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Nummer 163

Mittwoch, den 15. Juli 1914.

7. Iahrgnirci

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Dieftcue kaxcosritnng" erscheint >cden Werktag. Regelmäßige BeilagenBrr llaurr »u» Oelsen", ,,Pi« Kpinnllubc". r.1rz»goxrci»: Bei den Postanstalten vieriellährlich 'Mil. l,y5 lei een Agenten monailich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anieigen: Grundzefte 20 Psg., lokale 15 Psg^ Anzeige» von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Kchrikttritnng und Verlag Friedbeig (Hessen), Hanaucrärage 12. Fernsprecher 18. Postscheck-Canto Rr. 185», Amt Fraiilsurt M.

Nedersicht.

Mit dem 22 Wochen dauernden Streik der Massen­arbeit befaßte sich gestern Abend eine Generalversammlung des Solinger FabrikantenverbandcS. Die Versammlung be- schloß, Einigungsverhandlungcn erneut zu unternehmen. Sollten diese binnen kurzem zu keinem Ergebnis führen, so soll die Aussperrung der gesamten Arbeiterschaft vorgenom. tut, werden. In dicscmFalle dürsten 15000 Arbeiter von der Aussperrung bctrosfen werden.

Im Kreise Melle und in der Bündcr Gegend ging stellenweise schwerer Hagel nieder, begleitet von Wolkcnbruch und Regen, welcher große Verwüstungen anrichtete.

In Nancy haben sich bei der Truppenschau 35 Fälle von Sonnenstich ereignet. 8 Soldaten mußten sofort ins Lazarett gebracht werden. Niemand befindet sich in lebens­gefährlichem Zustande.

Ein Schwarm von Heuschrecken hat Eorsica in der Gegend von Balagna hcimgcsucht. Das Pariser Institut hat sofort einen Vertreter nach Corsica entsandt, um ver­schiedene Mittel zur Vernichtung der Insekten in Anwend­ung zu bringen.

Ans einem Abteil dritter Klaffe wurde ans der Fahrt von Belgrad nach Pest rin gewisser Konto verhaftet, der ehemaliger österreichischer Landwehrlcutnant ist, aber zum Gemeine» degradiert wiirde. Man fand in scineiii Koffer zahlreiche Briefe serbischer Offiziere. Auch andere bei ihm vorgcfiindenc Schriftstücke lenkten den Verdacht auf Spio­nage. Er wurde einstweilen in Polizeigewahrsain genommen

Fürst Wilhelm hat die Deiniflion des Justizministers Mnsid Bci angenommen, dcffe» Ressort Raga Bei überneh­men wird.

Nach hier eingetroffenen Meldungen steht der Fall Valonas unmittelbar bevor, da die Stadt wegen ihrer un­günstigen Lage sowie wegen der geringen Bei ' ig -inen Ansturm der Ausständischen nicht aushalten kann. In den feindliche» Positionen bci Rastbul herrsckst lebhafte Beweg- ung und »lau nimmt an, daß mehrere Geschütze aufgestellt wurden. Ismail Keuial Bei hat sich nach Valona begeben.

Tie Nachrichten ans Mexiko lauten völlig entgegen­gesetzt. Aus Walhington wird gemeldet, gestützt auf den Tericht des brasilianischen Vertreters in der Stadt Mexiko, daß Huerta heute resigniere, wahrend die Stadt Meriko di­rekt meldet, Huerta habe am Sonnabend erklärt, er werde nicht zurücktrctcn.

Mich haste yejelin!"

Es war anzunehmcn, daß der Französling I. I. Waltz, sie» Hansi die ihm vom Reichsgericht am 9. d. Mts. zndik- ticrtc Gcsängnisstrase von einem Jahr nicht verbüßen würde. Schon nach der ersten Verhandlung durch das Landgericht in Kolmar, die zu der Verhandlung vor dem Reichsgericht führte, hatte der Staatsanwalt die Verhaf­tung Hansis verfügt. Gegen 25,000 Mk. wurde er sedoch aus freiem Fuß belassen. Trotzdem also die starke Wahr­scheinlichkeit für einen Fluchtverdacht vorlag, erweiterte dos Gerickit die dein Verurteilten zubcmessene Frist von zwei ans vier Tage zum Strafantritt. Hanfs hatte angegeben, seinen Vater besuchen zu wollen. Weitherzig wurde ihm das gewählt. Hansi aber lohnt dieses rücksichtsvolle Ent- gcgcnkomnien schlecht, er fährt straks nach Belfort und läßt von dort aus die osfiziöseAgcnce Havas" melden:

Der Zeichner Waltz genannt Hansi, der Freitag abend hier angckommcn war, hat den heutigen Tag mit seinen Freunden verbracht. Um 7 Uhr 20 Min. abends ist er nach Epinal abgereist.

