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Neue Tageszcirung. Dtontag, den 27. I«!, i»i».
Scikc 2.
-'ei uns zu Lande scheint die Erfahr, daß man vom Honta- - .-t:. .trschadliche Wirkungen erfahre, sehr gering zu sein^
> !.'! ran dergleichen noch nie gehört. Wir haben nichts'
. ?l Giftpflanzen, und wenn wirklich die Bienen Saft vonL : eingetragen haben, so scheinen sie im Stock selbst dasörI '
. : ZU trogen, daß er nicht gefährlich wird. Sie,schassen d«H - Stock nach dem Einträgen mehrfach hin und her unlx j ,u ihn, bis er den ihnen und auch dem Menschen Zusagen-» Geruch und Ecschmack und daneben die gehörige Dicke er-s j die e,ne längere Dauer gewährleistet. Vielleicht anders t .. 'gensast der Bienen manche Beimischungen ab. Esd ert iiuiner einige Zeit, bis der eingetragene Honig bedcckt4 - und die Zelle gcschlocn wird. - L
Daß der Honig auch bei uns nach den besuchten Blüten < j verschieden ausfällt, ist unseren Imkern längst beaknnt. Eine schneeweiße Farbe hat der Honig der Lindenblüte, des Klees und vorzüglich des Augentrosts. Dabei ist sein Geschmack ausgezeichnet. Der Hcidehonig ist bräunlich gelb und wird nicht jo hoch geschäht. Goldgelb und ausgezeichnet ist der Honig der Oeljaaten und des Hederichs.
Acußerst zahlreich find die Blutenarten, aus denen die Dienen den Honig holen: Apsel, Kirsche, Pfirsich, Linde, Spargel. Aster, Klee, Luzerne, Hyazinthe, Krokus, Anemonec, Ahorn Senf, Zwiebel, Erbse, Raps, Erdbeere, Thymian, Veilchen und viele andere Blüten sind Honiglieserantcn. Dazu kommt :och der Honigtau auf den grünen Blättern von Linden, Eichen Weißdorn, Buchen und anderen mehr. Wir sehen, daß die Mutter Natur den Bienen den Tisch das ganze Jahr über ge- t.\( hat, mit Ausnahme natürlich des Winters.
Trost der Fülle der Honigquellen gehört aber viel Arbeit dazu, um den Honig zu sanimeln. Die Untersuchungen haben ergeben, daß 125 Köpfe des Rotklees, einer sehr nektarreichen Pflanze, erst ein Gramm Honig enthalten. Da nun seder Köpfchen des Klees aus etwa sechzig kleine» Eiuzclblüten beseht, so müssen die fleißigen Tierchen sieben und eine halbe VJiiflicii Blüten besuche», che sie ein einziges Kilogramm Honig zujammenhaben! Vergleichen wir damit den geringen Preis, len wir jür ein Kilo Honig zahlen, so müssen wir sagen, daß d: Arbeit der Bienen eigentlich schlecht genug bewertet wird.
Tlchechijcher Uebermut.
Man sollte nieinen, daß die Julihitze einigermaßen einschläfernd auch aus die nationalen Leidenschaften ini Habs- l'.irgcrstaat wirken sollte. Das Gegenteil ist der Fall. In den letzten beiden Wochen meldet der Draht von heftigen -- Ausschreitungen der Tschechen in Böhmen gegen die Deut- schcn. So haben in Troppau, in Brunn, Katharein, Wittko- witz, Polnisch- und Mährisch-Ostrau die Tschechen wieder in bekannter Weise radaliert und den Deutschen ihre Kultur- Höhe und geistige Ueberlegenheit durch das Absingen von Hetzlicdcrn auf die „deutschen Schweine" bewiesen. Sie unterstützten ihr liebliches Tun durch ein Steinbombarde- n.ent auf die Geschäfts- und Dereinshäuser und nebenbei oitf die „Strohköpfc der deutschen Hunde". Die Art ihres Kainpfes zeigen sie in einem, in dem urdeutschen Troppau verbreiteten Flugblatt, in dem es u. a. heißt:
„Schlesien gehörte unseren Vorfahren, in den Dörfern erklangen unsere Lieder und heute haben jene unser Land in einen Haldenhügel verwandelt und es mit giftigem Rauche erfüllt. Diese Horde wilder Teufel, eine Meute besoffener barbarischer Wildlinge und Raufbolde, diese Barbaren wollen unserem Kinde die ihnen unliebsame Zunge herausreißen." '
