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7. Jahrgang
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r -oben
Iledrrsrcht.
— Der Flieger Rcinhold Böhm, der gester» abend »in
d. 2ü Uhr ausgesticgc» ivar, um den Dauer,uclirckvrd zu brrchcn, schlug den Tauern rittrkord l-o» 21 Stunde» 10 Mi», um 2 Stunden 23 Min. mit 24 St. 12 Min.
— Nach Mitteilung des Finanzniinistcrininö beläuft sich der Wehrbcitrag im Grosiherzogtnm Sachseu-Weiinar
e. us 4,820,000 M.
— ?In der Wiener Universität ist eine Bewegung im Gange serbische Studenten znm St-.?. ::>m nicht mehr zuzu- lasie». Eine diesbezügliche von nnireren Pecfcssorc» Unterzeichnete Eingabe ist dcur Nekiorat bereits iibergebe» worden.
— Die Waldbriiudc in der Umgegend von Moskau und Jekoterinruburg dauern au. Tie Stunde sind in Wollen von Ranch gehüllt. Die Waldbrändc im Gouvernement v. Pskow erstrecken sich uns eine Ausdehnung von 170 Kilo» mctcr.
— Ein gestern veröffentlichtes Dekret ruft die Jahres, klage 1801 unter die Fahnen. Ausgenonrnicn sind vor- löusig die Reservisten, die mit Erlaubnis der Militärbehörde sich ini Auslande befinden.
— Tic albanischen Rrbcllen haben am 12. Juli Berat genommen. Kapitän Gilardi ist niit den Bcbörden in der Richtung nach Volona geflüchtet. Dos Schicksal der Truppen ist unbekannt. Palona ist nahezu schutzlos.
— Ein Automobil, das init zehn Personen besetzt war, wurde in der Röhe von Tanrirt von vierzig Marokkanern angegriffen, die vier Insassen töteten und einen verwundeten. Tie übrigen entflohen. Einer der Angreifer wurde erschossen. Truppen sind zur Verfolgung der Räuber ans- gcbrcchen.
Tic dritte Revolution in China hat begonnen. In
Hanknn und in In Chan bilden Revolutionäre eine wahre Kliegsmacht, in der 50,000 reguläre Truppen unter der Bezeichnung „die dritte chinesische Division" vereinigt sind. Es werden täglich neue Freiwillige angeworben. Man vcr- mutet, daß die kriegerische Aktion in den nächsten Tagen ihren Anfang nehmen wird.
— In der Provinz Hnanghn» haben Urbcrschwemin- »ngc„ unabsehbare Verheerungen angerichtet. 100,000 von Einwohnern entbehre» der notwendigen Nahrungsmittel. Tos Elend wird täglich größer. Unter dem hungernden Volke machen sich Unruhen bemerkbar.
— Eine schreckliche Katastrophe hat sich an Bord des chinesischen Kanonenboote» „Pungschi" ereignet. Auf noch ungeklärte Weise explodierte eine Bombe, wobei 38 Marine- soldatcn getötet wurden. Einzelheiten über die Ursache des Unglücks stehen noch aus.
— Nach Berichten aus wohlunterrichteten Kreisen soll Huertas Entlasinngo Gesuch dem Kongreß in der morgigen Sitzung unterbreitet werden. Ter neue Minister des Aeuß- crn Carboial. der in diesem Fall sein Nachfolger wird, erklärte, daß seiner Ernennung im geheimen von Carranza und den Vereinigte» Staaten zugcstimmt sei.
Gesterrich-Ungarn und Serbirn.