Und im Lause der Nacht zum Sonntag traf nun beim Landgericht in Kolmar nicht etwa Hansi, nein, ein Tele­gramm von ihm ein mit den ebenso höflichen Win von fran- zösischeni Esprit zugendcn Worten:Mich haste gesehen!" Hansi" hat also französisch Abschied genoiniiien und wie sein Gruß ans Belfort zeigt, spricht daraus die Freude, die deutschen Tölpel gcnasführt zn haben, die den Vogel aus dem Garn ließen. Mit ihm werden selbstverständlich alle Rcvanckzeschrcici jenseits der Vogesen jubeln und Monsieur Waltz zun, Märtyrer erheben. Vielleicht blüht ihm bald das Kreuz der Ehrenlegion, wie ja die französische Akadeniic ihn schon mit einem Geldpreis bedachte, den er ja nun aller­dings in der Kautionssumme in den Händen der deutschen Barbaren lassen nmßte. Da er den Preis ja aber nicht siir die Güte seiner Zeichnungen, sondern für die daraus zum Ausdruck kommende Güte der Gesinnung erhielt, ist nicht abzusebcn, waruinHansi" schon am Ende seiner Ehrungen sein sollte. Dreimal war er bereits verurteilt worden we­gen Verächtlichmachung des Teutschtinns und noch jedesinal hat er seine Leistungen zu steigern gewußt. Nun im schützenden Bereich der blau-weih-roten Grcnzpsähle wird er sich ganz auslcben dürfen, wird beweisen können, daß auch nichts mehr an seine verhaßte schwäbische Abkunft erinnert. Er hat nun nicht mehr, wie vor den Schranken des Reichs­gerichts nötig, seine deutschfeindliche Kelinnung zu bestrei­

ten und kann sie rückhaltlos erweisen. Für Hansis Wahl­verwandtschaft mag das nötig sein, für die Deutschen, die er liebenswürdigerweise als ein Volk von Uhrcndieben be­zeichnet, die er mit Raubtieren vergleicht, nicht. Dazu waren seine Zeichnungen zu deutlich, die er in dem von dem Ge- richt beanstandeten BucheMan village" mit Sähen be­gleitete, wie die folgenden:

Wenn wir auch niedergedrückt sind durch da? bru­tale Gesetz der Eroberer, so scheint cs dock, daß die Unge­rechtigkeiten zu sckwer, die Leiden zu groß sind, als daß sie ewig dauern könnten. In den Ohren hören wir immer den Schwur unserer Väter, unser Reckt als Esjoß- Lothringer zu verlangen und Glieder der französisch-n Nation zu bleiben. Der Gendarm unternimmt mit sei­ner Familie einen Ausflug- Sein Wickelkind im Kinder- wagen trägt einen Prcußenhclm. Wo der Gendarm sich zeigt, hören die Vögel und die Kinder auf zu singen."

An anderer Stelle sagt Hansi:Auf daS eroberte Land stürzte sich eine wahllose Horde, ihre wimnielndc Masse er­innerte an die ersten Barbarcncinfälle und cs kamen ihrer immer mehr, Rothaarige und Flachsblonde, Dicke und Magere, Badener und Bayern und vor allem die großmäul­igen Preußen." Hunnen nennt der famose Herr Waltz die Deutschen, die Elsaß-Lothringer eroberten und schildert ihren Einzug:

Sobald ihre Horden in die Nähe eines elsässischen Bauernhauses kamen, plünderten sic den Hühnerhof. Sic nahmen alles, aber vor allem hatten sie es auf die Eier abgesehen. Sie machten daraus ungeheure Omeletten, die sie außerordentlich schätzten und die so groß w^ren, daß sie die Eier dazu nrit den Füßen zertrainpelten, da­mit es schneller ging. Dann kamen die Preußen, die noch viel unkultivierter als di« anderen waren, und die Sachsen, deren Häuptling aus seinem Helm ein großzüig- iges Hirschgeweih trug. In der Mitte der Hunnen siel ein fremdartiges Wesen ans, welches ebenso sehr ein Affe wie ein Mensch sein konnte, ganz klein mit riesigen Armen und mit grausamen wie wilden Augen, kurz einer, der wie ein Alldeutscher aussieht: Das war Attila, ihr Häuvt- lingl"

