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Beilage zur „Neuen Tageszeitung
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Freitag, den 31. Inli 1914.
> 7.Jahrgang
Abonniert mid lflft di c ilrur ^aae^tciluug!
Gedenktage.
31. Juli. 1818 Heinrich Kiepert. Geograph. ged. Beil!». — 1831 Botho, QSraf zu Eulenburg, Minister, geb. — 1813 P. K. Rosegger geb. — 1886 Franz Liszt, Tondichter, tz.
(friitf Erchmsse j
lebe» Donor. Niemand weiß, was die Höchsten Loge bringen werden.
Wer sich rechtzeitig iibe,
alle Bortommuifie
»itcrricl'ten will, der versäume nickst,
die ..Ilene Tageszeitung"
z» bestellen.
Bot, den Zeitungen unserer (liegend erscheinen wir zuerst, schon (HI!
mr Mittag
bringen luir alle Ereignisse und zwar in einer
Ncichhaltigteit und Fülle,
di? den Leser vollständig aus dein Lausende» erhält.
Legt die Gewohnheit ab, im Sommer die Zeitung adz»- bestellen. In so ernster Ar!» hat die Ausrede leine Bercch- tigtnig, der Laiidinann hat leine Zeit zuni Lesen, weil er von sriih Morgen? bis spät Abends aus dem Felde arbeite und er, wen» er abgcrackert nach Hause käme, zu müde sei, um noch die Zeitung zu lesen. Das mag ganz schon klingen, aber gegenwärtig hat das keine Geltung. ,
ükttie W fo viel auf bfin Spiele,
die Ereignisse kommen in so überragender Schnelle, da trete» llnisch»»,nge ei», die über Nacht das ganze Bild unser?:, wirtsck>astlick>en und politischen Lebens verändern, die »niere gaiizen Verhältnisse a»ss enipsindlichste berühre». Der Burger und Landwirt, der nichts liest, weih nichts von den Vorgängen i» der Welt, er gebt nicht mit den Weltereig-, nisse», wird von diesen überrascht und bleibt zurück.
Versäume deshalb Niemand, eine Zeitung zu bestellen und das ist -
M die Wctterau und
ihre Umgebung
die
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Alle Agenten nehmen Bestellungen für den Monat August
Die Soiialbemokratie für die
Jlorljerrldjaft brr Knute.
Obwohl die Zeiten trübe sind, so erfüllt doch etnes mit Genugtuung: alle bürgerlickien Parteien sind sich einig in der Stunde der Gefahr: sie alle erkennen an, daß Oesterreich im Interesse seiner Selbstcrhattiing und der zukünftigen Wahrung des Friedens so yemdeln mußte, wie es getan, daß es der serbischen Schlange den Kops zertreten müsse und daß der Plah Deutschlands zur Seite seines Berbündeten sei. Selbst die Blätter der radikalsten bürgerlichen Linken haben in anerkennenswerter Weise diesen Standpunkt vertreten und unterscheiden sich in dieser Auffassung in nichts von denen des Zentrums und der Rechten.
Eine Ausnahme macht nur die internationale Sozialdemokratie. Sie steht, als ob es sich so gehöre, ans der Seite der Feinde Oesterreichs und des deutschen Reiches. Was sich diese Presse in den letzten Tagen an Beschimpfung der vaterländischen Politik geleistet hat, das geht auf keine Kuhhaut, während sie auf der anderen Seite sur Serbien und dessen aufwiegeledn Politik auch nicht e i u Wort des Tadels zu finden weiß.