»Immer langsam voran!" Dar war von je die Parole, die man in Oesterreich.-Ungarn >» alle» Dinge» befolgte, und von bcr man nicht abwich, so ost man auch ihre Schattenseite hatte wohrnehnicn müssen. Angesichts der Katastrophe, der der Ihrensolger und seine Gcinohli» in Serajewo zum Opicr gefallen ist, scheint man sich in der Donaumonarchie doch endlich einmal ermannen und mit größerer Energie Vorgehen zu wollen. Endlich will man mit der fast traditionell gewordenen , Schlamperei ' ausräumcn, die scholl manche Schädlichkeiten im Erfolg« gehabt hat und nunmehr reinen Tisch machen. Iin 'Uzten Ministerrat haben sehr eingehende Beratungen über die Schritt« ftattgesundcn, die rrsordcilich sind, um die bei dem Attentat in die Erscheinung getretenen Begleitumstände nach Möglichkeit zu beseitigen. Daß solche Maßnahmen erforderlich sind, ist ein Beweis dafür, daß man bisher nick» die richtigen R.'eac eingeschlagen und viele llntcriassungssüllde» begangen bat Jetzt mit einem Male sollen in Bosnien eine Reihe von Veränderungen vcrwaltungsrcchllicher Natur, aus dem Gebiete der Polizei, des Bersammlungswesens und der Schule bevor- stchcn, ebenso soll eine strasjere Handhabung der Grenzpolizei cintreleu. Man muß sich da wirklich die Frage varlcgen, n a- die nicht schon slühcr geschehe» ist, denn die Dinge in je- »---> Wetterwlnkel ließen schau seit langem zn wünschen übrig und die österreichische Regiciung muß!« genau wisicn, mit wem sie c- zu tu» Halle. Wenn bas Kind in de» Brunnen gefallen ist. d.-ck! man die Oesinung zu. Hätte man schon früher L'> Zügcl Y'raffer angezogen, dann wäre vielleicht der Gang der Dilige c>n anderer gewesen. Sa kennte die großserbisck-e Agitation se.st gänzlirb unbehindert einen großen Umfang av-eh- men und die entsetzliche Tat zeitigen, deren Folgen sich für die Donaulnonarchie heute noch gar nicht übersehen lasten. Andererseits ist es zu begrüßen, wenn die österreichische Regierung es gleichzeitig auch versteht, sich Mäßigung auf,»erlegen, weniq- ßens vorläusig und zwar bei ibren BerhanLIunacn mit der
serbischc» Regierung. Diese an sich tann niemand für das I r- klageusnerlc Ereignis verantwortlich machen, und die österreichische Diploinatie tan» sich bei ihren Borstellungc» in Belgrad nur i» ganz bestimmte Grenzen halten, wenn sie nicht einen solgenschweren Kanflilt hcrausbclchwörcn will. Bei dun geplanten Schritt will die ästcireichisch-ungarische Negierung alles vermeiden, was als Eingrifs in die staatlicchn Hoheii- rechte Serbiens angenommen werden kännie. Man werde die serbische Regierung nichts zuniliten, was als Aisrant oder De mütigung angesehen werden tonnte. Man wird sich darauf beschranken, von der serbischen Regierung zu verlangen, vag die bei der Anstiftung des Attentals beteiligten Personen bestraft und Borkchrungen getroffen werden zur Abschassuug von Ucbclständen, deren Weiteibcstand einen lorrckien 3Ia.lt- barvcrkehr ausschlicßcn könnlc. In diesem Standpunkt wird sich die österreichisch-,mgarische Regierung hossenlkich auch nicht durch die Haltung der serbischen Presse bcii:cn lasten, deren Sprach» immer maßloser wird und den grimmigsten Haß gegen Oesterreich atmet. Ministerpräsident Pasitsch hat zwar zupe- sagt, diesem Treiben ein Ende zu machen, lcidcr scheint er hierzu machtlos zu sei», denn cs ist lein Grund anzunchmcn, daß er die Bcwcgiing tatkräftig zu fördern sucht. Serbien ist in wirtschaftlicher Hinsicht sehr aus den österreichischen Nachbar angewiesen und es würde sich selbst aus das schwerste schädigen, wen» schwerwiegende Disserenzcn sich häufen und andauern würden.
Eine nette ^raktionsgemeinjchnft.
Pfarrer Korcll kann sich iiiiiiier noch nicht über das Ergebnis der Abstimmung über die kirchcnpolitischen Gesetze im hessischen Landtag beruhigen. In seinem Ingelheinier Lcib- organ veröffentlicht er zwei mit seinem Namen gezeichnete Aufsätze, worin er seiner Fraktionskollcgen, die anders wie er gestimmt haben, mit folgenden Liebenswürdigkeiten ge- denkt:
„Es ist keine Rede davon, daß die Abgeordneten, welche dem Zentrum dienstbar waren, ini Herzen die Vorlage gebilligt hätten. Unser Vorsitzender Reh hatte sich festgclegt und zwar auS seiner Ansfassnng von Pari- tat, die wir anderen für falsch halten (!!) Grüncwald sprang ihin bei: Heerdt denkt in diesen Dingen streng kirchlich und Danim — ja dessen Gründe kenne ich nicht, sie werden aber auf der Linie liegen, die leider auch andere bewogen haben, der Vorlage zuzustimmcn: Rücksichten auf die nächsten Landtagswahlcn. Dies sind nun jedermanns eigene Angelegenheiten: wogegen aber Nachdruck- lich Widerspruch erhoben werden muß, das ist die Maskierung der wahren Gründe. Man soll nicht den gewissenhaften markieren, wenn man von vornherein entschlossen war, seine Bedenken dom Bündnis mit dem Zentrum zu opfern und man soll nicht Toleranz gegen die katholischen Mitglieder heißen, was weiter nichts als politischer Schacher ist. Ich nehme es niemanden übel, wenn er glaubt, mit dem Zentrum politische Geschäfte machen zn können, aber dann soll er uns mit wertlosen Phrasen gegen die Gesetzesübertretungen der Orden und mit widerwärtigen Komplimenten für die Evangelischen per- schonen, wo doch das politische Bündnis mit dem Zentriim das Fnndanient der ganzen Stellungnahme ist."
