Einzelbild herunterladen

7. Jahrgang

Unmmer 15G

Dienstag, den 7. Juli 1914,

Sic*««* «Weint i*öcn SBerttog. Regelmäßig, Beilagen 5 «r s-«.r Cj.rr««",?i. Kvl««ft»be". s-.ngo peei,: Be, den PostanstaUen vier.elaiin,,» Mk 1 ^

... Agenten "°n°>..ch bO P,g , S-N'U -n"P°'-g'biihr °d« Lägerlohn. An.eig.n- Ernndz.u. ro Pfg .0,°.° 15 Pjg, An,eigen D0 nuswäris werde,, durch Posinachnahme -rtzob'en _ gtfullunflsort Friedberg, -»chrifileitung und Verlag Frledbeig (Hessen), Hanauerstraße 12. Ferniprecher 48. Postscheck-Eont- Re. 48-S, Amt Feanlsurt AI.

Urdrrslcht.

Ein schweres Bootsunglück ereignete sich in Stettin «uf dcm Tuuzigkanal. Eine schwer Böe brachte ein inti 10 Personen besetztes Segelboot zum Kentern. Drei Personen konnten gerettet werben. Der Sohn Gerhard des Aufsehers Wolf ertrank, während der Vater gerettet werden konnte. Tie Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

Ein mit sieben Personen besetztes Automobil der Adlrrwerkc in Frankfurt a. M. ist gestern nachmittag auf der Landstraße in der Nähe von Hanau verunglückt. Die Bremse versagte plötzlich, der Wagen übcrschlug sich und vier In­sassen, Prüflinge der Adlerwcrkc, wurden so schwer verletzt, daß sie dcm Krankcnhausc zugcführt werden mußten.

Als der Flieger Legagncnr über der Stadt Saumur eine Schleifenfahrt machte, stürzte er mit seinem Flugzeuge in die Loire. Hcrbeieilcndc Seeleute konnten ihn erst nach 25 Minuten retten. Legagneux starb bald nach seiner Ein- licfcrung in das Krankenhaus.

Ein von einer fremden Negierung bei einer englischen Werft auf Stapel gelegter Panzerkreuzer wurdc von der griechische» Regierung angekauft, der spätestens in zwei Monaten zur Ablieferung gelangen soll.

Das von Griechenland angckauftc amerikanische KriegsschiffIdaho" wird heute von griechische» Marine- osfiziercn übernommen und als Admiralsschiff der griechi­schen Marine einverleibt werden.

Zwischen der griechischen und der türkischen Regie- rung ist eine Verständigung über die Berufung eines einem nculraleu Stamme angchörcndcn Schiedsrichters getroffen worden, der die Arbeiten der am Mittwoch in Smyrna zu- sammentrctcndcn gemischten Kommission verfolgt und bei Meinungsverschiedenheiten mit seiner Stimnie den Aus­schlag gaben soll.

Die Orte Tomritza und Eeritza i» Südalbauien sind von den Epiroten besetzt toordcn. Damit befindet sich das ganze von ihnen beanspruchte Südalbanicn in ihren Händen, sodaß der Regierung in Durazzo nunmehr tatsächlich nur Durazzo, Skntari und Dalona gehören.

Aus Blue Island in Illinois in den Vereinigten Staaten wird gemeldet: Eine deutsche Familie von vier Per- I»»cn wurdc hier ermordet. ES handelt sich um einen ge­wissen Mcslcsla, seine Fra», seine Tochter, sowie ein zwei­jähriges Kind der letzteren. Man fand sie mit zerschlagenen Schädeln auf. Die Axt, mit dem die Tat ausgefllhrt wurde, lag neben ihnen. Der Tat stark verdächtig ist der Mann der erschlagenen Tochter, dem man beneits auf der Spur ist.

In New Orleans sind mehrere Fälle von Bubvncn- pest sestgestcllt worden. Zwei von ihnen sind bereits tödlich verlaufen, Drei Personen liegen lebensgefährlich erkrankt darnieder. Man hat die umfassendsten. Maßnabmen gc- tcosfcn.

pir ZchniciilkMIuiig im Dtililchen Jkidj.

