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sprach ihn frei. Schätzler dagegen worbe zu einem Monat
Gefängnis verurteilt.
* F. C. Wiesbaden, 10. Juli. Der ehemalige Mikrtär- oberarzt in Augsburg, jetzt praktischer Arzt in Wiesbaden, Dr. Mahr, war durch Anheirat mit dem beim 2. bayerischen Fußartillerie-Regiment in Metz stehenden Oberleutnant Hoffmann in Verwandtschaft getreten. Diese Bcrwcmdt- schast währte jedoch nicht lange, die Ehe vr. Mahr? wurde bald geschieden. In diesem Eheschcidungsprozesse führte vr. Mahr u. A. ins Feld, sein Schwager Hofsmann habe 50000 Mark Spielschulden in den Jahren 1910 und 1911 gemacht und diese Schulden aus dem Vermögen seiner Frau gedeckt. Diese Behauptung wiederholte l>r. Mahr auch noch in einer Ilntcrsuchung gegen den Oberleutnant Hoffmann beim khrenrat in Metz, der dem Beleidigten keine Forderung des I>r. Mahr austrug, weil dieser verabschiedet und nicht mehr fatisfaktionssähig sein. Wohl aber tvurde dem Oberleutnant dom Ehrenrat aufgegcben, bei den bürgerlichen Gerichten die Angelegenheit auszutragen. Oberleutnant Hoffinarm klagte darauf bcini Wiesbadener Sä>össengcricht wegen Beleidigung. Vor vielem gab der Beklagte vr. Mabr die Erklärung ab, er habe und wolle nicht behaupten, daß Oberleutnant Hoffmann je Spiel- oder andere Schulden gehabt habe, auch habe er (Hoffmann) sich in pekuniärer Hinsicht nie unehren- Haft gegen ihn benommen. Des weiteren übcrninimt er die sämtlichen Kosten des Verfahrens, während sich der Kläger bereit erklärte, beim Ehrenrat sich mit dieser Zurücknahme der Beleidigung für befriedigt zu erklären und für beide Teile die Angelegenheit in ehrenhafter Weise beigelegt an- >» sehen
Starkenburg.
* Groß-Gerau, 10. Juli. Einen lustigen Streich hat der Drucksehlerkobold einem Blatte der Umgegend gespielt. In demselben wird über die Eröffnung eines alkoholsreicn
Speisehauses berichtet. An der Spitze des Unternchniens steht Fräulein £., der in Rechtsanwalt U. ein juristischer B r a t e r zur Seite gestellt ist. — Der Brater wird doch nicht gar zivil-, straf- und vcrwaltungSrcchtlichc Pfannkuck)cn Herstellen sollen?
* Groß-Gerou, 8. Juli. Ein Streik der hiesigen Zim- merleute mußte aufgehoben werden, da Streikende nicht mehr vorhanden sind.
* Kranichs,ein. 11. Juli. Umfangreiche Warendiebstählc wurden seit einiger Zeit aus dem hiesigen Rangierbahnhos entdeckt. Es waren dabei teils die Plomben aus den Güterwagen entfernt, teils sind die Täter durch die Oberlichtsenster in die Wagen eingedrungen und haben soweit sich bis jetzt feststellen ließ, Eßwaren wie Wurst, Dörrfleisch, Wein, Likör« und Eisen entwendet. Die Staatsanwaltschaft hat als einen der Haupt- täter de» oerheirateten Rangierer Christian Abt in Dieburg feftgenommen. Er hat nach den bisherigen Ermittelungen unter feinen Kollegen »och etwa 10 Mitbeschuldigte. Weitere Ilntersuchung ist im Gange.
* Dar insladt. 11. Juli. Schwer verunglückt ist vorgestern der zu einer Hebung beim Art-Reg. SS cingezogcne Reservist Rehmann, der aus dem von der Bergstraße kommenden Zug fiel und an einer Echirnerfchllttcrung schwer verletzt in das Garnisonslazarett lam. Er hatte beabsichtigt, aus dem Süd- bahnhosc auszustcigen, aber die Station verfehlt und sprang anscheinend ans dem in voller Fahrt befindlichen Zuge.
