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Samstag, oeir 11. Juli 1914
7. Jahrgang
““ •■' tut Tageszeitung" erscheint >eden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Sauer aus Hessen", „Sie Sptirnssube". Srzugaprris: Bei den Postanstalten vierieliährlich Mk. 1,85 ei ten Agenten monatlich 50 Psg. hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohm Anzeigen: Erundzeile 20 Pfg., lokale 15 Pfg„ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahnie erhoben _ Ersüllungsort Friedberg. §d|riftlntung und Srrlag Friedberg lhesien), hanauerstrahe 12. Ferniprccher 48. Postscheck-Lonto 'JIr. 4859, 31 int ^ranlfurt a. M.
Ilebrrftcht.
— In früher Morgenstunde wurde vom Schwurgericht in Bielefeld, im Gistmordprozeß, gegen de» Werkmeister Beith aus Bergkirchcn das Urteil gefällt. Er sollte seine Chefrau mit Gift getötet haben. Ter Angeklagte wurde zum Tode verurteilt.
— Der vom Reichsgericht zu einem Jahr Gesiuguis verurteilte Kalmarer Zeichner Daltz, genant Hansi, hat sich am nächsten Dienstag zum Antritt seiner Strafe in Kalmar zu melden.
— Aus Grund des vorgciuudcncn Motcrials, das bei e .n Haussuchungen bei südslawischen Studenten in Berlin zutage gefördert wurde, wurden die Haussuchungen bei iiidjlawisthrn Studenten in Wien wieder ausgcnoinnicn. Der Führer der slowenischen nationallistischen Studcntcu- schnst, Kosak, wurde verhaftet.
— Turkhan Pascha, reist, wie verlautet, heute spätestens morgen von Petersburg nach Berlin weiter.
— Die Lage der Grasschast Lanvashir: wird aus überaus traurig geschildert. Erkrankungen an Zecken werden aus Rochedale, Oldhan und einigen andere,. Orten gemeldet. Scharfe VorsichtSmahnahmcn sind getroffen worden, um die Erkrankten zu isolieren. Besonders sind die Arbeiter und die Arbeiterinnen in den Spinnereien hcimgcsucht wor- den.
— Rach einem politischen Meeting stürmten die Ein. wohner von Cabccadc in der Provinz Bajados das Wohnhaus des Bürgermeisters der Stadt. Als dieser mit einigen Freunden auf der Veranda seines Hauses erschien und mit der Menge zu reden versuchte, eröfnete man ein Feuer und tötete sechs Freunde des Bürgermeisters. Glücklicherweise trafen noch zur rechten Zeit Gendarmen ein, so daß die übrigen noch im Hause befindlichen Personen dem Tode ent- gingcn.
— Die Unruhe in Durozzo nimmt täglich zu. Heute
sind wiedrr fünf Gendarmen in voller Ausrüstung mir Pferden desertiert. Die Fürstin reist mit ihren Kinder« morgen oder übermorgen nach Deutschland, nicht nach Rumänien. Eine Revolution in Skutari wird anscheinend vorbereitet. , I
— Die Berichte des ökonomischen Patriarchats bezcich- neu die Lage der Griechen im Norden Klcinasiens als zu- nehmens prekär. Aus den Schwarzenmcerhäsen Samsun, Trapczunt und anderen Küstenortcn beginne man das grie- chische Element jetzt unter ähnlichen Bedingungen wie aus t:r Provinz Smyrna zu entfernen.
— Eine neue Revolte fand heute unter 1400 Gesänge- neu des New.Volker Arbeitshauses statt. Sie wurden mit Knüppeln zurückgcschlagen. Alle Insassen wurden bei Wasser und Brot in Einzelhaft gebracht.
— Pier Banditen hielten den Schnellzug in 8er Nähe von Matson in Missouri an, sprengten die Gcldschränke und entkamen mit reicher Beute.
— Aus Juaroz wird gemeldet: Trotz der in Torrcon angeblich wieder hcrgestelltc» Einigung zwischen den Re- bcllensührern haben sich die über die Grenze nach El Faso geflüchteten Anhänger Carranzas immer noch nicht cntschlic- szen können, nach Juarez zurückzukchrcn.
Rnsienschande.
