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Beilage zurNeuen Tageszeitung."

Gedenktage.

S3. März. 1794 Jul. Schnorr, Maler, geb., Leipzig. 1811 Wilhelm Taubert, Musiker, geb. 1819 Ermor­dung Kotzebiies d. Sand. 1896 Großfürstin Wilhel- mine v. Sachsen-Weimar 4.

ZllNsi-Dkiltjchland iiitti rin Idjliditrr Cntifreiminn.

Es war am Schluß der Friedberger Tagung, die wohl lür alle Teilnehmer einen erhebenden Verlauf nahm. Ein großer Teil l>attc sich noch im Easck Trapp zusammengesun- den und saß zerstreut an den verschiedenen Tischen, alle in rin geregter Unterhaltung über das Gehörte, wie das ja lelbst- serständlich ist. An meinem Nackbartische kam ein biederer bandmann mit drei Herren ins Gespräch, deren Wohlbeleibt- best anncbinen ließ, daß sie iiber die mageren Jahre der ''lscssorzeit hinaus waren.Nun, die Herren haben auch an der Tagung teilgenonimen", so eröfsiiete mein Nachbar am anderen Tiiche das Gespräch, indem er die wohlgepflezten, wer ringlosen Hände der Herren musterte. Ich hörte nicht weiter ans die beifälligen A-mßerungcn der Herren, hörte aber, wie der biedere Mann aus dem Volke sortfuhr:Wa­rum sind denn die Herren nicht verheiratet. Da trägt ja keiner den Ring am Finger? So stattliche Herren, da könnte koch jeder dem Staat ein paar tüchtige Männer erziehen: Ich meine, das wäre doch auch Jung-Deutschland. Oder habe Ich die ganze Sache nicht recht verstanden?" Ich kann mich der verlegenen Antwort des einen der Herren, die wohl Icdenfalls ein Witz sein sollte, nicht mehr entsinnen, hatte ne wohl auch nicht recht verstanden. Jedenfalls fuhr der Bauersmann mit lauter Stimme fort, ohne sich irre machen zu lassen:Das sind komische Verhältnisse! Die, die Kinder erziehen könnten, heiraten nicht und die. welche sie nicht er- »iehen können, haben die Kinder. Das ist doch eine verkehrte Welt. Was hilft denn da Jung-Deutschland?" Dabei sah mich der Mann an, als solle ich als Unparteiischer ein Urteil abgcben, aber ich konnte ihm bloß lächelnd zunicken, zum Zeichen, daß man ihm so unrecht nicht geben könne. Die Ge­schichte beschäftigte mich noch lange und ich hatte den Ein­druck, daß in dem gesunden Urteil des schlichten Dauern mehr steckte, als in so manchem, das sonst gesagt worden ist. Gebe nian der Ehe wieder ihre hohe sittliche Wertung im Volks­leben und zwar im höchsten Sinne des Wortes und so manche Nöte, die beute aus dem Sumpfe der Gegenwart empor- macksen. wie die Köpfe au? dem Rumps der Hydra, werden oerscbwinden oder doch mindestens ihre Schärfe verlieren. Die zunehmende Genußsucht und Verweichlichung, an der unser Volk krankt, wird abnehmen, denn in der Ehe lernt man sparen, die Frauenfrage, mit all ihren schlimmen Be­gleiterscheinungen wird schwinden, denn wenn die Frauen heiraten, können sie den Männern tausende von Berufen, die ihnen zukommen, nicht mehr wegnehmen.

DieSäuglingsfürsorge" wird zumeist von den Eltern selbst geleistet. Die Jugendpflege spielt sich dann, mit ganz geringen Ausnahmen, in der Familie ab. Selbst die Duell­srage ist für die meisten Fälle gelöst, wenn den Schänder der Ehe sofort da? öfsentliche Urteil als ehrlos und reif für das Zuchthaus brandmarkt. Und es kann uns ziemlich egal sein, oh Ehrlich? Salvarsan etwas taucht oder nicht.

Zum Ptlugeisen.

Roman von M. Prigge-Brook.

53 (Fortsetzung).

Ich zweifle, ob Herr Professor die Dame bei sich auf- v.ähme, wenn er hier wäre. Er nimmt nur leichte Fälle in seine Privatklinik auf und pflegt in der Auswahl seiner Patienten sehr vorsichtig zu sein. Immerhin", zum ersten Male sab er der jungen Frau in? Gesicht, indem er zu ihr sprach:Ich vertrete den Herrn Professor Feuchtwangen und werde Ihren Wunsch berücksichtigen, sobald es möglich ist."

