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Unmmer 179

Uonrag. den 3. Augnir 1914.

vie ..Ken- Tapr-z-ituno" fi!d;cint leien Weellag. Regelmäßige Beilagen ..Ser Sauer au» Kessen", be, den Agenten monailich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trigerlohn. Anieigeu i Grund,eile 20 Big Erfüllungsort Friedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerstratze 12.

»?>e ZpinnAude". Peingoprri» : Bei den Postanstattcn v,ertcl,ahel,ch Akt. I.ilö .. lokale 15 Psg, An,eigen von auswärts werden durch Pslnrchna,:»: rrfodc» Fernlprecher 48. Postschcck-Lonto Nr. 4819, »Imt Franlsurt «I.

Das Volk steht ans, der Sturm bricht tos!

Der Krieg mit Rußland ist eröffnet. Gin rufsifcher Kriegshafen von einem deutschen Kreuzer Ln Brand geschossen. Kämpfe all der oftprcußischen Grenze. Bruch des Bölterrechts örrrch

F-rantreich.

brr Krieg hat begonnen.

Ter Kaiser hat dem Beispiel Oesterreichs folgend, auch ben Landsturm aiisgcbotcn. Auch diese Maß,iah,ne deutet aus den Ernst der Stunde, man ist gesonnen, die Hand, die zum Schlage aufgehoben ist, mit allen Waffen zu stärken. Wir slchcn zu Gott, daß sic schwer nicdcrfallcu möge aus die Brecher des Friedens und daß dem Heuchler aus dem Zaicn- throne, der den Tolch zuckt, während er gleisnerische Fric- densworlc austauschte. Ihn, wird sein Lohn werden. Gr ist der Blutgcsellcn würdig, die vor ihm aus dem Thron der Romanows saßen. Jin Blute watend, sind sie säst alle einem blutigen Tode zum Lpscr gefallen.

Große Unruhe herrscht über das Schicksal des deutschen Gesandten in St. Petersburg. Seit nahezu 48 Stu.ndcn fehlen alle Nachrichten von ihm. Sck,on steigt die Besürchtung ruf, der sich auch unsere Regierung nicht verschließt, daß die Barbaren au der Newa ein heiliges Recht, das selbst die wildesten Völker achten, zerstört und ihm ein Leid zugesügt haben. Sollte sich eine solche ruchlsoc Tat bewahrheite», so wird sie ein doppelter Ansporn für unser wackeres Heer sein, die Mordgesellen einer fürchterlichen Züchtigung zu überliefern, dann wird sich jede Faser in uns recken zu Grimm und Verderben.

Tausend Mark dem Eroberer der ersten feindlichen Fahne! Dieser zugcsagte» Aussicht auf Belohnung wird es Wohl knuin bedürfen, denn mit einer Begeisterung, die n u r ooa auf eine gerechte Sache ver­

leihen kann, eilt unser Volk zu veu Wosfv» und zu den Grenzen. Bereits befinden wir uns mitten imKrieg. Tar- torische Sitten halten eine Kriegserklärung für überflüssig. Allenthalben haben die Russen die Grenzen verletzt und leU'ft Frankreich hat sich seines Verbündeten würdig crtviesen und ohne Kriegserklärungen die Grenzen und das Völkerrecht verletzt.

Gestern wurde die Nachricht verbreitet, daß Japan Ruß­land den Krieg erklärt habe. Es klang unwahrscheinlich. daß Japan den Reigen eröffnen sollte und die Botschaft hat sich auch nicht bestätigt. Wohl aber beschäftigt sich die japanische Regierung eingehend mit den Zuständen in Europa und es steht zu hoffen, daß sie ihrem alten russischen Fe,vde Ver­legenheiten bereiten wird. Die deutsche Regierung versichert, daß Italien nicht zögern werde, seine Bündnispsricht zu er­füllen. Es wäre aber endlich an der Zeit, daß es auch den Degen zieht, denn mit Versicherungen der Freundschaft wer- den keine Kriege gewonnen.

So ist denn der Weltkrieg entbrannt . Wehe seinen llrbebern!

Mein einiges Deutschland, mein Freies heran!

Sic wollen, sie sollen es haben!

Auf sammle und rüste mich stark wie ein Rann Und bringe die blutigen Gaben!

Ginc amtliche Darstellung.

Berti», 2. Aug. Nachdem die Kunde von der allgcmei- nc» russischen Mobilmachung hierher gelangt war, wurde der deutsche Botschastcr in Petersburg beauftragt, die russische Re­gierung aujzusorderu, die Mobilmachung gegen uns und un­ser» österreichischen Bundesgenossen cinzusicllcn und hierüber eine bündige Erklärung binnen 12 Stunden abzugeben.

Dieser Auftrag ist nach der Meldung des Grafen Puita-

!er », der R a ch t o ° m 31. I u l i z u m 1. A u g u st u m M i t- i e r n a ck, t ausgeführt worden. Falls die Antwort der russe- schen Negierung eine ungenügende sein sollte, war der deutsche Votichastcr seiner beauftragt der russischen Regierung zu cr- flcirti!, daß mit uns a l s I»it Rußland im Kriegs­zustand befindlich betrachteten.