Auf eben solcher Höhe wie die Sprache bewegen sich die Zeichnungen Hansis. Man beachte ja, diese Schilderungen sind für Kinder geschrieben, man beachte, daß Frankreich, das sich seiner kulturellen Höhe rühmt, den Autor wie einen Heros verherrlicht. Gewiß, im Nationalitätenkampf wird manches scharfe Wort nachgesehcn werden: die offenkundigen boshaften Lügen des Herrn Waltz, denen jeder Schein histo­rischer Berechtigung fehlt, gehen aber doch tveit über das Maß hinaus. So erfolgte denn das Urteil des Reichsge­richts mit Fug und Recht: es hieße sich selbst entmannen, wollte ein Volk innerhalb seiner eigenen Grenzen solche Schmähungen dulden. Allen Tatsachen schlägt Waltz glatt ins Gesicht mit seinen Behauptungen von dein kulturellen Niedergang Elsaß-Lothringens unter der deutschen Herr­schaft. M: doch selbst der französische Sozialist Hcrvck in seiner Schrift,Elsaß-Lothringen und die deutsch-franzö- fische Verständigung" gestehen:

Unter der deutschen Regierung nahni Elsaß-Loth- ringcn einen Aufschwung, den es vor der Annexion nicht gekannt hatte."

Aus allen Vorgängen der letzten Jahre in den Reichs­landen geht hervor, daß die Versöhnungspolitik unangc- bracht war. Sic wird als Schwäche betrachtet von den Französlingc». Das zeigt das Auftreten der Wctterlä und Blnmcnthal ebenso deutlich, wie das Betragen der Dieden- hofcr Kapläne in der Festungsstubc zu Magdeburg, wo sic auf den weißgetünchtcn Wänden ihre Gesinnung dokiimen- tiertcn und sich, wie der daran beteiligte Abbö Hcnneqnin, dann in französischer OfsizierSuniform photographieren lie­ßen, das beweist der Sudler Waltz durch seine Fliicht und teilt Telegramm. Jede Milde ist unangebracht, denn sie wird nicht verstanden. Ob Herr Waltz seine Strafe ver­büßt oder nicht, kann in Paris schließlich gleichgültig sein, die Hauptsacke war die Feststellung, daß das deutsche Volk nicht beschimpft werden darf. Um dos moralischen Erfolges aber hätten die Gerichte dem Verurteilten jede Flnchtmög- lichkcit- abschneiden müssen. Jetzt triumphiert höhnend der Frechling über da? deutsche Gericht: mich haste gesehen-

liebt der tapfere Hansi nun seine Tätigkeit jenseits der Grenze, so werden die dcntscken Behörden ein wachsames Auge aus seine Erzeugnisse haben niüsscn.

Tnklesnbcrlrchl.

Lcntlches I5eidr-

:: 15 Jahre Zuchthaus für de» Landesverräter Pshl. Das Kriegsgericht der Kgl. Kommandantur in Berlin verurteilte gestern nachmittag den Vizcfeldwebel Pohl wegen Verrats militärilchcr Geheimnisse und Bestechung zu 15 Jahren Zucht­haus, 10 Jahre Ehrverlust, Stellung unter Polizciaufficht und Ausstoßung aus dem Leere. Die bei ihm bclcblaanabmtcn 500

Marl wurden als dem Staate verfallen erklärt. Im Interesse der -Naatsstcherhcit wurde die Begründung des Urteils in nichiössentlichcr Sitzung rerlündct. Bci der Ilrtcilsvcrkundig- ung brach der Angeklagte ohnmächtig zusammen. Der Ange­klagte ist nach dem alten Spionagegcsetz verurteilt worden, weil seine Taten noch unter der Geltung dieser Gesetzes began­gen worden |,uö. Nach dem neuen Spionagegcsctze hätte we- !'U, dieser Vergehen aus lebenslängliches Zuchthaus erkannt werden könne»,

:: Schwerer Unfall bci einer Schießübung. Beim 0. Garde- tcldartillcrie Regiment, das sich zur Zeit in Dööcritz b-sindct, ereignete sich gestern ein schwerer Unfall. Sechs «kann erlit­ten bei einer Schießübung innere Verletzungen. Man war ge- rüde bannt beschäftigt, einen Pulvcrrcst zur Abgabe scriig zu Nillchen, als der Blitz in die Pulvcrmcngc fuhr und diese ent­zündete. Sechs Mann der Bedienung erlitten Im Gesicht und an den Länden Brandwunden. Bier Mann waren schwer ver letzt wurden, daß sie ins Lazarett gebracht werden mußten.

Oesterreich.

