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Gebäude der Abteilung für anzeivaiidte Hygiene.

Pie üusliellung tür ^»efundheilspffege in Stuttgart, vvi, der Stadt Stuttgart unter- ironrmen und von Dr. rned. Jngetfinger geleitet, bedeckt einen Ftächenrauin von iiiiOOi) qm. Die Ausstellung gliedert sich in eine Lehrausstellung nirl einer wisseuichafrlichen, historischen, votkstiinrlichen und literarischen Abteilung und, räumlich davon getrennt, in eine Ausstellung für augewandte Hygiene, t'tußerdem ist eine Ausstellung sür Feuerschutz und lliettuugsivesen, eine für Friedhoskunsl uird eine, voir Bädern und Kurorten angeschtosseu.

Die beiden Häherflügel am grüne» Reisehute verrieten ohne Frage eine For sterbraut."

Kaum hatte die Neuangekommene ihren Platz belegt, da streckte sie auch schon beide Hände aus.Ist es wahr? Bist du es, Maria Benatus?" Eine slüchtige Röte stieg in das Antlitz der Allgeredeten und verschönte es ungemein. Freudig bewegt drückte sie die darge­reichten Hände.

Fa, ich bin's, Thekla. Wie freue'ich mich, dich einmal wieder zusehe»!"

O, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Wie lange haben >vir nichts voneinander gehört! Detike nur, vier Jahre fiitb'S her!

Ja, ivie vergeht die Zeit, Maria!"

Betroffen hielt sie ir.ne und sah auf den Krepphut und auf die schwarze Kleidung.

Du bist i» Trauer, Maria? Ist eS was Liebes?"

Mein guter Bater starb plötzlich vor neun Wochen, und mein immer kränkelndes Mütterlcin verließ uns schon vor drcl Jahren.

Sie trat die große Reise in die Ewigkeit so getrost und leichten Herzens an; dachte sic doch nicht, daß der Bater mir auch so schnell genommen würde."

O, du Arme," versetzte Thekla Bügen weich,nun stehst du ja ganz allein in der Welt!"

Ir, Thekla, ich teile das Los der Waisen. Doch ich wiirnicht undankbar jein; mir ist von mehreren befreundeten Seiten eine Heimat angeboten, und ich war auch lange unschlüssig, was ich lun sollte. Unsere Nachbarn du erinnerst dich wohl der prächtigen Lehreröleute! wollten mich durchaus nicht nach deal fernen Osten flieget, lassen. Aber ich glaube, gerade dort ist mein Platz, dort kann ich nützlich sein. Eine entfernte Verwandte meiner Mutter bat mich so herzlich, zu ihr zu kommen: sic ist seit 18 Jahren ge­lahmt und an den Fahrstuhl gebannt."

Und da erscheint es dir als ein beneidenswertes Lot, die kranke, vielleicht auch launische Tante zu pflegen! Wenn ich nur schon das Wort Krankenzimmer höre brrrr! Du willst da nun deine Jugend vertrauern, willst auf alles, was das Leben schön und begehrenswert macht, verzichten!

Dafür habe ich kein Verständnis; allein es muß ja wohl verschiedenartige Mensche» geben."

Gewiß, liebe Thekla, und verschieden sind auch der Menschheit Lose ausgeteilt.

Du bist die Tochter eines sehr wohlhaben­den Apotheienbesitzers, und deine Eltern erfüllten dir, der Einzigen, gewiß jeden Wunsch. Du wuchsest m Reichtum und auf. Bei uns war es anders:

>vir haben gerade nicht in Dürftigkeit ge- iebt, aber dennoch streifte uns häufig der Zipfel von Frau Sorges Gewand. Ich bin mit der bleichen hohlwangigen Frau ver­traut geworden: allein ich sah sie ohne Herzklopfen an der Türe stehen und ver­weilen: denn auf hohe Doktorrechnungen und Kurkoste» ist ein Präzeptorgehalt nicht eingerichtet. Soll der kleine Notpfennig für das Alter unangetastet bleiben, so heißt es jetzt: Fleißig gespart! Ich habe ja auch gesunde, kräftige Glieder zur Arbeit. Daß gerade Dante Dyck aus Danzig nach jahre­langein schweigen schrieb, ivie sehr sie einer Pflegerin bedürfe, sah ich sür einen Finger-

