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Nummer H»(> _____ Samsrag. den 18. Juli 1914. 7. Jahrgang

Di-htnt e«o*9!*it«nB" leden Liier,lag. Regelmäßige Beilagen ..?»» Kan»» ao» Kessen".Pi. Spinnkut,-". 0e,ngoprei.: Be« den Postanstalten Mk I

tei den Agenten monatlich b0 Psg. hinzu tritt Postgebühr oder Iragerlohn. Ameigrn: Grundzeile 20 Psg.. lokale IS Psg, Anzeigen von auswütts werden durch Patnach,lahme erhobeu __ Ersüllungsott Friedberg. Kchriftleilrnrg und Uerlag Fricdberg (Hessen), hanauerstrahe 12. Femlprccher 18» Pojtjcheck-Lonto Rr. 4819, Amt Frankfurt o. Lik.

Ded erficht.

. Bei einem Wortwechsel mit seinen Geschwistern zog

de? Kaufmann Scstrrheim aus Welschbach einen Revolver und schoß xine seiner Schwestern nieder. Tann fluchtete der Täter auf den Heuboden und jagte sich dort aus Furcht vor Strafe eine Kugel in den Kopf. Er war aus der Stelle tot.

Die südbayerischcn Nebenflüsse der Donau, der Isar und des Inn führen starkes Hochwasser. Weite Strecken des Landes sind überschwemmt. Auch von Lech wird eine ernste Hochwassergefahr gemeldet.

Bei der gestrigen Stichwahl im Reichötagswahlkreise KoburgGotha wurden bis neun Uhr abends gezählt: Arnold (F. Dp.) 9178 Stimmen, Hofmann (Soz.) 5792 Stimmen. Das Ergebnis von sechs Orten steht noch aus. Arnold ist somit gewählt. In der Hauptwahl erhielt Arnold 5-172 Stimmen und Hofmann 5671 Stimmen, vr. Stoll (natl.) 5372 Stimmen.

In Naimont bei Norfolk (Amerika) stieß eine clrk> trischer Zng mit einem Kohlcnzugc zusammen. Sechs Per­sonen wnrden-gctötct nnd etwa 10 schwer verletzt.

Gestern nnd vorgestern ertranken beim Baden im offenen Rhein bei Duisburg zehn Personen. Bei Emmerich kamen zwei Brüder, bei de». Versuch, ein ertrinkendes Kind zu retten »ms Leben.

Die Gerüchte von einer Einberufung serbischer Rescr- visten werden an Belgrader amtlicher Stelle für unwahr er­klärt. Die serbische Regierung bestreitet, daß irgendwelches außergewöhnliches in miltärischer Hinsicht vorbereitet wor- den sei.

Eine Lokomotive der Gelsenkirchcncr Bcrgwcrksgc- sellschast stieß im Hascngrbict mit einer anderen Lokomotive zusammen. Hierbei wurden rin Heizer getötet, zwei andere Personen schwer verletzt.

Als gestern nachmittag der verheiratete Schmied Andrzhwski in dem Teusclsteich bei Remscheidt badete, erlitt er einen Herzkramps und ertrank vor den Augen seiner Frau und seiner vier unmündigen Kinder-

In der Steiermark haben bei den jüngsten Gewittern Wolkcnbriick>c nicht unerheblichen Schaden an den Kulturen »nd den Derkehrsanfialien angerichtct-

In »lz bei Stuttgart brannte» heute Nacht 11 Ge- bäude ab. darunter 4 Wohnhäuser. 6 Familien sind obdach­los. Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Demokratische Anmaßung.

Der deutjche Kronprinz hat an den Verfasser der vielbe­achteten FlugschriftDes Deutschen Reiches Schickfalsstunde", de» Oberstleutnant a. D. h. Frobenius, aus Zoppot folgendes Telegramm gerichtet:

habe Ihre ausgezeichnete BroschüreDes Deutschen Reiches Schicksalsstunde" mit dem größten Jnicresis gelesen und wünsche ihr in unserem deutschen Volke die weiteste Verbreitung. Wilhelm Kronprinz."

