Mr. IM
Celle 3.
Erna und Ilse.
Montan von D. Feuhner.
Ü (Fortsetzung).
Doch davon konnte ja gegenwärtig noch keine Rede sein, denn noch keinem galt ihr Lächeln I Noch schlummerte in tiefer Brust das Samenkorn der himmelstürmenden Liebe. Aber wenn einmal ein Lenzsonnenstrahl hinein fiel, und cs zum Leben erweckte, wie muhte ein solches Wesen lieben und können, mit welcher Kraft der reinen unverdorbenen Leidenschaft würde es, von allen schädlichen Einflüssen unbesiegbar, zu gunstcn seines Ideales, über eigene Liebe und Treue des Herzens, wachen.
Solche Gedanken und Bilder huschten vor der erregten Seele Roderichs vorüber, bis ihm Karl verstohlen ein Zeichen gab, daß wohl der geeignete Moment da sei, einen kleinen Toast auf das Geburtstagskind auszubringen.
Roderich fuhr aus seinem Sinnen empor, wie einer, der aus dem Traume erwacht und erstaunt um sich blickt, weil ihn die Gegenwart und seine Umgebung au die Wirklichkeit erinnern. Er hatte sein Glas kaum berührt, trotzdem ihn der Gastgeber wiederholt zum Trinken aufgefordcrt. Ohne eine Erwiderung nur mit einem leichten Kopfnicken hatte er das Glas an die Lippeir gebracht, um einen Schluck zu tun.
Doch jetzt galt es ja einen Toast anzubringen. Dah dies angebracht sei, war ihm klar, aber reden, heut abend, wo ihm seine Gedanken ungehorsam waren? Würde es wohl gehen?
Wäre sie nicht da, besähe er auch seine eiserne Ruhe! doch von der Minute an, wo sie aufs neue vor ihm austauchte, übcrkam ihn ein Gefühl der Unsicherheit, das ihn atlch wah- rend des Mahles nicht verlieh.
Karl tat einige leichte Schläge an sein Glas, und schon glaubte Roderich der Pflicht des Toastausbcingens enthoben zu sein, weil sein Freund für ihn sprechen würde, als dieser die Anwesenden bat, ihre Aufmerksamkeit für einige Miuu- !en Herrn Tietze zu schenken, weil dieser einen kleinen Trink- spruch auf das Wohl des Gastgebers ausbringen wolle.
Allez mäuschenstill. —
Roderich war der geborene Redner. Er sprach sehr geläufig und verwandte schöne, treffende Bilder, konnte deshalb nie langweilig werden. Doch in diesem Augenblick fühlte er sich unsicher, unsicher, wie nie zuvor. Aber als er den Klang seiner Stimme horte, verschwand die Unsicherheit, und der Gcdankenapparat funktionierte wieder wie sonst. Er schloh seinen, formell wie inhaltlich gleich guten Toast mit den Worten:
Mögen alle eigenen Wünsche, vorausgesetzt, daß sie Ihnen zu Nutz und Frommen gereichen, in dem neuen Lebensjahr in Erfüllung gehe», bis auf den letzten groben Herzenswunsch der als Siegel das Buch der Wünsche schließt. — Möge der „och vor Ihnen liegende Lebensweg nicht dornenvoll und steil sein, sondern an blumigen Gestaden entlang in sanften Windungen zur Höhe des Daseins führen. Als Bekräftigung dieser aus ofscnem Herzen kommenden Wünsche, erhebe ich mein Glas und fordere die verehrten Anwesenden auf, das gleiche zu tun, um auf das Wohl unseres verehrten Herrn Gastgebers anzustohen, und in den Ruf einzustimmen: Herr Lange, er lebe hoch, hoch!"
Alle Anwesenden stimmten freudig in den Ruf ein und' „hoch! hoch! hoch!" ertönte es durch den Saal.
Während Roderich sprach, verwandte Erna keinen Blick den ihm. Es schien, als wollte sie auf den Grund seiner Seele blicken, tim jedes Wort, che cs ausgesprochen, zu lesen und zu wiegen.
4 Hfiziellcr Schluss: „TI onlas><ficn$. August
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Die animierte Stimmung hatte ihren Einzug gehalten. Alle befanden sich in der denkbar besten Laune und waren luftig und guter Dinge.
Nur Erna schien davon ein« Ausnahme zu machen, denn man sah sie nicht lachen, wenigstens nicht einmal so, dah man hätte ihre kleinen Perlenzähne sehen können.
Sie war von Kindheit an, nicht allein Fremden und weitläufigen Verwandten, sondern auch den Eltern und der Schwester ein Rätsel gewesen. Nr Geist war frühzeitig gereift und mit den blendendsten Gaben ausgestattet. Sie entwickelte Ansichten, die jedermann in Erstaunen setzen muhten und wer sie nicht teilte, mit dem sprach sie niemals ein tveite- res Wort darüber. Ihre Lektüre bestand nie aus leichten, lustigen Sachen, sondern war stets sentimentalen oder schwer verdaulichen Inhalts.
Und als dieses rätselhafte Wesen war sic auch Roderich erschienen, daher seine eigentümlichen Gedanken über das ihm weltfremd erscheinende Mädchen.