Die Meldung des Botschastcrs über die Antwort der russi- !che» Regierung aus unsere befristete Ausragc ist hier nicht cin- gelaufc». ebensowenig eine Nachricht über die Aussllhrung des --rr.teii Auftrages, obwohl wir lonstatiert haben, baß der rus- Telegraphcnvertchr noch funktioniert.

Dagegen sind in dieser Nacht bis 4 Uhr in der Früh beim Großen Ger,cralstab folgend- Meldungen ei,'.gegangen:

1. Heute Rächt fand ein Ängrifs rnssiichcr Pa­trouillen gegen die Eisenbahnbrülle über die Warthe bei Eichrv.ricd cn der Strecke Jarotschin L-rcschen stell. Der An griss wurde abgcwicscn. Dcuischerseits sind zwei Mann leicht verwundet worden. Die Verluste der Russen sind nicht sestgc- stellt. Eine von den Russen gegen den Vahnhoj Milo-lau cingeleitetc Unternehmung ist verhindert worden.

2. Eine st ä r k c r e russische Kolonne hat mit © c

Ichu Ken die Grenze bei Schwidden südöstlich von Biolla

überschritten; zwei Schwadranen Kosaken reiten in der Richtung aus Iohannisburg. Die Fernsprechverbindung zwi­schen 1'yck und Bialla ist unterbrochen.

Hiernach hat Rußland deutsches Reichsgebiet angegriffen

Der Krieg mit Nnszland ist

eröffnet.

Amtliche Telegramme.

Der russische Kriegshafen Libau in Brand geschossen.

Berlin, 2. August. Der kleine KreuzerAugsburg" meldet durch Funlspruch: Bombardiere den Kricgshascu von Libau und habe Gcsecht mit einem feindlichen Kreuzer. Ich höbe Minen gelegt. Der Kriegs haseu von Libau brennt.

Ein deutsches Postamt zerstört.

Königsberg, 2. August. In E h d t k « h n e » ist eine riissischc Patrouille eingeritten. Das Postamt in B i l d e r w c i t s ch c n ist »ach einer sicheren Meldung zer­stört worden. Der Feind hat die Ercuze an vielen Stellen überschritten, wie zweifelsfrei sestgestellt worden ist.

Kämpfe bei Iohannisburg.

Allrnstein, k Uhr nachmittags. Bisher haben ,,n allgemeinen an der Grenze niir kleinere Kavallcricgefeetztc stattgrsunden. Iohannisburg. das von einer Eskadron des Dragoner-Regiments Nr- 11 (Garnison Lhck) besetzt ist, wird nugeublicklich angegrissen. Die Bahn IohannisburgLhck ist bei Gutten unterbrochen, ebenso die Strecke nach Dlvlto- wen. Verluste betragen bisher aus russischer Seite etwa 20 Manu, auf deutscher Scitc nur mehrere leicht Verwundete.

Luxemburg v^n deutschen Truppen besetzt.

Berlin, 2. August. Luxemburg ist zum Schuhe der dort befindliche» deutsche» Eisenbahnen vo» deutsche» Truppen be­seht worden.

Bruch des Völkerrechts durch

Frankreich.

Berlin, 2. Aug. Soeben läuft die militärische Mittei­lung ein, doch heute vormittag französische Flieger der Nähe von Nürnberg Bomben geworfen haben. Da eine Kriegserklärung zwischen Frankreich und Deutschland bis­her nicht erfolgt ist, liegt ein Bruch des Völkerrechts vor.

Mlkiiingtiier Ikriad) {ur S-reiiMg ins

(i'odjfiiifv tUNMlS.

Berlin, 2. Aug. In der Nacht vom l. zum 2. August wurde ein scindliches Lustschiss auf der Fahrt von Kcrprich in Loihringe» nach Andernach beobachtet.

I» der gleichen Nacht machten ein Eochcmer Gastwirt und fein Sohn den Versuch, den Eochcmer Tunnel zu sprengen, dies mißlang jedoch. Beide wurden erschossen.

Feindliche Flugzeuge wurden auf der Fahrt von Düren nach ft ? 1» beobachtet.

Ein französisches Flugzeug wurde bei Wesel herunter- geschossen.

Min ftsttnöliiche Miere verlud,tn die 'onitirfjf (IjrcHjf )u iibfrldjifiit«.

Koblenz, 2. Aug. Heute Vormittag versuchten 80 Iran- Ms,he Lssiziere in preußischer Uniform in Kraftwagen dic prcußischc Grenze bei Walbcck, westlich von Geldern, z» über­schreiten. Der Versuch mißlang.

Keine Bachricht vom deutschen Botschafter in Nußland.

Amtlich wird bestätigt, daß vom deutschen Lotschustcr bis spät nachts »och leine Meldung über sein Schicksal voigelegcn hat.

(E- steht zu bcsürchtc», daß die russtssh:» Moldbuben den

schwersten Bruch des Völkerrechts begangen haben und sich an einem Gesandten oergriffen haben).

