ttr. 151
Neue Tageszeitung. Mittwoch, den I. J„j ldl*.
Seite 2.
JasThMfchttMv.Ltstttttiih
Durch den Tod , Franz Ferdinands wird sein Neffe, Karl.Franz Josef, der älteste Sohn besuch Jahre 1906 verstorbenen Erzherzogs Otto, Erbe des Thrones/, Der junge Erzherzog ist ein.Erotz» neffe des Kaisers. und durch seine. Mutter, Prinzessin Maria Josefa, ein Neffe des Königs von Sachsen. Er ist am 17. August 1887 geboren, steht also im Alter von 27 Jahren. Seit 3 Jahren ist er mit Zita, Prinzessin von Bourbon-Parma, verheiratet, und dieser Ehe ist bisher ein Kind, Franz Josef Otto, das nun andetthalb Jahre alt ist, entsprossen. Um dem
Erzherzog Thronfolger Karl Franz yV uh Josef Gelegenheit zu geben, den 4 JA -- ^ Dienst auf den hohen Kommando- ^ ^
wnerzod Kar! Franz Josef stellen kennen zu lernen, werden Erzhertofia Zita.
■ 3 _ ihm ein militärischer Stab und
.lihinißje Beraier zur Seite gestellt werden, die aus einigen Offizieren der bisherigen Militärkanzlei des Erzherzogs Franz Ferdinand ausgewählt werden.
^Leni-Sachverständigen' als,unwahr'bestritte». Auch Kreis- -arzttvr.. Fromm kommt in.seincn.AÜsführungcn zu dem Er- ^gebnis.AÜaß die Weinertsche Heilmethode kurpfuscherijcher .Art sei- Der-.Staatsanwalt vch Jclkmann beantragt mit Rücksicht.aUfrdie -Gemeingesährlichkcit und die Wucherei 7 Weinerts'gegen diesen eine Strafe von vier Jahren Gesäng- ! >^nis, 3000 i-kk- Geldsttafe Und sofortige Verhaftung. Weinerts ' sVerteidiger, Rechtsanwalt Broil-Köln, plädierte auf Frei- ssprechung-seines Klienten, ebenso der zweite Verteidiger vr. ^Stnlz.'- Das Urteil lautete schließlich auf zwei Jahre Gefängnis, 30000 '.L Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust- Für die. Sttafabmessung kam als verschärfend in Betracht: das Raffinement in der Reklame, bei dem stets vr. This- guens Name als - Deckmantel diente, die ungeheuren Preise und die dadurch verursachte Uebertencruna der minderbemittelten Kranken. Weincrt wurde sofort verhaftet, kann
Ana der Heimat.
Gießen. In unserer Stadtvertretung fehlt die volle !flc der Mitglieder, weil die Neuwahlen noch nicht statt- . runden haben. Die Folgen aber find in der kurzen Zeit so deutlich wahrzunchrnen, daß man allgemein sich da- t : aufhält. In der Stadt herrscht nämlich Friede und inhe. Tie störenden Umtriebe der Massenvertreter haben äilich nachgelassen. Gießen war noch nie so gut regiert, als jetzt bei den wenigen Stadtverordneten. Man fühlt wieder einmal die Wahreit des Dichterwortes, daß Mehrheit Unsinn ist. Wenn in der Stadt Gießen etwa 34 der daselbst l eschäftigtcn Fabrikarbeiter ihren Wohnsitz hätten — ungefähr 200 derselben wohnen auf den benachbarten Dörfern — dann würde die Mehrheit im Stadtrat sozialdemokratisch sein und noch niehr wie jetzt aus anderer Leute Leder Riemen geschnitten und und Anschläge gemacht, denn wo die Roten die Mehrheit haben, machen sie lauter Anschläge und Pläne auf Kosten der Steuerzahler und Sparer.
* Gießen, 30. Juni. Zu der gestern gemeldeten Verhaft tung eines SittlichkeitsverbrcchcrS ist noch nachzutragen, daß der Täter 53 Jahre alt ist und davon 26 Jahre wegen Sittlichkeitsverbrechen im Zuchthaus zugebracht hat. Unwillkürlich drängt sich einem hier die Frage auf, gibt das Gesetz dem Richter kein Mittel an die Hand, durch welches verhütet wird, daß ein solches Scheusal nach Verbüßung einer Strafe ininier wieder von neuem aus die Menschheit losgelassen wird. Wenn an, Sonntag niorgen nicht zufällig einem An- wohncr-der Verbrecher, als er mit dem Kinde ging,verdächtig
- jutfefrtnmen wäre, dann hätte jedenfalls das arme Kind sein Lehen lassen müssen und seine Leiche wäre Wohl erst nach einiger Zeit in dem Kornackcr entdeckt worden, wann der Täter längst über alle Berge war. Erst vor einigen Jahren hat ein solches Scheusal in Menschengestalt hier am heiligen Abend einen Jungen ermordet und obwohl er auch schon wegen Sittlichkeitsdclikten vorbcjtrast war, wurde er doch nicht zum Tode sondern nur zur Zuchthausstrafe verurteilt. Solchen Subjekten gegenüber dürste von Humanität gar keine Rede sein, denn sie verwandelt sich in Anbetracht ihrer Folgen doch jedesmal in das Gegenteil. Das Fläschchen, welches der Verhaftete bei sich trug, war leer.
