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wrnmer 72

Dounersrag. den 2 War; 1914.

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ilcut ( oguit.ttmii 1 u'djtint >eden Werktag. Regelmatzige BeilagenSer Saiier aus fittttn", ,,?i» Spinnklub«". Seiugaprej«: Bei den Postanstalten oierieliahitich Mk H °en ergenien monatlich 50 P,'g. Hinzu tritt Postgebühr -der Trägerlohn. An, eigen: Grund,eil-20 Pfg.. lokale 15 Pfg, Anzeigen °°n -uswätts werden durch Po tnachnahme erhoben Friedberg. Schriftleitung und Serlag Fttedberg (Heilen), Hanauerstratze 12. Ferniprecher 18. Postscheck-Conto «Ir. «85«. Amt Frankfurt a. M.

Urbersichl.

Großes Aufsehen erregt in Ebcrswaldc der Selbst- ttord des 19jährigen Fahnenjunkers Alfred Ääfcbrecher. In

er Nähe des kleinen Bahnhofes hat er sich gestern aus einer Zrowningpistolc eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt, die einen sofortigen Tod herbeiführte. Die Gründe zur Tat mi) noch völlig im Dunkeln.

Prinz Adalbert von Preußen ist an akutem Magen- :nd Darmkatarrh erkrankt. Prinz Adalbert wurde von der Köln" ausgcschifft und ist in die Prinzenvilla übcrgcsicdelt.

Es wurde fcstgestellt, Laß während des letzten Un- »kttcrs bei Eknrinodar (Rußland), 399 Menschen »ms Leben ckommcn sind. Der Schaden beläuft sich auf ungefähr eine Nillion Rubel.

Mitte Mai wird in Petersburg eine internationale slngtvoche veranstaltet, an der sich auch mehrere deutsche eiloten beteiligen werden. Für die Veranstaltung sind netze Preise ausgeschrieben.

Ein Student der Medizin aus Lippstadt sprang in 'rr.n von der Rhrinbriilkc in den Rhein und ertrank. Wie .- heißt, soll er die Tat ans Furcht vor dem Examen ver­löt haben.

Wie aus Adana (Türkei) gemeldet wird, erschoß dort in Schweizer Ingenieur den deutschen Ossizicr Anvak.

mzelheiten über die Tat und die Ursachen fehlen noch.

?ir W'.rtjchlistliche (fniniidtliing des

llin'Mchtn Wkßkns.

Wohl wenige Gebiete, die von Europäern in Kolonisa- on genommen wurden, zeigen eine derartig schnelle Ent- »ickelung wie der kanadische Westen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten die Westprovin- n, die schon die vierfache Größe Deutschlands aufwcisen, »res strengen Winters wegen als für den Ackerbau unge- guet und vor zirka 50 Jahren waren sie noch der Tummel- latz zahlreicher Jagdtiere und die ergiebigsten Jagdgebiete er Hudsonbay Co., die das Jagdmonopol in dem Donnnion ?saß.

Zwar war cs den Angestellten der Co. schon lange be­inut, daß der gute lehmige Boden für den Sommerge- -eidebau wohl geeignet war, aber den Leuten war streng erboten, die Mitwelt davon in Kenntnis zu sehen, uni der o. die ungeheuren und ergiebigen Jagdgründe noch lange i erhalten.

Im Jahre 1871 zeigt die Tabelle der kanadischen tädte die Stadt Winnipeg, die Hauptstadt der Provinz »anitoba, mit 2-11 Einwohner als die einzige Stadt des 'csteiis. Sie war der westlichste Punkt der Kolonisation und : Stapelplatz der Jagdprodukte. Heute bildet sie das Ein- angstor in denGoldenen Westen" in die Pcärieprovinzen oskatschewan und Alberta, die jede etwa die Größe Deutsch- inds anfweist.

Winnipeg selbst hat heute zirka 150 000 Einwohner und 1 onnt sich mit Recht das Chigaco Kanadas, um seine Be- I-ent,mg als Industrie- und Handelsplatz der Wcstprovin- > » hervorzuheben.

Achnliche Entwickelung zeigen die Städte Ealgary mit 1 000, Regina mit 30 000, Edmonton mit 30 000 und Fort

I ijlliam mit 20 000 Einwohnern) denn in der Tabelle von 391 ist noch keine derselben aufgeführt, erst in der von 1001.

Ein Grund der raschen Besiedelung dieser Gegenden ist c Propaganda machende Reklame der Engländer und be- > uders der Eiscnbahngesellschastcn. Auch konnte den Eng- -ndern die Erfahrungen der amerikanischen Kolonisation !ä dortigen Westens als Vorbild dienen.

