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Nummer 164

Donnerstag, den 16. Inli 19t4.

Neue Tageszer

7. Jahrgang

Di- !!.u. T.s..,»>ch.int ,«»» «»"tae. R.g.lm°dtg. Beilagen Banee »«. Hellen". Kpim.»«d.». S.,»,-pr.i,- de» P«st-ns.al,-n p..r.-l,°h-,.ch Mk.

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Deberstcht.

Die Wiener Zeitung wird heute ei» kws.-rltch-'S

Dntent Veröffentlichen, durch das der galizistle auf­

gelöst wird und neue Wahlen für den Landing . -st wer­den. Die Auflösung erfolgt mit Rücksicht auf da:- Fnkrasi- tretcn der Landtagswahlresorui.

Das Landgerichtsgebäudc in Düsseldorf brennt. Das Feuer wüte im Dachgeschoß, wo es durch Aktenvorrätc reich­lich Nahrung findet. Die gesamte Feuerwehr ist an der Brandstätte tätig. Man hofft, die Sitzungssäle retten zu können. Der Brand dauerte gegen 2>/> Uhr nachmittags noch fort.

Nach Information derFranks. Ztg." befinden sich olle Monopolprojckte des Reiches durchaus noch im Stadium der theoretischen Durcharbeitung. Bestimmte Absichten, eines der vorgesehenen Projekte oder eine Mehrheit von ihnen prak­tisch cinzuführcn, besteht Wohl nicht.

Aus Serajewo wird genicldct: Im benachbarten

Dorfe Blanft ermordeten Serben einen aus Oesterreich stainmendcn Gastwirt, namens Hutnagel wegen angeblich serbcnscindlicher Arußerungen. Sic steckten zugleich das Haus des Ermordeten in Brand. Auch an die Häuser ande­rer österreichisch-ungarischer Staatsangehöriger legten sie Feuer. Herbeicilcndc Gendarmen verhafteten einige der Mörder und Brandstifter.

Trotzdem die Bebörden das größte Stillschweigen beobachten, wird bekannt, daß in Algier vor einiger Zeit wichtige militärische Dokumente gestohlen wurden, die von größter Bedeutung für die französische Nationalvcrteidigung sind. Im Verlaufe der letzten Untersuchung soll eine Anzahl von Verhaftungen vorgcnommen worden sein.

Das englische Oberhaus hat die Bill betreffend die Abschaffung der Pluralmal,lstimmcn, die zum zweiten Male unter der Parlamentsakte an das Oberhaus verwiesen wor­den war. mit litt gegen 4!) Stimmen abgclchnt.

Der albanische Gesandte Sureja Betz Vlora teilt mit, er habe einen Brief des Fürsten Wilhelm erhalten, den dieser in gedrückter Stimmung geschrieben habe. Er habe darin mit keinem Worte der Absicht Erwähnung getan, abzndankcn. Der Fürst und die Fürstin werden vielmehr in Durazzo bleiben.

Fn einem Privathause in der Hosvitalgasse in Sara­gossa hat man zwei äußerst gefährliche Höllenmaschinen ge­funden. Zwei Individuen, die man mit den in Paris ver­hafteten russischen Anarchisten in Verbindung bringt, sind verhaftet worden.

Nach Meldungen ans Juarc; hat die amerikanische Regierung alle Nebcllcnhänptcr nnsgrsordcrt, den Feldzug einzustellen und die Vermittlung abzuwarten. Das Resultat ist recht zweifelhaft, Villa steht mit einer bedeutenden Trnp- penmacht in der Stadt Ebihuahua.

Frivoles Beginnen.

Andauernd braucht die Sozialdemokratie starke Mittel, Am die Massen in Erregung zu halten. Da ein Stillstand in ihrem Partcileben eingctrcten ist, die rote Woche, die De­batten über den Maifeiertag ja selbst über den Generalstreik nicht die gewünschte Wirkung einer regeren Beteiligung brarlllen, erörtern die Theoretiker die Ursachen der flauen Stimmung, als deren einen Grund dieLeipziger Volks­zeitung" die starke sportliche Betätigung der jugendlichen Genossen bezeichnen, die der Partei die werbenden Kräfte entzieht. Indes wissen die Praktiker besseren Rat. Sie pro­vozieren einen Streik, denn das hat, wenn große allgemein volitischc Fragen nicht auszuschlachten sind, seine agitatorische Wirkung »och immer getan. Zudem hat ein großer Streik unter Anteilnahme der gesamten Arbeiterschaft seit geraumer Zeit nicht stattgcsundcn, und außerdem sind die Massen durch die Gcneralsttcik-Erörlcrungcn doch nicht ganz unbecinslußt geblieben. Tic Zeit ist also günstig und die Ergebnisse des Riesenstreiks in Erimmitschau und der Mctallarbeitcrbrweg- nng in Berlin mit der angcdrobten Aussperrung von 60 v. H. der Arbeiterschaft sind vergessen. So ist dem, jetzt ton den Genossen in der Lausitzer Tuchindustric ein Streik aus- grtlügelt worden, der der Partei wieder Leben u. Bewegung velfpricht.

