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Nr. 151

Neue Tageszeitung. Samstag, o«n 1. J,lj 181«.

Seite 3.

Das grüne Auto.

Spionage-Roman von August Weißst 06 (Fortsetzung).

Spohr war schon so intim im Hause geworden, daß er unaufgefordert zu den Mahlzeiten bleiben konnte. Die Abende verbrachte er fast ausschließlich in der anziehenden Gesellschaft der beiden Schwestern.

Ter junge Baron hotte für das schöne, fcingcbildete Mädchen eine tiefe Neigung gefaßt. Sein heißester Wunsch war, sie zu seinem Weibe zu machen. Er träumte von einer Zukunft an ihrer Seite, die ihm alles geben konnte, waS ihm das Leben wünschenswert machte.

Leider waren es vorläufig nur Träume und gering die Aussichten, sie zu verwirklichen. Was hatte er ihr zu bieten, der verwöhnten Tochter des Patriziers, die in fürstlicheni Hause ausgewachsen? Auch war es keineswegs sicher, ob der nicht sehr Oesterreich freundliche Senator seine Werbung be­sonders begünstigen würde. Aber er war glücklich, unsagbar glücklich, in dieser Zeit des Höffens und Harrens, denn fein Herz sagte ihm, daß er Maria nicht gleichgültig sei.

Ihre großen, dunklen Augen flammten ihm entgegen, so oft er kam, und bei seinem Händedruck zog ein leichte? Erröten über ihr liebliches bleiches Gesicht. Wenn es auch nicht ausgesprochen wurde, der Händedruck, mit dem sie sich grüßten, der Blick, mit dem sie sich begegneten, sagte allen, die nicht blind waren, daß diese beiden jungen Menschen ein­ander herzlich zugetan waren.

Meta war dies nicht entgangen, wenn sie auch ihre eige­nen Herzensangelegenheiten zu sehr beschäftigten, um dem Paare besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Sic hatte Spohr lieb gewonnen wie einen Binder. Seine offene, herzliche Art, sein ungeschminktes Wesen, boten ihr die Garantie, daß ihre Schwester an ihm einen liebevollen zärtlichen, aufmerksamen Gotten finden würde. Und da sie wußte, wie es um das Herz Marias stand, erhob sie nicht nur keinen Einwand, sondern förderte die Angelegenheit, wie sie nur konnte. Auf ihren Wunsch und nur auf ihr Bitten beim Pater hatte dieser Maria nach Wien kommen lassen.

Fast jeder zweite Tag brachte Spohr eine Verabredung, wobei er immer zum Kavalier des Mädchens auserschen war. Ter Vierte war natürlich stets Hauptmann Fernkorn, der Bräutigam Metas, der ja den Baron noch von der Schul­bank her kannte und ungemein schätzte.

So verbrachten diese vier Menschen wunderschöne Abende. Alle vier intelligent und feingebildet, paßten sie zusaunuen, wie nur Menschen zusammenpassen können, die dem gleichen Boden entstammen und Welt und Dinge mit den gleichen Augen sehen. Und nach den Plauderstunden kamen Augenblicke, wo sie einander voll zarter Rücksichten nicht störten. Jedes der Paare war ja glücklich, wenn es eine Zeit stimmungsvollen Alleinseins durchleben durste.

Wieder hatte man in einem Hotel der inneren Stadt ge­meinsam soupiert. Die beiden Herren begleiteten die Damen noch Hause und traten dann gemeinsam den Heimweg an.

Hast Du noch etwas vor? stagte der. Hauptmann seinen Freund. ' 1 \

Spohr nickte. A z'*

Ich habe Doktor Martens versprochen, ms Cafs Burg­stall zu kommen.

Nach inimer Polizcidicnst?

Mehr denn je.

Gibt's was Neues in der Affäre?

Das eben will ich erfahren. Doktor Martens hat heute eine wichtige Aktion unternommen, die vielleicht alles auj- (Lren wird.

R Zeit wär'sl brummte der Hauptmann.

Ja es wäre wirklich au der Zeit, seufzte Baron Spohr und dachte dabei an Maria, der er das Versprechen gegeben, nicht zu rasten, bis die Mörderin Georgs gefunden sei.

Schade, daß Du zu tun hast. Ich habe eine Loge für den Ronacher. Wenn Tu nichts zu tun gehabt hättest

Läßt sich machen I fiel Spohr dem Freunde ins Wort. Wenn Du erlaubst, lade ich den Kommissär ein.

Bitte. Dann hörst Du auch gleich, was es Neues gibt.

Spohr rief aus der Porsterloge des Ronacher Doktor Martens an und teilte ihm mit, daß er in der Loge Nr. 17 'ich befinde, er niöge in das Etablissement kommen, wenn er nichts Besseres vor habe.

