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Reu« Lageszettung. wionrag, den «. J»li 191

gendes: 1) Lautenschlaeger auf Mercedes in 7 Stunden 8 Minuten 18% Sekunden, 2) Wagner auf Mercedes in 7 Stunden 6 Minutne 54% Sekunden, 3) Salzer auf Mer­cedes in 7 Stunden 13 Minuten 9 Sekunden, 4) Gaux aus Peugeot in 7 Stunden 20 Minuten 40 Sekunden.

:: Ein selbständiges FranzösischZentralnfrika. Wie der Matin" erfahrt, beschäftigt sich das französische Kolonial- ministerinm augenblicklich mit einem außerordentlich inter- cssanten Projekt, nämlich die Einsetzung einer unabhängigen Negierung in Französisch-Zentralafrika. Es ist beabsichtigt, die Provinzen Borku und Tibesti von dem südlichen Teil der französischen Besitzungen abzutrcnnen und ihnen eine eigene Verwaltung zu geben. Die Grenzen dieser Provinzen wer­den bis über Bilnia hinaus verlängert werden, sodaß das neugeschaffene Reich sich im Norden bis an die Wüste, im Süden bis zum Tschadsee ausdehnen wird. Die Regierung Zentralafrikas soll vollkommene finanzielle und ökonomische Autonomie erhalten und dem Kommando eines Militär- gouverncurs unterstehen.

England.

:: Mnniscftatioiien der Illsllrleute. Gestern nachmittag fand in einem südlichen Vororte Londons eine Riesenmani- festation der lllsterleute statt, an der über 10000 Personen teilnahmen. Es fiel besonders auf, daß ein großer Teil der Teilnehmer an dem Meeting bewaffnet war. Sie Carson hielt eine längere Rede, in der er bei jeder scharfen Wendung gegen die Regierung begeistert applaudiert wurde. Carson hatte seine Leibgarde zur Verfügung, die aus uniformierten Ulsterfreiwilligen bestand.

:: Dcr Streik im Arsenal von Woolwich. Im Arsenal von Woolwich ist gestern ein Streik ausgebrochen, der sich im Laufe des Tages auf alle Abteilungen ausbreitete. Ein Ar­beiter hatte sich geweigert, eine Maschine zu montieren, deren Unterbau von Nichtorganisierten Arbeitern gemauert war. Als er entlassen wurde, legten 8000 Arsenal-Arbeiter die Arbeit nieder und verließen die Fabriken. Fast alle Mit­glieder des Verbandes dcr Maschinisten und der Angestellten der Lafcttenabteilung befinden sich im Streik. Die Lafetten- abteilung, das Laboratorium und die Geschiitzabteilung. mußten geschlossen werden.

Freiwilligen-Eorps in Albanien.

Zn einem Telegramm aus Durazzo meldet derMatin": Die Regierung hat vorgestern die für die Absendung von Frei­willigen verlangte a conto Zahlung abgeschickt. Immerhin sangen die Malifforen an, ihre Posten zu verlassen, da sie an­scheinend der Sache des Fürsten überdrüssig sind. Eines humo­ristischen Beigeschmacks entbehrt nicht die Tatsache, daß jm vorgestrigen albanischen Ministerrat vorgeschlagen wurde, ein Korps für Militäraviatiker in Albanien zu schaffen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nach längerer Debatte zurückgewiesen. Lustspiel und Drama sind so eng befreundet miteinander, daß n:an nur wenig erstaunt war, als man erfuhr, daß Turkhan Pascha bei seiner Rundreise an die europäischen Höf« den Auf­trag erhalte» hat, das Verlangen auszusprechen, das Fürsten­tum in ein Königreich umzuwandeln. Die internationale Kon­trollkommission muß sich noch weiter mit dem Problem besaßen, das durch die neue epirotische Bewegung geschaffen worden ist. Zwei Individuen sind hier verhaftet worden, als sie Ge­wehre aufiausten, die die Regierung den Freiwilligen liesert. Die Leute zahlten für jedes Gewehr Franken. Etwa 200 Gewehre wurden in ihren Behausungen vorgefunden.

:: Reue Hoffnungen des Fürsten Wilhelm. DerSecolo" meldet aus Durazzo: Die Ankunft der österreichischen Freiwil­ligen und die Erwartung neuer Ankömmlinge haben die ge­sunkenen Hosfnungen des Fürsten etwas belebt. Major Kroon hofft, sobald die Freiwilligen die Anzahl von 506 erreicht hät­ten, einen ersolgreichc» Vorstoß gegen die Aufständischen ma­

chen zu können. Leider fehlt er aber auch an Geld, da die Summe, die der internationale Aussichtsausschuß vorigen Mo­nat zur Verfügung stellte, schon erschöpft ist. Dieser Umstand sei umso wichtiger, als verschiedene albanische Rationalisten zu den Aufständischen überzugchen drohten, falls sie kein Geld bekämen, um ihre Truppen zu erhalten. Auf der anderen Seite wird gemeldet, daß die Lage des Fürsten unhaltbar und seine Abdankung täglich zu gewärtigen sei.

