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yitttt iogeßjtiUog. Di«n»rag, Mn 1. tMguft mit
Teile 3.
* Eichen, 4 . Aug. Der hier wohnhafte und vor einigen Jahren nach Berlin verzogen- Karl Eerbode, der ein b»drn> te^ -es Cigarren- und Ligaretten-engros-EeschSft betreibt, hat in Wannsee Eist genommen und sich ins Wasser gestürzt. Der
Grund der Tat ist unbekannt.
* Eichen, 4. August. Mit einem schlecht klingenden Anale unsere, so schön oerlausene Eewerbeausstellung geendet.
e er Restaurationspächter derselben, ein Herr Kemper aus dem Rheinland, der es während der ganzen Dauer der Ausstellung - schön verstanden hat, durch immer neue Attraktionen da» Publikum in Massen anzuziehen, und die Geschäftsleute der Stadt brach zu legen, hat Samstag Abend seinen Konkurs an geiucldet und das Weite gesucht.
* ©itfitn, 4. August. Nach langem Hoffen und Harren
dmrde endlich am Samstag nachmittag nach 6 llhr am Hauptpostamt die Bekanntmachung der Mobilisation des deutschen Heeres angeschlagen. Wie ein Lausscur verbreitete sich die Nachricht in der Stadt. So sind denn die lange geschüttelten Würfel endlich gesallen und das Vorspiel zu einem Drama ringclcitet ,wie die Welt noch kein zweites gesehen hat. Tie formelle Kriegserklärung glaubte man noch erwarten zu müssen, doch Sonntag vormittag lies schon die Nachricht ein, dßa deutsche Grenzwachen von russischen Soldaten beschaffen und russische Artillerie und Kosaken bereits die Grenze überschritten hätten . Somit ist der Krieg eröffnet und, da auch Frankreich Mobilmachungsordre für fein ganzes Heer rrlas- sen hat, das deutsche Reich genötigt, den Kampf gegen beide Gegner zugleich auszunehmcn. Doch, Gottlob, der Furur teutonikuS ist wieder erwacht und deutscher Heldengeist noch nicht verschwunden. Mehr Freiwillige haben sich hier gemeldet, als vorerst eingestcllt werden können und massenhaft melden sich Frauen und Mädchen zum roten Kreuz. Jeder Deutsche ist sich heute bewußt, daß es um unsere heiligstten Güter geht, daß Sein oder Nichtsein die große Frage ist um die der kommende Kampf sich dreht und daß es Dcutichland Feinde auf seine Vernichtung abgesehen haben. Daruin die Einmütigkeit, die kein Leben und Zagen aufkommen läßt und unsere Soldaten mit frohenr Wagemut erfüllt. Die denkwürdigen Worte Fürst Bismarcks vom 6. Februar 1888: „Wer es trotzdem tvagt, uns oder unsere gutes deutsches Recht anzutasten, der soll auch die deutsche Nation gelvapp- net finden und den letzten Wehrmonn mit dem festen Glauben »n Herzen „Gott mit uns", sie gehen heute, in der Stunde der Gefahr, in Erfüllung Und getrosten Mute? soll auch heute, wie 1870 dem deutschen Volke die Mahnung klingen:
Auf, Deutschland aufl Und Gott mit Dil Ins Feld, der Würfel klirrt.
Wohl schnürts die Brust uns, denken wir
Des Bluts, das fließen wird.
Dennoch das Auge kühn empor,
Tenn siegen wirst du ja,
Groß, herrlich frei wie nie zuvor Hurra Germania I
» Franksurt a. M., 4. Aug. Am Bootshaus „Friede /kürzte sich am Sonntag Abend der 50jährige Taglöhner Gustav Lausei in den Main nud ertrank, ehe ihm Silke gebraibt p,er<, den konnte. — V — - — —*
An unsere Leser!
In den nächsten Tagen wird unsere Zeitung nicht immer regelmäßig den Beziehern zugestellt werden können. Wohl sind wir zur gewohnten Stunde fertig, aber die Eisenbahn steht in dieser Woche nur in Diensten des Vaterlandes. Die Züge, die dem Personenverkehr dienen, werden auf das Mindestmaß zurückgeführt und unsere Boten werden nicht pünktlich die Zeitung abliefern können. Wir werden alles tun, um die Zustellung so frühzeitig. wie nur möglich, zu bewerkstelligen. Aber wir bitten um Rücksicht, wenn eine Verzögerung eintritt. Auch wenn die Postbe- stellungen nicht regelmäßig eintreffen, spare man mit Vorwürfen, denn auch die Beamten der Post haben eben wahrlich einen schweren Dienst und man möge alles tun, ihn zu erleichtern.
