Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
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Gedenktage.
31. März. 1732 I. Heydn, Komponist, gcb. — 1814 Einzug der Verbündeten in Poris. — 1819 Fürst Hohenlohe- Schillingfürst geb. — 1885 Franz Abt, Tonsctzer, t-
Ein Opfer der Fremdenlegion.
Von einem gewesenen Fremdenlegionär aus Nürnberg wird der „Nürnberger Zeitung" geschrieben'
Am 14. Februar dieses Jahres ging die Nachricht durch algerische Zeitungen, datz in Oran ein Zwangssträjling ber Fremdenlegion in Zivillleidern mit eingcschlagencm Schädel tot ausgesunden wurde. Die Identität konnte nicht sestgestellt werden, da man bet oer Leiche keinerlei Papiere sand.
Jetzt stellte sich folgender Sachverhalt heraus:
Der Ermordete war Wilhelm Rudnick aus Breslau. Der junge Mensch war im Alter von 18 Jahren von Luxemburg ans, wo er in Stellung war, zum Eintritt in die Fremdenlegion verführt worden. 1911 desertierte er mit anderen Deutschen, wurde aber eingesangen und zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Durch glücklich entslohene Deutsche aus der Fremdenlegion wurde das Schicksal des Rudnick bekannt. Aus eigene Gefahr hin begab ich mich nach Algerien, um Rudnick gewalt- sam von seinem Elend zu besreien. Ties im Innern der Zc- »ernwälder des Auresgebirges gelang es mir mit fremder risse und durch Bestechung Rudnick zu entführen, und zwar am Februar dieses Jahres. Bon Algier wollten wir mit einem wutschen Schisse am 12. Februar nach Deutschland fahren, ilcider verpatzten wir das Schiss und mutzten einen anderen Weg durch Tunesien einschlagen. Mein Schützling entschlüpfte mir in einem Augenblicke geistiger Umnachtung nach Oran. Dort wurde er ausgcgrissen und kurzer Hand nicdcrgemacht. >ch mutzte insolge dieser Entdeckung sliehen. Rach vier Tagen erreichte ich Tunis, wo ich mit deutscher Hilse glücklich nach Palermo gelangte.
Ans der Heimat.
• Frankfurt a. M.. 31. März. In Gegenwart von Bertre- lern der staatlichen und städtischen Behörden und vieler kirchlicher Körperschaften wurde am Sonntag Mittag im Stadtteil Oderrad die neucrbaute evangelische Erlöserkirche eingeweiht. Die Weihe vollzog Geheimer Konsistorialrat Kayser (Frank- jurts. Die vom Architekten Karl Blattner sFranksurt) erbaute Kirche ist mit dem Pfarrhaus und Gemeindehaus zu einer einheitlichen Baugruppe vereinigt, die sich in dem kraftvoll gegliederten Turme z» einem architektonisch eigenartigen Bilde zusammenrasst und das Maintal zwischen Ossenbach und Frankjurt beherrscht. Der Kirche wurden zahlreiche wertvolle Stistungcn zuteil, u. -. stiftete Geheimer Kommerzienrat An. drac-Pasiavant, ein Enkel von Goethes Marianne, die gesamte Ausmalung des Altarraumes. — Bei der gegenwärtigen Ein- rtchtung der neuen Fernsprechämter treten seit mehreren Tagen im Fernsprechbetrieb erhebliche Störungen aus, die sich beson- ders dadurch unliebsam bemerkbar machen, datz zugleich die Gespräche von mehreren anderen Teilnehmern deutlich wahrnehmbar sind, während die eigenen Gespräche nicht verstanden werden. Die Fernsprechverwattung hasst aus Beseitigung der Mitzstände, sobald die selbsttätig wirkenden Fernsprecheinrich- tungen der neuen Aemter „Hansa" und „Taunus dem Betrieb übergeben werden. Dies wird voraussichtlich in wenigen Wochen geschehen. ^_,
Hessen-Nassau.