:: Verschwörung von Enmnasialschiilern. Aus Dolna Tuzla wird gemeldet: Die Polizei hat erfahren, daß sich nntcr den dortigen Gymnastalschülcrn serbischer Nationalität eine «er- s-ywörung gebildet hatte, die auch von dem geplanten Attentat auf das Erzherzog Thronfolgcrpaar wußten. An ihrer Spitze stand ein Gymnasialobcrlehrer. Bisher sind 00 Studenten ver­holtet worden. Die Polizei und die Gendarmen nehmen fort­während und überall Haussuchungen vor. Ueber die bisher in Bosnien und der Herzegowina verhafteten Personen lassen sich keine genauen Angaben machen.

Rußland.

:: Tropische Hitze. Die tropische Hitze dauert an, man ver­zeichnet 50 Grad R. im Schatten und diesen hohen Stand hat das Thermometer hier in Petersburg seit Menschcngedenkcn n-cht erreicht. Täglich brechen Menschen und Tiere in den Stra- hen insolge von Hitzschlag zusammen. Die Pferde werden mit kaltes» Wasser begaffen und mit Eis abgericbcn. Die schmach­tende Einwohncrschast konsumiert in Mengen kühlende Ge-' tränke, die jetzt zur Neige gehe». In den Bierbrauereien sind die Pjcrvorrätc erschöpst und künstliches Eis wird maffenhajt erzeugt und zu teuren Preisen verlaust,

:: Russische Gouverneure. Der Dumaabgcordnetc Parisch kcwitsch hat bekanntlich in einer Rede eine Anzahl Gouverneure der Korruption und laslcrhasten Lebensführung beschuldigt. Die Gouverneure wollten Purischlewitsch wegen Verleumdung verklagen und den Anfang hierzu machte der Gouverneur von Kiew. Der Ministerrat hat setzt diese Angelegenheit gcvrüft und angecrdnct, daß die Verleuwdungsklagen unterbleiben Man sogt, daß Purischlewitsch wesentliche Punkte seiner Be­schuldigung beweisen könne.

Albanien,

:: Italienisch-österreichisches Vorgehen in Albanien? Der

Avanti" will erfahren haben, daß Italien positive Vorberei­tungen zu einer Expedition nach Albanien gctrosscn habe, die auch gleichzeitig österreichische Maßregeln in Pola und Dalma­tien veranlaßt hätten. Das 7. Artillerie-Regiment in Parma, aas sich aus dem Schießplatz in Braociano befand, sei mobil gemacht worden und nach einem unbekannten Bestimmungsort abgcgsngcn: ebenso sollen in Caserta Truppen für Albanien zusamnrengezogcn worden sein und die Order erhalten haben, sich zun, Ausmarsch bereit zu halten. Unabhängig von die­sen Mitieilungcn herrscht in Mailand allgemein die Ansicht vor, daß eine italienische Expedition nach Valona unmittelbar in greifbare Nähe gerückt sei. Die Einnahme von Berat durch di- Ausständischen, namentlich der Einzug der Epiratcn in Ficri lassen Valona und die italienischen Interessen in Eüd- albanien als unnuttclbar bedroht erscheinen. Man traut we­der der Versicherung des Athener Kabinetts, daß die Epiratcn nicht in Valona einzichen werden, nach dem Befehle des An­führers Zographos an seine Truppen, in Berat zu bleiben. Bei der kurzen Enifernung von Ficri nach Valona und der Schutz­losigkeit dieser Stadt, hält man die Epiroten für Ratschläge zur Mäßigung nicht mehr cmpsänglich. Vor Valona liegen 2 Kriegsschiffe, ein italienisches und ein österreichisches, deren Besatzungen wohl ausrcichcn, Leben und Gut der Angheörigen dieser beiden Nationen zu schützen. Für den Schuh der adriati- schc» Jntcrcffcn seien sie jedoch absolut unzulänglich. Unter diesen Uuiständen glaubt man, daß die Einberufung der italie­nischen Reserven einen Zug nach Valona einteitct.

:: Dir Lage in Valona. Man sülchtet, daß Valona sich nicht iängcr als zwei Tage wird halten können. Der General Teuocr beabsichtigt, die Stadt mit der gesamten Besatzung zu verlasscu, weil die Lage zu ungünstig und die Garnison zu schwach ist, um den Rebellen länger Widerstand leisten zu lön- ncu. Zwei italienische Dampser befinden sich aus der Fahrt nach Valona, um die italienische Kclcnic in Sicherheit zu brin­gen, Es heißt, daß ein Teil der vor Durazzo veranlertcn Flo- tiuc heute nach Valona abgchen wird China,

:: Die Anarchie im Lande, In Gaichuatschcn ist unter den Tnippe» die Anarchie ausgebrochen. Banden von Soldaten ziehen unihcr und rauben Passanten und Läden aus und I-bcuen sich auch nicht vor Raubmcrdcn. Die Regieruna ist