Beilage zur „Neuen Tageszeitung
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17.2
Samstag, de» 35. Juli 1914.
7. Jahrgang
Gedenktage.
Beruh. Bascdor, Pädagog und S&jSbh^f^ I7M Alb. Knapp, geistlicher LiederdiHeh geb. — 1812 R. CH. B. Avö-Lallemanh, Arzl,
H. W.Tisckchein, Maler, f. — 1863 Waffen.
,:i r' ikolsburg. — 1896 Freiherr Lothar von
Für Icit nnd Emiglreit.
7. Lo»»t»<> nach Trinitatis.
'i'ttiiaget einer den andern in der Liebe, und seid flel- l i \ Hallen die Einigkeit im Geist durch das Band de» Friedens. Epheser 4, 2. öut Nächstenliebe gehört als ein Hauptstück die Verträg- ! ,'eii Wo Menschen beieinander wohnen, und miteinander r, len, da ist cs ein Hauplcrsordcrnis, daß ste miteinander auslrmmen. Friede ernährt, Unsriede verzehrt. Wie manche» 'chäne Werk, das vielen hätte nutzen können, ist unterblieben, u>,il die Beteiligten sich nicht einigen, sich nicht miteinander vertrage» konnte». Wie manches Zujainmenleben, das zum Kegen werden könnte und sollte, ist zum Fluch, zur Hölle geworden, weil keines sich Mühe gegeben hat, auszukommcn mit dem andern Teil. Lastet uns aber nicht uns auf Beispiele aus unserem Velanntenkreis besinnen, sondern Einkehr halten bei uns selber. Ihr Ehegatten, habt ihr euch immer vertragen in der Liebe? hast du, Mann, immer deine Frau getragen und vertragen in Sanftmut und Milde und ihr als dem schwächeren Teil die gebührende Ehre erwiesen? Und du, Frau, hast du nie deinen Kopf und Willen im Haus durchzudrücken versucht und deinen Mann dadurch verbittert? Vertraget euch von neuem in der Liebe,- schicket euch ineinander und gebe jedes von seinem Eigensinn etwas preis, dann werdet ihr herrlich aus, kommen. Und ihr Geschwister im Hause, habt ihr immer bedacht. wie sein und lieblich es für euch ist, einträchtig beieinander zu wohnen? Gönnet ihr einander alles Gute, streitet ihr nie um Kleinigkeiten, seid ihr nie eifersüchtig auseinander, Wie lebst du mit deinen Hausleuten und Nachbarn? Gelegenheiten mr Reibung gibt's ja so viele, und „cs kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn er dem bösen Nachbar nicht gerillt". Aber bist du auch immer der gute Nachbar und nicht vielleicht manchmal der böse, der eigensinnig auf sein Recht r. nii, 'ii ? O Friede ist ein köstlich Ding: möchte er uns alle ..-.'reinander und mit denen, die das Leben mit uns zusam- Iti.hr!, zusammenbinden zu einer Einheit! Und der rechte
Fried« werktet da, wo der heilig« Geist Gottes selber die Ehr. Jgif, schafft. D heil ger Geist ekhr bet uns et»!
Treuer Gatt! Du bist der Gott des Friedens und willst auch, daß wir ia Fried« und Einigkeit' untereinander leben. Nimm unfrre herze» in deines heilige» Geistes Zucht und hilf uns. daß wir alles meiden, was,den Frieden stört, daß wir alle zusammen einander in der . Liebe vertragen. Gib Friede» und StnlgteU in unser ganzes, öffentliches Lebe», in Kirche, Volk und Wekt. Dein Friede, der höher ist als all« Vernunft, bewahre unser« Herzen und Sinne in Christo Jesu! Amen.
Wocherrschair.
Das österreichische Ultimatum. — Monopole im deutsche« Reich. — Der Besuch Po'mcaräs. — Die Ulsterkonfereuz. — Unklarheit in Albanien.
