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D.c ..Urne C«er-.-i»nns" c-!ch-mt jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer an» Hell-»«. ..Sie Spinnllubc". s..ngop»i»: Bei den PostanslaUen v>-.,elmi nli-b Mt ir, c -cn Agenten monatli« 50J3f 8 8in,u tritt Postgebühr -der Trägerlohn. Anzeigen- Grund,eile 20 Pf», lakale 15 Psg, Anzeigen von answärt-werden durch Pa',Nachnahme erhaben Erfüllungsort Friedberg. SchriNlritung und Verlag Friedberg , Segen,, Hanau-rsiraß- 12. Ferniprecher 43. Postscheck-Coato »Ir. 4859, Amt Stanifuri a. AI.
Ileberftcht.
— Bei einer Geländeübung des Marburger Jägcrbat- e - lloiiö beim Dorfe Kehna wurden 8 Soldaten vom Blitz- schlage gctrosskn. Vier von ihnen wurden in schwerkrankein Znjtande ins Hospital gebracht.
— Gestern nachmittag gegen iy 2 Uhr brach in Kirch. w -.crdernord bei Hamburg bei einem Gemüsebauer ein Feuer vus, das sich bei der Dürre, dem Winde und dem Wasser- niangel sehr schnell ausbreitete. In zwei Stunden standen l.» bübäudc in Flammen und noch ist der Gewalt des FeuerS nicht Einhalt getan.
— Ter Schuhmacher Starno Cermocorwitsch, bei dem m Serajewo die Boiilbcn und die Brownings des der Tat oerdackitigen Studenten Grabic gefunden wurden, ist verhas- tct worden. Cermocorwitsch ist der Schwager des Abgeord- ncten der Narodgruppe, namens Gaitsch.
— Generaloberst Mcrizz, der beim Bombenattenat leicht verletzt wurde, liegt im Spital zu Serajewo am Sterben.
— Ter Fliegerleutnant Spandaw ist gestern aus einer Höhe von 30 Meter abgestllrzt und heute morgen den dabei erlittenen Verletzungen erlegen.
— Das Schloss Tyallymcnoch bei Holywood in der Gras, schalt Down wurde von Suffragetten in Brand gesteckt. Es wurde mit seine» »nersetzlichen Kunstschätzcn völlig eingc- äschert. Der Schaden soll sich auf mehr als 400000 M belaufen.
— Ein Streik, der große Ausdehnung anzunchnien droht, ist gestern Nachmittag plötzlich ini Arsenal von Wolwich ausgebrochcn. Ein Arbeiter War wegen Jnsub- oidination entlasse» worden, worauf sich 600 Arbeiter mit ihm solidarisch erklärten und die Arbeit niederlcgten. Man befürchtet, daß der Streik auf die übrigen 10 000 im Hafen arbeitenden Personen übergreifcn wird.
— Der Wiener „Neuen Freien Presse" wird aus Durazzo geineldct, daß infolge der kritischen Situation die Fürstin mit ihren Kindern Turazzo verlassen wird, um sich nach Rnmänirn zu begeben.
— In der vergangenen Nacht kam es in Durazzo zu er- itrntcn Plünderungen und Exzessen. Diesmal waren Kosso- wolcute die Angreifer. Die angegriffenen Zigeuner und Kuzowallachcn fliehen. Major Sluhs hat die Verteidigung von Valona. Er hat 1000 Mann wohldisziplinierte Truppen und außerdem Geschütze verlangt.
— Dem „Scvolo" wird aus Durazzo gemeldet, Jsmael Kcmnl habe dem Fürsten davon abgcratcn, Valona weiter z» verteidigen, da der Widerstand vergeblich sein werde.
— Nach einer aus der Stadt Mexiko an der Newyorker Börse eingetroffenen Meldung hat der Minister des Aus- wärligcn bekannt gegeben, daß am Sonntag ein Nachfolger für Huerta gewählt werden soll. Die Wahl soll in dem iinter dein Einfluß Huertas stehenden Gebiets vorgenommen werden. Als einzige Kandidaten werden Lascourain und der General Velasquo genannt.
Wo bleibt die Wanjernng?
