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NloiUny, den 2 ». Mär; 1914.
7. Juljrguuu
^,e „Neue Cage»,eri«nr>- rr cheint ,eden A?erltag. Negelmatzige Beilagen „ver parier aus Liellen", „Die Spinnstube". Derugopreis: Be» den Postanstalten vlerrellährUch Ä»:. 1,95 bet den Agenten monatlich 50 Pfg. ftlntu tritt "i ostgebühr oder Trägerlohn. Anzeigen: Grundierte 20 Pfg^ lokale 15 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Botnachna'-me erhoben ErfüNungsort Friedberg. Schriflleilung und Nerlag <riedberq (Hessen), Hanaueritrahe 12. Fernsprecher 48. Poslscheck-Conto 9lr. 48»S. Amt Frankfurt a. IUI.
llcl* crHdit.
— Der kommandirrendc General des 18. Armeekorps v. Schenk, machte gestern morgen einen Spazierritt, wobei sein Pferd in der Forsthansstraße vor einem Eisenbahnzngc Icheute »nd den (General abwarf. Dieser erlitt Vcrlcbnngcn am Kopse und mußte in seine Wohnung gebracht weiden.
— Im Kohlenbergwerk „Zenica" in Bobnicn erfolgte
gestern durch uupnrsichliges Umgehen mit wiener eine Erplo- sion schlagender Wetter, durch die fünf Arbeiter unter den Trümmern der cinstiirzcnden Schachträume verschüttet »nd getötet wurden. Ein sechster wurde schwer verletzt: sein
Zustand i f t hoffnungslos.
— Tie Zahl der Opfer des SchisfsunglückS in Venedig >st geringer als ziterst angenommen wurde, da die von den nahen Schiiten sofort herabgelasscnen Brote viele Personen retteten. Pfoftncft ’TXt sind bisber zwanzig Tote. Wahrscheinlich ist ein Teil der Leichen durch die starke Strömung ins Meer getrieben worden. Unter den geretteten Deutsch-m befinden sich folgende: Post. Doltz. Neumann und Büchel aus Berlin.
— Der Ebel der Militär Flngstation Scbastepol, der Leutnant Andrendi, ist während eines Fluges abgcstürzt und war sofort tot.
— Wie in London vorliegende Privatdepeschcn aus Konstaniinopel nielden. ist der Gcsuiidhcitszusiand des Ex- sultnnS Abdul Hamid nusirrst schlecht. In ärztlichen Kreisen .erlerntet, daß sein Ableben nahe bevorsteht.
— Bei einer .Haussuchung, die die Polizei in Port os Spoin n»s Trinidad vornahm, wurde General Envrinn Castro, der frühere Diktator Venezuela?, in einem Hotel der Stadt entdeckt. Castro, der bereits seit mehreren Monaten verschwunden war, soll über seine Auffindung kc-neswegs erfreut gewesen sein. In einem anderen Hanse, das hauptsächlich von Denezulancrn bewohnt war, wurden Gewehre und 10 000 Patronen gefunden.
Hie öflerrfidjiliNngarildif lüftirtiorlaae.