* Langsdorf, SO. Juni Am vergangenen Sonntag, den 28. Juni, fand in der Wirtschaft „Zur Traube" eine außerordentliche Generalversammlung des hiesigen Vorschuß- und Kreditvercins eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Hastpslicht statt, um über die Frage: Soll die Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haftpfficht umgewandelt, oder in der seitherigen Form weitergeführt werden, Beschluß zu fassen. Diese Frage wurde aufgeworfen durch die erfolgten Austritte einer größeren Anzahl Mitglieder, welche, angestcckt von der allgemeinen Unsicherheit,
welche gegenwärtig das hessische Genossenschaftswesen befallen hat, die unbeschränkte Haftpflicht nicht niehr tragen wollten. Nach einer eingehenden Beleuchtung der Gefahren, einer Umwandlung für die Genossenschaft, in den jetzi- gen unruhigen Zeiten, von Seiten d>. Verwaltung sowie des erschienenen Herrn Landtagsabgeordneten Fenchel, welcher in sehr überzeugender Werse von einer Umwandlung abrict und zu einem festen Zusannnenhaltcn der Mitglieder und Weiterführen der Genossenschaft in der seitherigen Form ermahnte, wurde in Anbcttacht des ausgezeichneten Standes der Genossenschaft, mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, die Genossenschaft in der alten Form ruhig weiter zu führen. Nach dieesm Beschlüsse traten sofort 26 neue Mitglieder bei, auch eine Anzahl der ausgeschicdenen Mitglieder ttat wieder neu bei oder nahm die Austrittserklärung wieder zurück. Herrn Landtagsabgeordnetcn Fenchel, welcher am vorletzten Sonntag schon einer Vorversammlung der ausgetretenen Mitgliederversammlung beiwohnte, sei für seine energische Mitwirkung am Zustandekommen obigen Beschlusses, an dieser Stelle der Dank der Genossenschaft nochmals ausgesprochen.
* Lollar, 30. Juni. Auf dem Bundesfest des Dünsberg- Turnerbundes zu Hausen errang der Lollarer Turnverein folgende Preise: H. Rohrbach mit 142 Punkten den Hauptehrenpreis, Ludwig Hofmann mit 138^ Punkten den Ehren- p-i-is, W. Frank mit 138 Punkten den 1. Preis und H. Agcl mit 1361/2 Punkten den 2. Preis. Außerdem wurden noch 6 weitere Preise errungen.
* Frankfurt a. M., 30. Juni. Die Zeugenvernehmung in dem Kurpfuscherprozeß gegen den Apotheker Weinert bot am zweiten Tage das gleiche Bild wie am ersten. Alle Patienten hat der Angeklagte um Riesensummen gebracht, ohne daß er dafür auch nur die geringste Heilung gewährte. Interessant waren die Aussagen einiger als Zeugen geladenen Acrzte. vr. Sperling-Düsseldorf meinte, daß von einer Ucberteueruug der Leute durch Weinert nicht die Rede sein könne, da cs um hervorragende Erfindungen handle, die doch bezahlt werden müßten. Der Leiter des Kölner Ambulatoriums, vr. Fiefel bekundete, daß Weinert nur dann die Kranken behandelte, wenn kein Arzt in der Anstahlt weilte. Aus den Gutachten der Sachverständigen ist hervorzuheben: vr. Fackelmann-Düsseldorf, der früher ein Ambulatorium leitete, hält die Methode Weinerts für gut, Fehlkuren seien auf den ärztlichen Leiter vr. Knott zurückzusühren. Bezüglich der hohen Preise sür Medikamente verwies der Sachvcr- ständige auf die Apothekerpreise, die mindestens ebenso hoch feien, vr. Sieter-Frankfurt hält die Salvarsanzäpfchen für gefährlich, die übrigen Pillen und Kurmittel Weinerts für sehr hoch im Preise und sür Mittel, die keine überragende Heilkraft besitzen. Eine Aussage Weinerts, daß seine Salvarsanzäpfchen besonders zusammengesetzt seien, wird von
Strafvollstreckung wic-
aber gegen 40 000 Kaution bis zur - der entlassen werden.
Hessen-Nassau.