Da auch ein Teil unseres Personals seine Pflicht dem Vaterland erfüllt, und da außerdem in den nächsten Tagen Depeschen und Nachrichten kaum zugängig sind, so wolle man auch in den Kauf nehmen, wenn hier und da der Inhalt unserer Zeitung etwas geringer werden sollte.
Drr pldjtnniejtort.
Nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion erfolgt vom dritten Mobilmachungsplan, also von Dienstag den 4. August ab, die Beförderung der Milch und der Rücktransport von leeren Kannen ausschließlich durch die Militärlokalzllge und zwar nach folgendem Fahrplan: Für die Beförderung der vollen Kannen ------- .----- Dm. 5.00 Ankunft 1.38 Abds.
Bebra-Frankfurt (Hbf.)
Eießen-Fränksurt (Hbf.)
Bad-Homburg Frankfurt lHbs) Niedernhausen Franksurt lHbs.) Eoldstein-Frankfurt (Hbs.)
Hanau-OsI-Frankfurt-Ost Frtedberg-lHessen j-Hanau-Ost Niederwalgern-Eießen Büdingen-Gießen
Vm. 11.00 ., 6.54
Abds. 6.54 'Jim. 5.00 Vm. 3.56 Vm, 8J4 Abds. 8.34 Vm. 3.18 Abds. 8.48 Abds. 5.44 Nachm. 3.40
Für die Rückbeförderung der leeren Kannen
7.38
10.22 Bin.
10.22 Abds. 6.02 Abds. 5.34 Vm.
8.50 Vm.
8.50 'Abds. 4.05 Vm.
10.10 Abds. 6.36 Abds. 7.13 Abds.
Frankfurt (Hbf.)-Bebra
Aankfurt-(Hbf.)-Ele߫n
Frankfurt (Hbf.)-Vad-Homburg Frankfurt (Hbf.).Niedemhausen
Franhurt lHbs.i-Eoldstein Frankiurl-Oil Hanau-Oft
Abds. 8.32 Ankunft 5.24 Vm.
Jim. L32 Nm. 1.14
Abds. 6.14 Nm. 3.54 Vm. 5.48 Nm. 5.48 Vm. 7.46 Vm. 11.40
112-4 Abds. 4Lg Nm. 9.29 Abds. 5.09 Nm.
7.34 Dm.
7.34 Abds. 8.02 Vm.
12.35 Nm.
Erna und Ilse.
Roman von D. Feußner.
19 (Fortsetzung).
Und das ist hoffnungsvolle Liebe nicht der Faktor, der in dieser Beziehung eine große Rolle spielt. Dem ol-ersläch- lichcn Gemüt, den, kleinen Geist fällt das Entsagen Wohl nicht — doch das Vergcss--n vielleichter, als dem großen tief und wahr Empjindendcn.
Das große, reiche Herz gibt, was cs besitzt, nur einmal, und wird es zurückgewiescn, so verschließt es seinen eigenen Reichtum in sich selbst, um denselben nie wieder einem an- deren Wesen anzubieten, denn nichts deucht ihm gu! genug und nichts an Größe und Schönheit heranreichend an sein verlorenes Ideal. Es sieht nicht ein, daß Natur oder sagen wir besser, ein gut Geschick es so gewollt, denn nicht immer hängt von der Liebe und der Bewahrheitung der schönsten Träume eines großen Herzens, dessen Glück ab. — Wie oft lverden lvir gerade durch die (Erfüllung unserer 88ün^che enttäuscht, unglücklich, und wie ots wird uns, durch eine unvermeidliche Enttäuschung das Glück bereitet.
Alles dieses ging vor dem erregten Geiste Roderichs vorüber und er wollte tun, was ihm die Vernunft zu gebic- ieii schien und von der Zuvnft hoffen, was ihm die Gegenwart versagte, d. li. er wollte nicht starrköpfig aus seine Wünsche in dieser Angelegenheit bestehen, sondern mit offc- ncu Augen sein Lcbensschifflcin der Zukunft entgegentreiben lasse».
Er sah nach der llhr.
,Sck>on jo spät?" muuuelten seine Lippen. Ich muß an den Heimweg denken, sonst kann ich meinem Versprechen, die Pferde des Herrn Ruth zu untersuchen, nicht Nachkommen."
Hastig sprang er auf und ging quer durch den Wald dem
Hauptweg zu.
Bald sah er das. wie Silber schimmernde Niveau des Flusses durch die Bäume blitzen. Ein kleiner Dampfer ficht auf dcinfclbcn stromabwärts.
Als er aus dem Walde trat, bemerkte er ein Gefährt, das in kurzem Trabe auf ihn zukam.
