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Beilage zurNeuen Tageszeitung".

Rr. 10 [ _ Samstag, den 11. Zuli 1914.

Gedenktage.

I I. Juli. 1S.39 Jjricbc zu Villa-Franca. Einführung des

Jtüoflr.vrfht? aI-? EinheilSgewicht in Deutschland. lSÄUtart Sicffccf, Maler, f. 1896 Ernst Eurtius f. !- o!i. 1806 Rheinbund gcgründct. 1874 Fritz Reuter, Tialcstdichter. 1. Eisenach. 1877 Ottilie Wildermuth

yestorbcu.

5iir ^eit und Ewigkeit.

5. Sonntag »ach Trinitatis.

Opferc Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Ge­lübde! Und rufe mich an in der Not. so will ich dich erret­ten. io sollst du mich preisen. Psalm 50. 1t. 15.

Das ist der schönste und beste Gebrauch des Namen Gottes, <-e»n wirdenselben in allen Nöicn anrusen, beten, loben und i in'eu". wie es im Katechismus heißt. So oft wir de» herr- l üben und heiligen Namen Eoites hören, gedenken wir alles kessen, was uns dieser Name von Gott sagt und was wir an n haben. Da dürfen wir auch ihn an seine Werke erinnern lud uns auf seine früher bewiesene Macht und Gnade berufen. I'uich solche Anrufung des Namen Gottes in allen Nöten ehren r : Gottes Macht und Gnade, O, wie dürfe» wir uns da­her freuen, daß wir auch in der zu Ende gegangenen Woche e'.le unseie Bitten und Anliegen vor dem himmlischen Vater *)' r: n kund werden lassen dürfen! Das Hai uns wohlgetan, so o'l wir unser Herz vor Gott ausgeschüttet haben und dessen ge­lt s norden sind Gott errettet UNS aus aller Not. Darum -ro!eu wir auch heute noch dem Herr» danken, aller seiner Gabe» gedenken, die er uns dargcbracht hat, und seinen Ra­re > loben und preisen.

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und lobsingcn deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Rechts deine Wahrheit verkündigen. Denn, Herr, du läsfest ' ich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühm« die Ec- s.häste deiner Hände. Ich will dich erheben, mein Gott, du König und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich aiü dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

Ja, wir danken dir, du großer und treuer Gott, daß du uns in dieser Woche mächtig bcigest.rnden bist. Wir danken dir für alle Hilfe bei all unserer Arbeit in> Haus, in der Schule und ln, Beruf. Wir danken dir jür all deinen Rat, wo wri voll Sorgen waren, für all deinen Trost, wo wir in Trauer und ilnjechtung waren: für dein göttlich Wort und Evangelium,

:as uns eine Leuchte gewesen ist aus allen unseren Wegen. Run. Herr, mach unsere Seelen stille vor dir und bereite uns zu einer heiligen Feier des heutigen Sonntags, Vergib uns durch Christum, was wir in der vergangenen Woche gesündigt haben, und laß uns vergessen, was dahinten ist. Nimm uns und die Unsrigen, alle Kranken und Angefochtenen in deinen Schutz und laß uns in deinem Frieden ruhen, bis wir durch deine Gnade zu . eucm Leben erwachen und deinen Name» mit neuer Freude loben und preisen.

Deinen heil gen Namen schreibe fest in unsre Herzen ein Daß sein edler Klang vertreibe alle Sünde, Sorg und Pein! Lasse deinen blamen brennen als ein Licht in dieser Nacht: Dich, du Ewiger, zu nennen, gib, daß rings die Welt erwacht!

Wochenschau.

Nach dein Attentat iu Scrujcwo. Der albanische Hexen- Icsscl. Asiatische Bahufrage». Frankreich. Die Nord- laudsreise des deutsche» Kaisers.

Noch immer hält die grausige Tat von Scrajewo mit ihren Nachwirkungen die Gemüter in Spannung, zumal sie nlle>', Anscheine nach Wohl nicht ganz ohne politische Folgen bleiben dürfte, insbesondere handelt cs sich da um Verhal­tungsmaßregeln in den ehemaligen okkupierten Gebieten und in das Verhältnis zu Serbien, Die Vorgänge in der bos- aischcn Hauptstadt müssen für die Machthaber an der Donau L.'arnungSsignal fein, da sie zeigen, wie es mit der Ge­

