrcn niüssen, mit dem sic ans io vielen Schlachtfeldern gcnicinsqm gcsochten hat, mit ausrichtigei» Leid iah ich eine von Deutschland'treu bewahrte Jrenndichast zerbrechen. Tic Kaiserlich Russische Regierung hat sich, dem Drängen eines unersättlichen Nationalismus nachgebcnd, für einen Staat eingesetzt, der durch die Bcgünktiauna -'er­

breche, sicher Anschläge das Unheil dieses Krieges veranlagte. Daß auch Frankreich sich auf die Seite unseres Ge. S gl stellt hat, konnte uns nicht überraschen. Zn ost sind innere Bemühungen, mit der sranzösisck^n Republik zu Ire-undliche- rcn Beziehungen zu gelange», auf alte Hoffnungen und alte» Groll gestoßen.

Was menschliche Einsicht »»d Kraft vcrinag, um ein Volk für die letzten Entscheidungen zu wappnen, baS ist n;i: ihrer patriotischen Hilfe geschehe». Die Feindseligkeiten, dK im Osten und im Westen seit langer Zeit um sich gegrisie>> hat, ist nun zu hellen Flamnicn anfgelodcrt. Die gegen­wärtige Lage ging nicht aus vorübergehenden Jntereise» konflikten oder diplomatischen Konstellationen hervor, sic ,i das Ergebnis eines seit langen Jahren tätigen Uebclwellru:- gegen die Macht und das Gedeihe» deS deutschen Reiches Uns treibt nicht Eroberungsinst, »ns beseelt der unöeng snnie Dille, den Platz z» bewahren, auf den Gott uus ge­stellt hat, für uns und alle kommenden Geschlechter.

Aus den Schriftstücken, die Ihnen zngegangen sind werden Sic ersehen, wie meine Regierung und vor alle», mein Kanzler bis zum letzten Augenblick benüiht waren, das Aeußerstc abznwendcn. In aufgcdrungenec Notwehr mit remcm Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwcrt. An die Völker und Stämme des deutschen Rei­ches ergeht mein Ruf, mit ihrer gesamten Kraft in brüder­lichem Zusammcnstchcn mit unseren Bundesgenossen z» vcr- leidigen, was wir in friedlicher Arbeit geschaffen haben. Nach dem Beispiel unserer Vater fest und getreu, ernst und ritterlich demütig vor Gott und kanipfesfroh vor dem Feind, so vertrauen wir der ewigen Allinacht, die unsere Abwehr stärken und zu gutem Ende lenken wolle.

Auf Sie, geehrte -Herren, blickt heute, um seine Fürsten und Führer gcsckiaart, das ganze deutsche Volk. Fassen Sic Ihre Entschlüsse einnilltig und schnell, das ist mein innig i Wunsch.

Zusatz desKaiscrs rurThronredc

Der Kaiser setzte dcr Thronrede folgendes hinzu:

Sic haben gelesen, meine Herren, was ich z» meinem Volke vom Balkon des Schlosses aus gesagt habe: Ich .vir dcrhole: Ich kenne keine Partei mehr, ich keiinc nur Deutsche, lind z»m Zcugku dessen, daß Sic fest entschlossen sind, ohn, Partei,,»tcrschicde, ohne Standes- »nd Konfessionen»'», schiede zusanimenzuhalten, mit mir durch dick «nd dün»> durch Not und Tod, fordere ich die Vorstände der Pnririe» auf, Hern»',»treten und mir dirs in dir Hand zu gelvbcu

Die Vorstände traten alle vor und gaben dem Kai sei die Hand darauf. Jeder war sich der Bedeutung der Stunde bewußt, und die kurze Feier nahm einen würdigen, ernst!» Verlauf

Erste Rcichstags-Sitznng.

Reichskanzler v. Bcthmann Hollmcg:

Er jührt unter dem tiefsten Schweigen der Auwel-»den folgendes aus:

Ein gewaltiges Schicksal bricht über Europa herein. Seit wir une das Deutsche Reich und sein Ansehen in dcr Welz er lämpft haben, haben wir 44 Jahre lang in Frieden gelebt und den Frieden Europas beschirmt. In redlicher Arbeit sind wir stark und mächtig geworden und man hat cs uns geneidet. Mit schn-cigcnder Geduld haben wir cs ertragen, daß uneer dem Borwand, Deutschland fei kriegslüstern, Feindschaft im Ssie» und Weste,, gegen uns g-ilährt und Pläne gegen uns ge- schmiedet worden. Wir wollten i» friedlicher Arbeit weiier- leb,» und wie ein unausgesprochenes Gelöbnis ging cs vom Kaiser bis zum jüngsten Soldaten: Nur zur Verteidigung einer gercchle» Sache wollen wir unser Schwert aus der Scheide ziehe». (Lebhafter Beifall!)

Der Tag, da wir ziehen müsten, ist gekommen, gegen unse­re» Willen, gegen unser redliches Bemühen.

Rußland hat die Vrandsacke! an das Haus gelegt. (Allseitig- stürmische Zustimmung und Zurufe). Wir stehen in einem gezwungenen Kriege mit Rußland und Frankrei-li

Meine Herren! Eine Reihe von Schriftstücken, zusammcn- gcstellt im Drange dcr überstürzenden Ereignistc, ist Ihnen zu- gegangen. Lasten Sic mich die Tatsachen heraushebcn, die un­sere Haltung kennzeichnen. Von, ersten Ausbruch des österrei­chisch scrlilchcn Konfliktes aus arbeiteten wir dahin, daß die­ser Handel ans Oesterreich Ungarn »nd Serbien beschränll blei­ben müste. Alle Kabinette, besonders England, verlraten den gleichen Standpuntk Rur Rußland erklärte, daß cs bei der Äu-Iraanna d:e!--s Streites mitredcn müste. Damit "bebt di«