Ausgeklügelt, denn nur eine Minderheit der gesamten Arbeiterschaft wurde in den Streik getrieben. Aber ge. >dc die Arbeiter, die Walker, ohne deren Tätigkeit die Tcrtilin- dustric nicht ansgeübt werden kann, und dauüt 30,000 Ar­beiter zur Untätigkeit gezwungen werden. Tie Arbeitgeber hatte» sich bereit erklärt, den Walkern die Löhne nach orts­üblichem Maße aufzubejsern, konnten aber bei den allgemei- hche» Löhnen und den für ihre Erzeugnisse niedrigen Preisen sich zu weiteren Zugeständnissen nicht verstehen. Tic Nicier- lausitzcr Tertilindustriellcn sahen sich, da ein sachgeniäßer Be­trieb ohne die Walker nicht aufrecht zu erhalten ist, gezwua- gen, ihren sänitlichen Arbeitern in Kottbus, Fins.rrwalde, Forst, Guben, Sommerfeld, Spreinberg und Luckenwalde zum 18. Juli zu kündigen, wenn nicht die Walker bis zu die.

sem Tage die Arbeit wieder ausgenommen haben. Diesen Akt der Notwehr nennt derVorwärts" eine Aussperrung und schreibt:

Tritt die Aussperrung wirklich ein, dann konmit für die Arbeiterschaft unter Umständen das neue Regulativ für die Turchfcchtung solcher Kämpfe in Frage, daS sich die Gewerkschaften vor wenigen Wochen in München geschaffen haben. Die Lausitzer Tertilindustricllen hätte» es dann nicht mit den Textilarbeitern allein, sondern mit der - e- sanitcn organisierten Arbeiterschaft Deutschlands zu r.:». Die deutsche Arbeiterschaft ist nickt mehr gewillt, ' ans jedem kleinen Anlaß frivole Riescnaussperrnn bieten zu lassen. Es kann deswegen den Lausitzer " Vitt- riellen passieren, daß sic ihre Bereitwilligkeit, d a Ein­flüsterungen berufsmäßiger Scharfmacher Folge au leisten mit ihrer Existenz bezahlen. Gerade in der Textilindust­rie haben solcke ausgedehnten Kämpfe mehrfach mit dem Erfolg geendet, daß sich die Herstellung bestimter Prokbikte aus der Kampsgegend hinweg nach Orten hingezogen hat, an denen die Konkurrenz lange auf den Augenblick gewar­tet hat, wo sie die bisherigen Hauptproduzenten des betr. Genres aus dem Sattel heben konnte. Die Arbeiter wer­den der Entwickelung der Dinge mit der gelassenen Ruhe cntgegensehcn, die eine starke Organisation verleiht. Im Notfall haben sie die Gcsamtarbeitcrschaft Deutschlands hinter sich, die darauf brennt, mit den Scharfmachern end­lich einnial ernsthaft die Klinge zu kreuzen. Ob diese: Au­genblick der gegebene dazu ist, werden die berufenen In­stanzen der Arbeiterschaft entscheiden."

Was ist das für eine anmaßende Spra'chel Man ist es ja zwar schon, seitdem die revolutionäre Sozialdemokratie die Interessen der Arbeitgeber zu vertreten ogrgibt, gewohnt, daß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kaum mehr ein sreundsihastlichcr Ton zu finden ist. Hier aber wird eine Sprache angeschlagen, wie sic anders nicht gebraucht würde, wenn zwei Gegner sich auf Tod und Leben gegcnübcrstehcn. Der Sozialdemokratie ist es offenbar danini zu ttm, diesen kleinen Anlaß des Streiks der Walker zu einer Machtprobe zu benutzen.