* Biblis, 11. Juli. Bei einem niedergegangenen Unwetter wurde der 72jährige Landwirt M. von hier vom Blitz xe- Irosfcn und schwer verwundet. Aus dem Wege nach dem Krankenhaus verschied der »och sehr rüstige alte Mann.
* F. C. Klei» Zimmer», 10. Juli. Auf ciue 50jährige Tätigkeit blickt in diesem Jahre die St. Joscphs-Knabenan- stalt zu Klein-Zimmern in Heften zurück. Sic wurde 1863 durch den Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr» v. Ketteler unter große» Opfern gegründet, im Jahre 1564 eröffnet und dem Betriebe übergeben. Die Anstalt war zunächst für arme Waisenkinder und für verlassene, in traurigen Verhältnissen lebende Schulknaben bestimnit. Bei Eröffnung der Anstalt traten vier Knaben ein. Jni Jahre 1889, dem Jahre des
LSjährigen Bestehens, zählte die Schule 69 Schüler und 21
Zöglinge wurden in den verschiedenen Betrieben unterrichtet. Bis zu diesem Jahre waren in der Anstalt 450 Knaben ver- pflegt worden. Zur Zeit hat die Anstalt einen Zöglingsbestand von 188 Kindern. Die Gebäulichkeiten der Anstalt repräsentieren zur Zeit einen Wert von 280 933 AL, der Grundbesitz einen solchen von 175148 AL.
* Heppenheim, 10. Juli. Gestern verunglückte auf dem Wege nach Bensheim unter halb des Heppenheimcr Schlacht- Hauses, ein von Mannheim kommendes Mietautomobil, indem es gegen einen Baum in voller Fahrt anrannte. Einer der fünf Jnsaflen erlitt einen doppelten Arnrbruch und wurde nach Anlegung eines Notvcrbandcs ins Krankenhaus gebracht. Ter Ehausfeur und die übrigen Jnsasten kamen mit dem Schrecken und einigen leichteren Hautverletzungen davon. Das Vorderteil des Automobil? ist zcrtrürmnert und mußte abmontiert werden.
* Leppeicheiiu, 11 . Juli. Wegen Mordversuchs verhaftet wurde der Steinhauer Josef Schrapper aus Bayern, der zuletzt in Auerbach tätig war und mit der Kath. Schindler dort ein Verhältnis hatte. Diese wollte nichts mehr von' ihm wißen rlnd zog nach Pfungstadt. Am Dienstag reiste Schrapper ebenfalls dorthin und gab Mittags 12 Uhr aus das Mädchen einen Schuß ab, der aber fehlging. Er wurde alsbald von der erregten Bevölkerung derartig verhauen, daß seine Aufnahme in das Krankeichaus notwendig wurde. Dort ging er aber durch und konnte gestern früh festgenommen werden.
* Aus dcm südwestlichen Odenwald ,11. Juli. In den letzten Tagen gingen hier wieder mehrere, z. Teil sehr schwere Wetter Mit wolkenbruchähnlichen Regengüßen nieder. Der Schade», der dadurch vielerorts, besonders auf den Feldern angerichtet worden ist, ist sehr beträchtlich, da durch die vielen Niederschläge das Wachstum der Feldftüchte gehindert wird, besonders da, wo ganze Ackerfelder wie gewalzt auf dcm Erdboden liegen,
* Lindeiisels, 11. Juli, Am 19. und 20. Juli findet das Burgjcst aus Schloß Lindcnsels statt Trotzdem in den letzten Jahren die herrliche Burg fast nicht alle Teilnehmer saßen konnte, ist d^> das Lindenselser Vurgfest mit seinen vielen Belustigungen, iciucm echten Baueruthcatcr, seinem unvergleichlichen Tanzboden aus dem Burgftied usw. noch nicht genügend bekannt. Wer einmal dort war, läßt alles andere im Stich und geht hin, wer aber noch nicht dort war, der versäume diesen Tag nicht, st« werden ihn, unvergeßlich bleiben,
* Fürth i. O., 11. Juli. Da Pfarrer Becker von Butzbach wo er schon seit mehreren Wochen an Stelle de» beurlaubten Anstaltsgeistlühcn am Zellcngcsängnis amtiert, in absehbarer Zeit noch nicht nach hier zurückkchren wird, wurde für ihn ei» Vilar berufen. Als solcher wurde am letzten Sonntag Pfarr- amtskandidat Zimmermann in unserer Kirche durch Dekan Berubeck-Mtchelstadt ordiniert.