Wir können dem „Mainzer Journal" nur znstiminen, das z» dieser Betrachtung bcnicrkt:
„Wahrlich, eine nette Fraktionsgemeinschaft, in der ein Mitglied seine Kollegen im eigenen Parteiorgan in dieser Weise anzunagcln sich gestatten darf."
Eastrsndcrsrcht.
i-eutjki,es ilcirii-
:: „Honst" nach Frankreich entwischt. „Hanfi" ist über die französische Grenze entwichen. Am Freitag hatte er noch er- Ilärt, daß er die einjährige Gefängnisstrafe, die er für sein Buch „Dion Village" vom Reichsgericht erhalten hatte, antre- ten werde. Im Laufe der Nacht traf jedoch beim Gericht in Koliuar ein Telegramm ein, das in Bclsart ausgegeben war und solgcndcn Wortlaut hatte: „Mich haste gesehen!" Waltz tst am Samstag morgen auch in Belsort gesehen worden. Bc- kanntltch hatte der Verurteilte eine Kaution ran 25 000 Marl hinterlegt. Diese ist nun natürlich verfallen.
:: Ein Systemwechsel in Vraunschwcig? Die Ernennung des Regierungsrats Dedelind zum Mitglied des braunschweigijchen Staatsniinislcriums hat in Braunschweig überrascht. Ein Ministerium Dcdckind wurde in Braunschweig schon lange erwartet, jedoch in einer gänzlich anderen Form. Der jetzt zum Mitglied des Siatsininisteriums ousersehcne Regicrungsrat Dcde- kind ist ein Bruder des Rechtsanwaltes gleichen Namens, der durch sein energisch-rücksichtsloscs Eintreten für das Haus Braunschwcig-Lüneburg im Landtage und auf den Parteita.uii viel von sich reden machte. Aus diesen Gründen hielt man -hn fui den künftigen leitenden braunschweigischen Staatsmann. Eine Kursänderung im braunschweigischen Negierungssystem ist aber unverlcnnbar. Die Berusung Dedekinds bedeutet aber auch eine stillschweigende Anerkennung der braunjchwcigisch- welsischcn Pariei für ihre slühcr geleisteten Dienste.
Oesterreich.
:i Vermehrung der bosnisch herzegowinischen Erenztrnpprn.
Wie die „Militärische Rundschau" crsährt, ist eine bcträ htlich- Vermehrung und Ausgestallung der bosnischen und herzcgaw,- nlschc» Grcnzjägcrtriippcn sowie der Gendarmerie dar'is.-lbst he- - schiosten worden. Ucber die Durchsührung dieser Maßnahmen, die bereits für die nächste Zeit erwartet werden, sindc.i gegen-' wärlig i„ den beteiligte» Ministerien Beratungen statt und <s verlautet, daß ein diesbezügliches Piojekt schon in wciii-'.en Togen der Militärlanzlci des Kaisers vorgclcgt wird. Diese Bor- iehrungen stehe» im engsten Zusammenhang mit der in, letzten gemeinsamen Ministerrat bcschlostenen schärferen Grenzüber- wachung und find auch vom militärische» Standpiiiilt aus zu begrüße».
England.
:: Die Bewegung im kllstcrgcbict. Die- Ulsterrebcllen legen eine große Rührigkeit o» den Tag und sind bemüht, ihre Militärische Ausbildung auf einen möglichst hohen Stand zu brm- ge». Wie aus Belfast gemeldet wird, wurde von dem aus III- sicrfrciwilligcn gebildeten Südbelsaster Regiment eine neue »;« tcressante militärische Hebung ausgcsührt, indem zwei Bnloil, lone in voller Ausrüstung auf Automobilen nach dem Lager von Ballywallcr befördert wurden. In Gruppen van zehn fuhren die Autamabile, die van Privatleuten zu diesem Zwecke geliehen worden waren, vor, die Mannschasten sprangen hinein, und i„ weniger als einer Viertelstunde war der letzte Wage,, davongesaust. Die Ulstcrjührcr setzen ihren ganzen Stolz M- rein. eine größere Truppcnanzahl mit Gepäck möglichst schnell von einem Platz nach dem anderen zu schasse», und ihre vorgestrige Leistung scheint zu beweisen, daß die Verwendung von Kraftwagen zu militärische» Transporten eine Umwälzung in der Bcjörderungsart von Truppen bedeutet.