Zu dem vielen internationalen Gesindel, das sich mit der Zeit in unserem Vaterlands breit macht, gefallen sich neuerdings in immer steigendem Maße die Neger. In een Straßen Frankfurts, nanlcntlich in der Nähe des Haupt- lwhnhofes, bilden die „Hosennigger" eine der unangenehmsten Erscheinungen des großstädtischen Straßenlcbcns. Ost aenug muß man hören, daß solche Hosenniggcr, die meist als
erl gekleidet, auf den Straßen ihr freches Wesen zur -chau tragen, weiße Frauen belästigen. Mitunter allerdings .s, an diesen „deutschen Frauen" nicht viel verloren, diese Aichanti-Bräute", die sich für gut oder vielmehr für schleckst :,„g halten, den Schwarzen an den Hals zu werfen, sind : Uuciic selbst daran schuld, daß die Nigger glauben, sie
«tan sich in Deutschland mehr erlauben, als in ihrer >' «mit, wo sie noch unter dem segensreichen Einfluß der . Nl'seldpcitsche stehen.
Die tief bedauerliche und verwerfliche Sclbstentwürdi-
1 „deutscher Frauen" gegenüber männlichen Angc- i .'riacn ticferstchender Rassen, tritt auch bei den Schau- , ellnngcn farbiger Völkerschaften zu tage. Daß ja die großstädtische Weiblichkeit einen gewissen, perversen Hang für die schwarzen Herrschaften hat, trat ja schon im großen Krieg zutage: cs war bekannt, daß die verwundeten Turkos, Spahis, Zephirs und wie die französischen Kulturträger aus Afrika alle hießen, in den Berliner Damen licbevollcre Pslcgcrinncn fanden, als unsere deutschen Landsleute, die für ihr Vaterland gestritten hatten. Unterdessen sind wir fortgesckzritten auf der schiefen Bahn und weiße Frauen ent- würdigen sich immer schamloser den farbigen Männern gegenüber.
So schrieb ein Hamburger Vorortsblatt, die „Lockstadtcr Zeitung", über eine Hagenbecksche Schaustellung zu Ham- bürg folgendes:
„Was nach all den sich zugetragcnen Widerwärtigkeiten und erotischen Entgleisungen junger Frauen und Mädchen erwartet werden mußte, scheint nunmehr einzu- trcten. Wie wir hören, hat sich Herr Hagenbeck infolge neuerer Ereignisse veranlaßt gefühlt, Maßnahmen zu ergreifen, um das schandhaste Treiben der Frauen und Mädchen, die ungeachtet aller Mahnungen und Verbote ihr verwerfliches Spiel fortsctzcn, künftig zu verhüten. Mehrere Beduinen sind unter polizeilicher Bewachung abgcführt worden. Wir haben cs aus verschiedenen Gründen, trotz vorhandener Beweise, bisher vermieden, all die „edlen Taten" dieser hochwohlgcborcnen Frauen, in ihren Einzelheiten der Ocsfcntlichkcit zu unterbreiten, weil sie teilweise zu gemeinen Charakters waren. Wir haben jetzt aber, nachdem die Frauen abermals so „glänzende Gastspiele" gegeben, keine Veranlassung mehr, noch irgendwelche Rücksichten walten zu lassen, selbst, wenn wir Gefahr laufen sollten, durch die Publikationen gesellschaftlich boykottiert zu werden.
Man begegnet vielfach der Meinung, daß der Grund für diese Entgleisungen einzig und allein der Romantik dieser Frauen zuzuschreibcn sei. Aber daß die Romantik so krankhaft werden kann, daß junge, wohlerzogene Frauen ihre heiligsten Güter um niederer Instinkte willen in den Schmutz ziehen, ist nicht gut zu glauben.
Hier handelt es sich um Perversitäten. So hat sich z. B. in einem Cafck in Hamburg der Fall zugetragcn, daß Mutter und Tochter wegen eines Beduinen in Differenzen gerieten, die schließlich zur Folge hatten, daß die Mutter ihre fünfzehnjährige Tochter anspie . . . ."
Doch genug davon, man ist versucht, zu rufen: Nachbarin Euer Fläschchen! wenn man sich mit diesem schmutzigen Kapitel beschäftigen muß.