sinnung der serbischen Bevölkerung steht und welche Aus- dehnimg die von Belgrad aus betriebene Agitation ange­nommen hat. Die Bestrebungen find ersichtlich darauf ge­richtet, Bosnien und die Herzegowina im geeigneten Moment für Serbien mit Beschlag zu belegen, und zwecks Erreichung dieses Zieles sind, wie der entsetzliche Mord dargetan hat, den Herrsckiafteii alle Mittel recht. In Men hat dieser Tage ein inehrstündiger Ministerrat stattgefunden, der sich ein­gehend mit der Gesamtlage beßrßt und wichtige Entschei­dungen beschlossen hat; bezeichnenderweise waren auch mili­tärische Stellen zugezogen, die im Kabinett nicht Sitz und Stimme haben. Es wäre der Doiiaiimonar'chie zu wünschen, wenn man dort jetzt wirklich eine feste Hand zeigte und mit dem gewohnten Schlendrian ausräumte, denn so kann cs nicht weitcrgehen, wenn nicht der Bestand des Reiches in schwere Gefahr geraten soll. Insbesondere gilt eS jetzt, die verantwortungsvollsten Posten mit den bestgccigncten Per- sönlichkeiten zu besetzen, die cs verstehen, die schwierige Situation zu meistern. Dies gilt naincntlich für die Ver­waltung Bosniens und der Herzegowina, die allem Anscheine nach nicht die erforderliche Umsicht bewiesen hat, wie sic an einer so exponierten Stelle unbedingt erforderlich ist.

In höchstem Maße unklar sind noch immer die Dinge in Albanien. Zwar heißt es, daß Fürst Wilhelm bis zum letz­ten Augenblicke ausharrcn wolle, indessen besagen fast alle aus Durazzo kommenden Meldungen, und nicht bloß die italienischer und österreichischer, sondern auch einwandfreier deutscher Korrespondenten, daß die Stellung des Fürsten un­haltbar geworden sei. Er Hai eine Reihe kaum gut zu machender Fehler begangen, andererseits haben ihn die Mächte, insbesondere die des Dreiverbandes, völlig im Stiche gelassen. Die Bevölkerung ist gespalten, aber nur bei einem geringen Bruchteile herrscht eine zuverlässige Gesinnung gegenüber dem Fürsten. Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, daß die Schaffung des selbstständigen Reiches ein diplomatisches Retortenprodukt ist, das in der Wirklichkeit schnell vergeht. Was darauf werden soll, weist der Himmel, und die Ilebernahme der Regierung durch die internationale Kontrollkommission kann auch nur ein Uebergang sein, denn auf die Dauer ist das jetzige System unhaltbar. Was aber dann? Sollte es zur Teilung kommen, dann gibt es wieder die schwersten internationalen Dissercnzen, und man kann in der albanischen Frage wieder von vorne anfangcn.

Ueberhaupt dürste der gesamte nähere Orient in der nächsten Zeit Diplomatie und Politiker beschäsiigen. Die vorderasiatischen Bahnfragen stehen vor ihrer endgültigen Lösung, und die hierzu in der türkischen Kammer gegebenen Erklärungen des Finanzministers Dsck)awid Bei sind nicht ohne Bedeutung. Insbesondere wird daraus ersichtlich, dast den Franzosen der Löwenanteil zufällt, weil sie den Türken Geld pumpen, und Geld regiert die Welt. Man sieht, Frankreich macht am Goldenen Horn gute Fortschritte, und cs wird Aufgabe unserer in Frage konimenden Stellen sein, nicht ganz und gar aus dem Sattel gehoben zu werden, nach­dem wir noch vor wenigen Jahren in Konstaniinopel die maßgebende Rolle gespielt haben.

Einige Beruhigung dagegen scheint jetzt in die inner­politischen Verhältnisse Frankreichs einziehcn zu wollen. Herr Viviani hat mehr Glück als seine Vorgänger, die Ein­kommensteuer ist mit großer Mehrheit angenommen worden, und auch bei der Vorlage über die Einführung der neunnnd- vierzigstündigen Wochenarbcit hat das neu Kabinett einen erheblichen Erfolg erzielt. Das gute Parlamentswctter hat vielleicht auch noch einen anderen Grund: Demnächst begibt sich Herr Poincarä zu einem mehrtägigen Besuche nach Petersburg, und cs würde dotr schwerlich einen guten Ein­druck machen, wenn die inncrpolitischen Verhältnisse des ver­bündeten Landes viel zu wünschen übrig ließen. Man setzt auf die Reise des Präsidenten große Hoffnungen, ob mit Recht oder Unrecht, wird die Folge lehren.

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In dieser Woche hyt der Kaiser die übliche Nordlcmd^> reise angetrcten, und nian darf daraus viellcirbt schließen, daß die Weltlage doch wohl keinen Anlaß zu unmittelbarer Beunruhigung gibt. Auch braucht man nichts aus dem Um- stände zu folgern, daß der Reichskanzler seinen Urlaub ans seinem Gute in der Nähe von Berlin verbringt: in einer Zeit: wo leicht Verwickelungen austauchen können, ist es gut, wenn in Abwesenheit des Kaisers der leitende Staatsmann die Geschäfte in den Händen behält und an der Zentrale leicht zur Stelle sein kann, uni sofort in der Lage zu sein, wichtige Entscheidungen vorzubcreiten und durchzuführen.

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Lohnausbefferungln für Eyenbahnarbeiter. Die neue Lohn- orduung der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung hat, ob­wohl sie nur eine Zusammenfassung und Vereinheitlichung der Lohnsystemi darstellen soll, einer großen Anzahl von Eisenbahn­arbeitern zugleich auch ziemlich bedeutende Lohnerhöhungc» gebracht. Beachtenswert ist, daß ein alter Arbciterocrtrctcr,

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