Diese Aeußcrungen tschcschcn Heldenmutes reihen sich würdig den früheren an, wirken aber bei der jetzigen Lage )cr Donaumonarchie um so peinlicher, als nach der frisch elntendcn Wunde von Scrajewo wenigstens eine äußerliche Einigkeit und Ruhe unter den Völkerschaften der alten Kron- länder vonnöten wäre. Sie müssen weiter befremdend wir- ken auf das gesanite Deutschtum innerhalb und außerhalb ^rr schwarzgclben Grenzpfähle durch die aus allen in Frage lommendcn Orten den demonstrierenden Tschechen gewährte passive und sogar aktive Hilfe der meist ans Tschechen bestehenden Truppen und Polizeimannschasten. Ueberein- siimmend lassen die Meldungen erkennen, daß bei den Juli» krawallen die Tschechen die Rolle der Angreifer und Provokateure übernommen hatten. Gleichwohl wandten sich die Bajonette nicht gegen die Angreifer, sondern gegen die Deutschen. Auch das ist im lieben Oesterreich nicht neu. über cs enipört immer wieder, daß die Deutschen, als die stärkste Stütze der Donaumonarchie, so wenig des Schutzes der subalternen Behörden genießen. Diese Benachteiligung geht Hand in Hand mit einer Bevorzugung der Tschechen, deren Sokolvereine die österreichische Militärbehörde zur ?lb- haltnng ihrer Hetzveranstaltungen sogar Kasernen und fiskalische Grundstücke zur Verfügung stellt. Und doch ist das ausgesprochene Ziel der Sokoln die Zerstörung der österrci- chisch-nngarischen Monarchie.
Nun wäre diese Bevorzugung der 231/2 Prozent Tschechen gegenüber den 36 Prozent der Deutschen schließlich noch zu verstehen wenn sic den kulturell und volkswirtschaftlich wertvolleren Teil der Bevölkerung ausinachten. Das ist aber kci- mswegs der Fall. Weder ihre kulturellen noch steuerlichen eistungen rechtfertigen die behördliche Verhätschelung und die tschechischen Uebcrgrisfe. Ihre Sprache ist ein Geniisch aon polnischen und deutschen Brocken. Das ganze BilduneS- wesen, die staatlichen und sozialen Einrichtungen, sind durch bi.- Deutschen geschaffen. Der Versuch, darzutun, daß die ttchechischc Geistcskultur nicht erst von gestern stammt, geriet en der gefälschten Königinboscr Handschrift kläglich vorbei. Und was als wissenschaftliche Werke tschechischer Geisteshcl- S\'n ausgcgcben wird, das ist zu neun Zehntel aus deutschen Werken zusammcngestohlcn. Das erfuhr ja die staunende Mitwelt bei dem Streit der beiden tschechischen Universitäts- Professoren Vejdovsky und Maresch. Beide warfen sich nicht «uw geistigen Diebstahl, sondern auch arolw Unwissenheit und !
Unkenntnis vor. Das war kein Einzelsall. "Denn das Blatt „Glosludu flasgiego" des stammverwandten Polen Hapinski schrieb von der tschechischen Kultur lieblich:
„Ihr Schrifttum ist erborgt — lauter Uebersetzungcn aus fremden Sprachen. Die Meloddie des Kde doniov muh ist den Deutschösterreichcrn entlehnt, Hei slovane den Polen gestohlen, ebenso die Mdlodic des Husliedes und des Arbeiterliedes Rudy propor. Das Motiv zur Prodana nevesta, der verkauften Braut von Smetana, ist dem Polen Chopin entlehnt. Tschechische Maler nehinen sich polnische Meister zum Vorbildc. Die tschechische Spräche ist hart, veraltet, der Akzent widerlich, unslawisch. Ihr Volkscharaktcr ist Hinterlist — gemeiner Egoismus, Unverträglichkeit. Vielleicht haben die Tschechen aber Verblüffendes in der Politik geleistet? Wen haebn die dort? Einige mittelmäßige Leute, die übrigen ein Sammelsurium von Abgeordneten, Aufgeblasenen, Blendern. Die tschechischen Abgeordneten stehen unter dem Terror der Gasse, wenn irgendein mauldrcscherischer Phrasenheld die Massen zmn besten hält... sic vereiteln mit ihrer schülerhaften Politik jede parlamentarische Arbeit, sie sind schuld ant Staatsbankerott."