Was soll das heißen," rief Mary gequält. Sie sah, wie hilfeslchcnd auf ihre Schwägerin,

Daß Fräulein Sebald Sie m i r anvertraut, und daß Ich versuckien will, Sie wieder gesund zu machen."

Ich will nicht, ich will nicht", jammerte Mary.Ich will zum Herrn Professor.

Sic hören, der Herr Profesior ist verreist. An seiner Statt behandle ich die Kranken. Ich denke. Sie werden zu­frieden mit mir sein."

Zöllner nahm Fräulein Sebald beiseite.

Sie schriebe» mir nicht, daß das seelische Gleichge­wicht Ihrer Fra» Schwägerin gestört ist und sie an Wahn­ideen leidet. Aber es ist so, und darum paßt sie nicht in eine Privatanstalt, in der, wie ich schon sagte, nur leichte Fälle behandelt werden. Sie sind sich hoffentlich darüber klär, was ein Aufenthalt bei mir bedeutet? Entziehung jeder Freiheit und strenge ärztliche Ueberwachung."

Galten Sic beides für unbedingt erforderlich bei die- !er zarten, schwachen Frau?" fragte Roscmarie, der das Ge- wissen schlug.

Dcr Aufenthalt hier ist das letzte Mittel", antwortete der Arzt.

"~ n . nrt mu 6 ich das Opfer bringen, die Kranke gegen wren Willen hier zu lassen. Wenn es Ihnen nur auch gelingt.....*

»Seien Sie ohne Sorge. Ncb zwinge jeden Fall. Zu-

Wont-ig. den 23. März 1914.

Weil diese höhere Wertung und Achtung der Ehe unserem Volke zum Teil verloren gegangen ist, so ist ein reiner Rat­tenkönig von lauter Uebeln entstanden, die zuni Teil die Ge­sellschaft ein heilloses Geld kosten, und wenn eines wirklich mit Mühe und Not beseitigt scheint, dann geht es am anderen Ende wieder los. Da wird es auch für den Staat heißen: Kräftigung und Festigung der sittlichen Fundamente, der Ehe und der Familie, die ja doch die Zellen bilden, aus denen der ganze staatliche Organismus sich aufbaut. Was Hilst cs schließlich, wenn wir die Jugend in Feld und Wald spazieren führen und zu .Hause ist das ganze Nest verseucht. Was helfen alle Pflästerchen am kranken Körper, wenn das Hebel innen sitzt. Zuletzt wird immer wieder jedes Volk am eige­nen Leibe erfahren müssen, daß Religion und Sittlichkeit die Grundfundamentc jeder Kultur sein und bleiben müssen, daß man bei aller Technik und Wissenschast usw. niemals die schlichten Wahrheiten der Bibel »»gesühnt bei Seite lassen kann. W.

Aqpotlzekenlchwindcl.

Durch die zur Zeit in Hessen bestehende Genossenschasts- krisis und die immer noch hinzukommenden neuen Kala­mitäten der Darlehnskassen, werden dieselben genötigt, ihre zum größten Teil auf zweite Hypotheken ausgcliehenen Kapitalien zu kündigen. Diele dieser Kassen gehen, durch ihre Unterbilanzen dazu gezwungen, in der rigorosesten Weise gegen ihre Schuldner vor. Hierdurch geraten viele derselben, trotzdem sie ihre Zinsen immer richtig bezahlt haben, in die größten Verlegenheiten, denn trotzdem, daß in der letzten Zeit der Reichsbankzinsfuß gefallen ist, hält es noch äußerst schwer, Hypothekengelder zu bekommen. Nun wird alles versucht. Es wird bei verschiedenen Kassen und ebenso bei Privatleuten angefragt, aber, obwohl auch ein recht hoher Zinsfuß geboten wird, das Geld ist nirgends zu erhalten und das Gespenst der Zwangsversteigerung droht immer mehr. Nun scheint auf einmal eine Rettung fiir den bedrängten Gläubiger zu winken. In der Zeitung steht ein Inserat von Main, oder sonst woher, in dem Hypotheken­gelder an zweiter Stelle angeboten werden. Mit nicht wenig Hoffnung wird nun ein Brief hingeschickt. Postwendend kommt Antwort, daß die von dem Schreiber vertretene Bank über große Kapitalien verfügt und auch schon viele Dar­lehen hierher gegeben hat. Die Bank besteht zwar in Däne­mark, in Kopenhagen, und es ist vor allen Dingen eine Tore nötig. Mit derselben sind jedoch 35 -4? für die nötigen Vorarbeiten einzusenden und hernach hat der Goldsucher direkt mit Kopenhagen zu verkehren. In der Not frißt der Teufel Fliegen und so werden denn die 35 <M und die orts- gerichtliche Tore eingesandt. Jetzt dauert es einig« Wochen und auf Anfrage kommt dann die Nachricht, daß eine orts­gerichtliche Taxe nicht genügt, es muß also auch noch eine von einem Privatarchitekten eingesandt werden, die wiede­rum viel Geld kostet. Ohne Anfragen gibt es nun überhaupt keine Antwort und wenn endlich die nächste Auskunft kommt, heißt cs, ja es fehlt uns noch eine Aufstellung ihrer Miet­einnahmen und eine Rentabilitätsberechnung. Auf diese Weise ist nun zirka ein halbes Jahr hingegangen und der bedrängte Schuldner hat immer noch keine Aussicht, Geld zu «kommen. Wenn er nun auih diesem Verlangen enffvricht.