.erg an. Ich gehe gern zu ihr. Viele mögen mich daheim nicht verstehen: die Entfernung ist ja auch sehr grob, aber ich tue es gerade deshalb, denn das häufige Zurückkehren in die alte liebe Heimat fällt doch dabei fort, und das will ich eben. Viel­leicht finde ich in der fremden Uiiigebung unter all den neuen Verhältnissen zuerst Vergessen. Ich wurzele zu fest und zähe in niedersächsischer Erde, und ich liebe ineine Heide zu sehr, zu tief, als daß ich immer »ich einigen Monatkn die kaum vernarbten Wun­den wieder ansreiße» könnte. Aber Heidedust, Lerchen­laut und Tannenrauschen werden durch unzählige liebe Erinnerungen aus glückfroher, seliger Kindheit ivehen, und diese lichten Träume werden auch dev, Ordenslande, ineincr neuen Heimat, und ihren Lei, te» Gsanz veileihen: mir ist darum gar nicht bange."

Schön war Maria BenatnS in diesem Augen­blick : ein weicher Schimmer trat kn ihre großen Blau­augen unter den fein geschwungenen dunklen Braue», die einen so reizvollen Kontrast zu dem üppigen Blondhaar bildeten.

Verwunde, t sah ihre Freundin sic an.Du, Maria, ganz reizend kannst du ausschauen. 'Niemand ivürdc dir jetzt mehr als siebzehn Jahre lieben."

Ich vollendete im November mein 26. Lebensjahr," verletzte Maria BenatnS abwehrend und schiicll fuhr sic fort:Doch, bitte, Thekla, möchtest du mir jetzt nicht auch von dir und deinen lieben Eltern erzählen? Ihr zöget doch vor etwa fünf'Jahren nach Hannover?"

Ganz recht. Nachdeni ich nun vier Winter durchtanzt, Theater lind Konzerte besucht habe, siehst du mich als glückliche Braut gen Sobbonitz meine Schlitte lenken."

Du bist Braut, Thrkla? Nimm meinen allcrherzlichste» Glück­wunsch!"

Danke schön. Nimm's nicht itbcl, Maria, daß ich dir meine Verlobung nicht mitgeteilt habe. Wir haben nach auswärts nur wenige Kurien gesandt."

Aber durchaus nicht. Ich freue mich doch so sehr über bein Glück, und wie werden sich erst deine Eltern gefreut haben!"

Gewiß, Maria, das haben sie. Man muß Helmut lieb haben, wenn inan ihn näher kennt. Warte, ich führe ihn dir gleich bildlich vor." Sic nestelte eine Photographie aus der 'lleifetasche und reichte sie der Freundin.

Lange blickte Maria Benatus in die fri chen. offenen Gesichts­züge des kaum dreißigjährigen Forstmannes. Dann gab sie der Braut das Bild zurück.Recht hast du, Liebes, dein Helmut sieht fein sympathisch aus. Mögest du an seiner Seite ein volles Glück finden!"

Die braunen Mädchenaugen schauten versonnen in goldige Ferne», als träumten sie von eineui Leben, das da lommen sollte Wenn ich dir doch sagen könnte, Maria, wie das ist, wenn das Glück zu eine,» koinmt! Es ist so schön."

Ich glaub' es dir gern, liebe Thella, und wüiischc dir von ganzeni Herzen, daß cs inuner so bleiben möge."

(Fortsetzung folgt.)

dto» der Lluttgarter ckiusltelknug tür ehetundlieilsvsiege! Die Königin von Würilenlk-cr 1. von Oberliürger- »iiistcr Lautcnfchlager und Herrn und Frau Dr. ined. Jngelffnger geführt, besichtigt die votkolmnüche Abteilung.