Es zeigt sich, daß auch in dieser so überaus ernsten Frage das Ziel dieser Partei lediglich die gewissenlose Verhetzung des Volkes ist. Da laufen ihre Agitatoren herum und brüllen: Wir wollen keinen Kriegt Ja, wer will denn den Krieg? So ganz von Gott verlassen wird wohl Niemand sein, daß er den Krieg um seiner selbst willen wolle. Und ganz besonders von den berufenen Äellen im deutschen Reiche, in erster Linie von unserem Kaiser, wissen wir seit langen Jahren aus Erfahrung, daß sie den ehrlichsten Willen und das aufrichtigste Bestreben haben, den Frieden zu wahren und zu schirmen. '
Es kann aber der Frömmste nicht in Frieden leben, tvrnn es deni bösen Nachbar nicht gefällt. Es ist eine bewußte Un- - Ivahrheit, wenn die sozialdemokratische Presse fortgesetzt de- < hauptet, weil ein Serbe das österreichische Thronsolgerpanr gemordet bade, so solle jetzt dafür das ganze Volk gestraft werden. Der Meuchelmord in Sarajewo war lediglich ein Glied der Kette der unausgesetzten Wühlerei Serbiens gegen den Kaiscrstaat an der Donau. Mit Recht sagt de: greise Kaiser von Oesterreich, daß in Serbien immer höher de» Haß emporlodere, daß immer unverhllllter das Streben zutage trete, untrennbare Gebiete Oesterreich-Ungarns gewaltsam loszureißen. Wenn die Donaumonarchie diesem uner- - träglichcn Treiben keinen Einhalt bieten, den unaufhörlichen Herausforderungen Serbiens kein Ende bereiten würde, dann würde Oesterreich bald auf kalteni Wege hingeschlachtet sein. Dann nber wäre der Weg für Rußland frei. Wenn Deutschland, wie im Westen, auch im Osten und Slldosten nur Feinde hätte, dann könnte sich die Prophezeiung des alten Napoleon erfüllen, daß Europa in hundert Jahren kosackisch fern würde. Diesen Weg cbncu die Sozialdemokraten mit ihrem Beginne», wie man auch i»
Moskau die Hoffnung aus die deutschen Sozialdemokraten setzt, daß dies« dem deutschen Reiche im Falle eines Kr-eges Schwierigkeiten bereiten würden.
Das ganze Verhalten der roten Umsturzpartei zeigt wie- der einmal, daß ihr ganzes Tun und Treibe» Heuchelei ,st Sie gibt vor. für den Völker fr jeden zu streiten und gibt unseren Feinden den Mut. den Krieg zu provozieren, Rußland zögert nur deshalb nock>, weil es sich dem G-gncr nicht gewachsen fühlt: die Demonstrationen der Umsturzpar- tei in, deutschen Reiche müssen ihn, de» Glauben beibriugcu, daß Deutschland in sich geseilten sei »nd müsse» Rußland erst recht zmn Krieg reizen. Eine einmütige Haltung aller Parteien ohne Unterschied in, ganzen dentsck»'» Reich.- könnte das Zarenreich abschrecken und daiiiit würde dem Weltsrieden gedient werden.
Die Sozialdemokratie verherrlicht die Freiheit, da, bei steht sie mit ihrer Haltung auf Seite» Rußland All' 'bre Schreibereien gegen den Absolutismus des Zarentums und die Herrschaft der K»ute ist eitel Wind, denn praktisch bekämpft sie Deutschland und Oesterreich »nd tritt ein fiir hie Serben und damit für Rußland »nd die Knute, die il;r ja eigentlich gehört. Die Sozialdemokratie rühmt >ich als eine Partei der Kultur, Eine schöne Kultur, die von den, Menchelmörderstaate Serbien oder dem tartariscku?» Rußland verbreitet wird: nber die Sozialdemokratie befindet sich ,n deren Gesellschaft!
Es ist der fanatisch« Haß gegen das drntschc Reick-, das die Sozialdemokraten zu diesem Tun nusstachclt. Von diesem Haß gibt auch die Sprache ihrer Zeitungen Kunde. Fürwahr, serbische Blätter könnte» nicht haßerfüllter gegen Oesterreich und seinen Verbündeten Deutsch- and schreiben.
Da lesen wir in der Frankfurter „Bvlksstimme" vom 27, Juli:
„Gestützt auf einen Teil der r e i ch s d e »t s ch e n Kriegshetzer, hat sich die österreichische Regierung dazu verleiten lassen, an das Serbenreich ein U l t i • Inatum zu lichten, das nickst nur in einer an Anmaßung nichts zu wünschen übrig lasseiideu Sprache ab- gefaßt ist usw."