In den letzten Wochen fand im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. eine Schaustellung der Niltalbcwohner statt. Vom Fellachen bis zum Sudamneger und Dinka, waren alle Rassen vertreten, deren Anblick der Affenthcorie Darwins recht geben könnte. Trotzdem haben die „höheren Töchter" Frankfurts für die Männer dieser Völker geschwärmt. So berichtet der „General-Anzeiger" in seiner gestrigen Nr.: „Auf dem Hauptbahnhofe wurde den Schwarzen ein sehr rührender Abschied zuteil, der fteilich bei verschiedenen Reisenden nicht gerade großen Sympathien begeg- nete. Eine ganze Anzahl junger Mädchen, die durchweg den bessern Ständen anzugehören schienen, hatten sich zum Abschied von diesen Niltalmenschcn eingefunden und hingen mit wehmutsvollen Blicken an ihnen. Sie winkten mit ihren Tüchern den Schwarzen und warfen ihnen verliebte Kußhände zu, bis der Zug die Halle verließ. Ja, so unglaublich es klingen mag, einer kleinen Blon- dine, rannen heiße Tränen des Trcnnungsschmcrzcs über die Wangen. Das arme Backfischleinl"
Die letzten Worte deuten uns schon an, wie die Presse, die berufen fein soll, eine Fllhrerin des Volkes zu sein, eine solche Rassenschändung auffaht. Mit den Worten: „Das arme Backfischlcin" ist für sic die Sache erledigt, ja cs wer- den noch ein paar armselige Vcrslein daran geheftet:
Den jungen Herrn vom fernen Nil In kaffeebraunem Mcnschenfell Manch deutsches Mädchen wohlgcfiel.
Nur schien cs ihnen fast zu — hell.
Indes das zarte deutsche Kind Fand reizend just dies Braungesicht;
Das Backfischlein ist farbenblind,
Und Helle? — Helle ist es nicht.
Kein Wort der Verachtung für das schandbare Treiben, dem die Frauen und Töchter der „oberen Zehntausend" von Frankfurt mit halb- und ganz wilden Völkerschaften huldigen.
Auch die „Frankfurter Nachrichten" zeigen denselben Mangel an Rassenstolz. Jüngst wurde ein Schwarzer vom Frankfurter Gericht wegen Hausfriedensbruch zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Die „Frankfurter Nachrichten" übcr- sibrieben ihren Bericht über die Verhandlung: „Ein
schwarzer Don Juan" und schilderten den Nigger als einen „hübschen Burschen". „Man kann cs begreiflich finden", so hieß cs wörtlich, „daß ihn manches weiße Mädchen gern sah. Scksimmery (so hieß der Nigger) war sich dessen auch bewußt, und wenn sich in seinem Stamm- rafck ein weibliches- Wesen zeigte, saß er auch schon neben ihm und versuchte sein Glück."
Wenn sich im freien Amerika eine weiße Frau nur mit einem Nigger sehen läßt, ist ne gesellschaftlich geächtet: im Herzen Deutschlands aber findet es kie Presse begreiflich, wenn sich weiße Frauen Niggern an den Hals werten.
Ein Trost ist nur, daß weder die Frauen, die den Niltalvölkern Tränen nachwcincn, noch die Presse, die sich an diesem Treiben erheitert, etwas mit deutschem Wese» gemein haben.
!!eichslngsmaljl iu Koburg.
, Ten, Freisinn ist Heil widerfahren. Bei der gestrigen Reick^tagscrsatzwahl in Koburg erhielt »ach dein bis letzt vorliegenden Ergebnis, bei dem nur noch einige kleinere Orte ausstchcn, sein Kandidat, der Landtagspräsidcnt Arnold :>5;>4 Stimmen, der Sozialdemokrat 5369 und der rationalliberale Amtsrichter Stoll 3028 Stimmen. Bei den allgemeinen Wahlen fielen auf die Nationallibcralcn 4740. auf die Freisinnigen 3540 und auf die Sozialdemokraten 6199 Stimmen. In der Stichwahl siegte dann der Natio- nalliberalc. .
