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Nummer 178

Kamslag, den 1. August 1914.

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Den Agenten mon-Utch so PK. Hinzu Kitt Zollgebühr oder Tragerlohn. An, eigen: Gnindzrile 20 Pfg lokale 15 Psg, An,eigen oo auswärls w-rd-n durch P.'tnrchnahm.- erhöbe» Ersuttungsort orredberg. SthriMcitung und vertag Fnedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Ferniprecher 48. Pvstichkck-Conto Re. «s;», Amt Franlsurt o. L>I.

An die Bevölkerung des Bezirks des XVIII. Armeekorps.

Seine Majestät der Kaiser hat das Reichsgebiet in Kriegszustand erklärt. Für diese Maßregel sind lediglich Gründe der raschen und gleichmäßigen Durchführung der erforderlichen militärischen Vorkehrungen maßgebend und nicht etwa die Besorgnis, daß die Bevölker­ung die vaterländische Haltung werde vermissen lassen. Die Schnelligkeit und Sicherheit unseres Aufmarsches erfordert einheitliche und zielbewußte Leitung der gesamten vollziehenden Gewalt. Wenn durch die Erklärung des Kriegszustandes die Gesetze verschärft werden, jo wird dadurch niemand, der das Gesetz beachtet und den Anordnungen der Behörden Folge leistet, in seinem Tun und Wirken beschränkt. Ich vertraue, daß die gesamte Bevölkerung alle Militär- und Zivilbehörden freudig und rückhaltslos unterstützen und uns damit die Er. fülmng unserer hohen vaterländischen Pflichten erleichtern wird. Dann wird auch der alte Waffenruhm des Heeres aufrecht erhalten und es vor den Augen unseres Kaisers und den Blicken der Ration in Ehren bestehen.

Frankfurt a. M., den 31. Juli 1914.

Der Kommandierende General

__ von 3 ch e n cf.

Rußland will den Krie

<*in deutsches Ultimatum an Rußland. Gesamte Mobilmachung Rußlands. Kriegszustand.

Gine Ansprache des Kaisers.

So gehen denn die Ereignisse ihren Gang, zur Stunde, wenn diese Blätter in die Hände der Leser komme», wird die Entscheidung gefallen sein und sic lautet »nzwe.s.l- hast auf Krieg. Damit wird der Weltkrieg, an dessen Ab- Wendung man sich so lang bemüht hat, entbrennen und ganz Europa in ein großes Kriegslage! verwandelt fein.

Wir und unsere Verbündeten können mit der Zuversicht die das gute Gewissen gibt, bis zum letzten Augenblicke die volle Pflicht, um Erhaltung des Friedens erfüllt zu haben.

in den Kampf ziehen.

Unsere Feinde wollen keinen Frieden. Das Barbarentum, das in dcni Panslavismus und seiner Vormacht, Rußland, verkörpert ist, haßt Deutschland, seine Machtstellung, seine Erfolge und seinen Fortschritt. Deshalb hat man ihm Ver- ni-btung geschworen. Nachdem Dolch und Pistole >n Aktion getreten sind, schreckt das Zarenreich, das sich in der Rolle eines Beschützers des Meuchelmordes gefällt, nicht vor dem riederträchtigstcn Vcrtraue»sbr»che zurück. Während sich der Zar in verbindlichster Form an den deutschen Kaiser wendet ind ihn bittet, sich um die Erhaltung des Friedens zu de- uiihen, zur selben Stunde setzt cs mit seinen Rüstungen ?»'. Man wollte absichtlich den Nachbar in Sicherheit wiegen, um. dann über den llnvorbercitctcn herfallen zu können.

Und diese Pcrfidie wird unterstützt von dem Staate,

der suü rühmt an der Spitze der Nationen zu marschieren, von Frankreich: wird indirekt gefördert von England, das als Hort der Freiheit gepriesen wird. Frankreich und England als Vorkämpfer des Kosakcnttims in Europa. So weit hat es verblendeter Haß und fcelfüchtigcr Neid gebracht.

Deutschland hat die Sprache gefunden, die auf dar Frevelmut gebührt. Ein Zurück gibt cs nicht mehr. We n, unsere Feinde den Krieg wollen, so mögen sic ihn haben und sie sollen ihn zu fühlen b c ko m m e n.

Das ganze Deutschland steht wieder einig hinter seinem

Kaiser und jubelt seine» Worten zu:

Wir werden dem Gegner zeigen, was es

heißt, Deutschland an,»greisen!

Nur ein Gedanke beherrscht Bürger und Bauer und Ar­beiter. Schulter an Schulter z u s n m m e n st e h e » gegen den niederträchtigen Feind! Gegen die Mordbuben an der Newa und ihre Helfershelfer, wo frc auch immer zu finde» fein folltcnl

Fürst und Volk ,'tcht zusnmemu. Die deutsch, Fugc.iS brennt vor Begeisterung, wider den Frirdcusbrecher geführt zu werden.

Wir gchcn ernsten und schweren Zeiten entgegen, aber hossentlich auch einer großen Zeit, in der bewiesen wird, biß Mut und Treue und Opfermut in deutschen Landen noch nicht erstorben sind.

Möge Gott, der unsere Sache 1870 so herrlich zum Siege geführt hat, unsere Waffen segnen. In diesem Vertrauen wollen wir antrcten:

An's Vaterland aws trii'rc schließ Dich an!'

Das halte fest von ganzem Herze»!

Ultimatum an Rußland.