Fast allentbalben, wohin wir blicken, besckrästigt nenn sich mit groß"» Wehrvorlagen, die bestimmt sind, die betreffende Großm.rcht bei dem allgemeinen Wettrüsten nicht ins Hintertreffen zn bringen. Nunmehr hat auch in Wien die parla- montarische Bebandlung der Heeresfordernngen eingesetzt, und diele must umso interessanter sein in einem Augenblick, wo an der Newa bedenklich mit dem Säbel gerasselt wird. Zwar scheint man dort mit Schrecken wahrgenommen zu haben, tvaS ein Artikel wie derjenige der Petersburger „Bör- senzeiluug" anzurichten vermag, und sofort ist ein offiziöser Beschwichtigungsartikel in der „Rossija" gefolgt, gleichwohl aber lässt sich der Zwischenfall nicht so ohne weiteros-aus der Welt schassen, er wird m, Gedächtnis hasten bleiben müssen, als ein charakteristisches Zeichen der Stimmung gewisser Kreise in Rustland, die zum Kriege treiben wollen. ES fragt stch nur, ob diese Leute soviel Einslust besitzen, um die mastgebenden Stellen dazu zu bringen, ihnen auf dieser gefährliche» Balm zu folgen. Ta man heute nicht wissen kann, vwlchrn B'crmus die Tinge nehmen werden, wird man f? niemand verdenken können, wenn er stch beizeiten vorsieht und leine Gegenniastnahmen trifft. Das muh besonders für die Donaumonarchie gelten, denn nicht minder gegen diese, ja vielleicht noch mehr als gegen Deutschland, richten sich die Treibereien der Petersburger Dunkelmänner, die glauben, mit Oesterreich-Ungarn schneller fertig werden zu können. Die Begründung, die der Landesverteidigung-Minister Freiherr von Georg! im österreichischen Rcichsratc den geforderten Krediten gab, enthielt in der Hauptsache einen Wink an Rustland, seine Kräfte nicht zu überschätzen, und als Antwort aus die bekannten Auslassungen in der „Börsen- zeitung", die von dem russischen Kriegsminister Suchomli- now inspiriert sein sollen, erllärte der Minister, es müsse alle Zeit und überall volle Klarheit darüber herrschen, dost Ocsterreich-IIngarn vollkomnie» bereit und entschlossen sei, jeden Angriff mit einer energischen Gegenoffensive zu be- antworten. Im Hinblick hierauf müsse mau weitere Opfer bringe», denn wer im Frieden am Unrechten Orte spare, bc- -ehlc im Kriege, die Zeche. In der Donaumonarchie hat man in den beiden letzten Jahren zur Genüge spüren müssen, welch schwere Folgeerscheinungen eine unsichere Loge mit sich bringt, und infolgedessen sieht man sich genötigt, alles zu tun. um bei Zeiten gewappnet zu sein. Im Hinblick hierauf scheint inan endlich vom Partcihader ablassen zu wollen, um da? Zustandckomnieu der wichtigen Vorlage nicht zu vereiteln. Tic Ausgleichsverhandlungen zwischen Deutschen und Tschechen haben erneut eingesetzt und sollen einen gün- ' versprechen. In: Interesse der Tonaumonar-
chie Ware dieies Resultat doch zu veranschlagen, es wäre nur a wun; .••eil, dost eine Einigung von Tauer wäre, um endlich i, iiuierpoiitüch.'n ' r , ei ’ Ende zu machen. Sind diese eo doch gerade, die die Ge'ahr in sich bergen, die Großmacht- siellung der Donaui wiiarch.ie zu libmälern und ihren Einflub
auf die Gestaltung der Weltpolitik herabzuniindern. Nur ein wenig politische Einsicht, und es wäre für die Parlamentarier an der Donau ein leichtes, ein derartiges Geschick ab- zuwcnden.
vkr CSrburtfnriidirtaHg in venüchland.
wird durch die neueste Statistik über die Bevölkerungsbewegung deutlich veranschaulicht. Auf 1000 Einwohner kamen im deutschen Reich während des Jahrzehnts 1873/82 durchschnittlich 40,65 Geborene jährlich, während des Jahrzehnts 188392 37,08, während des Jahrzehnts 18034002 37,11 und während des Jahrzehnts 10034 2 32,10 Geborene jährlich. Der Rückgang ist hiernach recht Hede u t e n d. Dabei bleiben die letzten Jabre (1910 mit 30.71 und 1011 mit 20,48 und 1912 mit 20,12) noch beträchtlich hinter dem Durchschnitt de? letzten Jahrzehnts zurück. Am gröstten war während der letzten 40 Jahre die Zabl der Geborenen im Jahre 1876 mit 42,61 auf 1000 Einwohner, am niedrigsten im Jahre 1012 mit 20,12. Allerdings ist auch die Zahl der Gestorbenen im Verhältnis zur Bevölkerung?- ziffcr stark zurückgegangen, so dih die Abnahnie der Geburten gcwissermasteu ausgeglichen wird. Auf 1000 Ein- wobner kamen nämlich im Durchschnitt jährlich 1873752 28.02, 188302 26,06, 18034 002 22,68 und 100342 18,00 Gestorbene. Hiernach hat der lleberschuß der Geborenen über die Gestorbenen auf je 1000 Einwohner im Jahr betragen:
1873*82 12,63
1883'92 **- 11,02
1803/1002 14,43
1903/12 13,59.
Am gröstten war die Zahl der Gestorbenen im Jahre 1872 mit 30,62, am geringsten im Jahre 1912 mit 16,42 aus je 1000 Einwohner. Der Geburten-Ueberschust über die Zahl der Sterbefälle war am kleinsten im Jahre 1872 mit 10,47, am größten im Jahre 1902 mit 15,63 aus 1000 Ein- wohncr.