Daß Schlesien den Vorfahren der Tschechen gehörte, ist eine größenwahnsinnige Lüge wie alles, was sie über die tschechische Eigenkultur verbreiten. — In Böhmen, wo den rund vier Millionen Tschechen rund 2400006 Deutsche gegcn- überstehen, bringen die Deutschen gleichwohl 253 200 64t Kronen Steuern auf, die Tschechen dagegen nur 128 424 609 Kronen. Und trotzdem wird die tschechische Anmaßung immer größer.
Zu dcu jüngsten Ausschreitungen lag aber kein durch den lokalen Nationalitätenkampf zwischen den Völkerschaften in Böhmen begründeter Anlaß vor. Der politische Tages- lärni ruhte, und so ist die Vermutting nicht von der Hand zu weisen, daß gerade die Spannung mit Serbien die tschechisch-slawische Volksseele ins Kochen brachte. Fühlen sie sich doch als Glieder der allslawischen Föderation, die jetzt Oberwasser zu bekommen glaubt. Gab doch eine tschechische Redncrin, Frau Dik-Kunizky, vor nicht allzulanger Zeit dem in Berlin Ausdruck. Sie erklärte ihren Landsleuten:
„Ich hoffe, daß die mächtige slawische Bewegung, die geheiligt ist durch die Siege unserer Balkanbrüder, alle fremden Elemente fortwchen wird aus unserem Leben .... Was ihr in der Seele tragt, was euer Besitz ist, erhebt euch über Herrscher und Gesetz. Die Nation müßte verzweifeln, wüßte sie sich nicht eins mit ihren Minderheiten im Auslande und unzertrennlich in der großen slawischen Welt. Wir wachsen und siegen in uns, das ist die Revolution der großen inneren Kraft, die kleine Völker zu Dämonen macht, an denen die Brandung der europäischen Geschichte sich bricht."
Die engen Zusammenhänge der Tschechen mit der all- slawischen Bewegung sollte den Machthabern in Oesterreich zu denken geben und veranlassen, mit dem Prinzip der Nachsicht und stillschweigenden Duldung tschechischer Uebergrisfe zu brechen. Mehr noch erwächst aber den Deuffchen in Oesterreich die Pflicht, dem Ansturm der allslawischcn Welt einmütige Geschlossenheit zu zeigen und die Parteifragen die Anschauungen über taftisches Vorgehen zurllckzustellen zum Zwecke der Erhalttmg der Vorherrschaft und Machtstellung des Deutschttnns.
Ans aller Welt.
Kampf zwischen Schauspielern und Zigeunern. Mehrere Mitglieder der in Haderslebcn gastterenden Schauspielertruppe von Adolf Richter aus Wolfenbüttel geriet in einem Restaurant in Hadersleben mit einer großen Zigeunertruppe, da die Zigeuner die Tochter Adolf Richters belästigten, in einen Kanipf, bei dem Richter durch Stockhiebe am Kopfe , schwer verletzt und die Tochter durch sechs Revolverschüsse in > den Nacken schwer verletzt wurde, so daß sic in eine Klinik geschasst werden mußte- Vier weitere Mitglieder der Schau- spiclertruppc wurde» durch Dolchmcsserstiche schwer verletzt. Einige Zigeuner wurden verhaftet, die übrigen entflohen.