Ai» 25. Juli schrieb die „Volksstimmc":
. ' „Die österreichisch« Drohnote ist ein frecher Eingriff In die Hoheitsrechte eines freien Staates. Sie ist mehr ^äls eine Provokation, sie ist eine Bedrohung des enio- "tzxiischen Friedens!"
Am 28, Juli wird gesagt:
? „Da kommt alles auf Deulschlaud an, England • ^.rind Frankreich (I) haben ihre» festen Will?» zmn Krieden durch die Tat (?) bewiesen, Deutschland u o ch n i cht I"
Ä» dem Aufruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes heißt es:
■’l „Schon wieder schickt sich die vom österreichisch::' Jniperialisinus entfesselte Kriegsfurie an, Tod „nd Verderben über ganz Europa zu bringen," Sogar das altgewohnte Sprüchlein von der »»erhörten Bewucherung des Volkes anläßlich der „Kriegshetze" muß wieder einmal herhalten. Was Wunder. daß sich der verhetzte Pöbel schon zu Ausschreitungen hin-
Erna nud Ilje.
Roman von D, Feußner.
17 (Fortsetzung),
In welchem Tone kanien diese Worte von ihren Lippen! Mit welcher Resignation wollte sie sich, um nicht undankbar zu rrick-einen, in ihr Schicksal fügen 1
Das Rätsel ihrer Eigenart löste sich nickst allmählich, sondern ward immer dunkler und geheimnisvoller,
„Trotzdem Sic mich alto abiveiscn", erwiderte der junge Manu mit bebender Stininie, „kann ich doch nicht umhin, Sie zu bewundern, aber das Opfer annehmen, welches Sie z» bewundern, aber das Opfer annchme». welches Sie mir bieten, kann ick, nicht, denn ich bin — will kein Egoist sein!
„Daß Sie das nicht sind, wußte ich", sagte sic anerken- neiih. _ , z,„d noch das eine lassen Sic mich Ihnen sagen. Sie mögen daraus Hossnnng fchöpsen, oder nicht . Wenn einst mein Herz z» sprechen ansängt, so will ich genau aus sein Mahnen lauschen und :s soll mich freuen, wenn c3 zu Ihren 'Gunsten spricht, wenn ich Ihnen mitteilen kann, was für Sie vielleicht das höchste Glück bedeutet."
„Wie glücklich macht mich dieser Hosfniingsschinlniec. ol- woht cs nur ein ganz schwacher — ein Funken, den ick) nähren will» bis die Stunde komnit, in der er zue Hellen Flamme emporlodern darf."
„Sollte ich aber auch finiter nie etwas für Sie empsin- so müssen Sie sich eben männlich in das Unabänderliche zu finden suchen."
„Ich i»»ß eS>" sagte er traurig.
Schweigend gingen sie eine Weile neben einander her, dis Roderich wieder anhnb: „Der Man», den Sic lieben könnten, muß wohl reich und schön sein und sich vor ollen Dinge» in einer glänzenden Lebensstellung befinden.
„Haben Sic daS ans »icineni Leben geschöpft?" sagte sie etwas verletzt und fuhr fort, „ich muß den Mann, deni ich mein Herz, nicine Liebe scho.ikcn soll, lieben, bewmidern »nd können, es ninß auicki in keiner Nähe etwas durch-
glühen, das ma» nicht in Worte kleiden kann, und das ich gegenwärtig noch nicht kenne. Wenn er arm wäre und gesellschaftlich unter mir stände, aber das besäße, was den Mann über äußerliche» Glanz und Reichtum erhebt: ein edles Herz und Gemüt, so würde ich ohne Bedenken und un- bckümmcrt um das Urteil der Welt zu ihm herabstcigcn, oder ihn zu mir eniporhcben, aber in eine Konvenienzhcirat lasse ich mich nie ein. würde mich auch von meinen Eltern nie zu einer solchen drängen lassen, nur folgen allein will ich der Stinime meines Herzens, vorausgesetzt, daß mir die Vernunft nicht befiehlt, dieser Stimme ausnahmsweisc nicht zu gcohrcheu." - - '
In diese» Worten trat eine ander Eigenschaft des jungen Mädchens zu Tage, — ja. sie war eine junge stolze Löwin, »nd schwor sie zu zähiiitzn/zu beherrschen.