* Bad Homburg v. d. H„ 31. März. Die Postverwal- tnng beabsichtigt auf Antrag der Stadt die Einführung der Nachtfernsprechverkehrs, vorausgesetzt, datz von den Orten, die dem hiesigen Netz angeschlossen sind, eine Garantiesumme von 2050 <M gewährleistet wird.
* Bad Homburg v. d. H-, 30 März. Im vorigen Jahre verstarb hier ein gewisser I>r. Emmerich; er hinterließ jedem Hamburger Schutzinann 1000 cM, seinem Bruder 3000 M und der Stadt den Rest, etwa 90 000 M. Der Bruder focht die Giltigkeit des Testamentes unter der Begründung an, datz der Erblasser bei der Niederschrift des letzten Willens nicht mehr normal gewesen sei, eine Behauptung, die ärztlicherseits widerlegt wurde. Darauf strengte er einen Prozeß gegen die Stadt an, der bisher große Summen kostete. Die Stadtverordnctenversaminlung nahm am Samstag abermals Stellung zu der Angelegenheit und beschloß dem Bruder des Erblassers auf grund früherer Vorschläge ein Legat von 3000 M und eine Jahresrente von 600 <M zu gewähren.
* Oberurscl. 30. März. Die Stadtverordnetenversamm- lung beschloß die Aufnahme zweier bedeutender Anleihen. Eine Anleihe von 100 000 M soll zum Neubau der höheren Mädchenschule dienen, eine zweite von 150 000 soll für Neubauten bezw. Erweiterungen des Wasserwerkes, der Realschule und zu anderen Neuanlagen Verwendung finden. — Den Lehrkräften der hiesigen Volksschulen wurden von der Stadt Ortszulagen bewilligt, und zwar nach 10 Dienstjahren 100 <M, nach 20 Jahren 200 und nach 25 Jahren 300 tust Wirksamkeit vom 1. April 1914 ab.
* Wiesbaden, 31. März. Der aus Dresden gebürtige Kaufmann Wilhelm Kelling in Wiesbaden, der sich hauptsächlich mit Jmmobilienagenturen beschäftig!, verheiratete sich im Jahre 1919 mit seiner jetzigen Ehesrau in London. In die Ehe wurden von der Frau 13 900 Mark gebracht, welche Summe aus der Deutschen Bank in Dresden derart sestgelegt wurde, datz nur die Ehefrau abhebungsberechtigt sein sollte. Ein Teil des Geldes wurde aus rechtmäßige Weise erhoben.
Als im April 1912 die Ehesrau Kelling aus längere Zeit nach England verreiste, machte sich Kelling aus de» Ranicn seiner Frau eine Vollmacht zurecht, aus die er 8990 Mark, aus zwei Schreiben, die er ebenfalls sälschte, 1199 Mark erhielt. Bon all dem wußte seine Frau nichts. Sic ersuhr cs aber, als ihr Gatte Ehescheidungsklage einreichte. Sic erstattete daraus An- zeige und erwirkte vor der Strafkammer die Verurteil»»! ihres Mannes zu 3 Monaten Eesängnis.
• Wiesbaden, 31. Mürz. Gelegentlich einer Treibjagd in der Gemarkung Kloppcnheim am 19. Dezember v. I. trieb .ich der Adols Kunz von dort in der Schußlinie herum.
Der freundlichen Aussorderung des Wachtmeisters Prcnzlow aus Bierstadt, wegzugehen, begegnete Kunz mit den unflätig sten und gemeinsten Ausdrücken. Er fiel dem Pferd des Gendarmen in die Zügel, sodaß das Tier mehrmals stieg und beinahe leinen Reiter verlor. Das Schössengericht hatte für diese Unflätigkeit zwei Monate Eesängnis für durchaus am Platze gehalten. Gleicher Ansicht war die Strastammer, die die Berufung de» K»nz verwarf.