Reichstag.
238. Sitzung vom 21. März, 2 Uhr.
Am Dundssratstische: Dr. Sols.
Eingegangen ist die Danksagung des Kaisers für die Glückwünsche zur Geburt des braunschweigischen Thronfolgers.
Das Etatsnotgesrü, das die Führung der Geschäfte vor Verabschiedung des Etats ermöglicht, wird in 1. Lesung c hnc Erörterung genehmigt.
Die Beratung des
Etats für Südwcslasrika
wird fortgesetzt.
Die Resolution der Kommission betr. Vergrößerung der Zahl der Eingeborenenkommissarc, sowie die, die den Reichskanzler auffordert, die Unabhängigkeit der Anwälte in Südwestafrika durch Rechtsgarantien hinsichtlich ihrer Absehbarkeit zu sichern, und die einen geordneten Nechtsgang hinsichtlich der Verpflichtung zur Zahlung ~y.: öffentlichen Abgaben fordert, werden angenommen.
Beim Kapitel „LandeSpolizei" lWeiste Hilfskräfte) hat die Kommission von dem Posten von 2 Millionen Mark 200 000 Mark abgesctzt.
Staatssekretär I>r. Sols: Tie Schutztruppen in unseren großen Schutzgebieten haben die Aufgabe, den Landfrieden gegen gewaltsame Störungen im Innern zn schützen. Für Südwestafrika niust ich betonen, daß die Ausgabe der Schutz, truppe einen ganz anderen als polizeilichen Zweck hat. Die 2000 Mann sind über das ganze Land, das eineinhalb Mal so groß ift wie Deutschland, verteilt, und zwar in so kleinen Abteilungen, daß eine Abkommandierung von Soldaten ans den Verbänden den Verzicht auf die Schlagfertigkeit bedeuten würde. Man stelle sich vor, wie es aussehen würde, wenn wir die Schuhtruppe tatsächlich polizeilich verwendeten. Wir müßten sie aus den Verbänden herausnehmen und in kleinsten Posten über das ganze Schutzgebiet verteilen. Wenn nun, was nicht wahrscheinlich, aber doch bei Eingeborenen immer möglich ist, ein Aufstand entsteht, dann würden diese polizeilichen Funktionen einfach aufhören und die staatliche Aussicht würde wegfallen. Deshalb müssen wir Wert darauf legen, daß neben der Schutztruppe noch eine Pol-zeitruppe in Südwestafrika ist. In welcher Form die Polizeitruppe nun organisiert werden soll, lasse ich dahingestellt. Tie Ausgaben werden allerdings hoch sein. Nach einem Gutachten des Gouverneurs sind 500 Mann absolut erforderlich. Weniger aufzustellen bält er für ausgeschlossen. Ich halte es für meine Pflicht, Sie darauf hinzuweifen, daß Sie noch einmal prüfen, ob Sie die Verantwortung für die Streichung übernehmen können. Der Gouverneur lehnt sie ab. Möglicherweise werden Sie ni . einer Streichung Tatsachen schaffen, die für die Zukunft SüdwestafrikaS sehr unangc- nehme Folocn haben können.
Nach kurzen Bemerkungen des Abg. Lcdcbvur tZoz.) stimmt das Haus der Streichung zu.
Die Resolutionen, wonach das Reich von den Kost'» dei Schutztruppen und der LandeSpolizei zwei Drittel und dal Schutzgebiet ein Drittel tragen und den Schutztruppen die Möglichkeit gegeben werden soll, ihren eigenen Bedarf an Derpflegnngsmitteln tunlichst aus fiskalischem Boden zu er- zeugen, sowie die auf Erlaß weiterer Arbeitcrschutzln 'tim- mungcn werden angenommen. Auch daß Verbot der -istie- dclrmg des Ambolandes durch Weiße wird ausrecht erhalten. Angenommen wird ferner c5 1 • c Resolution, die die ' • rg- rechtlichen Verhältnisse im Norden des südwestafrikau’ichcn Schutzgebietes so rcgcln will, daß eine ungestörte und sachgemäße Erschließung des Landes sich vollziehen kan».
Damit ist der Etat erledigt.