Die Ueberspannung der Macht der Arbcitcrkoalitiancn rief natnrnotwendig den Zusammenschluß der Arbeitgeber hervor. Sollte nun versucht werden, bei einem Streik der Arbeiter einer Industrie auch die anderen Gewerkschaften mit hineinzuziehen, so wird man sich nicht Wundern dürfen, wenn die Arbeitgeber der verwandten Industrien ebenfalls gemein­same Sache machen. Das wissen die Leute, die hinter den Kulissen in unverantwortlicher Weise die Arbeiter gegen die Unternehmer scharfmachen, sehr wohl, und doch Hetzen sie die Organisierten, oft nur um den Bruchteil von Pfennigen in die Streiks.

Bei dem Streik in der Nicdcrlausih spielen keine großen Momente die Hauptrolle. Weder besonders ungünsttge Ar- bcitsbedingungen noch gänzlich unerfüllte Forderungen kam- men in Frage. Er ist nach der Stimmung der roten Treiber als Machtprobe gedacht und muß danach gewertet werden.

Mlliimn fiir die tiMay§mli>.

Die an, Montag in Worms in großer Zahl aus allen Tei­len des Wahlkreises Worins-Heppenheim-Wimpfen versammel­te,' nationalliberalen Vertrauensmänner dieses Wahlkreises habe» einstimmig folgende Resolution gefaßt:

Rahden, an, g. Juli der hessische Landtag geschlossen morden ist, wird es notwendig sei», sich mit den dieses Jahr ftattsindendcn Landtagswahlen zu beschäftigen, zumal sic sür riehr als die Halste aller Kammersitze zu cftolgen haben. De Wahlkämpfe werden in eine Zeit sollen, in der jeder vaterländisch Gesinnte zwar mit der Rühe, welche das Be­wußtsein der Stärke verleiht, aber doch nicht ohne Sorge der gewaltigen Rustungen gedenkt, welche unsere Feinde im Osten wie im Westen augenblicklich vornehmen. In einer solchen Zeit sollten alle national gesinnten Männer nicht vergesicn, daß unser Vaterland nur dann stark und mächtig sein kann, wenn die Regierung sich aus Parteien zu stützen vermag, die fest auf dem Boden der Monarchie stehen, und die in der Sorge sür des Vaterlandes Größe bas Hauptziel aller politischen Tätigkeit erblicken.

Es sollten deshalb bei den nächsten Landtagswahlen zwecklose Kämpfe und Kraftvergeudung unter Parteien un­terbleiben, die in jener Erkennt»» und in jenem Besirebcn einig sind. Aus diesem Grunde ersuchen die nationallibe- ralcn Vertrauensmänner des Wahlkreises Worins-Heppen- hcim-Wimpsc» den geschäftssllhrenden Ausschuß der natio- nalliberalen Partei des Großherzogtums Hessen, frühzeitig genug Schritte zu tun, um eine Einigung der ftaatserhalten- dcn Parteien herbeizuführcn, damit der allen gemeinsame Feind, die Sozialdemokratie, nicht nur keine Gewinne er­zielt, sonder» damit das Bürgertum und die nationale Ar­beiterschaft gestärkt in den Landtag des Großherzogtums cin- zirhen werden. Außer der Sozialdemokratie soll der Kampf auch denjenigen Parteien und Richtungen gelten, welche taktische, das vaterländische Empfinden verlebende Verbin­

dungen irgend welcher Art cinzugchcn gewillt sind, und die infolge degen die Grenzlinie zwischen Bürgertum und So zialdemokratic verwischen.

Der |UcI)dtci»rjtfl in f)eilen.

IG Millionen Mark.

tie VeranIagMg des WehrbeitragcS in Hessen kann, wie dieTarinstädter Zeitung" meldet, in der Hnuptsachc als be- n.bct angesehen werden. Das Ergebnis stellt sich inSgc- samt auf rund 16.000,000 M. Es verteilt sich wie folgt ans die einzelnen VcranIagungs-(Finanza,nts-)Bezirke: Alsfeld 110,919 M., Büdingen 23,908 M., Butzbach 138,072 M . Fricdberg 795,201 M., Gießen 916,878 M., Grünbcrg 56,697 M.. Homberg 42,876 M.. Hungen 358,806 M-, Laute,buch 109,365 M., Nidda 102,972 M., Schotten 32,061 M., Beer- seiden 49,917 M., Darmstadt I 3,553,400 M.. Daruistadt II 187,725 M., Dieburg 113,601 M.. Fürth 128,019 M.. Groß- Gerau 149,205 M., Heppenheim 68,256 M., Höchst 50,919 M. Langen 115,188 M., Michclstadt 226,959 M.. Osfcnbach I 1,728,783 M.. Ofsenbach II 97.488 M., Rcinheim 86,139 M.. Seligenstadt 38,925 M., Zwingendere, 476,235 M., Alz«, 207,108 M., Bingen 357,210 M., Mainz I 2,372,529 M. Mainz II 217,617 M.. Mainz III 456,700 M., Ober-Jngel- Heini 13-1,373 M.. Oppenheim 202,068 M., Osthofen 159 855 M., Wörrstadt 68,589 M., Worms I 1,686,738 M., Wornis II 163,455 M.