Was den Mann fesselte, war nicht allein die seltene Schönheit des Gesichts, ihre ätherische Erscheinung und deren stolze, anmutige Bewegungen, sondern das Geheimnisvolle, Unerklärliche, welches sie mit einem Nimbus umgab.
„Möchtest du jetzt nicht ein wenig Klavier spielen, Erna?" fragte nach Tisch ihr Vater.
„Wenn du es wünschest, gerne" sagte sie gehorsam und stand auf, um sich an das Instrument zu setzen.
Sie suchte nicht lange, fragte auch nicht, was man zu hören wünsche, sondern spielte mit seltener Vollendung aus dem Gedächtnis: Das Largo von Händel und dann noch einige ernste Weisen im Sonatenstil.
„Bravo," rief Karl, „Sie spielen ja mit tiefer Empfindung, aber lauter so schwermütige Sachen, warum nicht etwas Lustiges?"
„Da? überlasse ich anderen Leuten," sagte das Mädchen in fast verletzendem Tone. ' .
„Spielen Sie gerne Wagner?" fragte Karl. |
„Wollen Sie etwas von ihm hören?"
Erna sang jetzt mit eigener Klavierbegleitung, zwei, Mathilde Wesendock gewidmete Lieder, „Träume" und „Albumblatt". Nr Vortrag verriet viel Verständnis und tiefes Erfassen des seelischen Gehaltes der Lieder.
Als sie geendet und ihren Platz wieder eingenommen hatte, setzte sich Karl an das Instrument, um durch fröhliche Weifen die Anwesenden und sich selbst wieder in andere Stimmung zu bringen.
Während des Spiclens begann Roderich das Mädchen In ein Gespräch zu verwickeln.
„Ist Nnen schon Trauriges begegnet?" fragte er so beiläufig.
„Ich bin in der Sonne des Glückes ausgewachsen und habe keine Enttäuschung erlebt, auch ist mir sonst nichts
Unangenehmes widerfahren, doch warum fragen Sie?"
„Weil Sie so ganz anders sind, als man cs sonst in Ihrem Alter gewohnt ist, Sie lachen nicht, scherzen nicht und scheinen sich über nichts zu freuen."
„Ich halte es für unschicklich, wenn eine Dame scherzt, daß sich ein Mann darüber belustigen kann, ich lache nicht wie so viele junge Damen aus Gewohnheit, oder einem Mann zu Gefallen, ich freue mich aber, wenn der rechte Moment des Freuens da ist. — Dies kommt bei mir zwar selten vor," setzte sie noch hinzu und fuhr fort:
„Doch was Sie an mir beobachteten, ist mir auch fei Ihnen ausgefallen, ich sah Sie noch nicht lache».'"
(Fortsetzuuz folgt). t
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Nachm. 2y, Uhr: Andacht, danach Versammlung des 3. Ordens mit Ansprache
Feierabend Feiedberg.
Sonntag, den lg. Juli: „Lese- und Spiclabend".
Aufruf!
* Butzbach, 27. Juni. V» ufr,, f.) Am 1t. März 1921 findet das 300jährige Stiftungsfest des JnsantcrieftL.üb- garde-)RegimcntS Nr. 115 in Darmstadt statt. Um min das Fest richtig z» begehen, fordern wir alle ehe>naligcn Offiziere, Unteroffiziere und Gardisten von Butzbach und Ilmgegend, die den Fahneneid im Regiment geleistet haben, ans, zwecks Gründung einer Vereinigung ehemaliger Leib- gardisten sich am Sonntag, den 19. Juli 191-1, nachmittags 3 Yz Uhr in Butzbach („Goldnen Löwen", Marktplatz) znr näheren Besprechung cinzufindcn. Die Bcrciiiigung soll selbstredend auf patriotischer Grundlage aufgebaut werden und soll den Zweck haben, erstens die obige Feier mitzumachen und zweitens die Erinnerung an die im Kriege und Friede!» verlebte Dienstzeit wach zu haften. Die Zugehörigkeit 31 , 1,1 alten (Leibgarde-) Regiment ober soll dadurch bewiesen werden, daß, wie die Offiziere, so auch die früheren Uuterofsi- ziere und Gardisten, an dem im Jahre 1921 den 11. Marz stattfindenden 300jährigen Stiftungsfeste des Regiments — einen Jubeltag ohne Gleichen in der Armee — mit einer Abordnung und einem Ehrengeschenk vertreten sind und nicht hinter ihren auswärtigen Kameraden zurückstche». Es ist, da mit geringen Beiträgen lediglich die genannten Ziele verfolgt werden, jede Konkurcnz mit den Krieger- und Militär- vereinen ausgeschlossen. Ein ehemaliger Lcibgardist.
Gedenltlage.
18. Juli
1870 Unfehlbarkeitserkk. d. Papstes. — 1870 K. Sinn eck. Dichter f. - 1884 Prof. F. v. Hochstctter f. — 1881 Einfuhr. d. Aktiengcs. — 1889 1. Int. Buchdr.-Kongr. in Paris. 19. Juli.
1810 Königin Luise f. — 1870 Kriegserklärung Frankreich" im Reichstag verlesen. — 1881 Herzog Karl Ed. v. Sachsen Koburg-Goiha geb. — 1906 Prof. Pct. Eurric, Erfinder d. Radiums ft
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