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Maria Senatus.

Bon

Elsriede Rotermund-Lchoeiibageu.

lFerisetzung.)

Hab' nur ein wenig Geduld," bat Maria,ich bin so gern zu dir gekommen. Und was die Ge­selligkeit anbetrifft, so verlange ich nicht danach. Dankbar, von Herzen dankbar bin ich Gott, daß er mir einen Pflichtenkreis ge­geben hat; möchte ich dir auch nur recht viel nützen!"

Wir werden schon mitein­ander auskommcn. liebes Kind. Nachher soll dich Brigitte flüchtig mit unseren Räumlichkeiten be- kannlmachcn. Es sind nicht viel. Von dir selbst, von all dem Schwe­ren sollst du mir morgen oder spater erzählen. Du wirst jetzt sehr müde von der langen Reise sein."

Wirklich nicht. Tante ich fühle mich ganz frisch."

Dann will ich dir noch einen Vorschlag machen: es ist ja erst sieben Uhr. Sich, dieses Zimmer ist uns beiden alles, Wohn-,- und Besuchszimmer; dahinter liegt mein Schlafzimmer. Gegenüber, nur durch den Flur getrennt, geht eo in den Saal, das ist die übliche Bezeichnung in unserem Altpreu­ßen für besonders große Zim­mer. Es ist dein Reich; sämt­liche Möbel, die du sandtest, fan­den darin Platz; eine große spa­nische Wand teilt de» Schlafraum ab. Ich meine, wenn du viel­leicht noch Kleinigkeiten und Pho­tographien auszupacken hättest, so magst du es gern tun. Ist doch dann morgen früh beim Erwachen der Anblick noch -reund- lichcr."

Du fülltest mein Herz über­reichlich mit Sonnenschein, liebe Tante. Aber schränkst du dich

(Sntn. dem SommerheftFür» Hau»'. Von L. Richter. Verlag: Hegel u. Schade, Leipzig.'

auch durch Hergabe des großen Zimmers nicht zu sehr ein? Die Sachen konnten doch verpackt auf dem Boden stehen, und ich konnte dein Schlafzimmer mit dir teilen."

Nein, nein, Maria, das gibt es nicht. Ich bedarf nachts durch­aus keiner Hilfe. Drüben ist dein Reich. Wie sehr wünsche ich, daß es dir eine Heimat wer­den möge! Du wirst noch einige Kleinigkeiten dort vorfindcn; bitte, sieh alles als dein Eigentum an. Nun geh' und schau', mein Kind!"

Voll Dankbarkeit zog Maria die bleiche Frauenhand an die Lippen, dann klinkte sie die Tür auf. Brigitte mußte eben die hohe, rot verschleierte Stehlampe an­gezündet haben. Mit einem Aus- rus des Erstaunens und Ent­zückens blieb Maria stehen. Be­hagliche Wärme strahlte aus den Kacheln des großen Kamins; sie lehnte sich an ihn, als suche sic Halt, so überwältigend war das Gefühl, die alten, lieb vertrauten Möbel aus glückseliger Kindcrzeit um sich zu haben.

Wie schön paßte die dunkel gewordene Mahagonieinrichtung zu der gelben Setoertapete! An der Mittelwand stand das Fa- milicnsofa, dort die mcssingbeschla- Jene Kommode mit den Greifen- siüßcn; hier ihres Väterchens Schreibtisch und in der Ecke das alte liebe Spinctt. Ein köstlicher Schmuck aber waren die Pflanzen- gruppcn an den drei hohen, brei­ten Fenstern. Bor dem Stand­spiegel die zierliche Alabasteruhr, wird sic der Waise Stunden der Freude oder des Leides ansagen?

Maria trat vor die Photo­graphien der Eltern, die sinnig mit frischen Eseuranken geschmückt waren. Unwilllürlich rannen heiße Tränen über die blassen Wangen.Ihr braucht euch nicht um mich zu bangen," fuhr sie im leisen Selbstgespräch fort, euer Kind flog in ein so mollig warmes Nest; im Herzen ist's Frühling trotz allem Schnee und Eis da draußen." Da hingen auch die Bilder ihrer Großeltern. Scheu strich Maria über den Deckel des Spinetts.Bald, bald dann treten die beiden Altmeister Bach und Beethoven