* Wallbach b. Brenrbach i. Od., 11, Juli, Hier wurde die etwa 50 Jahre alte Frau Rausch im Ortsbach tot aufgefunden. Es ist bis jetzt noch nitch festgestellt, ob ein Unglücksfall oder Verbrechen vorliegt.
Rhernheflen
* Sirsersheim, 11, Juli. Die am Appclbach gelegene Katzensteiner Mühle, dt« jahrhundertelang Siesersheim und die umliegenden Orte mit Mehl versorgte, hat ihren Betrieb eingestellt. Die Besitzer widmen sich ausschließlich der Landwirtschaft. lleberhaupt haben die Mühlen hiesiger Gegend in der letzten Zeit einen schweren Stondpunkt. Heutzutage können sie gegen die Konkurrenz der Eioßmllhlen nicht mehr aus- kommen. Sie müßen meistens ihren Betrieb aus das Schroten von Getreide beschränken oder der Unrentabilität halber das Eefchäfl ganz cinstellen.
Ans aihv Welt.
Eine Diebcsorgnnisation in Paris. Voc einigen Wochen verhaftete die Pariser Polizei gelegentlich eines Ladendiebstahls mehrere Individuen, die der Tat dringend verdächtig erschienen. Die polizeiliche Untersuchung hat jetzt ergeben, daß man es mit einer großzügigen Diebesorganisation zu
lim hat. Etwa 65 weitere Verhaftungen sind vorgrnommen
worden und die Zahl der erlassenen Haftbefehle beläuft sich auf über 300. Bei den Rädelsführern förderte man große Mengen gestohlenen Gutes zutage. Auch ein deutscher, der eifrig gesucht wird, soll ein Hauptmitglied der Bande sein.
Von einer Kreuzotter getötet. Beim Beerensuchen im Liebenwaldcr und Gohrauer Forst wurden eine Frau und ein jüngeres Mädchen von einer Kreuzotter, gebissen. Obgleich sofort die nötigen Maßnahmen ergriffen wurden, starb die Frau, während das Mädchen, deren Wunde ebenfalls schnell ousgesogen und mit Branntwein gewaschen wurde, noch am Leben ist.
Schwerer Automob'ilunfall. In Weinsbcrg, in der Rahe der Königlichen Heilanstalt, verunglückte auf seiner Probefahrt ein Automobil der Necknrsulmcr Fahrzengfabrik, wobei ein Mann getütet wurde. Das llnglück ist auf Versagen der Steuerung zurückzuführen.
Verhängnisvoller Grrüstrinsturz in München. In der Antonicnstraße brach gestern vormittag auf einem Neubau infolge fahrläffigcr Bauweise ein Hvlzgerüst zusammen. Zwei Maurer stürzten in die Tiefe und blieben schwerverletzt liegen. Einer wurde ins Krankenhaus, der andere in seine Wohnung geschafft.
Neueste nud Drahtnachrichten.
Herr von Hartwig gestorben.
Wien, 11. Juli. Aus Belgrad kam gestern spät nachts die Rachricht, daß der russische Gesandte von Hartwig plötzlich gestorben ist Er war zu Besuch aus der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft. Plötzlich wurde er unwohl. Es wurden sofort Aerzt« herbcigerusen. Doch verschied der Gesandte nach kurzer Zeit, ohne daß Hälse gebracht werden kgnntc. Das Gerücht verbreitete sich sehr schnell in der Stadt und bald sammelt« sich eine große Menschenmenge vor der russischen Boi- schaft. ' r - .
Briefkasten.
Rack, Echzell. Aus anonym« Zuschriften wird grundsätzlich keine Auskunft erteilt. Rennen Sie doch ruhig ihren 'Kamen.
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Friedbeeg >. H. lU. Juli 1911. Der Bürgermeister.
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