Alle Ereignisse der Woche werden in den Schatten ge» stellt durch die tlebereichung des ö st e r r e i ch i s ch e n U l t i m a t u m s an Serbien. Zwar war es schon lang: bekannt, daß der Kaiscrstaat an der Donau endlich gewillt sei, den großserbischen Umtrieben in Belgrad ein: bis hierher und nicht weiter! zuzurufen; aber Niemand hätte geglaubt, !>aß das in so entschiedener und unzweideutiger Weise ge- scyctzcn wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung über das Attentat in Sarajewo haben allerdings auch derartige Beweise von der Mittäterschaft serbischer Rcgierungskreise von der Mordtat gebracht, daß Oesterreich sich um jeden Schein ton Achtung bringen würde, wenn es sich nicht endlich zu einer Tat aufgerasst hätte. In diesem Sinne ist cs erfreulich, daß man sich in Wien endlich entschlossen hat, dem so beliebten Forlwursteln ein Ende zu machen und klar und unzweideutig Klärung verlangt. Oestereich wird damit endlich einer Krise ein Ende bcriten, die schon lange Zeit ai.s unser gesamtes wirtschaftliches Leben drückt und eine nie verstechende Quelle politischer Beunruhigung darstellt. Entsprechend dem kräftigen Ton der Note ist auch die Frist sehr kurz gestellt; sie läuft schon mit dem heutigen Tage ab. Auch dieses Verfahren ist zu begrüßen, es nimmt Serbien die Möglichkeit, in gewohnter Weise die Dinge zu verschleppen und in den Sand verrinnen zu lassen. Zur Stunde, wo diese Blätter in die Hände der Leser kommen, dürste die Ent- scheidung schon gefallen sein. Für Serbien bleiben drei Wege: eine glatte Annahme, die bei der Großmannssucht Serbiens kaum zu erwarten ist, der Versuch, durch Verhand
lungen eine Milderung zu erreichen. Diese Form dürste aber rauni zu einer Verständigung sichren, da hierdurch gerade d'v Verschleppung herbeigeführt würde, die Oesterreich durch die kurz gestellt Frist vermieden wissen wollte. Drittens käme die Ablehnung in Betracht, auf die der Einmarsch des österreichischen Heeres in Serbien als Antwort erfolgen würde. Damit wäre der Anfang zu tveitcren internationalen Verwickelungen gegeben. Auf alle Fälle ist die Lage ernster, als sie selbst in den schlimmsten Zeiten der Balkankrisis gewesen ist.
Es scheint sich zu bestätigen, daß sich die deutsche ReichS- regierung mit dem Gedanken trägt, ein Zigarette»- inonopol einzuführen, von dein man einen jährlichen Ertrag von 100 bis 120 Millionen Mark erhofft. Allerdings wird zur Ablösung der bestehenden Fabriken ein beträchtlicher Betrag erforderlich sein, mindestens eine halbe Milliarde; i iS Auge gefaßt ist dabei daS Fabrikationsmonopol, während die Abgabe an die Konsumenten in derselben Weise wie bisher erfolgen soll. Die Vorbereitungen seien schon ziemlich weit gediehen und mit den Jiüeressentenkrciscn batten bereits Beratnngen staltgefundcn. Ob die Nachricht, daß auch rech weitere Monopole geplant seien, den Tatsachen entspricht, muß noch abgewarlct werden, so ganz unmöglich ist daS ja nicht, da auch ohne eine ncue große Militärvorlage Ausgaben erforderlich sein werden, >mi unsere Rüstungen z» verstärken.
Eine gewisse Enttäuschung, wenigsten? für die Franzosen, scheint der Petershurger Besuch Poi » - car8s gebracht zu haben. Gewiß ist der Präsident der französischen Republik mit allen ihm znkommenden Ehren empfangen worden, auch war der Verkehr mit den maßgeben- den Persönlichkeiten ein durchaus herzlicher, aber eS hat mt der Seine doch etwas Uebcrraschung hervorgerufen, daß die bet dem Galadiner gewechselten Trinkspriickje das Maß des Konventionellen in keiner Weise überschritten haben. Gewiß haben auch verschiedene politische Konferenzen stattge- funden, die den schwebenden Togesfragen galten, ob aber dabei noch besondere bindende Abmachungen getroffen wnr- dcn, ist wenig wahrscheinlich. Fronzösische Blätter wollen wissen, daß bei den Besprechungen aiich des Verhältnisse? Rußlands zu Schweden gedacht und in den Bereich der Erörterungen gezogen worden sei und daß Herr Poincarö, d.'r bekanntlich auf der Rückreise auch dem schwedischen Hose einen Besuch abstattet, eine Art Vermittlerrolle übernom-
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