Bo» der „Jungmühle" zermahlen. Das Leben und Treiben in eineni Nachtlokal von der Art, wie sie die Berliner Po- lizcibchAvcn zetzt >n der Reichshauptstadt zur Strecke bringen wollet!, beleuchtete eine Verhandlung vor der Dortmunder Strajlnmmcr. die sich gegen den erst Stiäbriaen Banlkaliiercr
Wilh. Hermann richtete. Der Angellagte war feit 2 Jahre» bei der Rheinisch-Westfälischen DisIonto-EcscNschaft in Dortmund angestellt und genoß das volle Vertrauen feiner Vorgesetzten. Niemals wurde geglaubt, daß er sich an ftemdcn Geld vergreifen würde. Der Angeklagte kam aber im Laufe des vergangenen, Jahres in leichtsinnige Gesellschaft und besuchte die Dortmunder Nachtlokale, besonders die sogen. „Jungmühle". Der Angeklagte kam daher mit seinem sonst völlig ausreichendem Gehalt nicht aus und veruntteute, um seinen Leidenschaften weiter frönen zu können, fortgesetzt erhebliche Geldbeträge. Bis Ende 1913 hatten diese den Betrag von 20 000 Mark erreicht, und da er nun fürchtete, daß die Veruntreuungen bei der Revision entdeckt werden könnten, fälschte er den Ausweis zwischen Reichsbank und Diskonto-Gesellschaft in der Höhe jener Suinme. Da seine Verfehlungen auf diese Weise zunächst noch nicht entdeckt wurden, setzte er seine Unterschlagungen fort, bis er schließlich durch die nächtlichen Kneipereien seine Pflichten vernachlässigte und entlasten wurde. Bei seiner Entlastung wurden die Veruntreuungen auch bemerkt und aus mehr als 37 000 Mark scstgestellt. Der Angeklagte entsloh, kehrte aber sreiwillig zurück, da er einsah, daß er doch bald gefaßt werden und daß die Strafe dann um so höher ausfallen würde. — In der Strafkammerverhandlung wurde nun das Treiben des Angeklagten in der „Jungmühlc" einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Es wird dabei festgestellt, daß der Angeklagte in diesem Lokal zirka 25 000 Mark ausgegeben hat. Selbstverständlich hat er als „vermögender junger Mann" stets einen ganzen Schwarm von „Freunden", aber noch mehr von gefälligen Damen um sich. Er selbst hat dort in der „Jungmühle" bescheiden gelebt und meist nur Pilsner Bier getrunken, an den Neben- tischen vergnügten sich aber seine Freunde am Sekt und zwar der icuersten französischen Marken. Zechen unter 200 Mk. gab cs überhrupt nicht. Einem „Freunde", einem gewissen Maag, '.nachte er einen Brillantring im Werte von 4M Mark zum Geschenk. Natürlich unterhielt er auch zu den in der „Jnngmühle" augestellten „Damen" intime Beziehungen, die auch eine gehörige Stange Geld kosteten. Eins de: Frauenzimmer hat er sogar einen ganzen Monat lang ausgehalten. Der Angeklagte erklärte in der Verhandlung, daß er zuerst nur ganz kleine Beträge unterichlagen hätte, die er durch die Gratifikation hatte decken können, als aber der Verkehr in der „Jungmühle" erst begonnen hatte, mußte er, um dort so austreten zu können, wie er es für „standesgemäß" hielt, gleich solche Beträge unterschlagen, daß eine Deckung von vornherein ausgeschlossen erscheinen mußte. Besonders bezeichnend für die Art und Weise des Geschäftsbetriebes der „Junamühle" ist cs, daß, wie sich aus der Verhandlung ergab, der Geschäftsführer über die in je- dcui Loleu verkehrenden Stammgäste eine Auskunft bei der Auskunftei Schimmclpfennig über deren Zahlungsfähigkeit cinzieht. Die Auskunft über den Angeklagten lautet, daß er als Bankbeamter eine gute Stellung mit auskömmlichen Gehalt habe. — Das Gericht berücksichtigte bei dem Urteil, daß der Angeklagte durch den Verlust der Stellung schon außerordentlich schwer gestraft sei. Es billigte ihm daher mildernde Umstände zu und bewahrte ihn sonst vor der Zuchthausstrast:. auf welche wegen Urkundenfälschung sonst hätte erkannt werden müssen. Das Urteil lautete somit aus 1 Jahr 8 Monate Gefängnis.
Studentischer Fackclzug. Anläßlich der Emeritierung des bedeutenden Anatomen Prof. Schalke, fand am Mittwoch abend ein Fackclzug der gesamten Universität Sttaßburg statt. Der langjährige Direktor der Kunstgcwerbeschule in Straßburg, Professor Seder, tritt mit dem 1. Januar 1915 in den Ruhestand.
Bauernregeln im August
Ist's in de» ersten Tagen heiß So bleibt der Winter lange weiß.
Jst's im August recht drückend schwül,
Dann ist's im Schatten auch nicht kühl.
Ist Nordwind im August nicht selten.
So wird er schönem Wetter gelten.
Hitze an> St. Dominikus (4.),
Eni strenger Winter kommen muß. . ,
Jst's hell und klar am St. Laurcntiurtag (10), Viel Früchte man sich versprechen mag.
Sind Lorenz (10,) und Barthel (24.) schön,
Ist ein guter Herbst vorauszusehn.
Mariä Himmclsahrt (15.) Sonnenschein, Bringt uns viel und guten Wein.
Wie Bartholomäustag (24.) sich hält,
Lo ist der ganze Herbst bestellt.