Eine halbe Stunde später erschien der Kommissär in Begleitung eines Agenten, deni er einige Wort zustüsterte, ehe er in die Loge trat.

Wissen Sie, lieber Baron, daß i ch Sie auffordern wollte, heute zum Ronacher mit zu kommen?

Na, dann hat sich's ja gut getroffen. Aber warum denn eigentlich?

Die Dome mit dem Armband befindet sich im Hause. Ich habe Sic bitten wollen, mir sie zu zeigen, respektive, wenn sich eine unauffällige Gelegenheit ergibt, mich ihr vorzu- slillen.

Verzeihen Sie, ich verstehe Sie nicht ganz. Wen mei­nen Sic denn eigentlich?

Ja, richtig. Sie wissen ja noch nichts. Ich meine die Gräfin di Campobcllo.

Den, Hauptmann und Spohr gab es einen Ruck.

Hier im Hause soll sie sein? fragte der Baron.

So meldete unser Agent.

Spohr nahm den Operngucker und musterte die Logen.

In der zweiten Loge von der Bühne erblickte er dann auch die rotblonde schöne Gräfin an der Seite ihres Mannes.

Dort fitzt sie wirklich.

Doktor Martens griff nach dem Glas.

Eine pikante Frau. Werden Sie mich ihr vorstellen?

Gewiß.

Und wann?

In der Pause.

Als die erste Programmhälfte abgespielt war, sah der Baron, wie die Gräfin ihre Loge verließ.

Er stand eilig auf.

Kommen Sie. > - o r > A '

Die drei Herren schleuderten durch den Logengang, als würden sic eineckleinc Promenade machen.

An dem kleinen Tischchen hinter der Loge Nr. 2 sou­pierte die Gräfin mit chrem Manne,

So war eine Begegnung selbstverständlich Spohr be­nutzte die Gelegenheit, die Gräfin zu begrüßen und dem Paare die beiden Freunde vorzustellen.

Die Gräfin war nicht so frisch wie sonst. Sie sah er- niüdet, fast krank aus.

Ihre Augen flackerten nervös, und die weiße Schminke, welche sie aufgelegt hatte, konnte die dunklen Ringe unter den Augen ebensowenig verdecken, wie die rötlichn Flecken, welche das Fieber auf ihre Wangen gezeichnet hatte. Sie schien auch keinen Appetit zu haben, denn sie tändelte nur so mit ihrer Gansleberpastete, trank aber hastig zwei Gläser Ehanipagncr nachinandcr. Nur mit sichtlichem Zwange nahm sie an den Vorgängen, wie am Gespräche teil.

Die drei Herren hatten sich, auf die liebenswürdige Auf. forderung CampobclloS hin, zu dem Paare gesetzt, und der sonst so schweigsame Graf begann, offenbar durch die Um­gebung und den Champagner angeregt, eine flotte Konver­sation.

Uebcr das Varietä schwatzte er, über die schönen Frauen, die er im Saale sah, über das Nachtleben' den französischen Champagner lobte er, speziell die Marke, die er trank und die ihm wirklich sehr zu niunden schien, denn sein Glas wurde jeden Augenblick leer.

Hauptmann Fernkorn und Baron Spohr hatten viele Fragen an ihn zu stellen, um seine Aufmerksamkeit von Dok­tor Martens, der der Gräfin gegenüber Platz genonrnicn hatte, abzulcnken.

Plötzlich hielt Set Graf mitten im Gespräche inne.

Er schaute verwundert aus seine Frau, die scheinbar ihre Umgebung vergessen hatte und schreckensstarr aus einen Herren blickte, der sich über die Brüstung einer Loge beugte und interessiert herübersah.

Was hast Du denn? fragte der Graf.

Die Gräfin zuckte bei der Ansprache zusammen, strich sich über Augen und Stirn und sagte bloß:

Mir ist nicht wohl, gehen wir nach Hansel Aber gleich!

Ohne die zustimmcnde Antwort des Gatten abzuwartcn, stand sie auf und ging zur Loge vor, um ihren Mantel zu holen-

Spohr kam ihr zuvor und legte den kostbaren Abend- Mantel galant um ihre Schultern.

Dotkor Martens, der Dioletta unausgesetzt ebabachtet hatte, war natürlich die plötzliche Veränderung, die in ihr vorgegangen war, nicht entgangen.

Ihre Augen waren anfangs gelangweilt über das Pub­likum hingeglitten, bis sie plötzlich den Blick auffing, den ein junger, eleganter Fremder auf sie herüberwarf.

In diesem Augenblick war sie unter der Schminke tief erbleicht.

