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2. Beilage zur „Neuen Tageszeitung"
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2tr. H»l> I Samstag, den 18. Juli 1914. l 7. Jahrgang
/-!ik '-Pvktt Gefahr für die dentlüie
LandWichchaft.
Cin« beunruhigende Kunde hat sich in diesen Tagen von Sen: N.rsen Hannovers aus weit hinaus ins Land verbreitet: Ter Karlojselkäfer ist ausgetreten! Seit dem Jahre 1888 ist t r gesährliche Blattkaser bei uns nicht mehr gesunden worden, uachden- er etwa IN Jahre zuvor erstmals nach seiner Einschleppung au- Amerika beobachtet worden war. In Anbetracht der , Zährlichkeit des Jnsctts jür unsere einheimische Kartoffel wurden bereit» gelegentlich des früheren Auftretens die um- fuflendstcn Sicherhcitsmaßrcgeln getrvsfen und auch jetzt haben di: Behörden nicht an Energie und Umsicht fehlen lasten, rpr do; Uebel möglichst im Entstehen zu uirterdriicken. Der trat zunächst nur bei Hohenwedel auf drei unmittelbar »:be»einonder gelegenen Feldern auf, inzwischen ist aber be- i.i.t ein neues, vor den genannten Feldern abseits liegendes Grundstück bcjallcn worden, so dah das Betreten der befalle- r.-ii Felder zunächst auch deren Besitzern streng verboten und bei t ,i Feldern eine Wache ausgestellt wurde. Am nächsten Tage ersuch!« der Regierungspräsident beim Generalkommando um m.lilärisih« hilse, woraus sofort 300 Man» unter der Führung von Unteroffizieren ablommandicrt wurden, um di« Felder nach '.ui Käscr abzusuchcn. Aus Anordnung der inzwischen gleich- i.rllo erschienenen Regierungskommission wurde das gesamte Ge d ei aus dem bisher das Vorkommen des Käsers konstatiert werden konnte, mit tiefen Gräben umzogen, deren äutzere Böschung reichlich mit Petroleum getränkt wurde. Das abgemähtc KarlojseVraut, an dem sich die Käser befinden, wird in tiefe Gruben gcworscn und mit Benzol Lbcrgostcn: nachdem auf
di s Weise das Ubersallene Land äutzcrlich gesäubert ist, wird occ Beden etwa 20 Ztm, tief umgeackert und mit rohem Ben- ' l Lurchtränk!, Die Besitzer der Kartosselselder erhalten als L,..j.l,ud!gun.z für den Ausfall der Ernte einen Betrag, der . : Erlös für eine gute Ernte entsprechen dürste, — Die Kost:» der Pekämpsnng des Schädlings sind um deswillen beson
ders hohe, weil der Käfer sich einerseits ganz außerordentlich rasch vermehrt, und andererseits größere Strecken Lande» überfliegen kann. Bis jetzt umjaßt das befallene Gebiet schon mehrere Hektar, — Hinsichtlich der Art und Weise, wie der Käser nach fast 80 Jahren neuerdings bei uns eingeschlcppt werden konnte, stehen die Behörden aus dem tSandpunkt, daß ein Ba- nanenhündler das Material, mit der er seine War« verpackt hatte, aus freiem Felde verwendet hat und daß durch dieses Packmaterial der Käfer eingeschleppt wurde. In Amerika hat der Käfer mehrfach solche Schädigungen an Kartosselselder» -»gerichtet, daß der Anbau der Kartoffeln zeitweise ganz eingestellt werden mußte, — Es fleht zu hoffen, daß' er den Bemühungen der Behörden gelingen wird, das Uebel im Entstehen unterdrücken zu können, das bei der Bedeutung der Kartoffel furunser ganzes volkswirtschaftliches Leben sich zu einer Kalamität auswachsen könnte.
Aus der Heimat.