Die Schrist, die bereits in sechster Auslage (bei Karl Cur- t!u- in Berlin) erschienen ist, erörtert ohne Vorurteil »nd ohne Uebertreibung nach der einen wie nach der anderen Seite den Ernst de: Weltlage und die Notwendigkeit für Deutschland, das Pulver trocken zu halten. Die Schrist zeigt folgende Schluß- solgerung: Der angestachelte Rachedurst Frankreichs gegen das Deutsch-Reich, der entslammt- hah Rußlands gegen das sei­nen Bestrebungen cntgcgenstellende Oesterreich.Ungarn haben beide Länder zu einer Steigerung ihrer Kriegsvorbcreitung an- getrieben, die sich nur auf kurze Zeit aufrecht erhalten läßt. Tatsächlich ist diese Vorbereitung bereits von einer Kriegsbe­reitschaft jetzt schon nicht wesentlich zu unterscheiden, und tm Frühjahr 191 j wird dies« jo vollständig erreicht sein, daß man jeden lug des Einmarsches so gewaltiger S-ere gewärtig sein mutz, wie sie auf Europas, wie sie auf der Erde Boden noch niemals gesehen worden sind. Und dann wird des Deutschen Reiches und seiner Verbündete» Schicksalsstunde schlagen!

die geldsacksdemokratischeKleine Presse" bemerkt dazu, es wäre besser gewesen, wenn der Kronprinz kein Telegramm abgcjchick: hätte, wie es überhaupt eine mißliche Sache ist, wenn der Kronprinz immer wieder sich in politische Dinge hincin- ziche» läßt und dieFranks, Ztg." drückt sich vorsichtiger aus und meint, auch diese Depesche charakterisiere einigermaßen die Art des Kronprinzen.

Wenn eine Rosa Lübeck, alias Luxemburg, deren Wiege wenn sie eine gehabt hat! - in der polnisch-russischen Stepp- gestanden hat, sich in die deutschen Verhältnisie zu mischen wagt, wenn ausländische Studenten auf deutschen Hochschulen demonstrieren, da ist dies in Ordnung. Wenn aber der Kron­prinz des Deutschen Reiches einem vaterländischen Werke seine Anerkennung ausspricht, da wagt es eine internationale Presie, ihm in die Parade fahren zu wollen. Dem deutschen Kronprinz soll nicht erlaubt sein, was ausländischen Hetzern gestattet ist. Mit einer Ausnahme allerdings, wen» nämlich der Kronprinz, wie dies bei weiland Kaiser Friedrich der Fall gewesen sein soll, sich so aussprcchcn würde, wie es jener Prcffc in den Kram paßt. Dann ist cs schon recht,wenn sich der Kronprinz in politische Dinge hincinzichcn täßr".

Per Mrbnlrag eine (fnttäutrfiuna ?

Es mnß auch solche Käuze geben", schreibt dieTägl. Rund­schau",solche nämlich, die eine Genugtuung darin finde», das allmählich klarer hervortretende Ergebnis des deutschen Wehr- bcitrages als eine Art finanziellen Fiaskos, mindestens als eine starke Enttäuschung vor aller Welt herabzusetzen. Die einen und dazu gehört dieFrankfurter Zeitung und gcsin- nungsoerwandte Blätter drängt es dazu aus entschiedenen Oppofitionsbcdürfnis: sie können sich nicht denken, daß eine nicht von ihnen gestellte deutsche Regierung einmal richtig ge­rechnet habe, und fühlen daher auch hier ein grundsätzliches Be­dürfnis, nachzuweisen, daß man wieder falsch gerechnet habe. Die anderen glauben weiteren Gelüsten nach dem Ecldschrank der reichen Leute Vorbeugen zu müsicn, indem sie aus dem Er­gebnis der Wehrbeitragsoeranlagung nachzuwciscn suchen, daß in diesem Ecldschrank viel weniger drin sei, als die leichtscr- tige, lüsterne Welt angenommen habe. Gedankenlosigkeit redet schon von einem Fehlbetrag von 200 Millionen, den das Ge­samtergebnis des Wchrbeitrages gegenüber der Veranschlag­ung durch die Regierung bedeuten werde, und lasten diese Re­gierung sich bereits den Kopf zerbrechen über die Deckung die­ses Fehlbetrages. Das alles ist denn doch unerhört und sollte unerlaubt sein; so viel böswillige oder keiner Verantwortung sich bewußte Gedankenlosigkeit sollte nicht möglich sein, auch wenn wir wirklich schon mitten in den Hundstagcn wären. Das preußische Wehrbeitragsergcbnis läßt den Schluß zu, daß das Gesamtergebnis für das Reich die Milliarde um eine kleine An­zahl von Millionen überschreiten wird. Veranschlagt ist cs von der Regierung von Ansang an nur aus 97b bis 1000 Millionen Mark. Dieser Voranschlag des Reichsschatzamtcs wird noch in seiner Höchstgrenze um etwas überschritten werden. Wo, um Himmels willen, ist da die Enttäuschung, wo das Fiasko, wo der Fehlbetrag, noch dazu ein Fehlbetrag von 200 Millionen?" Das Blatt verweist dann aus andere als uncischöpslich reich geltende Länder, die Mühe haben, die Deckung für ihre Aus­gaben z» decken, und stellt dazu die Leichtigkeit in Gegensatz, mit der wir die Milliarde des Wehrbeitrages aus die Schul­tern unseres Besitzes »ahmen. Dann heißt es weiter:Run dieses Selbstoerkleincrn, dieses Bemühen, wieder einmal allen guten Freunden und Nachbarn ihre Ecschäste zu besorgen, und ihnen Scheinargumente in die Hand zu geben, um den schon so gut wie abgestorbenen Wahn von der finanziellen Erschöpfung des Deutschen Reiches womöglich noch einmal zu beleben. . . . Das Ergebnis des Wehrbeitrages ist in Wahrheit sehr crsreu- lich, und cs ist eine schlechte Politik, das vor der Welt verleug­nen zu wollen. Ganz gewiß wären noch ein paar hundert Mil­lionen herauszuholcn gewesen, wenn man bei der Ausgestal­tung der Wchrbeitragsoorlage weniger milde verfahren wäre. Aber warum sollte man diese Milde nicht walten lasten, da auch so das Nötige und Erwünschte zu haben war? Da ist die gesonderte Vcrmögensoeranlagung der Kinder. Natürlich hat sie eine Menge von Vermögen frcixelajsen, das sonst von der Veranlagung ersaßt worden wäre. Vor allem aber muß man bedenke», daß die gewiß erfreulich hohe Ansetzung der Grenze der Beitragspslichtigkeit bei Vermögen von 30 000 Mark eine ungeheure Summe kleiner Vermögen frcigelasten hat. Dann die umfangreichen Befreiungen vom Beitrag auch bei Vermö­gen von 30 000 bis 30 000 Mark in alle» Fällen, wo eine ziem­lich hoch angejctzte Einlommensxrenze nicht erreicht war. Bei dem starken Ilcberwicgen der Heineren und mittleren Vermö­ge» im Reich und namentlich in Preußen spielt das eine unge­heure Rolle. Gerade die gcsinnungstüchtigen Fortschrittler, die jetzt so vonTnttäuschung" reden, sollten das mit Genugtuung bedenken. Gegen den Verdacht, daß der ausfallend niedrige Kursstand der Papiere zum 31. Dezember 1813, als an dem für die Einschätzung zum Wehrbcitrag maßgebenden Tage, dein gleich i» den ersten Tagen des Januar wieder ein starkes, ja ebenso ausfallendes Steige» der Kurse folgte, nicht ganz zufäl­lig und nicht ganz ohne eine bewußte Deeinslustung im Jn- tercste der Besitzer erfolgt sei, wird natürlich lebhaft Einspruch erhoben. Ob er dadurch cinsach zu beseitigen ist, ble-bt abzu- wartcn."