* Weisburg, 31. März. Durch einen eigenartigen Umstand wurde ein junges Mädchen aus Alleudorf schwer verletzt. Es fiel in der Dunkelheit auf der frisch beschotterte» Straße und schnitt sich dabei an einem spitzen Basaltstein dal rechte H>indgclcnk auf, sodaß cs sofort der Gieß ener K linik zugeführt werden mußte.
* Easiel, 31. März. Am Freitag um die Mittagszeit ivuroe aus der Gegend vom Rathaus her ein Schuß nach dem Haus - Obere Karlsstratzc 1« abgegeben. Die Kugel durchschlug e,ne Fenstcrscheibe und drang in den großen Spciscsaal einer du! befindlichen Pension, wo gerade 39 Personen beim Mittag- mahl waren. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Das Geschoß drang in den soeben aus den Mittellisch gestellten duftenden Rindsbroten. Die Polizei, die von dem Attentat in Kenntnis gesetzt worden war. erschien sofort und wollte de» angcschoffenen Rindsbraten beschlagnahmen. Eie begnügte sich schließlich nach lebhaftem Einspruch der hungrigen Tischgesellschaft mit der Entfernung des Projeltils aus dem Rinderlendenstück. Von dem Täter fehlt jede Spur
Ziim Mnyeisen.
Roman von M. P r i g g e - B r o o k.
5g ,Fortsetzung).
Rosemarie war zufällig abwesend, als der Postbote das unfraufiei'te Schreiben abgab. Erschreckt erkannte Luise \t Handschrift der jungen Frau.
„Das bedeutet nichts Gutes", sagte sie zu ihrer Richte, die bei ihr saß. „Wo Mary doch nicht schreiben soll, weil sie
zu schwach ist." .
Rosemarie hatte ihnen mitgetcilt. der Profcsser sei bt- ans weiteres gegen jeden Brieswechscl und würde selber schreiben, sobald sich Besserung zeige.
„Ob wir ihn öffnen?" nieiiite Erna besorgt.
Daz» hatte die Tante doch keinen- Mut. So warteten die Zwei. Als Rosemarie heiuikehrte, richteten sich zwei Paar Augen erwartungsvoll aus sie.
Ein Brief von Mary. Ick, bitte Dich, lies; wir kviiil n,cn "ui» vor Ungeduld", rief Erna, die ihr bcu Brief hin-
überreichte. v . c ..
Heber Roseuiaries Gesicht glitt jähes Rot, doch |ie ,atzte
ich wieder.
„Gib her", jagte sie und wollte gehe».
„Nein, bleibe bitte, lies laut. Tu weißt, ich sorge wich", bat das junge Mädchen. T-a Luise sich ihrer Bitte anichloß. blieb Rosemarie nichts übrig, als ihneu den Willen zu tun. Sie las i,nd schüttelte den Kopf.
„Sie ist verrückt", jagte sie einpörk. ..
Erna war hinter sie getretvii und sah ihr »der die Schultern. -
„Ist ixii wahr, Tante Rosemarie?" rief sie und legte den Fiiiger auf die Stelle: ..Warum hast D» und' ins Irren- Haus gesteckt? Was Hab' ich Dir getan?"
„Das konntest Tu ihr nntun?" fragte das Mädchen >u,z tonlos.
Rosemarie Sebald richtete sich auf. Leiigne» konnte sie nicht: sie war glich »u stolz daz».
„Ich tat es", sagte sie kalt. ^Hast Du etwa« dagegen cinzuwendeu?"
„Es ist entsetzlich schrecklich", stöhnte Erna und verbarg ihr Gesicht in den Händen.
„Sie z» Deinen Worten!" ries Rosemarie flammend. „Ich vertrete mein Tun und bin niemandem Reck^nschost schuldig."
„Auch nicht de», Kiiide, dein Du die Mutter uiminst?" fragte Erna traurig.