:: Erfolge der cpirotifchen Bewegung. Aus SUdalbanien treffen Nachrichten ei», denen zufolge die Epiroten Ciarova besetzt haben, und Euritza bedrohen. Es wird jedoch aner­kannt, daß die unter Führung ehemaliger griechischer Offiziere stehendenheiligen Bataillone" in dem von ihnen besetzten Gebiet die Ordnung aufrecht erhalten, und sich keinerlei Ge- walttätigkeiten zu Schulden kommen lassen. In einigen Dör­fern wurden allerdings Albanier erschossen. Es geschah aber erst, nachdem schwache epirotische Posten, di- in diesen Dörfern zurückgelassen waren, übersalle» und ermordet worden waren.

Bereinigte Staaten.

:: Das unzulänglich« Miniftergehalt. Staatssekretär Bryan hat seine Vorlesungstournee zur Erhöhung seiner Einkünfte wieder ausgenommen. Er hielt gestern in Rordkarolina vier Konferenzen ab und bekam für jede 1000 Mark. Dies- neue Art von Vorstellungen hat in gewissen Kreisen eine lebhafte Erregung hcrvorgerusen. Bryan begründete, wie auch schon früher, sein Handeln damit, daß das Gehalt eines Ministers der Bereinigten Staaten durchaus ungenügend sei und daß er sich aus andere Weise Geld verschaffen müsse, um in ehrlicher Form den Rcpräsentationspslichten Nachkommen zu können.

Parleiimch richten.

Landtagsaügcordnetere Fricdreich t- Heute kom di; Trauerkunde, daß der Landtagsabgeordnetr Ockonomierat Jakob Friedreich zu Großrohrehim im Alter von 53 Jahren, nach längerem Leiden verschieden ist. Der Verstor­bene gehörte der Fraktion des Bauernbundes an. Jm Land­tag ist er wenig hervorgetreten, was einesteils daran lag, daß er bald nach seiner Wahl von der Krankheit befallen wurde, der er jetzt erlegen ist, andernteils aber auch daran, daß er zwar ein Mann voll innerer Ucberzeugung, aber kein Freund von äußerlichen geräuschvollen Auftreten war. Friedreich war am 12. Februar 1861 zu Nordheim (Kreis Bensheim) geboren und war seit seineni 15. Jahre Landwirt, welchen Beruf er seit 1884 in Großrohrhcim ausübte. Er war Mit­glied der Landwirtschaftskammer und seit 1911 Mitglied der zweiten Kammer für den Kreis Gernsheim-Pfungstadt. Ein zu früher Tod machte seiner Laufbahn ein Ende, sein Anden- ken aber wird in Ehren fortbestehen.

Bei der Houptwahl im Jahre 1911 erhielt Friedreich 1467, Böhm (natl.) 1223, Preß (freis.) 1010 und ein Sozial­demokrat 2080 Stimmen: bei der Stichwahl mit dein Sozial­demokraten erhielt Friedreich 3359 und der Rote 2932 Stimmen

Vereinigte Landwirte.

Die Gejchiiftsstnrtden

finden morgen (Dienstag) von 25 Uhr nachmittags statt und fallen am Freitag, den 19. Juli, ganz aus.

Achtung!

BWiMg dn VnftWldtt in Gitficn.

Das Landwirtschaftliche Institut der Universität Gießen hat unsere Vereinigung zu einer

dem Befehl Prcnk Dodas, der seine ganze Autorität cingebußt

hat, niitersiellcn wollen.

Tngesnbrrllcht.

Deutsches Deich.

:: Kein Wechsel im haiinoverschc» Obeüpräsidium. Die

Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Jii einem Berliner Blatt war die Nachricht von dein bevorstehenden Wechsel im hannovcrschen Oberpräsidium und im Kasseler Regierungs- Präsidium mit dem Bemerken aufrecht erhalten worden, daß dcr Wechsel mit dem 1. Oktober crntietcn solle, und daß der Regierungspräsident von Kassel, Graf Bernstorff, als Ober- Präsident in Hannover in Aussicht genommen worden sei. Noch unseren Erkundigungen ist diese Angabe irrtümlich- Zum 1. Oktober wird kein Wechsel im Oberpräsidiuni von Hannover erfolgen und insbesondere nicht die Versetzung des Grafen von Bernstorff von Kassel nach Haniiover eintreten.