Wir haben in Deutschland eine unverbesserliche Sorte von Politikern, die an die Mauserung der Sozialdcnlokraten glauben oder ivenigstens zu glauben vorgeben. Sic suchen :s bei jeder Gelegenheit so hinzustcllcn, als wenn die Sozialdemokraten ihre revolutionäre Vergangenheit vergessen, ihre uinstürzlekischen Gewohnheiten abstreifen wollten und als radikale bürgerliche Politiker an dem Wähle des Vaterlandes Mitarbeiten wollten. Nun steht es ja in der Tat fest, die Noten in den, Rcvoluzzeln ein Heer gefunden haben, bamit aber soll bcilöibe nicht gesagt sein, daß die Sozialdemokratie das Prinzip der Revolution verlassen hätten. Die Herr- lchasten, die als Partei-, Gewcrkschafts- und Kassenbcainten ein reckt behagliches und sorgenfreies Leben führen und längst ihr Handwerkszeug in den Winkel geworfen haben, 'nid viel zu feige, selbst ihre feisten Bäuche ans Barrikaden len feindlichen Kugeln auszufctzen. Deshalb predigt nian Rebellion vom sicheren Horte des Nedaktionssessels aus b füttert die Masse mit revolutionären Phrasen.
Daß die Sozialdemokratie ihr Wesen unverändert bei- ballen hat, geht aus ihrer ganzen Vcrhetzungsarbeit tag- bglich hervor und wird bei manchen Gelegenheiten mitunter grell unterstrichen. Interessant ist es auch, wie auf ui Parteitagen stets die radikale Nickckung die Oberhand ■ i lt und die Revisionisten sich regelmäßig kuschen. Der vvrdengcist, der bezeichnend für die rote „Kulturpartei", tritt anü> bei den Revisionisten in bewundernswerter Weise in Erscheinung. Wie ein wohldrcssierter Hund über den tcrgebaltrnen Stork springt ,so parieren all' die revisionistischen Geiste, ein Bernstein, ein David, ein Kolb und wie sie alle heißen, vor der Knute der Radikalen. In einigen süddeutschen Landtagen hatten die Roten für das Budget gestimmt: auf dem letzten Parteitage wurde ein strenges Gericht über diese Schwerverbrecher gehalten und der llkas beschlossen, daß g c g e n das Budget zu stimmen sei. Und siehe dere die ManncSscelen hören aus's Wort. In der lebten
Woche haben im badischen Landtag, die Kolb und Genossen, wie ihnen befohlen, gegen das Budget gestimmt.
Die vorerwähnten Politiker, die angeblich an die Mauserung der Roten glauben, sind natürlich ob dieses Verhaltens tief betrübt, so lamentiert die „Frankfurter Zeitung":
„Eine unmittelbar sachliche Bedeutung hat die Budgetablehnung ja nicht, denn die Sozialdemokratie ist in diesem Falle zur Mchrheitsbildung nicht notwendig: die Be- deutung der Demonstration liegt aber darin, daß die Sozialdemokratie auf denr von ihr seinerzeit mit voller Ueberlcgung betretenen Wege der positiven Mitarbeit im und am Staate wieder ein Stück zurückgcworfen wird in die Negation. Und das ist das Unerfreuliche an der Sache, unerfreulich auch um deswillen, weil cS von den Gegnern einer frcihcitlickicn Entwickelung dazu ausgenützt wird, die Entwickelung zu politisch klaren Verhältnissen, wie sie in der Zusammenfassung aller fortschrittlichen Parteien liegen würde, zu erschweren."
Die arme „Frankfurter Zeitung". Sie erinnert nur zu deutlich an die alte Henne, die vor Angst vergeht, wenn sic die ausgebrütctcn Entlein ini Wasser schwimmen sieht.
Jolepls Chamberlain -j-.
London, 3. Juli. Der frühere Staatssekretär für Kolonien Joseph Chamberlain ist gestern abend hier gestorben.
Mit Joseph Chamberlain ist eine der markantesten Persönlichkeiten der englischen Politik aus der Zeit der Jahrhundertwende aus dem Leben geschieden. Wenn er auch seit Jahren infolge seiner gebrechlichen Gesundheit und seines hohen Alters — er ist 78 Jahre alt geworden — sich vom öffentlichen Leben mehr und mehr zurückgezogen hatte, so bc- saß er doch selbst heute noch als einer der bedeutendsten Männer der Unionisten-Partei einen gewissen Einfluß fiir Englands innere Politik und erst kürzlich wurde über eine große Wallfahrt von Anhängern der Unionisten zum Heime dieses greisen Führers berichtet. Seine hauptsächlichste Bedeutung lag aber auf dem Gebiete der äußeren Politik, und auf diesem Gebiete ist er auch in Deutschland zu einer gewissen Berühmtheit gelangt. In der Zeit der letzten deutsch- englischen Freundschaftsbestrebungen um die Jahrhundertwende herum war Chamberlain zuerst wohl diesen Bestrebungen nicht abgeneigt, während er später als einer der schlimm- sten Gegner Deutschlands bezeichnet wurde. Ob da§ zutreffend war, soll hier nicht erörtert werden. Die Mißstimmung gegen ihn in weiten Kreisen Deutschalnds entsprang jedenfalls wohl mehr dem Gedanken, daß Chamberlain als Staatssekretär für die Kolonien, welchen Posten er von 1895—1003 bekleidete, als Hauptträger der imperialistischen Politik, für den eigentlichen Urheber des Burcnkrigecs angesehen wurde. Bei den Sympathien, die in Deutschland für die Buren ge- hegt wurcdn, war cs nur allzu erklärlich, daß man in Joseph Chamberlain die Verkörperung ihrer Gegner erblickte und daß er so zeitweilig einer der unpopulärsten auswärtigen Staatsmänner in Deutschland wurde.