Der Ausgang der Wahl fordert zu einer Betrachtung heraus. Ter nationallibcralcn Parteileitung Ivar dieje Wahl, wo die beiden liberalen „Bruderpartcicn" gegencin. ander gingen, sichtlich unangenehm, ja cs ist anzunchmcn, daß Neigungen der Basscrmänncr eher auf der Seite des demokratischen Mitbewerbers gestanden haben. Gestern schrieb die „Franks. Ztg.", daß außer dcnl Abg. Jcklcr kein nationallibcralcr Abgeordneter für den Kandidaten dieser Partei i in Kreise tätig gewesen sei, während die Freisinnigen mit einem runden Dutzend Abgeordneter den Kreis überschtvemint haben. Diese Erscheinung ist umso ausfallender, da wir cs schon erleben mußten, daß nationallibcralc Reichstagsabgcordncte für freisinnige Kandidaten, beispielsweise für Naumann, agitiert haben, hier aber für den eigenen Parteikandidaten versagt die Parteileitung, well es gegen den befreundeten Freisinn geht. Man kann also mit Fug sagen, daß die nationallibcralc Parteileitung bewußt läe Schuld daran trägt, daß der Wahlkreis Koburg an die Freisinnigen verloren geht. Wer noch nicht weiß, wohin die Fahrt unter Bassermann, Richthofen, Bollert und Consorten geht, dem wird die Rcichstagscrsatzwahl in Koburg vielleicht die Augen öffnen.
Fagesnberskcht.
Drilliches Deich.
:: Deutsche Maßnahmen gegen Dänen. Der „Daily Telegraph" erhält aus Kopenhagen folgende Depesche: Die deu. scheu Behörden begnügen sich nicht allein damit, den dänischen Untertanen Schwierigkeiten in den Weg zu legen, sie beginnen auch jetzt einen Feldzug gegen die Dienstboten und han- delsangcstelltcn dänischer Nationalität zu führen. Testern Hut die deutsche Polizei öü Dänen verhört, die sodann ohne 31 r- gabe von Gründen ausgewicsen wurden. Den anderen wurde acht Tage Frist gegeben, ihre Beschäftigung in dänischen Geschäften oder Privathäusern aufzugebcn. Gelingt cs ihnen in dieser Zeit nicht, eine neue Stellung bei Deutschen zu erhalten so müssen sic Schleswig sofort verlassen. Die Polizei crklän. das, man in Zukunft Dänen nicht mehr gestatten würde, sich in .'Schleswig aujzuhalten.
:: Der Oukurs Wcrthcim. Bei dem ersten Prüfungsteimin im 's:duto Wertheim in Berlin teilte der Konkursverwalter mit, daß der Ausverkauf des Warenlagers 1 480 000 Mark er geben habe. Die angcmcldcten Foidcrungen ohne Vorrecht betragen 38 Millionen Mark, die bevorrechtigten 213 000 Mar! Unter den Forderungen ist die Hondelsvercinigung mit 13 Millionen beteiligt, die Deutsche Palestinabank mit 400 000 Mark, die Berliner Elektrizitätswerke für gelieferten Stron, mit 510 000 Mark. Der Prüfungstermin wurde aus den 23 September vertagt.
Oesterreich.
:: Die Untersuchung von Scrajewo. Die Untersuchung in
Srajewo nähert sich ihrem Abschluß und man lau» schon heute sagen, daß alle Fäden der Verschwärung bloßgelegt und als eigentliche Hauptschuldige, sowie Mitschuldige 18 Personen in Betracht kommen. Von diesen 18 Personen sind 0 an der Ausführung des Attentats direkt beteiligt gewesen, ein zehnter. ein Mohamcdaner. namens Basits. konnte bisher nicht fest- genommen werden. Er dürste geflüchtet sein. Die Bomben kaureu aus Belgrad. Sie wurden von Prinzip, Brabinowitfch und Erabitsch aus Umwegen nach Serajcwo gebracht. Nach ihren eigenen Angaben brachten st- sechs Bomben, vier Revolver, Munition und ein Quantum Cyankali mit. In Serajcwo suchten sie weitere Mithelfer für ihre Mordtat. Dabei wandten sie sich meistens an durchgcfallcne oder relegierte Mittelschüler. Mit Ausnahme des einen Muselmannes sind nur Serben an dem Attentat beteiligt gewesen. Wie verlautet, ist man in Scrajewo einer revolutionäre» G-Hcimrerbindung unter den dortigen Mittelschülern aus die Spur gekommen.
:: Lcsterrcichisches Vorgehen gegen Serbien. Die „Franlj. Ztg." meldet aus Wien: In inspicrierten Presicäußerug.ren
wird zugegeben, daß man von Serbien die Fortsetzung der polizeilichen Untersuchungen auf serbischem Gebiet, die Fcstrai- ung der Schuldigen und die Auflösung der großscrbischen Kampsorganijationen verlangt. Die gedämpfte Sprache der in Fühlung mit dem Auswärtigen Amte stehenden Prcsie und die