Eine Scndernummer derStatistischen Korrespondenz" veröffentlicht die vorläufigen Ergebnisse der am 2. Juni 1911 vorger ommenen Schwcineznhlung für den preußischen Staat. Danach hat in Preußen vom 2. Juni 1913 bis zum 2. Juni 1911 die Zahl der Haushaltungen mit Schweinen eine Vermehrung um 127 651, da? sind 1,51 v. H-, erfahren. Davon entfallen auf die Städte 31 158, auf die Landgemein­den 92 338, auf die Gutsbezirkc 3855. Die Zahl der Schweine und Ferkel unter % Jahren hat eine Zunahme von 1 533389, das sind 11,89 v. H-, aufzuweisen, die Zahl der Schweine im Alter von V- bis ncch nicht 1 Jahr eine solche um 705 071, das sind 18,72 v. H. Tie Zahl'der Schweine im Alter von 1 Jahr und darüber ist noch von 1 125 270 am 2. Juni 1913 auf 1639 501 am 2. Juni 1911, also um 216231, oder um 15,19 v. H. in Jahresfrist angewachsen: und die Gesamtzahl aller Schweine in Preußen ist demnach von 15190101 im Jahre 1913 auf 17 911801 am 2. Juni 1911, also in Jahresfrist um 2151703, das sind nicht weniger als 15,85 v. H. gestiegen.

Die Zunahme ist im allgemeinen in den Landgemeinden und auch in den Städten größer, als in den Gutsbezirken, beträgt aber bei den Zuchtebern hier 38,13 Prozent gegenüber 16.69 Prozent in den Landgemeinden und 25,98 Prozent in den Städten, Lbertrifft also die Zunahme in den Landge­meinde» und Städten in ganz bedeutender Weise, wie ja überhaupt eine Vermehrung um 38,13 Prozent im Lause einet Jahres ganz enorm hoch ist. Das GesamtverhältniS in der Vermehrung der Schweinehaltung bestätigt fornit die Behauptung, daß die Gutsbezirkc in erster Linie für die Lieferung der Zuchttiere in Frage kommen und sich dafür auch besonders eignen.

Wie dieDarmstädter Zeitung" mittcilt, wurden am 2. Vi::ii 1914 im Großherzogtum Hessen 100 983 Schweine ge- öhlt, gegen 310 686 am 2. Juni 1913. Der Sehweinebe- iand ist also gegenüber der vorjährigen Sommerzählung »esentlich in die Höhe gegangen, und zwar gilt dies für alle lltcr sklassen. Die Schweine verteilen sich wie folgt auf die

Kreise: Darmstadt 16 998 (darunter 191 Zuchtsauen im Alter von 1 Jahr und darüber), Bensheim 23 574 (1157), Dieburg 32 672 (1191), Erbach 23688 (2079), Groß-Gerau 28807 (2015), Heppenheim 17 022 (1158), Offenbach 11000 (781), Gießen 38 290 (2170), AiSscld 23 958 (1995), Büdin­gen 30 760 (3097), Friedbcrg 39 785 (2620), Lanterbach 16 716 (999), Sckwtten 11709 (938), Mainz 13 107 (161). Alzey 15 896 (616), Bingen 11291 (398), Oppenheim 21119 (871), Worms 18 291 (712).

Nach dem vorläufigen Ergebnis der am 2. Juni vorge- nommenen Schweinezählnng im deutschen Reich gab cS in ganz Deutschland insgesamt 25 271326 Schweine gegen 21 821153 am gleichen Termin des Vorfahre?. Die Zunahme beträgt 15,8 Prozent.

ßagesüberslcht.

Denllches lieich.

t: Kein Berliner Werbebureou für Albanien. Ter Plan, ein Berliner Werbebureau für Albanien einzurichten, ist noch nicht verwirklicht worden. An niaßgcbendcr Stelle wurde erklärt, daß alle derartigen Bestrebungen problematischer Natur seien. Ten Männern des Komitees sei klar zum Aus­druck gebracht worden, daß cs sich um eine hochpolitische An- gclegenheit handele, die sich nicht so ohne weiteres durchsüh- ren lasse. Denn auch die Anwerbung von Ausländern im Reichsgebiet könne leicht zu politischen Verwickelungen führen sodaß wahrscheinlich gleich die Tätigkeit des Wcrbebureaus verhindert werden müsse. Der Polizei sei bis jetzt von dieser Tätigkeit offiziell nichts bekannt. Danach scheinen sich die Absichten de? Herrn Wackerow kaum verwirklichen zu lassen.

:: Die Schlägerei» in Hohenheim. Die amtliche Unter­suchung der Schlägereien zwischen polnischen und deutschen Studenten an der landwirtschaftlichen Hochschule in Hohen­heim hat ergeben, daß die Schuld gleicherweise auf beiden Seiten zu suchen ist. Ein polnischer Student mußte wegen besonder? hcrausofrdcrndcn Benehmens relegiert werden. Durch die Untersuchung ist sestgestcllt worden, daß bei den Schlägerei» von Schlagringen und Gununiknüppcln kein Ge­brauch gemacht worden ist.

