Rr. 73
ftnnb als unerheblich Auch bei der Wahl in Gardelegen— Salzwedel ist man anders Verfahren. Darüber aber setzt sich die Linke hinweg und die „Frankfurter Zeitung" meint kalt- lächelnd, cs sei eben damals eine Irrung gewesen. Wir ineinen, die Ha„ptsack>e sei, daß es als eine Irrung anzu- sehen sei. wenn man meint, daß der Liberalismus fähig sei, G erechtigkeit walten zu lassen. Noch niemals nämlich hat mein sich im Reichstag bei Wahlprüfungen frivoler über den Rechtsstandpunkt hinausgesetzt, als gerade jetzt, wo eine Mehrheit der Linken besteht. Erfreulich ,st cs. daß wenig, stens ein Teil der Nationallib. das offenbare Unrecht nicht mttgemacht hat, neun ihrer Mitglieder haben sich der Stimme -nthalten und der Abg. Strack hat für die Gültigkeit der Wahl gestimmt.
Als eine Macht- und Parteifrage haben auch die Frei- sinnigen den Ausgang der Stichwahl in B o r n a - P e g a u betrachtet. Wider Erwarten ist dort gestern der Sozialdemokrat gewählt worden. So erfreulich die Haltung der Natio- nalliberalen und des Kandidaten dieser Partei war, der ouf- gefordert hat, das Vaterland über die Partei zu stellen und für den Konservativen zu stimmen, die freisinnigen Wähler, die in den nationalliberalen Stimmen enthalten waren, folgten der Stiniine des „Berliner Tageblattes" und der „Frankfurter Zeitiing" und traten für den Kandidaten des Umsturzes ein. Man wird nicht fchlgehen, wenn man an- nimmt, daß die 4089 Stimmen, die General v. Liebert bei der Stichwahl mehr erhielt, meistenteils von den Nationallibe- ralen herrühren, während die Zunahme, die der Rote er- hielt und die 2244 Stimmen beträgt, dem Eintreten der Freisinnigen für ihn, zuzuschreiben ist. Die „Frankfurter Zei- kling" ist entzückt von dem Wahlausgang uicd daß nuninehr die Sozialdemokratie 112 Vertreter im Reichstage zählt. Sie jubelt darüber, weil die M e.ch t den- ÄiufMj dadurch verstärkt worden ist. Die Partei- und Machtfrage geht ihr über drrs Vaterland. Ter Freisinn beweist dadurch wieder einmal, daß er uni keinen Grad besser ist, wie die Sozialdemokratie und daß er deshalb auch nicht anders als diese zu behandeln ist.
Knnd der Landwirte.
§ Auf nach Weilburg 55
Am nächsten Sonntag, den 20. März, nachmittags 3 Uhr findet zu
Weilburg eine Landcsvcrsammlung
des Bundes der Landwirte statt.
Wir fordern alle Mitglieder und Freunde des Bundes her Landwirte, namentlich aus dem Kreise Usingen und auch aus dem Grosiherzogtum Hessen auf, diese Versammlung recht zahlreich zu besuchen.
Vereinigte Landwirte.
M §!k Wtöm Mtlk-
ackgt in Wti 3S
findet morgen, den 28. März
U nicht statt. 5 !
Wie uns von den Danawerkcn telegraphisch mitgeieilt wird, soll die Besichtigung
am 4. April
pallfmden. Die Landwirte, die ihre Beteiligung zuge- sagt haben, wollen sich danach einrichlen.
Ans der Heimat.
Gnde gut, alles gut!
