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Seite 1

Zum Mngeiseri.

Roman von M, Prigqe-Brook.

b 2 (Fortsetzung).

Ein triumphierender Blick traf die Leidende, deren Lider gejchlosten blieben. Rosemarie stand auf und verlieh mit leisen Schritten das Krankenzimmer. Sie hatte gesiegt.

Oben erwartete Luise das Mädchen.

Nun?" fragte sie neugierig.

Sie geht!' antwortete Roseinarie erfreu!.Ich habe ks erreicht."

Wenn sic nicht morgen anderen Sinnes wird."

Das gibt es nicht. Ich halte sie. Morgen um zwölf Uhr steht der Wagen vor der Türe."

Noch ahnte die junge Frau nicht, was man mit ihr vor­hatte. Schlaflos warf sic sich auf ihrem Lager und dachte an ihren Mann. WaS sic Rosemarie versprochen, hatte sie ver- grssen. ES kümmerte sie nicht.

Noch z» päter Stunde lieh Rosemarie Sebald den Dok- tor kommen.

Meine Schwägerin willigt ein. Ich bringe sie selber nach Gohlis. Um zwölf Uhr geht der Zug."

Ist Feuchtwaugen denn iwch in Gohlis?" fragte der Doktor, nur mähig erfreut, weil er nicht mehr gehofft hatte.

Ich hoffe, er hat vorgesorgt", antwortete Rosemarie.

Ich hoffe, er hat vorgesorgt" .antwortete Nosemarie.

Dann kan» ja noch alles gut werden!" Ter alte Herr wandte sich zuin Gehen.Ich komme morgen, um von Frau Sebald Abschied zu nehmen."

Tun Sie da? lieber nicht. Mary ist, wie Sie wisse», willenskrank. Wer weih, ob sie nicht bis morgen anders sich besinnt, wenn sie sicht, dah ich Ernst mache. Ich dachte mir so: Kein Mensch spricht von Reisen, ich lasse ihre Koster fortschafscn und lade sie ein, Heinz Grab mit mir zu be­suchen."

Und bringen sic auf den Weg an die Bahn?"

Ich hoffe, sie sträubt, sich nicht."

Der Doktor dachte nach. Recht war es ihn, nicht: aber hatte nicht Fcnchtwangen selbst gesagt, nian müsse Zwang airwenden? E? lag Gefahr im Derzug.

Rasemorie erlebte eine Enttäuschung. Als sic am an­deren Morgen reisefertig in ihrer Schwägerin Zinimer trat, fand sie diese beim Ankleiden.

Erna bediente sie. Die Acrmste glich in nichts mehr der jungen, blühenden Frau, die die Wonne ihres Gatten ge­wesen, Mary war erjchreckeiid bleich und mager: ihre Kleider schlotterten um ihren Leib. Sie war kaum fähig, sich auf­recht zu erhalten.

Rolcinarie erschrak beim Anblick dieser Verwüstung, die Trauer und Verzweiflung zu Wege gebracht. Ein flüchtiges Mitleid wallte in ihr aus. Aber sie dachte an das Kind und wurde wieder stark.

Wirst D» mich zu dem guten Professor bringen, der niich gesund niachcn will," fragte Mary leise.Wer weih, vielleicht gelingt es ihm und ich kann noch einmal mit Heinz seiiies Vaters Grab sehen."

Es ivnr das erste Mal, dah Mary vom Leben, statt vom Sterben sprach. Erna kühic sic beglückt auf die Stirn.

Wie lange werde ich fortblciben müssen?" Die Kranke überkam plötzlich die Angst. Ihre großen Angen hefteten sich srageiid auf die Schwägerin.

Mindestens eia paar Monate", antwortete sie kurz.

Dan» lall Heinz mit mir gehen. Sophie kann für ihn feigen."

Heinz bleibt hier. Er paßt nicht in einc Klinik,"

Ich mag auch nicht i» eine Klinik gehen", antwortete die blasse Frau zögernd. Jbr wurde plötzlich alles wieder leid: sie war zu müde.Wenn Heinz nicht mitgeht, bleibe ich", erklärte sie eigensinnig.

Nosemarie erschrak. So nahe an dem Zie> sollte sic schei- tcrn? Ihre Abneigung gegen die Schwägerin wuchs rie­sengroß. Aber sie nahm sich zusammen und redete ihr freund­lich zu, tapfer zu sein.

Heinz wird Dich jeden Sonntag besuchen, Erna bringt ihn Dir."