Ein Vorteil unserer deutschen Kolonien gegenüber, bil- t das für den Europäer zuträgliche Klima, das ihm die I .-benöweise wie im alten Heimatlands gestattet.

Ter rasche Fortschritt wäre kaum möglich gewesen ohne | Ausbau der Bahnen, die viele neue Gebiete erschlossen

. ben.

In kurzer Zeit wird die zweite kanadische Pacificbahn, Grand Trunk Pacific" vom atlantischen nach dem iillcn Ozean laufen. Schon über ein Jahrzehnt läuft die sie lleberlandbahn, dieCanadian Pacific Railway", deren > )acl!ste Züge 5 Tage benötigen, um von Montreal nach I crucana, den beiden Küstcnplätzen, zu laufen.

Viit der Bctriebnahme des Pannamakanals wird der M,: nadischc Westen besonders Britisch-Columbien, wie auch der

f inze amerikanische Westen, einen neuen wirtschaftlichen Auf- I Zwung erfahren.

Um dem jungen Lande möglichst die industtielle Unab- I -ingigkcit zu schaffen, wurde ein hoher Schutzzoll für cingc- »hrte Waren, Maschinen usw. geschaffen, der z. B. bei uto,nobile» 35 Prozent des Verkaufspreises beträgt. Un- B'i bicfcin Zollschutz hat sich die kanadische Jndusttie nicht U r>c des Ostens, sondern auch dcS Westens stark entwickelt, j 4 bat t SH. der Wert der in Winnivca kabrizicrten Waren

der im Jahre 1001 8(4 Millionen Pfund betrug, sich be­reits 1906 auf über 19 Millionen Pfund erhöht.

Die Landwirtschaft der Westprovinzen produziert haupt­sächlich Somnicrgctreide (Weizen, Hafer, Gerste) und wird die Betriebsweise sich wohl kaum >e anders gestalten, da das strenge Winterklima (Kälten bis 30 Grad Celsius) den An­bau von Winterhalmfrucht ausschließt. Auch der Hackfrucht­bau im größeren Stile wird durch die kurze Vegctationsdaucr unniöglich genracht, da eine rechtzeitige Einerntung nicht er­folgen könnte.

Eine Ausnahme macht das bergige Britisch-Columbien, das ähnlich wie Europa, von warmen Meeresströmungen und Winden beeinflußt, intensiven Obstbau treiben kann.

Rentabler gestalten sich Vieh- und Schweinezucht, sowie Milchproduktion, da die Heranwachsenden Städte stets gute Abnehmer sind und derartige Betriebe (Weidewirtschaften) nicht so sehr den Witterungsverhältnisscn auSgesetzt sind.

Der Weizencxport ist in der Dominion in ständiger Zu­nahme begriffen, er betrug 1805 4 Millionen Büschel, 1902 27 und 1911 bereits 63 Millionen Büschel.

Ta Kanada und besonders der kanadische Westen, sich in so karstcc Entwickelung befinden, stcht seiner Industrie ein großer ausnahmefühiger Jnlandmarkt zu Gebote, der ihm durch die Schutzzollpolitik der letzten Jahre noch günstiger gestaltet wurde.

Wir haben diesem Lande gegenüber allen Grund, unsere Getrcidczölle beizubehalten, da eine Herabsetzung derselben der kanadischen Landwirtschaft nur Vorteil, unserer dagegen Schaden bringen würde und unsere Industrie doch nur mit leeren Händen ausgehen würde.

England, das ja kaum Getreidebau aufwcist, ist der Hauptabnehmer des Dominions. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika werden in absehbarer Zeit auf den kanadischen Import angewiesen sein. Während in den Ver­einigten Staaten von Amerika der Weizenexport 1899 noch 2-8 Prozent der Gcsamtcrnte betrug, ist er ständig gefallen und beträgt 1912 nur noch 12,8 Prozent. Bei der weiteren starken Zunahme der städtischen Bevölkerung, die sich in den letzten zehn Jahren um 34,8 Prozent vermehrte, während die Landbevölkerung nur um 11,2 Prozent zunahme, wird der kanadische Import als der billigste, außer Frage sein. Für kanadisches Vieh ist bereits eine zollfteie Einfuhr nach den Staaten erlaubt.

Schließlich wird bei weiterer Jndufttiellisierung die stärkere Zunahme der Stodtbcvölkcrung einen erheblich größeren Eigenkonfnm an Brotgetreide aufweisen. H. H.

Aus dem hest. Landtag.