Tagcsnbcr^ch!'.

i)cui'.v,ci iirtd:-

:: Keine neue bancrische Anleihe. Die Meldung eines Augsburger Blattes, wonach Daher» beabsichtigen soll, noch im Lause dieses Jahres eine neue Anleihe auszunehnien, wird in denMünchener Neuesten Nachrichten" von zustän- diger Stelle als unzutreffend bezeichnet. Durch die letzte Anleihe vom Dezember vorigen Jobres sei bereits für alle in diesem Jahre fälliocit Bedürfnisse Vorsorge getroffen, Tie bayerische Finanzverwaltnng habe nicht die Absicht, im laufenden Jahre noch eine Anleihe zu begeben.

Oesterreich.

:: Verstimmung gegen einen russischen Botschastsattachee in Wien. TerReichspost" wird aus Scrajewo gemeldet: In den letzten Tagen weilte hier ein Attack>ee der Wiener russischen Botschaft, der die offiziellen Stellen ignorierte und nur mit prvnoncicrtcn Serben verkehrte. In der hiesigen Landesregierung 'war man über diesen Besuch, der gegen die üblichen Formen nicht angelündigt worden war. sehr nber-

rascht und fragte deshalb in Wien a». Auch dort war man über eine beabsichtigte Reise des russischen Attachees vorher nicht unterrichtet worden. Ter Dorsall hat hier unliebsanies Aussehen erregt.

:: Tie galizischcn Landingswal,ie». Tie galizischen Landtagswahlen werden am 7. Oktober beginnen »nd bis zum 4. November dauern. Tic Einberufung des Landtags gleich nach den Wahlen ist nicht beabsichtigt, vielmehr soll schon während der Landtagswahlcn der Reichsrat zusammen tictcn, voraussichtlich am 27. Oktober.

Frankreich.

:: Eine Gedächtnisfeier für das österreichische Throns»!

gerpaar in Frankreich. Unter zahlreicher Beteiligung der Notabel» der Stadt Nancy fand gestern vormittag in der Kirche des Eordiliers ein feierlicher Gcdächtnikgottesdiensl für da? ermordete Thronfolgerpaar statt. In der Kirche des Eordiliers sind die Fürsten des Hauses Lothringen, die Vor­fahren des Kaisers von Oesterreich bcigcsetzt.