dem scheint mir die Kranke physisch ebenso pflegebedürftig zu sein wie psychisch. Hat Ihnen der Hausarzt keinen Brief mitgcgebcn?"

Ich kann ihn darum bitten und schicke Ihnen dann das Schreiben zu. Haben Sie sonst noch Wünsche?" fragte Rcsemarie Sebald.

Doktor Zöllner wiegte bedenklich das schön stifierte Haupt, auf dessen Haarfülle er stolz war.

Noch eins, gnädiges Fräulein. Dem Anschein nach glaubte Frau Sebald zu Herrn Professor Feuchtwangen zu kommen. Davon kann keine Rede sein, jo lange die Kranke unruhig ist. Wie äußert sich ihr Zustand?"

Sie wandert", antwortete Rosemarie,und . . ."

Ich werde selber urteilen und sehen. Geben Sie mir nur die schriftliche Erklärung, daß Sie mir aus eigener Machtvollkommenheit die Kranke anvertrauen, und daß sie nur mit Ihrem Einverständnis mein Haus verlassen darf."

Weshalb das?" fragte Rosemarie, peinlich berührt.

Weil Ihre Schwägerin sonst keine Stunde bleiben würde: das können Sie sich doch denken. Kranke ihrer Art zu behandeln, ist nicht leicht. Man ist gezwungen, täglich, stündlich gegen ihren Willen zu handeln, wenn man etwas erreichen will."

Dessen darf ich doch sicher sein?" fragte Rosemarie, die sich beruhigen wollte.

Wenn Frau Sebald sonst gesund wäre, gewiß. Stö­rungen, wie die mir geschilderten, sind nicht gefährlich. Die Heilung dauert meist nur recht lange. Doch was das Kör­perliche angeht, so ist Ihre Schwägerin anämisch. Sie muß ohne Verzug in die Ernährungskur. Ob wir damit Erfolg haben und welchen", er zuckte die Achseln und sah zum Him­mel auf,das steht in Gottes Hand", vollendete er salbungs­voll seine Meinung.

Sie geben mir also keine bestimmte Hoffnung,"

Doktor Zöllner umging die Antwort. Er trat von dem Fenster fort in Marys Nähe. Sie hing halb auf deni Stuhl die Augen geschlossen.

7, Zatfrynnk

dann muß hernach noch der Nachweis herbei, daß er mit sei- »er Frau in Gütergemeinschaft lebt »sw. Hat er getreulich alle diese Anforderungen erfüllt, dann bekommt er schließlich die Misteilung, daß die Bank noch eine Auskunft durch ihren Sachverständigen, der demnächst in die betr. Gegend kommt, einholen läßt. Alsdann wird es still für lange Zeit und der Darlehenssucher muß froh sein, wenn er, nachdem er so fast ein Jahr hingehalten worden ist. zum Schluß noch die Mitteilung erhält, daß man auf die eingezogenc Erkundi­gung hin leider das Darlehen nicht gebe» kann. In der Regel bekommt er aber gar keine Antwort mehr.

Wenn ihm nun inzwischen sein Anwesen noch nicht zur Zwangsversteigerung gebracht wurde, dann kann er noch von Glück sagen und nmß nun noch Geld daran wenden, um seine eingesandten Papiere, welche ihn doch viel Geld ge­kostet haben, wieder zu erlangen. So ist es in den letzten Jahren schon gar manchem gegangen. Hypothekensuchec seien deshalb gewarnt.

khristlich-niitimlt MMnufpifl.

Berlin. Mitte März 1914.