12 Stunden Frist.

Berlin, 31. Juli. DieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung" schreibt:

Nachdem die auf eigenen Wunsch des Zaren selbst unternommene Vcrmittclnngsarbcit von der russischen Regie- rnng durch allgemeine Mobilmachung der russischen Armee und Marine gestört worden ist, hat die Regierung Sr. Maje- stät des Kaisers heute in St. Petersburg wissen lassen, daß

die deutsche Mobilmachung in Aussicht

steht, falls Rußland nicht binnen 12 Sinn-

den seine Kricgsvorbcrcitungcn einstcllt und hierüber eine bestimmte Erklärung abgibt.

Gleichzeitig ist an die

französische Regierung eine Anfrage

über ihre Haltung im Falle eines deutsch-

russischen Krieges gerichtet worden.

Allgemeine Mobilmachung

in Rußland.

Allgemeine Mobilmachung in Rußland.

Berlin, 31. Zuli. Aus Petersburg ist die Nachricht des deutsche» Boischaicrs cingetrosse», daß die allgemeine Mobil­machung der Armee und Flotte besohlen worden ist. Daraus' hat Scnic Majestät der Deutsche Kaiser den Zustand der drohenden Kricgsgciahr besohlen. Seme Majestät wird heute nach Berlin Lbcrsiedelu.

Kriegszustand in Deutschland.

Der Reichsonzcigcr" vcrösscntlicht in seiner gestrigen Aus­gabe die Beiordnung betrcsscnd Erklärung des Kriegszustandes Cie lautete:

Wie Wilhelm von Gottes Gnaden, Deutscher Kaiser und König von Preußen usw. verordnen aus Grund des Ar- tilcl» 68 der Berfassung des Deutschen Reiches iu, Name» des Reiches was folgt:

Das Reichsgebiet ausschließlich der Königlich bag-ri­schen Ecbielslctle wird hierdurch i» Kriegszustand erklärt. D-c,e Verordnung tritt am Tage ihrer Bcrliindiguug in Krajt."

Urkundlich unter Höchsteigenhändiger Unterschrift und bi gedrulltem königlichen Znsiegcl.

Gegeben R-ues Palais, 31. Juli 1611.

Wilhelm I. II.

0 . Bethmann Hollrcg.

Bayern folgt nach.

König Ludwig von Bayern hat die aus den Kriegszustand bczügltchc Enlschließung für das bayerische Bun­desgebiet erlassen.

Der Kaiser in Berlin.

Gegen 2 Uhr nachmittags verbreitet sich mit rasenbek Schnelligkeit unter dem Piiblikun, die Nachricht, daß Ruß- land weiter mobilisiere, und in Tetitschlnnd infolgedessen der Kriegszustand ycrgcstellt werde, sowie daß infolge dieser Ilnistäiidc der Kaiser iin Laufe dcS Nachniittags seine Resi­denz nach Berlin verlegen werde. Auf diese Mitteilung I..u ströiiitc das Publikum nach den Linden ii»d prouicnicrte dort in erwartungsvoller Unruhe auf und ab.

Ta, nm %3 Uhr nachniittags, ertönte voni Brandenbur­ger Tore her das kaiserliche Hupensignal, und nun nähten keine Absperrunzsinaßregeln nichr etwas. Mit blauseiiden Jubclrufcn stürzten sich die Massen den Antoniobilen ent gegen, die sich nur langsam durch eine schmale G»sst- ihren Weg bahnen konnten. Iin ersten Wagen sah das Kaiscrp.iar. die Kaiserin die Grüße lächelnd erwidernd, der Kaiser erns und still salutierend. In, zweiten Wagen folgte das Kon- prinzcnpaar mit dein Prinzen Wilhelm, während im dritte» Automobil die übrigen Söhne des Kaisers saßen. Das Hoch und Hurrarufen wollte auch nach den. Passiere» der k.-iier- lichen Wagen kein Ende nehmen, und man sah es an den Mienen der Berliner, daß sie froh waren, ihren Herrscher i» so ernster Stunde in ihren Mauern zu wissen.

Während des Einzuges kreuzte ein Parseval-Bnlloi, in großer Höhe die Linden, hin »nd wieder in den weißen Wal­ken verschwindend, und gab io dem scicrlichen Augenblick ein erhabenes Relief.

Gme Ansprache des Kaisers.

Berlin, 31. Juli. Die patriotischen Kundgebungen in dein Lustgarten setzten sich den ganzen Nachmittag fort. ll:>: 6,30 Uhr erschienen der Kaiser, die Slaifcrin und P'inz Adal­bert am Fenster des Rittersaales und wurden stürmisch be­grüßt.

Der Kaiser richtete eine Ansprache a« das Publikum.

Seine Worte wurden von tosenden Justimmimgsenfen übcrtönt. Seine Majestät sagte folgendes:

Eine schwere Stunde ist hentc über

Deutschland hercingebrochcn. Neider über-

all zwingen uns zu gerechtfertigter Vcrtci-

digung. Man drückte »ns das Schwert in

die Hand. Ich hasse, daß, wenn es nicht in

letzter Stunde meinen Bemühungen ge-

lingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen

»nd den Frieden z» erhalten, wir das

Schwert mit Gottes Hilfe so sührrn

werde», daß wir cS in Ehren wieder in die

Scheide stecken können. Enorme Opfer an

G»t »nd Blut würde rin Krieg vom deut.

scheu Volke erfordern, dem Gegner aber

würde» wir zeige», was es heißt, Deutsch-

Imib aiizugrcise». Nun empfehle ich Euch

geht jetzt in die Kirche, kniet nieder vor

Gott und bittet ihn um Hilfe für unser

braves Heer!" ~