Soviel er wegen der immerhin noch beträchtlichen Entfernung erkennen konnte, befanden sich auf dem Wagen mit dem Kutscher drei Personen, darunter ein« Danie-
Eben begegneten sich die beiden Fahrzeuge und Rodcrich sah, daß der Herr in dem Wogen stand, um den Kutscher zu helfen, die unruhig gewordenen Pferde znbondioen
Da, in diesem Moment ertönte die Dampfpseife des Schiffes. Dieses war für die muttgen Pferde des Urcheim- lichen doch zuviel. Denn wie ein Unwetter rasten sie davon, gerade auf Roderich zu.
Alles Halten war umsonst, ja, jemehr sic die Zügelsaust fühlten, desto wilder stürinten sie vorwärts.
„Ol Ol" rief Roderich jetzt, denn er sah, den Wagen einen Moment auf einer Seite schweben und glaubte nicht anders, als daß er umfallen würde, und seine Insassen in den Fluß schütten werde. Und wirNich ward der Herr, welcher im Wagen stand, hcrausgefchleudert und blieb dicht am Ufer regungslos liegen.
Aber der Wagen fand sein Gleichgewicht wieder, und weiter ging die tolle Fahrt, immer noch den Damniwcg innc- haltend.
Roderich vergaß mit einem Schlage alles, tvas ihn bis dahin beschäftigte und schnell erfaßte er die Initiative. Hier mußte er cingrcifcn, zum zweitennial sein Leben wagen, uni das andere zu retten.
Er stellte sich an die Flußseite des Weges, um die Tiere nicht zu veranlaßen, vor ihm rechts um und in den Fluß zu rennen. — Daß ein Fehlgrift seinerseits den Tod bedeuten könnte, daran dachte er in diesem Augenblicke nicht, überlegte auch nicht erst, ob sein Versuch Tollkühnheit oder edler Mannesmut sei.
Hetzt waren die Pferde schon dicht vor ihm. Dir nervigen Arme zum lebenrrUrnden oder totbringenden Griff« bereit, erwartete sie der zunge mutige Mann u. erfaßte dann als sie an ihm vorbei wollten, mit glücklichem Griff den Zügel des Handpferde?.
Hotz erhob das Tier den Kopf, um den Mann von sich abzuichütteln: aber Roderichs Eiscnfaust hielt fest und ließ auch nicht loS, als er mit ftirchtborer Gewalt eine Strecke niit- gefchleift wurde. —
Nach und nach sahen die Pferde doch cin, daß sie ihren Meister gefunden hatten, denn allmählich wurde ihre Gang- ort kürzer, bis sie endlich still standen an der Stelle, wo der Weg in den Wald einbiegt.
Roderich beruhigte die noch immer aufgeregten Tiere, indem er einem nach dem anderen den Hals klopfte, dann übergab er sie dem kreideweißen Kutscher und wandie sich mit der Frage an die junge Dame: „Ist Ihnen etwa» passiert,"
„Mir Gott sei Dank niM", sagte diese mit bebender Stimme — „aber mein Vater — «, mein Vater, er ist aus dem Wage« gefallen und — wer weiß — vielleicht cü " r — ich kann eS nickt onSdenken "
Hanau-Ost-Friedbeig Nm. 12.46 ,. 2.12 Nm.
Eießen-Rtedernwalgem Nm. 4.41 „ 5.28 Nm.
Eießen-Büdingen Nm. 12.35 „ 3.26 Nm.
Der neue Fahrplan der Eisenbahn.
Ab 4. August verkehren bis auf weiteres nach und vom Hanptbahnhofe Frankfurt nur folgende Züge (Personenzüge mft 2 .- 4 . Klasse):
Franksurt—«ebra : ab 12.32 nachts. 2.32, 8.32, 12.32 2.32. 8.32.
Bebra—Franksurt: ab 2.00 nachts, 5 00. 1100, 2.00, 5.00, 11.00.
Franksurt—Marburg: ab 1.14 nachts, 6.14, 1.14, 6.14 Marburg-Frankfurt: ab 12.16 nachts, 5.16, 12.18, 5.16 Franksurt—Homburg—Usingen: ab 8.54 vorm., 3.54, 8.54.
Usingen-Homburg—Franksurt: ab 2.40 nachts. 12.00, 5-20.
Franksurt—Limburg : ab 5.48 früh, 5.48 nachm. Limburg—Frankfurt: ab 5.34 früh, 5.34 nachm. Frankfurt—Kastei : ab 6.36, 10.36, 6.36, 10.36. Kastel—Frankfurt : ab 5.50, 11.50, 5.50, 11.50. Franksurt—Cronberg : ab 8.54 ftiih, 8.54 nachm. Eronberg —Frankfurt: ab 4.59 früh, 6.19 nachm. Frankfurt—Heidelberg : ab 3.4, 7.4, (Darmsladti 8.24, 11.4, 3.4, 11.4 Heidelberg—Frankfurt : ab 1.10 nachts, 5.10, 7.40.