Durch das unerwartete Hinscheide» des Kardinals Fürst, bischof Kopp hat die Berliner Richtung eine ihrer stärkster. Stützen verloren. Das Andenken dieses einflußreichen Kirchenfürsten wird für immer mit den schwierigm Kämpfen verbunden bleiben, die durch die GewerkschaftSencyclika de<7- Vapstes innerhalb der christlichen Gewerkschaftsbewegung hervorgerufen wurde. Erst noch jüngst hat der Vorstand des Verbandes katholischer Arbeitervereine in Westdeutschland eine Kundgebung gegen diekatholischen Fachabteilungen" zugunsten der christlich-nationalen Gewerkschaften beschlossen in der es h. a. heißt:

Unsere Vereine sind gewachsen und stark geworden in engster Arbeitsgemeinschaft mit den christlichen Ge­werkschaften. In einem Treubund standen sie zu ihnen, und darn halten sie fest: ihr System der erfolgreichen Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeite- unabhängig von der Sozialdemokratie hat sich auf da? beste bewährt: nicht aber das System katholischer Fachab- teilungen, deren jahrzehntelange Erfolglosigkeit und lln- fruchtbarkeit in der deutschen Arbeiterbewegung hat das erwiesen. Darum halten unsere Vereine treu zu den 'christlichen Gewerkschaften."

Alle diejenigen in unserem Volke, welche in der christlick - nationalen Arbeiterbewegung eine christliche Knlturbe- wegung ersten Ranges und eine zukunftssrendige Erschei­nung erblicken, werden sich von Herzen über das mannhafte Bekenntnis der katholischen Arbeiterbewegung zu den in­terkonfessionellen Gewerkschaften freuen und in dieser Kund­gebung eine neue Bürgschaft für die innere Geschlossenhci! und Zielklarheit in der christlich-nationalen A-beiterbe- wegung erblicken. Dieser Auffassung gab Generalsekretär Stegerwald neulich in Heidelberg Ausdruck, indem er u. a betonte, daß die Prophezeiungen der sozialdemokratischen Presse, als ob die christliche Gewerkschaftsbewegung jetzt er­schöpft sei, sich als trügerisch erwiesen habe. Im Gegenteil, die christliche Gewerkschaftsbewegung habe allein in den letz- ten 14 Tagen rund 6000 neue Anhänger erhalten. Dos ist ohne Frage ein erfreulicher Beweis von der inneren

Sie sind Wohl sehr erschöpft, gnädige Frau?" Er sprach in gütigerem Tone.Wollen Sie Ihr Zimmer sehen? Frau Schurr wird Ihnen helfen.Sie bringt Sic zu Bett."

Ich will nicht bleiben", antwortete Mary nervös.

Zöllner drückte auf den Knopf der elektrischen Leitnng. worauf eine Diakonissin erschien. ,

Führen Sic die Schwester in den Mittelbau, Schwester Tobia. Zeigen Sie ihnen die Zimmer eins und zwei. Fron Schurr ist heute zurückgekommen, sie mag Frau Sebalds- Pflege übernehmen. Machen Sie Ihre Sache gut: um 7 Uhr bin ich bei Ihnen."

Er zog die Uhr und verabschiedete sich von Rosemarie Mary sah er nicht mehr an.

Sie klammerte sich an das Kleid ihrer Schwägerin.

Laß mich, ich bitte Dich. Ich kann hier nicht bleiben!"

Aber Kind", wehrte die Schwägerin ungeduldig.Sei doch verständig. Du wolltest doch vernünftig sein. Heißt das sein Wort halten, wenn man vor dem ersten Eindruck erschrickt! Du kannst eS doch versuchen. Acht Tage sind doch keine Ewigkeit. Nach acht Tagen komme ich und hole Dich wieder, wenn Du bis dahiir nicht selbst die Ueberzeugung gewonnen hast, daß man Dir helfen kann."

Ich fürchte mich laß mich fort. Wenn der Professor wiederkommt, gehe ich zu ihm. Wahrhaftig, Roseinarie, ich verspreche es Dir."

Rosemarie unterdrückte ihre Ungeduld. Sanft legte sie ihre Arme auf Marys Schultern.

Folgen wir der guten Schwester und sehen wir zu, wc sie Dir unterbringt. Es ist ja nur für acht Tage, dann komme ich und hole Dich mit Heinz."

Das lockige Knabenknöpfchen stand plötzlich vor Marys geistigem Blick. Um seinetwillen wollte sie der Schwägerin folgen. Sie hatte Erna versprochen, wenigstens den verjnä gesund zu werden, zu wagen. Wenn es wirklich nicht ging dann, dann . » .

isFortsetzung folgt)