„Und ist dieser Mann schon einmal im Gesichtskreis: Ihres Lebens ailfgctaucht?" fragte er erwartungsvoll. chks
„Nock> nicht, ich bin erst achtzehn Jahre."
„Die eine Blume blüht frühe, die andere spät, die eine braucht tagelangen Sonnenschein, ehe die Knospe bricht, die andere öfnet ihren Kelch dem ersten Kusse der Frühlings- sonnc." - vrt •' •> ' •
„Aber ich bin vermutlich ein Spätling, der erst onfängt zu blühen, wenn die anderen schon anfangcn, hier »nd da ein Blatt zu verlieren", erwiderte sie mit feinem Lächeln.
„Auch über Sie wird es einmal Hereinbrechen", tagte er prophetisch, „dieses unsäglich wonnige, berauschende Gefühl, das dem Herzen die höchste irdische Seligkeit ausniacht. und cs jegliches vorangegangene Leid vergessen läßt. Und wenn mir das hohe Glück Sie durch das Leben z» trage» auch nie zuteil werden sollte, so wünsche ich doch, daß derjenige, dem cs einmal erblüht, den vollen Wert dieser köstlichc:i Bliiine erkennt und sie darum durch alle Wirrnisse des Daseins trägt. Ich aber will dann, wenn diese Stunde gckoni- ine», entsagen, in meine Brust verschließen, was ich für Sie empfunden. Aber im treuen Andenken werde ich Sic halte», und icki hoff« ancki von Ihnen, datz §öie dem Mann?, bei« -
Sic nichts als eine Schwester sei» konnte», der aber einmal sein Leben daran setzte, um das Ihrige zu retten, und dein bis dahin die Erinnerung daran sein größtes Glück tuar, ein Andenken bewahren. Allein werde ich versuchen, den Weg durchs Leben zu gehen und allein auch das letzte Ziel zu finden."
Diese Worte in große»: Affekte gesprock>cn, wachten ans Erna einen tiefen, tiefen Eindruck, und Roderich sah eine Träne in ihren dunklen Augen glänzen, als sie kaum hörbar sagte, „Sie machen mich weich »nd mir das eHrz so schwer, daß ich Gefahr lauset wich über mich selbst zu täuschen, denn Mitleid ist noch lange nicht Liebe. — Aber die Versiche r»ng kann ich Ihnen geben, daß ich Ihrer gedenke, wo ich auch sein werde und niemals will ich vergessen, daß Sie bereit waren, Ihr Leben für mich aufs Spiel zu setzen. Ich t-er- bleibc Ihre dankbare Schuldnerin Zeit meines Lebens."
„Dies zu wissen wird mir ein Trost sein, der mir über die Ecken und Kanten hilft und mir Kraft gibt, auch i.i schwierigen Lagen den gesunkenen Mut aufs neue zu beleben."
Mittlerweile waren sie bei dem Hause „Lange" anne- kommen.
Der Kaufmann öffnete »nd als er die beiden erkannte, rief er: „Na — endlich kommt Ihr ja!"
» „Verzeihe, Vater", sagte Erna bittend, „daß ich ein wenig über die bestimmte Zeit ausblieb."
„Ich habe allein die Schuld daran", entschuldigte Node- rich dos schöne Mädchen, „denn auf meinen Wunsch hoben wir einen kleinen Umweg gemacht und sind auch sehr langsamen Schrfttes gegangen."
„Die Hauptsache ist die, daß Ihr da seid, wir können noch ganz gemütlich Abschied feiern", meinte der Kaufmann
Nach dem Abendbrot bat Roderich um ei» Abschiedslied.
„Was möchten Sie gerne hören?" fragte Erna.
„Das überlasse ich Ihnen."
(Fortsetzung folgt).