Heute, nachdem Uber zehn Jahre seit jener Zeit verflossen sind, wird man dein nun Verstorbenen die Anerken- nung nicht versagen dürfen, daß er im Interesse seines Lan- des Großes erreicht hat und daß mit feinem Namen ein Stück englischer Geschichte verknüpft ist, die vielleicht in den Mitteln nicht immcrallzu wählerisch, in ihren Zielen aber uni so erfolgreicher war.
Joseph Chamberlain wurde 1836 in Birmingham ge- baren, trat in das Geschäft seines Vaters ein, und Wurde, nachdem er 1874—1876 Mayor von Birmingham gewesen war, 1876 ins Unterhaus gewählt. Hier stand er zunächst auf Seiten der Liberalen und hat in Gladstones Regierung verschiedene wichtige Posten bekleidet. Wegen Glasstoncs Homerulepolitik trennte er sich indes 1886 von diesem und wurde eines der Häupter der Unionisten, deren Führung er 1892 nach der Berufung Hartingtons ins Oberhaus über- nah ni.
J,n Ministerium Salysbury übernahm er 1895 das Kolon ialsekretariot, das er bis 1903 inne hatte. Seitdem hat sich Chamberlain wieder als Führer der Unionisten im Un- terhause mehr der inneren Politik zugewandt und galt als einer der entschiedensten Gegner von Homcrule. In den letzen Jahren wurde er durch ein schweres Augenleiden, das schließlich zu seiner völligen Erblindung füh-en sollte, zu größter Zurückgezogenheit gezwungen.
Cagesnberftcht.
Icntlches 1!cick.
:: Der Prozeß gegen Frau Dr. Rosa Luxemburg vertagt. Der seit dem 2g. Juni vor der 4. Strafkammer des Landgerichts Berlin II verhandelte Prozeß gegen Frau Dr. Rosa Luxemburg wegen Beleidigung des preußischen Offiziers- und Untcr- osjizicrskorps ist in der gestrige» Dormittagssitzung, wie zu erwarten war. der Vertagung anhcimgeiallcn. Nach längerer
Erörterung zwischen Verteidigung und Staatsanwalt bcan lragte der Staatsanwalt die Vertagung auf unbestimmte Zeit,
der den Gerichtshof zuftimmte. Der Verteidiger, Rechtsanwalt -Li. Kurt Rosenfeld, protestierte naincns der Verteidigung gegen eine etwaige Absicht, daß die Anklagcsälle vor da- Kriegsgcricht gezogen und dadurch eine Verschiebung des Vc. weisthemas und eine Beeinträchtigung der Verteidigung de: Angeklagten verursacht würde.
Belgien.
:: Streik in, belgischen Kohlcngebiet. Die Krise in der bei gischen Kohlcnindustrie hat einen parzicllcn Streik der Bergleute hervorgerufen. Infolge des schlechten Gcschästsganger- hattcn die Zcchengescllschastcn die Arbeitslöhne im ganzen Lande um 10 Prozent hcruntcrgefctzt. Die Arbeiter, die in den meisten Betrieben nur 4—5 Tage in der Woche ücschäjtigt wn rcn, haben zum Teil die lliründe der Direktion gelten lassen und gestern sollte der neue Tarif in Kraft treten. Aber in Borinagc »nd in mehreren Zechen um Eharleroi haben die Bcrglcule gestern einen Streik begonnen, um ihre alten Tarife wieder zu erlangen.
Frankreich.