Mit diesem Ausblick haben wir neulich eine Betrachtung über die Ortskrankenkassenwahl im Kreise Fricdberg ge- schlossen. Es ist so gekommen, wie wir gehofft hatten, die Macht, die seither die Sozialdemokratie in der Fciedbcrger Ortökrnnkenkasse innegehabt hat, ist gebrochen und die bürgerlich-national« Richtung wird die Mehrheit haben. den beiden Ausschüssen werden neben 36 bürgerlich-natio-
N« »e Tageszeitung. Fr»,tag, den 27. Marz 1914.
nalen nur 24 sozialdemokratische Mitglieder sitzen und der neue Vorstand wird vorauchichtlich ans 9 bürgerlich-nationalen und nur 6 Sozialdemokraten bestebcn. Die Roten sind ncht schmerzlich von dem Ergebnis, das sie nicht geabnt boben, betroffen, Tie „DolkSstimmc" tröstet sich damit, daß ihre Freunde in „anständiger Form" gearbeitet hätten, während die Gegner selbstverständlich die erbärmlichsten Mittel angewandt hätten. Bekanntlich steht Eigenlob in keinem guten Geruch und wenn das schöne, auf Oppenheimer Papier gedruckte Flugblatt: „Auf zum Kampf gegen Hirsche! und Comp., gegen Nachtwächter, Polizeidicner und Jlur- schützenl" all Probe sozialdemokratischen Anstandes z» betrachten ist, so soll es uns recht sein »nd wir wollen dariiber mit den Genossen nickt streiten. Die Hauptfach- ist. daß der Sieg errungen is, und die Ortskmr.kcnkasse im Kreise Fried- berg fortan einzig und allein ihrem Zweck, den sie von gesetz- und rechtswege» zu vertreten bat. dienen wird
" Friedberg, 27. Marz. Am Dienstag sollte In der Be- rusungsinstanz (Strafkammer in Gieße») ür der bekannten Futtermittelsälschungssache Friedrich KochAssenheim verhandelt werden. Die Verhandlung wurde aus unbekannten Gründen beitagt.
* Friedberg, 27. März. Der Schauplan für die Provinz
Sberhessen 1811-18 ist soeben vom Landwirtschastskammer Ausschuß Eießen hcrausgcgebcn worden. Sämtliche Kreisschauen finden wieder in den Kreisstädten statt außer Eießen und Büdingen. Elftere fällt nach Hungen. letztere nach Nidda. Sämt. lichen Bürgermeistereien sowie den Vertretern des Ausschusses und den Zuchtvereinsvorsitzenden sind Exemplare zugegangen und ist deren Einsicht jedermann gestattet.
* Fricdberg, 27. März. Nach vielem Bemühen ist cs dem Inhaber des Saalbau gelungen, die vom Januar a. c. noch in gutem Andenken stehende Liliputaner-Gesellschaft zu ->i"e», nochmaligen Gastspiel zu veranlassen und finden am Sonntag, den 29. März. 8 Borslellnngen statt. Um 4 Uhr nachmittags Familien-Vorstelliing. Bei den geringen Eintrittspreisen braucht es sich Niemand zu versagen, seinen lieben Kleinen de» Besuch zu gestatten, auch für Erwachsene sind die Preise sehr niedrig. Dieses Märchenspiel wird von wirklichen Zwergen znr Aufführung gebracht und ist es eine wahre Freude, diese kleinen Leutchen zu bewundern, die wie gewandte erwachsene Schauspieler auftreten. Abends 8y 2 Uhr gelangt mit vollständig neuer eleganter Ausstattung „Venus auf Erden" zur Aufführung, Operette in 6 Akten. Diese lustige, mit melodiöser Musik auSgestattete Komödie hat überall sehr großen Beifall gesunden und ausverkauste Häuser gebracht. In diesem Sttick sind die kleinen Künstler wirklich zu reizend und kann man ihnen ein gut besuchte» Haus gönne», zumal dieses Mal Jedermann Gelegenheit geboten ist, die^külipiitancr zu sehen, denn absichtlich ist dieses Gasffpiel ans einen Sonntag gelegt. Bei dieser andauernd schlechten Witterung, kon» man sich bei den Lili- putanern einen vergnügten Nachmittag rcsvektivc Abend verschaffen. Am 12. Februar 1914 hatte dos Liliputaner- Ensemble die Ehre, im Gräflichen Residenzschlosse in Erbach ini Odenwald, vor dem erlauchten Grafenpaare, den Durchlauchtigsten Prinzen zu Stolberg-Stolberg und vielen geladenen Gästen unter größtem Beifall eine Vorstellung z» geben. Alles Nähere besagen die Annoncen und Plakate.