:: Rückreise des türkischen MarineministerS. Ter tiir- lisch-' Marineminister Tschemal Bei reiste gestern abend mit Sun Oricntexprcsj von Paris nach Konstantinopel ab. Ans seiner Rückreise wird er Wien berühren, wo seine Gattin aus Gesundheitsrücksichten sich aufhält. Ter Wiener Aufenthalt Tschemal Veis dürfte jedoch nur von ganz kurzer Tauer lein.

:: Einführung einer neue» fahrbaren Brücke in der französischen Armee. Ter Kriegsminister sowie der Gouver- ueur von Paris wohnten gestern in Versailles interessanten Pionierübungcn bei. Tic Pioniere errichteten eine eiserne fahrbare Drücke nettesten Modells, die in der Lage ist, auch schwere Lokoniotivcn zu tragen. Die allgenicine EinsührlUtg der Brücke in der französischen Armee dürste nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Italien.

:: Expcdiiionskorps für Albanien. Aus Rom Ivird ge- meldet, daß die Ausreise des Expeditionskorps für Albanien von eincni Hafen des Adriatischcn Meeres ans erfolgen werde. Alle Korpskoinmandantcn hätten bereits vom Gcnc- ralstabe die sogenannte Division, die Admiral Amcro D'Aste befehligt, begleitet werden. Diese Division setzt sich ans drei Dreadnoughts. und vier Torpedcbootsjägcrn zusanimcn nnd sei im Golfe von Tarent vcrsaninielt. Ein Tclcgramni der Türmer Stampa aus Brindisi meldet, an die dortige Eisen- Zahnstation seien Antvcisungcn bezüglich der Ankunst vo» größeren Eisenbahnabteilnngen abgcgangc,^

Rußland.

:: Massenstreik in Rußland. Infolge de? politischen

Einschreitens bei den, Protestmeeting der Putilowwerke für die streikenden Napthalarbeiter in Baku sind gestern 75 000 Arbeiter vcrschicdner Grohbctricbe, wie Nobel, Leßner und Eiwasow, sowie kleinerer Fabriken und Druckereien in den Ansstand getreten. In den Arbeitervierteln kam es zu reckst schweren Zusammenstößen zwischen Arbeitern und der Poli­zei. Diese wurde mit Steinen beworfen, worauf die Polizei mehrere Schüsse abgab. Mehrere Personen, die ernste Der- Wundungen davontrugen, mußten ins Lazarett gcbrcuhl werden.

Türkei.

ttGriechische Vvrstcllniigcn in Konstantinopel. Wie in

unterrichteten Kreisen verlautet, hat der griechische Gesandt« Panas gelegentlich seines gestrigen Schrittes auf der Pfort« dem Großwcfir erklärt, daß der in Aivali hervorgerufem Zwischenfall, durch den der dortige griechische Konsul belei­digt wurde, einen sehr ernste» Eharakter trage und die grie­chische Regierung darauf bestehen müsse, daß die Schuldige,« bestraft werden.

Griechenland,

:: Griechenland und die epirotisch« AusstandSbewcgnng,

Die Negierung beauftragte ihre diplomatischen Vertreter in, Auslande, wonach die griechische Armee an dcni cpirotllchen Feldzüge »vd insbesondere an dem Angriff ans Koritza teil« Genommen habe, kategorisch zu dementieren.

Bereinigte Stiiatcn.

:: Revolutionäres von Haiti. Wie aus Port-a««-Prince gemeldet wird, habe» dort neue revolutionäre Unruhen statt- gesunden. Es kam zwischen den Revolutionären »nd ihren Gegnern zu einem Feuergefecht in den Straßen von Port-nu< Prinee. Unter den Bewohner brach eine Panik aus. Den RcgicrungLtruppen gelang es schließlich, der Bewegung Herr zu werden.

Ans der Heimat.

* Friedbcrg, 18. Juli. Ihre Königliche Hoheit die Frau Großhcr-ogin Hot das in der hiesigen Kunstausstellung aus­gestellte BildRoter Mohn" von Elise Seidel angckaust.

* Friedbirg, IS. Juli. Anläßlich der diesjährigen Kaiscr- manöoer werden zur Vcrpslcgung der gewaltigen Truppenmas- scn und zur Mitjnhrung des Gepäcks Privatsuhrwerke in er­höhtem Umfange erforderlich. Ta viele Fuhrwcrksbesitzer über die Verpflichtung zu Fuhileistungen für di- Truppen noch im unklaren j,nd und cs nicht selten »u Weigerungen und Aus- cinsnderj üungcii bei der Rcguiricrung kommt, möge folge,v