Zweite Kammer.

Darmstadt, 25. März 1914.

Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 9(4 Uhr. Die Beratung des Hauptvoranschlages für 1914 wird beim Etat des Justizministeriums fortgesetzt.

Justizminister Dr. v. Ewald wendet sich in der General­debatte gegen die Ausführungen des Abg. Brauer, betr. das neue Grundbuch. Dieses sei viel übersichtlicher als das alte. Weiter verteidigt der Redner die Wicderbesetzung des Notariats in Groß-Gerau und sprickst sich im allgemeinen für die Notariate in Hessen aus.

Abg. Wünzer (natl. bringt einige Dünsche über die Rechtsprechung vor. Eine besondere Aufgabe für die Regie­rung sei es, gerade den Aintsrichtcrn eine möglichst weite Bekanntschaft mit der Rechtsprechung der höheren Instanzen durch Zeitschriften zu vermitteln. Der Redner spricht dann für die Vermehrung von Richterstellen. Aufrichtig danken müsse man der Regierung, für die Bereitstellung von 5000 <M. zur Weiterbildung der Richter. In erhöhtem Maße sei die Fortbildung für die Staatsanwälte nötig. Das Grundbuch bedeute eine sehr große Belastung der Verantwortlichkeit des Richters und doch werde es wohl niemand wieder missen mögen. Der Redner erhofft von der Regierung, neue An­stellungsmöglichkeiten für die Richter.

Abg. Grüncwald (fteis.) hält die Notariate für einen besonderen Vorzug der Rechtssicherheit. Die Maßnahmen der Regierung zur Weiterbildung der Richter begrüßt auch er. Notwendigkeit sei die Ausbildung junger Juristen in Handel, Gewerbe und Industrie, im Bankwesen und Land­wirtschaft. .....

Abg. Boxheimcr '(ZentrF hat es bisher nicht für möglich gehalten, daß in der Tat Prozeßagenten von Obsramtsrich- lern nach jeder Richtung hin unterstützt werden. Die über­große Bescheidenheit der Assessoren habe zweifellos dazu bei- getragen, daß ihre Lage noch imemr unerftculich sei. Nicht stichhaltig sei die Behauptung, die Finanzlage gestatte nicht, die Assessorenstellen in Richterstellen umzuwandeln. Die Haltung der Regierung gegen die Abschaffung des Notariats sei erfreulich. Die Pensionsverhältnisse der Gerichtsvoll- zieher bedürfen dringend der Neuregelung. Einen beson- deren Vorteil erblicke er in der Verwendung der Sck,reib- Maschine bei Zeugenverniehrung und Auftiahme von Pro­

tokollen. Das neue Grundbuch halte auch er für besser als das alte. Zum Schluß bespricht der Redner die Frage dcS Aintsgerichtsgebäudes in Lorsch, das der Gemeinde gehöre und nur an den Staat vermietet sei. Es liege doch im In­teresse der Justiz, dies Verhältnis in dem Sinne zu regeln, daß der Staat das Gebäude käuflich erwerbe.

Abg. Dorsch (Bbd.) fordert besseren Zellgenschutz, der für eine geordnete Rechtspflege notwendig sei. Redner kann die Befürchtung, daß durch die Beseitigung der Ortsgerichte den Notaren alle Trümpfe in die Hand gespielt hat, nicht unter­drücken. Bedeutende Einnahmen werden den Bllrgermei- steru und Gemeinden entzogen. Es bestehen auch sonst man­cherlei Mißstände: Zeugen und Angeklagte werden oft der­art in die Enge getrieben, daß sie in unangenehme Situatio­nen kommen. Es darf nicht vorkonnnen, daß ein Richte, einen unbescholtenen jungen Mann einenelenden Lügner" nennt. Die Behandluiig müßte seitens vieler Richter eine anständigere sein. Wenn auch das Lob der Notariate in allcw Tonarten gesungen werde, so gebe cs doch sonderbare Fälle, zu bekämpfen, die das Gegenteil beweisen. Auch die Kosten seien sehr bedenklich hoch. Bei Verhandlungen, die Belastung betreffe, sei mehr vertrauliche Behandlung geboten, wie dics bei den Ortsgerichte» Vertrauenssache war.

Abg. I)r. Osann (natl.) erstattet den Bericht des Finanz­ausschusses. Ter Ausschuß fordert 7 neue Aiutsrichicrstell.u

Abg. Dr. Fulda (Svz.) führt Beschwerde, daß trotz de: Einführung von Gebühren fast keine Arbeiter und Volle schullchrcr zu Schöffen und Geschworenen gewählt werden. Auch solle man die Geschworenen und Schöffen durch direkte Wahl vornehmen.

Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung nachmittags 3 Uhr.

In der Nachmittagssitzung setzt Abg. Dr. Fulda (Soz seine Ausführungen fort. u. a. führt er Beschwerde, datz sei ncr Zeit bei einem wichtigen kriminalistischen Fall ein junger Assessor ln Tätigkeit getreten sel, der nur vorübergehend bei der Staatsanwaltschaft beschäftigt war, was zur Folge hatte, datz der Fall (Brechner) vollständig unausgetlärt blieb. Er sei sehr zu empfehle», datz in solchen Fällen nur solche Assessoren verwendet werden, die für die Kriminalastik besonders geeig­net und vorgebildet sind. Er hält seine Boiwürse gegen die Kriminalpolizei ausrecht, denn cs stehe fest, datz eine Reihe schwerer Verbrechen (Sylvesternacht usw.) nicht ausgekläri wurden. Er glaubt auch, datz man gegen Angehörige der Sozialdemokratie leichter vorgehe, wie gegen andere. Erstaun­lich sei auch, daß das Justizministerium aus die Richter einzu­wirken versuche, obwohl der Minister von jeher den cntgegen- gebrachten neutralen Standpunkt eingenommen hat.

In einem zweiten Fall sei aus Veranlassung eines Kreis amtmannes eine Berufung erfolgt und eine bedeutende Kosten­rechnung entstanden, die der Staat zu tragen habe. Er verbrei­tet sich dann in langstieliger breiter Weise über Fälle seiner eigenen Praxis.

Abg. Stephan (Rail.) glaubt aus den Ausführungen des Abg. Fulda entnehmen zu können, datz er für den Antrag Osann-Stephan eintreten werde, während aus de» Schlutzwe-. ten das Gegenteil hervorgehe. Erfreulich fei, datz die Regie­rung sich jetzt bereit erklärt habe für die Fortbildung der Ri ter 500Ü Mark einzuslcllen. Er kommt aus seine vorjährigen Anregiiiigen zur Erleichterung der Fortbildung der Richcer zu­rück, und tritt wie schon srüher, fiir die gediegene Ausl ->tn: r der Juristen auch bei den Verwaltungsbehörden ein, da tu... Gebiet ein weitverzweigtes und für alle Juristen nur empfeh­lenswert sei. für sich soltznbildcn. Auch die Ausbildung oec den Eeineindebehörde» sei sehr wichtig. Redner cmpj-.ehll dann die Anstellungsverhältnisje der Rkturiatsassistontcn der­art zu gestalten, datz man auch später geeignete bewahri: Kräfte habe. Ebenso seien auch die Pensionsoerhältnisje bci den Gerichtsvollziehern besser zu gestalten. Bei dem Imine, bilienoeräußerungsstempel sei sicher, datz er hoch sei, doch sei 'oh Hemmung bei den An- und Verkäufen nicht allein hicrdu.ch verursacht, sondern auch die Provision an die Jmmobilieuiaak- ler sei daran schuld, welche grotzes Interesse an den Berläufcn haben, auch die allgemeine wirtschaftliche Lage sei verantwort­lich zu machen. Die Vermittelung der Hypotheken haben vie Rotare srüher als Vertrauensleute der Familien umsonst be­sorgt. Das Zwangserzichungsgesetz von 1887 sei veraltet und langwierig und seien Acnderungen dringend geboten, da bis zur Vollziehung der Anträge oft die Voraussetzungen für die Zwangserziehung nicht mehr vorliegen.

Abg. Damm (Freif.) spricht sich gegen die Stellung der Regierung bei der Besetzung der Richterstellen in Friedberg aus. Der Amtsgerichtsbezirk Friedberg sei derart gewachsen, datz möglichst aus die Besetzung der Stellen mit unabhängigen Richtern gesehen werden mutz.

Abg. Scntzselder (Dbd.) erklärt, datz er auf Grund sei­ner Erfahrungen heute noch entschiedener Seite des neuen Grundbuches und des Notariats sei, da das alte Grundbuch jür ihn übersichtlicher gewesen sei. Versteigerungen könne der Bür germeister ohne die Eemeindekarten Nicht anberaumcn, Lösch- ungen seien vielfach nicht eingetragen: da die Gewinne nicht

eingetragen seien, werde die llebersicht sehr erschwert. Ein Glück sei, datz das alte Grundbuch noch nebenbei bestehe. lieber das Notariat, werde er sich bei Gelegenheit seines An-