Mary reichte dem Mädchen die fiebernde Hand.

Versprichst Tu n,ir das fest?"

Erna nickte.

Wenn Du mir dagegen versprichst, vernünftig zu sein,"

Mary schwieg und lieh sich fertig ankleiden. Erna hatte die gaiize Nacht benutzt, ihr zuzureden und sie hoffnungs­voll zu stiuimcn. Ein wenig hielt die Stimmung noch an.

Der Doktor kam, um Abschied zu nehmen: dann brachte man Heinz, den die Mutter nicht loslassen wollte. Endlich stieg sie in den Wagen und sank neben der Schwägerin in

die Polster.

Roseniarie wußte ihr« ganze Kraft aufwenden, die Kranke in das Abteil zu befördern. Mary tvar bedeutend schwächer, als sie gedacht. Das Mitteln de? Wagens quälte die Arme, die aber zum Glück bald schlummerte und erst nach einer Stunde am Ziel der Fahrt erwachte.

Nur wenige Wartende füllten den Bahnsteig, unter ihnen zwei fchwarzgekleidete, mit Weißen Hauben und Schürze» geschmückte Mädchen von wenig vertrauenerweckcn- dem Aussehen.

Sie stürzten gleichzeitig auf Rofemarie Scbckkd zu, die, nachdem sie die erschöpfte Mary ruhig sitzen zu bleiben ge- beißen, ausgestiegen war und sich erwartungsvoll rnnsah.

Sind Sie Fräulein Sebald?" fragte die Aeltere der Beiden in dreistem Tone.

Nosemarie nickte nur.

Herr Doktor schickt uns, im Falle die Kranke Wider­stand leistet: der Wagen steht an der anderen Seite."

Peinlich berührt wandte die Angcredete sich Mary zu. Zum Glück hatte sie nichts gehört. Sie half ihr beim Aus­steigen, bedeutete die Mädchen, voranzugehen, und folgte mit der Kranken und dem Träger mit dem Gepäck zu den: vor der Rampe harrenden Wagen.

Nachdem Mary untergebracht und ihre Schwägerin ihr gefolgt war, wollte sic die Wagcntllre schließen. Das ältere der beiden Mädchen kam ihr zuvor.

Gnädiges Fräulein werden verzeihen ich fahre mit. Ans Wunsch des Herrn Doktor", fügte sie hinzu.Wir holen die meisten Kranken ab."

Nosemarie sah Mary von der Seite an. Hatte sie die ominösen Worte gehört? Es schien nicht. Anscheinend in ihre alte Apathie versunken, hielt sie die Angen geschlossen, bis der Wagen nach einer halbstündigen Fahrt durch eine bähe Pforte in einen von mächtigen Gebäuden umgebenen Hof fuhr.

Das Haupthaus, in rotem Sandstein aufgeführk, zeigte hohe, vergitterte Fenster, die ihren Eindruck selbst auf Rose- marie Sebald nicht verfehlten. Einen Augenblick kämpfte sic mit sich selbst, die Schwägerin wieder mitzunehmen. Doch zum llcberlcgen war es zu spät. Das Mädchen hob Frau Sebald auf ihren kräftigen Armen empor und trug sie wie ein kleines Kind über die Schwelle des unheimlichen Baues.

Die Tür eines weißgetünchten Zimmers war angelehnt. Ein einfacher Tisch, Stühle an den Wänden, eine gedruckte Hausordnung neben der Türe war alles, was der riesige Raum enthielt.

Ermattet sank die junge Frau in den nächsten Stuhl und schlug die schönen Augen flehendlich zu ihrer Schwäge­rin auf.

Ich fürchte mich, Nosemarie", sagte sie leise.

Ehe diese antworten kennte, öffnete sich die Türe und ließ einen bochgewachsenen, noch jugendlichen Herrn ein, der sich als Doktor Zöllner, Direktor der Anstalt, vorstellte und seine Worte ausschließlich an die ältere Dame richtete. Marys Gesicht streifte er mit einem prüfenden Blick.

Laß »ns fort, Roseniarie: ich habe mich anders be- sonnen", flüsterte Mary ängstlich.Wo ist den eigentlich der Herr Prokcssor?"

Nosemarie konnte nickst antworten. Der Doktor war ihr nabe getreten und fragte sie in halblautem, hartem Tonc: Haben Sie die Papiere?"