Ihre Augen hingen seitdem wie festgcbannt an dem Fremden, der aufgestanden war, als ec sah, daß die Gräfin zur Loge ging, und nun durch das Promenier langsam her­über kam.

Hast Du schon gezahlt? drängte die Gräfin.

Der Graf blickte unwillig zu ihr auf.

Hast Du schon gezahlt? fragte sie nochmals.

Aber geh', so bleib' doch noch ein bißchen.

Ten Grafen traf ein zorniger Blick. Sie griff nach dem Fächer und antwortete hastig:

Nein, ich muß nach Hause! Du kannst bleiben, wenn Du willst! Baron Spohr wird die Freundlichkeit haben, niich zum Wagen zu führen.

Gewiß Gräfin. Wenn Sie gestatten.

Der Baron bot ihr seinen Arnr an.

Eompobello ergriff die Hand seiner Frau.

Ich möchte wirklich noch ein wenig--

Bleib' nur, bleib' unterbrach die Gräfin ihren Mann hastig, der Anstalten machte, sich zu erheben. Der Baron wird schon so freundlich sein.

Violctta nickte den drei Herren flüchtig zu und wandte sich rasch ab, um zur Haupttreppe zu gelangen.

Da stand drei Schritte vor ihr der Fremde. Ein sehr eleganter, junger, hübscher Mensch in tadelloseni Salonanzug.

Er hatte die Arme über die Brust gekreuzt und blickte die Gräfin ernst und forschend an.

Gehen wir durch die andere Türe! stammelte die Gräfin und kehrte dem Fremden den Rücken.

Doktor Martens verließ seinen Platz und stellte sich seit­wärts, um die Situation genau zu überblicken.

(Fortsetzung folgt).

Spielplan des Erotzh. Kurthcaters Bad-Nauheim.

Sonntag, den 5. Juli:Dis spanische Fliege". Schwank in 3 Akten von Franz Arnold und Ernst Bach.

Montag, den 6. Juli: «Der sidele Bauer". Operette in 3 Akten von Leo Fall.

Kirchliche Anzeigen.

Evangelische Gemeinde.

4. Sonntag nach Trin., 5. Juli.

Gottesdienst in der Stadttirche.

Vorm, 9J4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter.

Nachm. lyi Ahr: Katechismuslehre für die Mädchen: Herr Pfarrer Rirter.

(In der Stadt- n >4> t Burgkirchel-

Eottesdicnst in der Burgkirche.

Vorm. 8K (nicht 9H Uhr:): Herr Pfarrer Zatzmann. Vorm. II Uhr: Kindergottesdiensl: Herr Psr. Ritter. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.

Dorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann.

Nachm. 1 Uhr: Katcchismuslehre für die mannst Jugend: Herr Pfarrer Zatzmann.

Katholische Gemeinde.

Fünfter Sonntagach Pfingsten.

Nachfeier des Festes der hl. Petrus und Paulus, 5. Juli. Bcichtgelegenheit Samstag nachm, von 5 Uhr, Sonntag früh von y.6 Uhr an.

X7 Uhr: Frühmesse.

8 Uhr: Singmesse mit Predigt (Militärgottesdienst).

MIO Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachm. 2M Uhr: Monatsandacht der Rolcnkranzbruder-

schaft.

An diesem Sonntag ist eine Kollekte zu Gunsten des Pc. terspfennig.

Feierabend Friedberg.

Sonntag, den 5. Juli:Lese- und Spiclabcnd".

Aufruf!

* Büsbach. 27. Juni. lAufruf.) Am 11. März 1921 findet das 300jährige Stiftungsfest des Jnsanteric-(Leib. garde-)Regiincnts Nr. 115 in Darmstadt statt. Hm nun das 5cft richtig zu begehen, fordern wir alle ehemalige» Offi­ziere. Unteroffiziere und Gardisten von Butzbach und Uui- gcgcnd, die den Fahneneid im Regiment geleistet haben, auf, zwecks Gründung einer Vereinigung cheuialiger Lc!b- gardistcn sich am Sonntag, den 19. Juli 1914, nachuiittags

Uhr in Butzbach (Goldncn Löwen", Marktplatz) zur näheren Besprechung einzufinden. Die Vereinigung soll selbstredend auf patriotischer Grundlage aufgcbaut werden und soll den Zweck habe», erstens die obige Feier mitzuniache» und zweitens die Erinnerung an die im Kriege und Frieden verlebte Dienstzeit wach zu halten. Die Zugehörigkeit zu», alten (Leibgarde-) Regiment aber soll dadurch bewiesen wer­den, daß, wie die Offiziere, so auch die früheren Unteroffi­ziere und Gardisten, an dein im Jahre 1921 den 11. März stattfindenden 300jährigcn Stiftungsfeste des Regiments einen Jubeltag ohne Gleiche» in der Armee mit einer Abordnung und einem Ehrengeschenk vertreten sind und nicht hinter ihren auswärtigen Kameraden zurllcksteheu. Es ist, da mit geringen Beiträgen lediglich die genannten Ziele ver- folgt werden, jede Konkurcnz mit den Krieger- und Militär- Vereinen ausgeschlossen. Ein ehemaliger Leibgardist.