:: Oberstlrutiiant von Winterfeid verlaßt Grisolles. Oberstleutnant von Winterfeid hat gestern in Begleitung seiner Gattin Grisolles verlassen, um in Aucumville bei Toulouse Aufenthalt zu nehmen. Vor der Abreise stattete Frau von Winterfeld dem Bürgermeister und zahlreichen Bewohnern von Grisolles Abschiedsbesuche ab, wobei sic sich für die Anteilnahme der Bevölkerung herzlich bedankte.

:: Ei» Berliner Wcrbebnreau für Albanien. In der Reichshauptstadt hat sich ein Komitee gebildet, um auslän­dische ausgediente Soldaten aller Waffengattungen als Frei- willige nach Durazzo zu entsende». Den Vorstand des Komitees bildet dcr Konsul a. D. Richard Wackerow und Hauptmann a. D. Hans Walter. Die Kosten für den Trans­port der Freiwilligen einschließlich Verpflegung bis Durazzo übernimmt das Komitee und gewährleistet Rücksahrtkostcn. Auf eine telegraphische Anfrage nach Durazzo, daß die Frei- willigen nach Ankunft die weitere Verpflegung seitens der albanischen Negierung verbürgt erhalten müßten, drahtete Ser Flügeladjutatn des Fürsten Ekrcm Bei Libohova aus Enstelnouvo, daß alle weiteren Verhandlungen mit dem al­banischen Gesandten in Wien Exzellenz Surcya gepflogen werden möchten. Auf eine an diesen gerichtete Anfrage kam die Nachricht, daß die Freiwilligen nach Ankunft in Durazzo die weitere Verpflegung erhalten würden und daß Kochkessel, Menageschalcn und womöglich auch Zelte erwünscht seien.

Rußalnd.

:: Die Eholcra und Pest im Gouvernement Astrachan.

Fn einem Kreise des Gouvernements Astrachan ist nach dem Bericht eines Landschastsarztes die Cholera ausgetreten. Es ist ein Todesfall verzeichnet worden. An mehreren Orten des Gouvernements verlangt die Lungcnpest weitere Opfer. In Samara und anderen Wolgastädten wurden pestverdäch­tige Ratten konstatiert, zu deren Vertilgugn bis jetzt keine Maßnahmen getroffen sind. Bei dcr gegenwärtigen hohen Temperatur liegt die dringende Gefahr dcr Verbreitung der Cholera und Pest über ganz Rußland vor.

Frankreich.

:: Deutscher Sieg im Automobil-Grandprix. Das

gestrige Rennen uu, den großen Preis des Autoniobil-Klubs brachte einen grocßn und unbestrittenen Sieg der deuffchen ' MerccdesUxigen. Das Rennen verlief ohne jeden Zwischen- fall. Sailer aus Mercedes, der bis zur sechsten Runde führte, mußte wegen Bruchs einer Bcnzinröhre die Führung vufgeben und bis zur 19. Runde die Führung Boeillot auf Peugeot überlassen. Aber dcr Mcrcedeswagen kam immer weiter auf und bei der neunzehnten, der vorletzten Runde, war Lautenschlaeger nur nach um 1 Minute hinter Boeillot zurück, der in der 20. Runde aufgab. Das Ergebnis war fol-

Das grüne Auto.

Spionage-Roman von August Weißt.

66 (Fortsetzung).

Die Gräfin hatte den Arm des Barons fahren geladen und schritt rasch, säst eilig, aus die Seiteniüre zu.

Spohr folgte ihr auf dem Fuße.

Als sie den ersten Treppenabsatz erreicht hatte, ivarf Biotetta einen scheuen Blick nach rückwärts.

Sie sah, wie der Schatten eines Mannes auf die Glas- tür siel.

Violctla stieß einen leisen Schrei aus ruid stürmte die Treppe hinunter.

Gleichzeitig hörte man die Türe oben gehen.

Der Fremde beugte sich über da? Geländer.

Da er Violetta noch auf den letzten Stufen erblickte, eilte * ihr rasch ins Foyer nach.

Bleiben Sic bei mir, mir rst ganz schlecht, flüsterte die Eröffn Spohr zn und hängte sich schwer in seinen Arm.

Ich will nur den Wagen rufen lassen.

Nein, lassen Sie mich nicht allein!

Spohr winkte einem Diener und beaustrogtc ihn, den der Gräfin Vorfahren z» lassen.

In den Minuten, die vergingen, bis- der Portier mel- daß der Wagen bereit stehe, uuiklammerte Violetta 'n-pchast den Arm SpohrS und starrte unverwandt zu den.

v b trat dcr Fremde, dcr dem Paare gefolgt war,

e> 1 i -ti zu und sagte mit einer leichten Verbeugung .:>'» -i r in italienischer Sprache:

P d-». aber wenn ich nicht irre . . .