.: Die Rache der Wackes. Aus Jabern ertönen immer ncch unreine Klänge von verstimmten Harfen. Zum 1. Juli hat die ini Reuterprozeß viel genannte Frau Evers, Besitze- rin eines ZigarrengeschäfteS, ihren Wohnsitz in Zabern auf- geben. Die Frau, eine geborene Württcmbergerin, wird in ihre alte Heimat zurückrehren. Bekanntlich war Frau EverS Zeugin im Militärprozeß und hat durch ihr offenes mutiges Zeugnis den Unwillen der Militärgegner sich zugezogen. Die Witwe hat seither ein wahres Martyrium durchgemacht. Wir könnten Einzelheiten anführen, die in einen Abgrund der Verworfenheit blicken lassen. Bei alledem konnte der Frau nicht das geringste Ehrenrührige vorgeworscn bezw. nachgc- wiesen weiden.

:: Saccharinschmuggcl. Wegen jahrelangen bedeutenden Saccharinschmuggel wurden die beiden Inhaber der Firma Vollheim & Rössing in Halberstadt verhaftet. Es wurden zwei Braue icibcsitzer in Schöneberg und Wehrstadt verhaf­tet, die als Inhaber in Frage kommen. Auch ein Berliner Agent, der Vermittlungsdienste leistete, wurde in Haft ge- noinmen. Als Hauptschuldiger kommt der Brauercrbcsitzcr in Schönebcrg in Frage. Die jetzigen Gcsck>äftsinhabcr, zwei junge Leute, legten ein umfassendes Geständnis ab. Sie gaben zu, seit viele» Jahren große Mengen Saccharin aus Oesterreich eingeschmuggelt zu haben. Es wurden bei ihnen noch etwa 10 Kilo Saccharin gefunden. Die Angaben der Bcidcn führten zur Verhaftung eines Berliner Agenten, bei dein 5 Kilogramm Saccharin vorgefunden wurden.

Frankreich.

:: Verhaftung von Nihilisten. In der Nähe von Bcaumont an der Oise verhafteten gestern abend Gendarmen zwei Landstreicher, die kein Wort französisch verstanden. Man führte sie zur Wache, wo sie einer eingehenden Untersuchung unterzogen wurden. Man fand bei ihnen zwei Höllen­maschinen, die mit der größten Genauigkeit angefcrtigt waren. Es stellte sich nach einem längeren Verhöre heraus, daß e-S sich um zwei russische Anarchisten, namens Kiritschet und Trajanoresk aus Russisch-Polen handelt, wo sie bereits mehrere Male verurteilt worden waren, da sie an Vcr- schwörnngen teilgenommen hatten. Sic gaben unumwunden zu, daß sie der nihilistischen Partei angehörten und nach Frankreich gekommen seien, um einegeheime Mission" zu erfüllen, zu der sic die Bomben gebraucht hätten, lieber die Art dicker geben,inisvollen Mission verweigerten sic aber jeg­liche Ausfag

Rußland.

:: Gctrcidezwangsankänsc. Die Jntcndaniuroerwal- tung arbeitete eine Verordnung für den Kriegsfall an. Da­nach bat die Intendantur das Recht, in einem Rayon, in deni die Mobilisation erklärt worden ist, alles in den Elevatoren befindliche und mit Schiffen wie mit der Bahn cintrcffcnde Getreide sür anacmeliene Bezahlung für die Truvven nmii.

faufe». In, Falle das auf diese Weise beschaffte Getreide nicht ausreichen sollte, ist die Bevölkerung verpflichtet, das Manko zu decken. Die Verordnung wird demnächst den ge­setzgebenden Institutionen vorgelcgt.

England.

:: Ehambcrlains Beisetzung. Josef Chambcrlain

wurde gestern in Bftmingham bcigesctzt. Die Beteiligung des Volkes auf der Straße war groß. Die Feier selbst er­folgte in aller Stille. Wenige außer der Fainilic wurden zugclassen. In London wurde gleichzeitig i» der Marga- rctenkirche in Westnünster eine offizielle Traucrfcier abge- lialtcn, an der Vertreter des Hofes, die Minister und die übrige politische Welt tcilnahmen. Das Unterhaus trat nach- mittags zusammen und vertagte sich, nachdem Asguith, Bonar Law und Balfour gesprockicn hatten, zum Zeichen dee Trauer. Asguith würdigte in einer Rede Chambcrlain besonders als Redner; auch im Obcrhausc wurdc von den Führern der Parteien de? toten Staatsmannes gedacht.

Türkei.