1.10, 8.28, (ab Darmstadt) 7.40.
Frankfurt—Niederlahnstcin : ab 6.36, 10.56, 6.36 10.56. Niederlahnstein—Franksurt: ab 5.51, 11.51, 5.51, 11.51. Die Züge halten aus allen Zwischenstationcn an
« Frankfurter Wetterbericht.
voraursag«: Bewölkt, zeitweise Regensauer, war: -. Wirde aus westlichen Richtungen.
Gedenktage.
4. August. 1870 Schlacht bei Weißcnbnrg. — )v,"7 li' marsckiall v. Steinmetz t. — 1895 Jubelfeier z. 2nu» brücken. — 1903 Pius X. zum Papst erwählt. — 1998 Zeppelins große Fahrt.
Kirchliche Anzeigen.
Katholische Gcmcinrc.
Aus Anlaß der Kriegsbedrängnis werden bis auf weite- res an allen Mittwochen und Freitagen Abends 8>/j llhr in der Katholischen Pfarrkircl^ Buß- und Bittandachten vor ausgesctztem Allcrheiligsten stattsindcn. N ä ch sl c Woche sollen diese Andachten an drei aufeinanderfolgenden Togen Mittwoch, Donnerstag und Freitag sein, woran sich dann am Feste Mariä Himmelfahrt. Samstag, den 15. oder den darauffolgenden Sonntag eine allgemeine Kommunion an- schließen soll.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otto H irs cbe I. Friedberg: für den lokalen und unlerhaliendcn Teil- Bernhard Lenz, Fricdberg; für den Anzcigenlcil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Reuen Tage?. ^^^^^^eitungH^^G^riedberg^^^^^
„Wir wollen umdrehcn und zurückfahrcn, diellciwl ist noch alles gut abgelaufen."
Roderich tvar beim Absteigen behilflich »nd ließ daraus den Kutscher umdrehcn, um nach der Unglücksstätte zu fahren.
Schon sahen sic den Verunglückten liegen »nd Hoffnung belebte das Herz der Tochter, denn derselbe machte eben, den Versuch auszustchen, sank aber sofort wieder zusamuic::.
Roderich lief zuletzt schneller voran und war in wenigen Minuten bei dem daliegenden Mann.
»Ist Ihnen etwas passiert?" fragte er mitleidsvoll.
„Ich habe wahrscheinlich das rechte Bein gebrochen" stöhnte er.
„Vater, Vater, ist Dir etwas passiert? Kannst Du nicht aufstehen?" rief Ilse — denn so hieß die Danie — schon von weitem.
„Ich glaube ja, aber hosfentlich ist es nicht so schlimm, nur im rechten Bein habe ich Schmerzen."
„Können Sie wohl auf Ihren! Wagen nach Hause fahren, oder soll ich einen Krankenwagen holen?" fragte Roderich. _
„Wenn Sie so liebenswürdig sein wollen, mir auf meinen Wagen zu belfen, hoffe ich die Fahrt nach Hause aushel ten zu können."
„Gewiß, gewiß!"
Die beiden Männer erfaßten jetzt den Verwundeten uni hoben ihn behutsam auf den Wagen, dann stiegen Ilse »nt Roderich ebenfalls ein — der letztere wollte das 'Mädchen mit ihrem Vater nicht allein lassen, weil er befürchtete, derselbe könne unterwegs ohnmächtig werden — und das Geführt fuhr langsam der Stadt zu. - ! ;- ; iV
„Darf ich fragen, wer mein liebenswürdiger Helfer ist?" fragte der Kranke.
„Roßarzt Tietze!" war die Antwort
„Ei, nun, wie sich das trifft. Ich hatte Sic durch einen meiner Knechte gebeten, noch heute bei mir vor zu sprechen, da ich verschiedene Pferde nicht recht intakt habe, und nun erstreckt sich Ihre Hilfeleistung zuerst auf mich selbst."
„Also Herr Rittergutsbesitzer Ruth", eutgegncte er. „Wiewohl es mich freut, Sic kennen zu lernen, bedauere ich doch tief, daß es unter diesen Umständen geschickt."
Der Kranke schwieg, kenn man sah. daß ihm das Sprechen schwer siel, und Roderich fand Zeit, die beiden Insassen des Wagens unauffällig zu mustern.
(Fortsetzung folgt.)