* Fricdberg, 27. März. Wir machen an dieser Stelle unsere verchrl. auswärtigen Leser nochmal? niifmcrksani, daß koniinenden Sonntag die Läden in Friedbcrg bis 6 Uhr abends geöffnet sind.
* Dortelweil, 27. März. In dem gestern mitgeieilten Ergebnis der Wahl zur Ortskrankenkasse waren die Zahlen der für die sozialdemokratisehc Liste abgegebenen Stimmen versetzt worden. Es inuß richtig beißen: Arbeitgeber: Liste I: 61 Stimmen, Liste II: — Stinnnen. Versicherte: Liste I: 37 Stimmen, Liste II: 10 Slirnmen.
* Vilbel, 27. März. Das Frankfurter KohlcnsäurewLrk „Gewerkschaft Wahle II" in Frankfurt-Rödelheim, erwarb vor etlichen Monaten in der Nähe des Nordbahnbofts ein größeres Gelände zum Preise von 14 000 M. Auf diesen! soll unter der Aufsicht der Großh. Hessischen Bergbehörde eine Bc- triebsanlage zur Gewinn».,g »nd gewerblichen Vorivertung der beim Zutagetrcten des bekannten Bro»'schen Sprudels in natürlicher Weise frei werdenden gasförmigen Kohlensäure errichtet werden. Bisher gehen täglich 766 000 Liter stark kohlensäurehaltigen Wassers nutzlos verloren, oder jähr- lich eine Million Kilogramm Kohlensäure. Die Gemeindc- vertretuug ist seit längerer Zeit mit dem Abschluß der Der- träge zwischen dem Sprndelbesitzer und der Gesellschaft bc- schüftigt, die vor allem die Einlegung !-er Gasröhren von, Sprudel durch d:e Ortsstraßen nach dem neuen Werke regeln soll. Die Verträge wären min längst abgeschlossen worden.
___Sette
wenn sich die Vilbelcr Miaeralwasserbändler. etwa 40 an der Zahl, nicht gegen die technische Verwertung der überschüssigen Koblensäurc in einer Fabrik, wie der geplanten, gewendet hätten. Diese Bedenke» wurden zwar von Bcrgrat Köprick und Justizrat vo» Brentano (Osse,ibach) schon zerstreut, »bei alle die »m ihre Existenz besorgten Händler gaben sich damit nicht zufrieden und beantragten die Ladung von weiteren Sachverständigen. Inzwischen bat nun das Krejsnmt Fried- berg sich vor einigen Tagen gutachtlich dabin geäußert, daß die Erteilung der Genehmigung einer Kohlensälirclcitiiiig durch Röbren vom Sprudel nach dem Bahnbos bezw. dem geplanten Werke nicht zu beanstande» sei. Auch das Gutachten der hessischen Oberbergbehörde ist jetzt eingegangen. Die nächste Gemeinderatssihung wird zu beiden Schriftsätze» Stcllmig nehmen und damit die für Vilbels Miuerolwasser- bandel ticseinschneidende Frage endgicltig zur Erledigung bringen.
' LanggönS. 27. März. A,n 31. Mär, findet dahier Dich, und Krämermarkt statt. Ter Besuch des Marktes ist besonders Käufern und Verkäufern von Ferkeln bestens zu empfehlen. Auch zum Ankauf von Zuchtsauci, und Ebern des deutschen Edelschwei,icS bietet sich hier stets passende Ge- legenheit.
* Gieße», 27. März. Die Frühjahrs-Kontrollversamm- lungen im Kreise Gießen finden in den Tagen vom 2. bis 21. April statt und zwar in Gießen vom 2. bis 7, April, in Langgöns an, 7.. in Lich am 17., in Hungen am 18. April.