Sojinlörmohratni u. Ilatioiialtibrrnlr in ilabrii.

Ter sozialdemokratische Landtagsabgcordnctc Kolb ver­öffentlicht im BadischenVolkssrcund" einen Artikel über da» Ergebnis der Landlagsarbeit. Darin sagt er zum Schluß über die »attische Haltung der Sozialdemokraten bei künftigen Wah­len folgendes:

Jedenfalls geben sich die Nationalliberalen einer gro Täuschung hin, wenn sic glauben, die Soztaldemolratie wirb sich bei den künftigen Wahlen in dieselbe Position drängen lassen, in welcher sic sich bei den Landtagswahlen 19l:i be wnd. Zur Schleppcnträgcrin einer nationalliberalen Man- dutspolitik wird die Sozialdemokratie sich nicht hergeben. Es ist völlig ausgesilslosscn, daß die Sozialdemokratie die No- tionollibcralcn bei de» Wahle» nochmals unterstützt, wenn die Nationalliberalen gleichzeitig auf die Unterstützung des Zentrums spekulieren. Eine solcheEroßblocktaktik" wird die Sozialdemokratie aus keinen Fall mehr mitmachen, denn an einer unter konservativem Einfluß stehendenatio- »elliberalen Partei hat die Sozialdemokratie keinerlei In­teresse, Es muß endlich eine klare politische Situation ge- Ichassen werden. Entweder geht der Kur- nach links oder er geht nach rechts. Die Sozialdemokratie muß es ablehncn die politische Situation verschleiern zu helfen, um den Na­tionalliberalen bei den Wahlen Gelegenheit zu geben, im trüben sischeii zu können.

Wenn die Sozialdemolraten diese Drohung wahr machen wollten, baiin könnten Hoftat Rebmann und seine sunglivcra- lcn Freunde in einer Droschke in den Landtag sal-ren.

Tagesnberslcht.

Äentiches !ieich.

:: Drei sranzösische Ballonsahrer bei Metz ausgehalic«

Vorgestern nachmittag ging bei Rollingcn im Landkreise Metz ein sranzösischer Freiballon mit drei Insassen nieder, die fiii französische Offiziere gehalten wurde». Sie packten den Bal­lon aus ein Fuhrwerk und suhrcn »ach Herlingen in der Ab­sicht, nach Nancy zurückzuethrcn, ohne die vorgeschricbcnc Mcl- duiig an die Behörden erstattet zu haben. Der Gendarm von Herlingen verhaftete sic kurz vor Abfahrt ihres Zuges. D>« Uiilersiichuiig hat ergeben, daß cs sich um drei Zivilisten aus Nancy handelt. Da nichts verdächtiges sestgestellt wurde, er­teilte man ihnen die Erlaubnis zur Rücklehr nach Nancy via Metz.

:: Oberpräsidentenwechfel. Der Rücktritt des Oberpräsiden- ten von Schleswig-Holstein von Bülow soll angeblich bcoor- stehen. Diese Nachricht wird von derNeuen politischen Kor­respondenz" verbreitet, die nicht selten als Sprachrohr des Staatsministeriums benutzt wird. Es fällt auf, daß andere Blätter diese Nachricht mit Quellenangabe zitieren. Der an­gebliche Rücktritt soll mit der in letzter Zeit scharf gehandhab- ten Ausweisungspolitik gegenüber der dänischen Opposition ul Verbindung stehen.

Oesterreich.

:: Die diplou-atsiche Attion Oesterreichs IN Belgrad. Wie

demFrank,urter General-Anzeiger" vo» unterrichteter Seite aus Wien gemeldet wird, dürste der Schritt der Wiener Regie­rung in Belgrad eine» ausschließlich diplomatischen Eharaller habe». Sie niinmt nicht etwa Bezug aus das kriminelle Er­gebnis der gerichtlichen Untersuchung, die überdies noch nicht obgcfchlosien ist, sonder» aus die im Jahre 1809 zwischen der Habsburgischcn Monarchie und Serbien geschlossenen Akte, wo­rin Serbien die Erllärung abgab, sich mit der Einverleibung von Bosnien und der Herzegowina abzufinden. Jenes Ueber- einkoinmen. das von serbischer Seite der damaliae Gesandt