Frankreichs Antwort.

, Köln, 2. August. TieKölnische Zeitung" m.'ldct in? Berlin: Tic Antwort Frankreichs auf die Anfrage Deutich- lauds liegt nunmehr vor. Sie ist ausweichend ltud deulig gehalten.

Keine Keicsiserikliirung Japans.

Die gestern Abend als bestimmt verbreitete Nachickü. daß Japan an Rußland den Krieg erklärt habe, bestätigt sich nicht. Dagegen befindet sich Japan in eifriger Tätigkeit. Uokoham, der japanischen Hauptstadt, hot ein mehikiüudigcr Ministerrat stattgcfunden, der sich mit der enrepäi,:'» läge beschäftigt

Armeebefehl des

Königs von Bayern.

Ter König hat au das Heer nachstehendes Monisisst ge­richtet:

An Mci» Herr! Alle Vcrsitchc, drn Fricccn in Ehre» zu wahren, hoben iiiisrrc Nachbar,, zu Schund:» gr,n utzt. Tic Ehre drs Rcichcs und das Schicksal des Vaterlandes ftrhen auf dcni Spiel und zwinge» uns das Schwert in die Hand. Unter dem Oberbefehl »nscres erhabenen »nd griirb- tcn BundcSfcldhrrr», des Deutsche» Kaisers. >v,ro die auch schon in manch ichwerrn Tagen erprobte bayerische Armre ihren Mann stelle», ihrer in ernster Friedciisardcit gestähtten Kraft bewußt, rin würdiges Glied »nscres gros.ei, deutsch:.! Heeres, würdig der Opfer ihrer Väter. Mit diesem Wun-h: begleite ich meine brave Armee ins Feld. Vertrauend a i de» allmächtigen Gott, dcr unsere gerechte Sache schirm::: wird, crslchc ich seine» Segen für Bayerns und des deutsch, » Heeres Fahnen!

Dcpcschcrrwcchscl.

König Ludwig richtete an den Kaiser nachstrh.nd es Telegramm:

Das bayerische Heer ist heute, mit dein Beginn d:r Mobilisierung, »»ter Deine» Befehl als Bnndcsfcldhcrz re trete». Schon in Friedenszciten in dcm Geiste erzog',', der die deutsche» Truppen vor 44 Jahren z»m Sieg- lüh-tr. wird das bayerische Heer sich drs Vertrauens würdig er, ei sc», das ganz Deutschland in feine KriegelüchtigkritC. *. ist das Deutsche Reich vor einer ernsteren Entsetze:! nng ee. fianben, als in dieser Stunde, in der seine Fürsirn and ter wie ein Man» aufsteheii, um seine Ehre, Stell!»:,' ,:>ü Zukunft gegen mächtige Feinde zu verteidigen. Nie >: .r wird sich die ll»e r s ch ü t t c r l i ch e T r c ll c. in der l ie Dcntschrn zusamenstehen, überwältigender cifci:' j teit, r.l< in dem Kampfe ,dcr »ns anfgezwungen wird. Tro V:r trauen aus Gott und seine Gerechtigkeit »rird unser Heer stärken. In dem Bewußtsein ihrer Geschlossenheit, irrer ,, er ncn Manneszucht und ihres crnsieu Mutcs tscrd.a sie. es zum Kriege kommen sollte, de» Kamps für Ew. Ma;:.ti.t und das gemeinsame Vaterland, für dc» Rvhui und d,e Würde des dcntschcii Namens mit Ehren stehen. In . Ill Erwartung hei sie ich Bayerns Söhne, sich um 'hrr Fel. ne» schearrn, und bitte Gott, er möge, wenn dcr -lamp? e::t brennt, den dcntschc» Wnssen de» Sieg verleihen.

Der Groszherzog von Baden.

Karlsruhe, 2. August. Tie heutigeKarlsruher ?>> tuiig" veröffentlichte folgende Prollamlion des G.aßl"! von Baden unter dcm Tatuin des- 2. August 1011:

Au mein teures bndischcS Volk! Unser Kasier r:»t dc» Waffen. In dem schweren Kamps, de» Tciitschlr.ud ;n führe» sich nnschickt, handelt cs sich »in die Ehre und die Exi­stenz »iiscreS Vaterlandes, »m unsere höchsten und heiligsten Güter. Ich weiß, daß mein teures Volk mit i nbediagtcr Hingebung und Trc» die schweren Pflichte» erfüll,» wird, die an »ns hcrantretcn werden, vor allein unser: Söhne und -rüder, die :,» Feld ziehen, und von denen ich sich': ! » sind erwarte, das, sic, cingcdcnl des Wasfrnrnhmcs ibrrr Vl« r. tapfer und ,'clbstlcs ihr Leben einschc» wird:,, iur tes Ve.t'.rirud- Aber auch die übrigen Krieger des Voiles r. e de», des bi» ich gewiß, in rrnstcr Iteberzengnng d,r bringen bereit sein, die gefordert werdrn müssen. Gott ,'chübr und kthallc Deutschland!"