* Zöglingswelturucn des Felbberg-Saues. Am Sonntag, den 28. Juni fand in Housen Arnsbach das diesjährige Wett- turncn der Zögling- des Feldberg-Eaucs der deutschen Tur- nersachst statt. An den,-selben nahmen 150 Zöglinge des Taues teil, 80 in der 1. Stufe im Alter von 17—18 Zähren und 30 In der 2.Stufe im Alter von 11—10 Jahren. Die Ucb- ungen bestanden aus je einer Eeräteubung, einer Freiübung, Wettlaufen und St-instoßen. Als Vertreter der Kgl. Regierung wohnte der Herr L-ndrat des Kreises Usingen dem Turnen bei. Derselbe richtete am Schlüsse des Turnens einig« Worte an die Turner, in denen er ihren Eifer lobt- und sie ermahnte, auch weiterhin als deutsch« Turner ihre Pflicht zu tun. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch aus Kaisci und Vaterland schloß er seine Ansprache. Herr Eauvertreter Heim dankte dem Herrn Landrat sür sein Interesse, das er de, Turnfache entgegenbringe und am Schlüsse seiner Rede wurde dem Herrn Lanrat als eifriger Förderer unserer Turn- und Zugendpslege ein herzliches Tut Heil! seitens der Turner ausgebracht. Mittags fand nach dem Festzug noch die Weihe der Fahne des Turnvereins Hausen-Arnsbach statt, in der Herr Sauer von Hausen die Festrede hielt und Eauvertreter Heim dem Verein den Glückwunsch des Taues brachte und den Verein, der ein eifriges Mitglied des Taues ist, ermahnte, auch wetterhin tteu zu unserer deutschen Turnsache zu halten. An den Mannschaftskämpsen der Vereine, die hierauf stattfanden, und aus Wettlaufen, Kugelstoßen und Schleuderballwersen bestanden, nahmen 8 Vereine teil, die in nachstehender Weise Sieger wurden: T.-V- Obernhain 118 Punkte, T.-V. „Zahn". Echmitten 97 P., T.-V. Eschbach 98 P., T.-E. Wehrheim 90 P., Turn- u. Spielverein Laubach 83 P., T.-E. Usingen 82 P., I.» u. Spieloerein Griivcnwiesbach 51 P., Turnv. Rod a. W. 19 P. — Pci dem Turnen der Zöglinge wurden in der Oberstufe 18 Sieger und in der Unterstufe 58 Sieger. Die ersten 10 Sieger der Oberstufe waren: Willi Hartmann (T.-V. Wehrheim) 72'A P., Alb. Erle lT.-v. Usingen) 71 P., Karl Landvogt (T.-V. Seulberg) 87K P., Wilh. Stamm, (T.- u. Spielv. Laubach) 87 P.. Rudolf Hesse (T.-T. Ufingen) 65 VI P , Tust. Eich (T.-V. Hausen-Arnsbach) 85)1 P., Eduard Tepel (Seminar Ufingen) 05 P., Jul. Heumann (T.-G. Usingen) 81 % P., Wilh. Baum (T.-V. Obernhain) 81 P., Karl Etzel (T. E Wehrheim) 62’A P., Walter Haag (T.-E. Usingen) 6? P. — Die 10 ersten Sieger der Unterstufe waren: Hrch. Henrici (T.-T. Usingen 68'A P., Alb. Hartmann (I.-T. Wehrheim) 88 P., Richard Herr (T.-V. Wörrstadt) 62% P , Hrch. Schmidt (T.-D. Pfafsenwies- bach) 82 P., Tg. Kauters (I.-V. Obernhain) 80 P., Heinrich Dolze (T.-T. Usingen) 59% P., Konr. Barth(T.-V. Seulberg) und Fritz Meurer (T.-V. Wehrheim) 58‘A P., Fritz Küster (Seminar Ufingen) 58 P., Karl Busch und Jak. Kilb (T.-V. Zahn-Schmitten) 56K P., Otto Schwrighöser und Wilhelm D " cke (T.-T. Usingen) 55 P.
* Bad Homburg v. d. H, 30. Juni. Am Uebergong der Usinger Bahn bei Friedrichsdorf stieß das Automobil des Betriebsdirektors Stinner mit einem Zuge zusammen. Da Zug und Automobil langsam fuhren, kamen Personen nicht zu Schaden. DaS Automobil wurde zertrümmert.
* Soden i. T-, 30. Juni. Durch die Unvorsichtigkeit einer Kurdame entstand im Vöhmschen Hause ein Brand, der in kurzer Zeit die Einrichtung mehrerer Zimmer vernichtete. Eine Weitervcrbreitung des Feuers konnte durch das rasche Eingreifen der Nachbarn verhindert werden.
Meine
Beachte» Sic bitte meine SWenfter! pte Snnlifnten!
Die Preise sind rein Uetto. Kein Umt ausch. _
Pfg.-Tage bieten außergewöhnliche Vorteile.
förrtfcl» • Waschstoffe, Mousseline, Kleid«, und Blonsenstoffe. Hemdentuche, Handtücher, Jackenflanelle. Rhenania.
Pique und Croise, Schürzenstoffe. Drucks, Frottiuwäsche. Damen-, Herren- und Kindcnoäsche in weiß und farbig, Maccowäsche, Untertaillen, Kopfkissen, Damen- und Kinderschürzen, Nussenkittel, Handschuhe, Socken, Strümpfe, Wasch- blousen und Waschhosen für Kinder, Sweat«, Damen-Kragen, Korsetts, Gürtel, Handarbeiten, Kragen, Krawatten, Erstlings»
wasche, Kurzwaren etr. zum Einheitspreis von 88 Psg.
Leonhard Kahn,
Frankfurt a. M.
Rtiiltlkstraße 8
Hinter der Markthalle.