„Ich kann ihm nicht uehineu. was er nicht besaß. Mary ist ibm keine Mutter, ist sich und anderen zur Last. Willst Du mir es verdenke», wenn ich das letzte versuche, sie für sich selbst und den Jungen z» retten,"
„Wenn eine Irrenanstalt Rettung ist. Mir scheint- eS nicht. Niemals wäre sie freiwillig hingegangen, wen» auch der Professor für klinische Beh>,ndlung eintrat. Zu ihm lmtte Mary Zutrauen, von ihm erhoffte sie Genesung. Jetzt hast Du sie statt in feine Behandlung an diesen Ort de? Schreckens gebracht; sie muß verzweifeln."
„Feiichtwaiigen war nicht, da, Gefahr im Verzug, ich erfuhr das alles zu spät, als ich schon in Gohlis war", suchte Rosemarie sich zu entt'chuldigen. ..Mary zurücknehnien, das konute ick, nickst, die Reise ging schon über ihre Kräfte. Mir blieb die Wahl, sie Zöllner zu übergeben, der Feuchtwangcns Vertreter ist. oder —“
Luise halte bis jetzt noch kein Wort gesagt. Nun sah sic plötzlich ans und sprach in bcstimmteni Tone:
,.T» wirst niorgen nach Gohlis fahren und Deine Sckstvägerin heiniholcn."
„Das werde ich nicht, Tante Luise", antwortete Rose- inaric scharf. „Mischt Euch doch nicht in meine Angelegenheiten; ich weiß, was ich tue."
„O, Rosemarie, besinne Dich!" rief die alte Dame vor- wurfSVoll, ,.D» haßt Mary, und Haß verblendet."
„Ich hasse sie nicht mehr", erwiderte Roieinarie. „Wohl gebe ich z», daß sie mir als meines Bruders Frau in höchsten Grade antivatbiich war. Seit Heinz gestorben, ist er wieder
mein. Ich hasse sie nicht. Aber ich kann sie auch nickst lieben. Sie gehört nicht zu uns. Ihr Kind aber, meine? Bruders einziges Kind, ist ein Sebald »nd wird ein Sebald werden. Ich überwack>e ihn. Wenn Krankheit und Willensschwäche die Mutter unfähig machen, ihre Pflicht zu tun. so stehe ich an ihrer Statt und sorge für ihn. Heinz ist mein."
„Darum hast Du seine Miitter in die Anstalt gesperrt?"
„Schäme Dich, Tante Luise", rief Rosemarie leidenschaftlich. „Ich habe sie nicht eingesperrt, sondern sie dem Arzte übergeben, der mein Vertrauen verdieilt. Jck> gesteh Dir offen, es ist ein letztes Mittel, keineswegs sicher, ob es Hilst. Nichts desto weniger habe ich versucht, ob Zwang nicht hilft, wo Nachsicht geschadet."
„Du bist hart, Rosemarie, entsetzlich hait", jammerte das alte Fränlein,
„Mein Schicksal bat mich hart gemacht, einst war sch weicher. Doch lassen wir das, so wie ich bin, sehe ich mir eine Pflicht vor mir, dem kleinen Heinz sein Erbe zu erhalte» und ihn so zu erziehen, daß er der Sebalds würdig ist."
Erna lief weinend aus dem Ziinmer. Rosemarie war ihr miheimlich. Und wenn sie Mary nicht erlöste, haßte sie sie. Sie konnte doch die Arme nicht zugrimde gehe» lasse».
Am anderen Tage wagte sie einen letzten Versack Resemarie blieb fest. Sie meine es gut mit ihrer Schwägerin, behaiivtete sie. Hier sei es ihnen nickst gelungen, eine Besserung herbeizuführen. Erreiche Doktor Zöllner nach Monaten ebenfalls nichts, so lasse sie vielleicht mit sich reden. Einstweilen sei die Schwägerin gut aufgehoben. Zufrieden sei sie weder hier, noch dort; das läge in ihrein Zustande.
Ernas Idee lag in Trümmern. Ernstlich erwog sie da« Pflugeiseu zu verlassen und zu ihren Gesckstvistern zurückv-- kehren. Denen konnte sie wenigsten? nützlich sein.
(Fortsetzung folgt).