Es folgt die 1. Lesung eines von der Biidgctkommissiou ausgearbeitetcn Gesetzentwurfes, der bei Bahnbaicken gar» allgemein die Anlieger — d. h. die Konzeisiousgesellschafte’ — nach Maßgabe ihres Interesses zu den Kosten heran ziehen will.
Abg. Waldstein (Fortschr.): Ter Staatssekretär bat sich nicht ans den Boden des Gesetzentwurfes gestellt. Er möchte ihn lieber in Form einer Resolution entgcgennehmon. Diesem Wunsche sind die Konservativen gefolgt, und sie haben eine entsprechende Resolution cingebracht. Es icheint auch tatsächlich zu weit zu gehen, die Anlieger ausnahmslos zu allen Vcrkehrsanlagcn heranzuziehen. Hoffentlich kommt bis zur zweiten Lesung eine Verständigung zustande,
Abg. Graf Westarp (kons,): Mit dem Grundgedanken des Gesetzentwurfes sind wir einverstanden. Aber wir fürchten die Tragweite dieses Gesetzes, Darum schlagen wir nur eine Resolution vor,
Abg. Ledebour (Soz.): Wenn irgend etwas erreicht wer- den soll, so muß der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form angenommen werden. Er ist ein Ausläufer des langjäbri- gen Kampfes, den wir gegen den Ilnfng der Landgesells haften fuhren. Am liebsten hätten wir diesen Gesellschaften den ganzen Raub genommen,
Abg. Erzbergcr (Zentr,): Für den Reichstag handelt es sich nur darum: Will er den Kanipf gegen die Konzesswns- gescllsckxrften fortschen oder nicht? Will er das Land auch weiterhin an sechs große Gesellschaften ausliefern? Das vorliegende Gesetz ist wörtlich abgeschrieben ans einem Schutzgebietsgesctz von 1908, nur mit einer zeitgemäßen Ergänzung, Ich verstehe die Bedenken nicht. Graf Westarp will alles dem Bundesrat überlassen. Sind wir denn schon solche Mummelgreise, daß wir nicht einmal so ein Gesetz abschreiben können?
Abg, Keiunth (natl,): Wenn die jetzige Farm des Gesetzes noch Bedenken erregt, so kann bis zur zweiten Lesung eine Verbesserung erfosgen. Wir sollten jetzt aber dem Gesetze zu stimmen.
Das Gesetz wird in erster Lesung genehmigt, Ileber die Resolution Westarp wird bei der zweiten Lesung abgestimmt werden.
Der Nachtrag zum Etat der Schutzgebiete wird angenommen,
ES folgen
Petitionen.
Bei der Petition der Bäckeriiinimg Germania betr Schutz gegen Boykott und Streikausschreitungcii hielt
Abg, Brey (Soz.) eine Rede von mehr als einer Stunde Dauer gegen die Wünsche der Innung.
Abg. Irl (Zentr.) beantragte lleberweisung als Material,
Montag: Kleine Vorlagen,
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Am Samstag wurde die erste Beratung des Gcundtet-
lungsgcfetzes zu Ende geführt,
Abg, Rissen <Däne) kritisierte die einzelnen Geletzes- bcstimmungen und erllärte, leine Freund- könnten keine Mittel für die innere Kolonisation bewilligen, da ihr Hauptzweck die Bekämpfung der anderen Nationalitäten sei.
Minister v Dallwitz wies die Behauptung des Redners zurück, daß der Entwurf ein Ausnahmegesetz Larstelle. Das Vorkaufsrecht fei mit dem Lntcignungsrecht nicht zn vergleichen, denn während hier der Verkäufer nicht mit den Bedingungen einueistandcn fei, tritt der Staat beim Vorkaufsrecht in die gestellten Bedingungen ein. Vor allem aber gebe dies Recht in der Ostmark die Möglichkeit, den polnijchcn Przel- lierungsbanken entgegenzutreten und Len Terror dieser Banken aus polnische Besitzer zu brechen, di- an Deutsche verlaufen wollen. Er empfehle den Entwurf dringend zur Annahme Um dem Gesetz den Charakter eines Ausnahmegesetzes -u nehmen sei es, so bemerkte Abg, Weißer mel skons,), auf dn- gesamte Monarchie ausgedehnt, Zu bedauern fei daß vielfach die Städte der inneren Kolonisation in der Praxis wenig freundlich gegenübcrständcn.
Abg, Rhicl (Ztr.) erörterte furistllche Einzelheiten des