:: Das Tragen von Zivilklcidern. Die Bestimmung, daß
die französische» Ofsizicre von 5 Ilhr nachmittags ab Zivilllei düng tragen dürfen, tst gestern durch eine weitere Berfügun - des Kriegsministeriums erweitert worden. Danach diirscn di, Ofsizicre zu jeder Tageostuiidc, ausgenommen, wenn sic sich im Dienst befinden, Zivilkleidcr trogen. Rur die Hanptlcute »nd die Feldwebel müssen ständig Uniform tragen. Innerhalb der Kaserne ist das Tragen von Zivilklcidern formell unter sagt. Außerdem hat der Platzkoiuniandant in gewissen Fällen die Erlaubnis, allen unterstellten Offizieren ganz oder tei! weise das Tragen von Zivilkleidung zu untersagen. Er muß zcdoch dem Korpskommandante» ron einer evtl, derartigen Maßregel Kenntnis geben. Auch verheiratete llntcroffizierl dürfen unter bestiminte» Bedingungen Ziviltleidnng tragen.
Rußland.
:: Gärung in der russischen Arbeiterschaft. In letzter Zelt sind Anzeichen dasür zutage getreten, daß die politische Arbeiterbewegung sich verstärkt. Nachdem dieser Tage in Petersburg Arbeiter zu Hunderte» uerhastet worden sind, begann eine verstärkte geheime Beobachtung der Arbeiterschaft in den polnischen Städten. In Pabianiae wurden drei gefährliche Revolutionäre, bei denen die Untersuchung Flugschriften und kopipromittierendc Bricsschafien zutage förderte, verhaftet. Die Gärung unter den ausständischcn Arbeitern in Baku sindet einen Widerhall in der ganzen russischen Arbeiterschaft.
Vom Balkan.
:: Die Lage in Albanien. Die Lage in Durazzo ist zunächst
unverändert. Der Fürst hosst von der Ankunst der Freiwilligen, daß er mit deren Hülse Ordnung im Lande schassen könne. Don Prent Bib Doda hört man, daß er wieder im Vorrüikcn begriffe» sei, nachdem er seine Beute in Sicherheit gebracht habe. Es scheint also bei diesem edlen Albanier mehr um das Rauben als um was anderes za gehen. Auch die Miriditc» in der Umgebung des Fürsten sollen unzufrieden sein, da sic leine Gelegenheit zum Veutcinachen hatten, was bei ihnen die Haupt sache ist.
:: Zwistigkeiten unter den Ausständische». Rach in Durazzo ciiigctrosfcnen Meldungen ist cs im Lager der Aufständischen zwischen de» verschiedenen Stämme» zu großen Meinungsdisse- renze» gekommen, die schließlich zu einer gegenseitigen Vc- kämpsnng führten, wobei zahlreiche Aufständische getötet wurden und ei» Teil von ihnen in ihre Dörfer zurückkehrten. — Prent Bib Doda und mehrere andere albanische Führer haben dem Fürsten »cuerdings ihre Dienste »»geboten, verlangen jedoch größere Summen Geldes, um ihre Leute bezahlen zu können.
:: Türkei und die albanische Frage. Der „Tanin" veröffentlicht einen höchst pessimistischen Artikel über die Lage in Albanien und meint, daß eine Ruhe in Albanien nur dann cinircteii wird, wenn der Prinz von Wied nach dorthin zurück- gcsandt wird, von wo er gekominen ist. Das Blatt drückt da» Bedauern aus, daß man in Lcsterrcich-llngarn über de» richtigen Sachverhalt der Dinge in Albanien leine Rechenschaft abgcben will.
Mexiko.
:: Befriedigender Abschluß der V-rmittlungsakti-n in Niagara Falls. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Einigung zwischen den Unterhändlern Huertas, der Vermittlungsstaaten, der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Niagara Falls ist gelungen. Am 1. Juli wurden die Bevollmächtigten Huertas zur Unterzeichnung des Friedensschlusses crmächiigt. Sowohl über den Abschluß des Friedens, wie auch über seine» Inhalt, herrscht nach den aus Südamerika vorliegenden Meldungen, in Mexiko wie hei den Vermittlungsstaa- tcn Bcsriedigung und nuch in den politischen Kreisen Europas wird es begrüßt, daß unter Mitwirkung der führ »den Staaten Südameritas die langjährigen Streitigkeiten zu einem Abschluß gelangt sind, der eine weitere friedliche Entwirrung der Lage in Mexiko zu gewährleisten scheint. Auch in der Union wird man es als einen Erfolg der amerikanisch vt Politik «»sehen können, daß der Hanptwunsch der amcril n sichen Staaten, nämlich das Ausscheiden Huertas, als gesichert ^ilt.