• Bad Nauheim, 18. Juli. Ernannt wurden der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Wald-Mtchelbach Reinhard Lehmann zum Amtsgcrichtsdiener bei dein Amtsgericht Bad Nauheim mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers: der Eesangcnausscher am Landeszuchthaus Ma rienjchloß Friedrich Schneider zum Amtsgerichtsdicner bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach mit Wirkung vom t, Aug, 1911,
* Gießen, 18. Juli, (Strafkammer), Der durch seine unwahren Berichte bekannte Berichterstatter der „Franks, Ztg ' und der „Kleinen Presse" Journalist Gustav Wohlmulh stand gestern vor der Strafkammer, angeklagt wegen Steuerhinterziehung. Der Angeklagte ist schon verschiedene Male wegen Betrugs und auch wegen Falschcid mit Eesängnis vorbestraft und hat in sieben Jahren, trotz jeweiliger Aufforderung, keine Steucrerlkärung abgegeben. Er versteuerte seit 1997 ein Kapitalvermögen von 8,190 Mark, soll aber nach Ansicht der Steuerbehörde ein solches von 39 000 Mark besitzen. Allen Vorladungen des Finanzamtes hat er keine Folge gelelstek, bis das
selbe ihm drohte, die Alten ans Gericht zu geben. Auch heute will er sich als furchtbar unwistend und unerfahrcn in Steuer- sochen hinstcllen, doch erlkärt ein als Zeuge geladener Astcstor des Finanzamtes, daß er bei seiner Vernehmung sehr unterrichtet gewesen sei dnu auch schon Artikel über Stcucrvcrhält- niste geschrieben habe. Aus Befragen gibt er zu, daß er ein größeres Vermögen besitze, daß dasselbe zum Teil aus einer Erbschaft mit 2090 Mark, aus dem Erlös einer verlausten Münzsammlung 1500 und aus Wechselgcschäften, die er mit dem jetzt im Gefängnis sitzenden Agenten Rosenthal gemacht Hab«, mit ebenfalls 1500 Mark resultiere. Dann habe er vor einiger Zeit noch eine größere Summe, nach Ansicht des Gerichts zirka 15 000 bi, 19 000 Mark, erhalten, über deren Herkunst er die Aussage verweigere. Die Steuerbehörde ist der Ansicht, daß er das Geld nach und nach verdient habe und hat ihm 7 Strafbescheide in Höhe von zirka 1,000 Mark zugehen laste». Der Angeklagte betreibt sowohl hier im Seltcrswcg uls auch in Marburg ein Geschäft auf den Namen seiner Frau, er korrespondiert außerdem für eine ganze Anzahl Zeitungen nud erteilt süc dle beiden Auskunfteien Wich, Müller u. Eo, und R. G. Dun in Frankfurt a. M. Auskünfte. Sein jähr. liches Einokmmen hat er mit zirka 2,800 Mark angegeben. Hierbei sind jedenfalls die Einnahmen für die Auskünfte übersehen. Nach ungefähr 2üslUndiger Verhandlung saßtc das Gericht Beschluß, dahingehend, die Sache zu vertagen und di« Atken zu weiteren Ermittelungen an die Staatsanwalt- fchaft abzugebcn.
Gießen, 18, Jlul, Für die lm Herbst statlfindcnden Land tagswahlcn besteht unter den liberalen Parteien ein Abkomme», wonach die Freisinnigen eines der Gießencr Mandate an di« Nationallibcralen abtreten. Wie nunmehr bestimmt verlautet, beabsichtigt der freisinnige Justizrat Grünewald nicht mehr zu kandidieren. Es würde dann außer Professor Urstadt noch ei» nationalliberaler Kandidat ausgestellt und wie verlautet, wollen auch die Deutschsozlalen mit einer eigenen Kandidatur auftrcten. •v'y. v >- -
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Ich bringe hicrniit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Flucht linienplan für die verlängerte Bismarckstratze und die Straße [parallel zur Wilhelmstraße in der Richtung nach dem Mainzertorweg sestgestclit worden ist und Idieser Plan während der Dienst- Stunden im Stadthaus eingesehen [werden kann.
Jriedberg, den 10, Juli 1914.
Der Bürgermeister.
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