Sie sah ihn erstaunt und hsttloS an. so daß der junge Aizt seine Frage wiederholen mußte,Ich meine, ob Sie ein ärztliches Zeuanis baben?"

, Ich denke, ich schrieb Jenen, daß sich meine Schwäge­rin für einige Zeit Ibrer Aufsicht anvertranen möchte,"

Icki weiß, ich weiß", unterbrach er sie,Sic haben Angst und fürchten, dah Ibr Schwägerin . . ."

Sein ausdrucksvoller Blick fuhr über die Leidende hin und ließ sie erzittern.

Ich will zu Herrn Professor Fcnchtwangen", rief Mary weinerlich.Er bat mich ei,-.geladen, ich will zu ihm. Wenn einer mir helfen kann, so ist er cs."

Doktor Zöllner unterdrückte ein ironisches Lächeln: wi:- der wandte er sich mit seiner Antwort an Nosemarie, als eb die Jüngere nicht existiere.

(Ferlietzung folgt).

Kirchliche Anzeigen.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag Lätare, 22. März.

Gottesdienst in der Stadtkirche.

Bormittags Uhr: Herr Pfarrer Klcbcrger. Benutzung der niederen Kanzel.

Mitwirkung der Chorschule. Anschließend Beichte mu­tz l. Abendmahl mit Einzclkelch.

Nachm. 2 Uhr: Herr Kandidat Ztmmermann.

Gottesdienst in der Burgtirche.

Borm. 11 Uhr: Kindcrgottcsdicnst: Herr Psr. Ritter. Nachm. 5 % Uhr: Herr Psarrer Ritter.

ISottesdienst in Fauerbach.

Bormittags 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzman».

Nachm. 1 Uhr: Jugcndgottesdienst.

Katholische Gemeinde Vierter Fastensonntag, 22. März.

Gelegenheit zu beichten Samstag nachmittag von 4 Uhr, Sonntag früh von %6 Uhr an.

A7 Uhr: Frühmesse.

8 Uhr: Mllitärgottcsdicnst (Singmesse und Predigt).

AIO Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachm, 2 y, Uhr: Fasteknuidacht,

Mittwoch, am (nicht gebotenen) Feste Mariä Berlilndlg- »ng, ist wie die vorige Woche am Joscsstag um y,7 Uhr ein feierliches Hochamt für die Psarrgcmeinde. Die in der Fasten­zeit üblichen Andachten am Dienstag und Freitag Abend sind wie in den vergangenen Wochen.

Feierabend Friedberg.

Jeden Sonntag abends von 8^10 Uhr Versammlung.

Sonntag, den 22, März: Vortrag:Das Handwerk einst und jetzt".

Feierabend" Im Stadtteil Fauerbach.

Jeden Sonntag: Spiel- und Leseabend

Bereinigte Stadttheater Franlsurt a, M. Opernhaus,

Sonntag, den 22. März, "abends 7 Uhr:Eugen Onegin". 21. Vorstellung im Sonntag-Abonn, Große Preise.

Montag, den 23. März, abends halb 8 Uhr: Abonnements- Vorstellung für den am 27, November 1913 ausgefallenen Don­nerstag:Der fliegende Holländer". 20. Borstellung im Don- nerstag-Abonn, Große Preise.

Dienstag, den 24. März, abends halb 8 Uhr:Die Zaubcr- slöte". 21. Borstellung im Dienstag-Abonn. Gew. Pr.

Mittwoch, den. März, abends halb 8 Uhr:Polen­

blut". Außer Abonn, Gew. Pr.

Schauspielhaus,

Sonntag, den 22, März, abends halb 8 Uhr:Die Tango­prinzessin". Außer Abonn, Gew. Pr.

Montag, den 23. März, abends 8 Uhr:Der Meineid­

bauer". 21. Vorstellung im Moittag-Abonn. Gew. Pr.

Dienstag, den U. März, abends 8 Uhr:Der alte Dürger- kapitän". Hierauf:Dodgeschojfe". 21, Borstellung im Dien»- rag-Abonn. Gew. Pr.

Mittwoch, den 23. März, abends 7 llhr:Egmont". lg. Vorstellung im Mlttwoch-Adonn. Gew. Pr.

Spiclplan des Stadtthcaters in Gießen.

Sonntag, den 22. März, nachm, halb 4 Uhr:Altheidcl- bcrg". Kl. Pr. Abends halb 8 Uhr:Wie einst im Mai". Gewöhnliche Preise.

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