Kursbericht

vom 3. Juli 1914 der

PliNeldrutlchen Creditbank

Aktienkapital u. Referoen M. 70000 00V

gegründet 1856.

Frankfurter Börse.

Reichsanleih« 98.90°/,

86.20 ,

76.75 .

o Hessen

,»/, Preutz. Confols 86.20 » 76.90 «

97.50 84.80

.. .. 73.60

/, o% Griechen v. 1890. W» Monopol-Griech.. Wo Silberrente. <o Oesterr Eoldrcnte 85.20 , Portugiesen Serie I 63. III 65.70 Wo Russen v. 1905 98.- ,0 1902 89.40

0 Adininistr. Türken 75.50 lo Türken von 1903 82.10 irkenlofe M. 160.80

i t Ungar. Eoldrente 81.40 Kronenrente 79.10 WoBuen.-Air.Pr.Anl. 63.70 Wo Chinesen 90.

Wo Japaner 92.

lo Silber-Mexikaner Wo Mex. Irrig. Anl. 67.50 erliner Handels Aut. 148. armstädt. Bank ,, 115.12

eutfche Bank .. 233.25 ,.

eutsch-Afiatifch Bank 119.50

rkenlose M.

ltimore u. Ohio Akt. . nada Pacific Akt. 195. lnceHcniiE.B. Akt.. >antung E. B. Alt. 128.63 rliner Handels Ant. 148.25 uische Bank Akt. .

-k. Konunandit Ant. 181.87 esdcner Bank Alt. 146.12 st2nt.Handclsb.Alt. 179.50 ss.Bank f.a.Hand.A. 150.50 g.EIek.Geselifch.Akt. 241.-

Berliner Börse.

161.75

Diskonto Komm. Ant. 182.50°/, Dresdener Bank Akt. 146.50 Mitleid. Creditb. Akt. 115.50 Oest. Creditanft. Akt. 188.12 « BochumerEutzftahl 221325 Buderus E.-W. Akt. 104320 « Deutfch Luxemburg 127.25 EfchweUer Bcrgw. 226.80 Eelfenkirch. Bergw.. Harpencr Bergbau 176.75 Phönix Bergbau 235.75 Laurahiitle

Griesheim Elektron 243.50 Höchst. Farbwerke 453. Holzvertohlungs-2»d. 284.25 Rütgerswcrke 188.75 ,,

Chem. Fabr. Albert 398. AUg. Etettr. Gef. Att. 241.12 Deutjch-Uebersee E. E. 164. Schuck. Elektr. Ges. Att. 143.50 Siemens u. Halste 211. « Eteaua Romana 143.70 « Zellstoff Waldhof 171.50 Hambg. Amk. Pakelf. 127.12 Rordü. Lloyd 110.25

Oesterr. Staatsbahn 145. ,, Lombarden 16.63

Baltimore u. Ohio Akt. 89.63 « Prioatdiskont 2.39

Tendenz: behauptet.

filon Topeka Doll. »Hern Pacific ,, cago Rock Isst,, ssotans.u.Tex.R. on Pacific i.Steel Eommon,,

Londoner Börse.

Dentsch-Luxemb.B.AN. 127.22 Dpch-Uberfee E.E.Att. 164. GelfenlirchenBgw.Att. 181.75 HarpenerBergbauAkst 177.25 Hohenlohewerke Att. 103.75 Laurahiitle Akt. 146.

Oberschlesier E. Akt..

Phönix Bergbau Akt. 235.87 Rombacher Hütte Akt. 152.50 Siemens u. Halste Att.. Privaldiskont 2.37

Tendenz: behauptet.

101.25

99.25

1.75

17.12

159.37

62.50

Amalgamat. Eopp. Doll. Ehartered Company Lstt. Eastrand Proprietary Eoldfields

Rand Mines

De Beers Consolid.

71.37

0.85

1.68

2.28

6.65

16.58

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empfiehl- sich zur _ riuittluiig aller bankmässigen Geschalt«»

und Verkauf von Wertpapieren an allen Börsem ichtung lausender Rechnungen und proo>fi-u»,r«er Scheck.Conti, Ivechsiung von Coupons und Sorten, lahme von offenen und verschlossenen Depots gegennahme verzinslicher Cpar-E»nlagen.