£.Vt! r f.ins er nicht.

Die Gräfin lveir beim ersten Worte aufgeschncllt und ickacke sich, fest aus Spohr gestützt, in ihrer ganzen Größe :us.

Alles Blut war aus ihrem Antlitze gewichen.

Ihre Stimme klang rauh und heiser, als sie dem Frenl- dcn. ohne ibn anzublickcn. in die Rede fiel:

Sie irren bestimmt, mein Herr, ich kenne Sic nicht I Wirflich nicht? gab der Fremde bedeutungsvoll zurück. Nun mengte sich Spohr ins Gespräch:

Pardon, Sie hören, die Dame kennt Sie nicht. Ich bitte also, sie nicht weiter zu belästigen!

Der Fremde zögerte einen Augenblick mit der Antwort. Er blickte Violetta fest an, gleichsam in der Erwartung, daß sie sprechen werde. . '

Da sie aber schwieg, antwortete er in höflichem Tonet Jede Belästigung liegt mir fern. Ich bitte um Ent­schuldigung, daß ich gestört habe.

Dcr Fremde zog sich mit einer artigen Verbeugung, die wieder nur Spohr galt, zurück und wartete, bis dieser die Gräfin zum Wagen geführt hatte. ^ : :

Als der Baron in das Foyer zurückkehrte, trat ihm der Fremde in den Weg. v ^ }

Cartclauc, stellte er sich liov .

' Spoh, erwiderte der andere mit einer Verbeugung. Verzeihen Sie nochmals die Störung von vorhin, begann Eartelane in ctivas gebrochenem, aber doch sehr gut verständ- licheni Deutsch. Aber ick, glaubte in der Danie, die Sie zum Wagen geleitet haben, eine alte Bekannte wiederziffiudcu, und wäre Ihne» sehr dankbar, wenn Sic mir sagten, wc? die Dame war.

Pardon, ich habe doch den Nckvien richtig verstanden? Eartelane, nicht? Vielleicht Oberleutnant Ernst von Car- tclane?

So heiße ich, aber woher wissen Sic das? fragte der Italiener erstaunt.

Haben Sie vielleicht der Baronin Stcrnburg vor unge­fähr vierzehn Tagen einen Brief geschrieben, worin Sie von Jhreni Freunde Castellmari sprachen?

Allerdings, mein Herr, Sie sehen mich überaus ver­wundert, daß die erste zufällige Wiener Bekanntschaft mir jemand zuführt, dcr meine Briefgeheimnisse kennt.

Geben Sic doch dem Herrn lieber Auskunft, wer die Dame war! nnterdracb das Gespräck»SW!-- Martens öer

unmittelbar nach dcr Gräfin die Gesellschaft verlassen hatte und über die Hanptreppe ins Foyer geeilt war.

Spohr vermittelte die Bekanntschaft der beiden Herren und fuhr dann fort:

Sie glauben gar nicht, wie ich den Zufall Preise, der mir Sie in den Weg geführt hat. Sie müssen nämlich wissen, daß wir alle nur den lebhaftesten Wunsch haben. Näheres über jene Frau zu erfahren.

' Da kann ich Ihnen leicht dienen. Ich kenne diese Dame sehr genau.

Ist sie vielleicht eine Amrcikanerin namens Gibfon?

Sic wurde von einem Minenbefiher dieses Namens vor einigen Jahren adoptiert. Gebürtig ist sie aus Italien und war ehemals Kunstreiterin.

Dann, rief Doktor Martens erregt, ist sie vielleicht jene Artistin, zu der Castellmari in Beziehungen stand?

Ja, die ist sie. >

, So haben wir endlich die bickgesuchtc Mara Cincinnati!

Ich halte einen Irrtum meinerseits für ausgeschlossen, Ich habe sie int ersten Augenblicke wicdererkannt, erflärtc Eartelane. i

Auch ich, ergänzte Doktor Marten?, könnte sofort einen Eid oblegen, daß sie cs ist. Man muß nur gesehen haben, wie sie erschrak, als sie Herrn von Eartelane erkannte, wie sie fluchtartig das Haus verließ, als sie bemerkte, daß Sie ein Interesse an ihr nahmen!

Sie hat sich verändert, nahm Eartelane wieder das Wort. Bor allem das blonde Haar. Ich konnte sie schwarz: lind frischer und schlanker. Aber freilich, cs sind darüber Jahec vergangen.

Sic halten einen Irrtum für ausgeschlossen? fragte nun Spohr.

Ich habe seinerzeit zu viel mit ihr vcrkeylt, als daß ick mich täusck>en könnte.

Also bestimmt Mara Cincinnati?

lFortsetzung folgt.)