:: Rückkehr der Botschastcr-Dclegierten ans Smyr.m.

Die Delegierten der Botschaften kehrten gestern von ihrer Untcrsuchungsrcisc in das Wilajet Smyrna nach Konstanti- nopel zurück. Ihre detaillierten Berichte werden bald im Besitze der Botschafter sein. Mehr als historisches Interesse werden diese Berichte aber kaum beanspruchen. Tic Dele­gierten haben de» Hauptzweck ihrer Mission durch die Tat­sache ihrer Anwesenheit in Smyrna erfüllt und wesentlich zu der Ablenkung der Kriegsgefahr beigctragen. Inzwischen sind Griechenland und die Türkei zur praktischen Lösung der Auswanderungsfrage übcrgcgangcn. Den jetzt in Smyrna und Saloniki zusaimncn tretenden gemischten Kommissionen ist die Lösung anvertraut worden.

Montenegro.

:: Serbisch montenegrinische Beziehungen. An Regie-

rungSstcllc wird auf das bestimmteste versichert, daß von einer Union zwischen Serbien und Montenegro gar keine Rede sein könne. Man sei jedoch auf bcidcn Seiten bestrebt, den serbischen Beziehungen eine bestimmte Form zu geben, d'w aber keineswegs der staatlichen Selbständigkeit Montenegros gefährlich werden könnten. Diese Form zu finden, ist man in Montenegro bestrebt, weil cs dadurch Ivirtschaftlich und finanziell vollständig gesichert werde. Bei der Durchführung dieser Form hätte man auf bcidcn Seiten als Prinzip fest- gestellt, die Selbständigkeit beider Staaten und Dynastien zu wahren.

Albanien.

:: Vorläufig kein Rücktritt des Fürsten Wilhelm. Im

Gegensatz zurPerscvcranza", die einen baldigen Rücktritt des Fürsten von Albanien ankündigt .rechnet dieStainpa" mit der Möglichkeit, daß der jetzige Zustand des Schwankens zwischen Hoffnung und Enttäuschung noch den ganzen Som- nier anhaltcn werde, dies wird auch durch die Rückkehr dcs internationalen Aussichtsausschusses nach Dalona begründet.

:: Ter verschwenderische Fürst. In einer Besprechung der Reise Turlhans Pascha nach Wien gibt das Echo de Paris eine Aufstellung über die Verwendung der 10 Millio­nen, die dcm Prinzen zu Wied vorgcschossen worden sind, und veisteigt sich zu der kühnen Bchauptung, daß die vor der Intervention der Kentrollkommissicn verausgabten zwei Millionen ganz nutzlos verausgabt sind. Für die Schaffung des Schatzmeisteramts seien eine halbe Million, für die Der- waffungserganisatw» eine halbe Million und sür Kriegs­material 7 Millionen zwecklos vergeudet worden. Das Blatt bewert! hierzu: Diese Ausgaben sind nicht dazu angetan, um die Mächte zu ermutigen, dem Fürsten weitere Hilfsgel- dec zue Verfügung zu stellen.

:: Zusiiininenkünste nlbnnischcr Gciidnrmcn mit Aufstän­dische!-. Major Kroon hat eine strenge Untersuchung gegen inehrere altarische Gendarnien cingcleitet, weil diese in den Vcrschanzungen Zusammenkünfte »nt den Ausständischen ge­habt haben sollen. Der französische Gesandte hat den Auf­ständischen einen Parlamentär geschickt, um Aufklärung da­rüber zu verlangen, warum die Aufständischen mehrere fran­zösische Staatsangehörige verhaftet und in Jschmi das Haus eines Franzeten angegriffen haben.

Mexiko.

:: Eine Vcrtrauenskundgcbuiig sür Huerta. Bei den

gestern abgehaltcnen Präsidentenwahlen hat H-ierta ein ein- stimmiges Vertrauensvotum c> halten. Tie Wahlberichte lassen die Wiederwahl aller gegenwärtigen Deputierten und Senatoren eiwarten. Tie Beteiligung an den Wahlen war die niedrigste seit vielen Jahren, sowohl in der Hauptstadt >vie in de» Nachbarstädten. Dagegen sehen die aus dem Innern deS Landes hier eingetroffenen Mexikaner die Wahlen für eine bloße Farce an: cs sei eine lächcrlick-e An- nähme, daß Huerta dcm Volke freie W ahlen gewährt habe.

Me Verschwörung von Sarajewo.

Die Verschwörung von Scrajc>-o.

Nach eineni Privattclgramm derFrankfurter Zeitung wurde in Semlin der seckilte von den Verschwörern, die mir