* Frankfurt a. 27. März. An der Hauptwache entstand durch irgend einen Umstand in der Bat,nlcitu»g Knrz- scklnß. Infolgedessen schoß unter einem Wagen eine lange Stichflamme hervor, die den Mantel eines vorübergehenden Herrn in Drand setzte. Jede weitere Gefahr wurde jedoch so- fort durch das rasche Eingreifen der Umstehenden beseitigt.
Hessen-Nnssnu
Köppern, 27. März. Belm ,Schorristcinfegen stürzt« ein auswärtiger Schornsteinsegergeselle von dem Dache des Blaß'. jchen Hauses ab. Er erlitt schwere innere Verletzungen, die seine Ueberführung nach Homburg crwrderlich machten.
* Uutcrliedcrbgch. 27. März. Den zahlreichen Gemein- den, in denen der Sozialdemokratie bei den Gemeiiidcver- trcterwahlen eine Niederlage bereitet worden ist, ist nun auch Untcrlicderbach gefolgt. Die Wahlen in der dritten Abtei- lung, die vor wenigen Wochen stattfandcn, haben den Noten den Sieg gebracht. Mit geringer Mehrheit wurden ein Genosse wieder- und zwei weitere Genossen neugewählt. Infolge eines Verstoßes gegen die Wahlvorschriften, wurde die Wahl für ungültig erklärt. Gestern fand die zweite Wahl statt und sie endete mit einem glänzenden Siege der Burger- lichen, die gegen die erste Wahl 131 Stimmen mehr auf- brachten. Mit 286 Stimmen wurden die drei bürgerlichen Kandidaten gewählt, gegen 201 Stimmen, die auf die sozial- demokratischen Kandidaten gefallen sind. Der Wahlaussall ist doppelt erfreulich deswegen, weil er in der dritten '«lasse einer so arbciterrcichen Gemeinde in Untcrlicderbach erfochten worden ist. Wir haben auch hier gesehen, daß es alluiaU- lich zu tagen beginnt.
* Usingen, 27. März. Durch die Unterschlagungen des Rechners der Genosscnschaftskasse in Eschbach waren dieser Verluste in Höhe von 3600 ,lt entstanden. Tie Familie des Defraudanten, der sich wegen dieses Vergehens das Leben nohm, hat jetzt den gesamten Fehlbetrag gedeckt, sodaß det Genossenschaft keine Verluste entstehen.
* Wetzlar, 27. März. An, 1. April werden die Zöglinge der Untcrosfizicrschule hier ihren Einmarsch halten. Tce Stadt hat Begrüßungsfeiern für Offiziere und Maiirisihasten vorgesehen.
* Weilburg, 27. März. Im Bergreoter Weilburg waren nach Mitteilungen des Eeheimrals Polster im Fahre 1813 non den 1143 verliehene» Etsenerzbergwerkcn 11 (im Vorjahre 33) im Betrieb. Diese sortierten 181 421 Tonnen (186 929) Rot- «isenstetn und 103 484 Tonnen (83 886) Brauneisenstein. Die Zahl der in den Eruben beschäftigten Arbeiter sank gegen 1812 von 1386 aus 1286. Unfälle ereigneten sich 127 (144), dornnter waren 7 tätlich. Die jährliche Durchschnlfislcistung eines Arbeiters steigerte sich von 282 Tonnen im Jahre 1812 aus 221.3 Tonnen im letzten Betrtebsjahre.
Fronkjurter Wetterbericht.
Voraussage: Wolkig, meist trocken, kühl, Winde aus nördlicher Richtung.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otto Hirschei, Friedberg: für den lokalen und unterholtenden Teil: Bernhard Lenz, Friedberg: für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A.-G., Fricdberg i. H.
AonhrmandeuAnziige
Herren- und Knaben-Anzüge. Arbeitskleider. Kleiderstoffe,
Wäsche, Vorhänge. Bettdecken. Ausstattungen. Vettfedern
Netscher & Hauck. Friedberg i. H.. lMlsMe 10.
H„ser Geschäft ist an beiden Sonntagen vor Oster» von 11 bis 6 M,r geöffnet. —