Rußland.
:: Diohende Mißernte. An der Petersburger Eclreidcbörse hält inan nach den letzten Saatrnstandsbcrichtcn eine große Mißernte für unausbleiblich. Innerhalb 21 Stunden hat bie große Dürre Getreide und Futlcrmiitcl in großer Menge versengt. In 10 Gouvernements wurde über eine Million Dcja-.- tinengetrcide vom Hagel vernichtet. In anderen Eauverne- inents wurde 380 000 Dcjactincn Getreide von den Inselle» aufgesrcssen. Im Kaukasus haben Feldmäuse einen ungeheuren Sck-adcn angcrichtet. Die Getreidefelder Rußlands diele» -in trostloses Bild.
Serbien.
:: Ei« Schritt der Triple-Entente. Das „Reue Wiener Tageblatt" crsährt von unterrichteter Seite, die Nachricht bestätige sich, daß die Mächte der Triple-Entente durch ihre Belgrader Gesandten der der serbischen Regierung inen sreiiiid- schaftlichcn Schritt unternehmen weiden, um auf die Rotwcn- digleit geeigneter Maßnahmen gegen die anarchistischen Elemente zu verweisen. Der Schritt der Triple-Entente durste unmittelbar bevarstehen und man habe Grund zu der Annahme, grober Gesandten bei der serbischen Regierung einen srcund schaftlichea Rat auch in dem Sinne abgeben werde», daß Serbien durch seine Maßnahmen zur Beruhigung Oesterreich Ungarns beitragen möge.
:: Zum Tode der Gesandten vo» Hartwig. In Belgrader Rcgicrungslreisen wird der Tod des Gesandten Hartwig als ein unersetzlicher Verlust für Serbien' bezeichnet. Es habe vor ihm keinen Diplomaten gegeben, der ein so warmer »nd auc- richtigcr Freund Serbiens gewesen sei. Hartwig habe bezüglich seiner Stellung zu Oesterreich-Ungar» sich in derselben Lage bi- sundc», wie Dclcassec gegenüber Deutschland. Man gebe jeder!' der Ueberzcugung Ausdruck, daß die russische Politik, die Hartwig so crsolgreich vertreten habe, durch seinen tragischen Tel, keinerlei Veränderung erfahren werde. Der verstorbene russische Gesandte von Halwig war schon seit längerer Zeit schwer herzleiüend. Er beabsichtigte daher, Belgrad in der ii-irl,steil Woche zu vcrlajse», um sich nach Nauheim zur Kur zu begeben. — Di« Rachruse der russischen Presse stimmen darin überein, daß Rußland in Hartwig einen bedeutenden Diplamatcn ver loren hoi. Dagegen ist die Beurteilung seiner Politik nicht einheitlich. Allgemein wird seine Rolle bei der Begründung des Ballanbnndes hervargchobc» und bi« „Rowaje Wremja", die dem Verstorbenen nahe steht, weist aus seine Verjähnungspe'llH' hiu, als er nach dem zweiten Bailankriege Serbien zu einen, Entgegenkommen gegenüber Bulgarien bewog und dadurch wenigstens einen erträglichen Zustand herbcisührte.
Griechenland.
:: Trohciidcr Krieg mit der Türkei und Italic». Nach einem Telcgramiu der „Tribuna" aus Brindisi rechnet - :-a mit ziemlicher Bestimmtheit auf den Ausbruch eines türkisch- griechischen Krieges-. Diese Ansicht wird noch erhärtet durch die Erklärungen mehrerer türkischer Offiziere, die hier .wr einigen Tagen eiugctrossen sind. Die Offiziere gaben an, au oder türkischen Armee nusgcstoßen worden zu sein und beabsichtigen angeblich sich nach Albanien zn begeben. Ans die Frage, ob sie mit der Möglichkeit einer kriegeeftuen Aiistinaiidersctzung zwischen Griechenland und der -türkei rechnen, antworteten sie: „Der Krieg ist nicht nur »>ögl::a, sondern sogar nuverineidlich".
:: Ci- bcrufniig der itnlicnischcn Reserven. Tie C:»- bcriifling der italienischen Reserven wird allgemein als bc- I dentsomcs Zeichen der üiisiercn Laae kommentiert. Eivx


