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'lummer 61> Dounrrsiay, den 10. März 1014. 7. Iai,ryaug

' ICJ:»uc Sage»»»»«,«?- » chetnt ,eden Werltag. Negelmaßigi Beilagenver Kauer au» Kessen",vir Spinultulir". Keiugaprei«: Be, den Postanstaltcn v,er,eln>hrt,ch Btt. 1.95 i>ei den Agenten monallich 50 Ptg. k>in,u leitt Postgebühr oder Trägerlohn. Anieigen: «Srund,eile M Psg.. lolale 15 Psg, An,eigen von auswärts werden durch Po tnachnahme erhoben Ersüllungsort Frledberg. SchriNleitnug und Verla, Frledberg (yessenl, Hanauerstraße 12. Femlprechei 48. Postschess.Conio Nr. 4859. Amt Franlsurt o. M.

^lebersicht.

In politisch» Kreisen tritt seit einigen Tagen mit immer größerer Bestimmtheit das Gerücht auf, daß der Minister des Innern, Herr v. Dallwitz, zum Statthalter vor, Elsaß Lothringen ausersehen sei.

In österreichischen Abgeordnetenkreisen ist eine Aktion tm Gange, um die Regierung zu veranlassen, mit Rücksicht cmf das Verhältnis zu Ungarn und die Beschaffung der Stootsnotwendigkeiten die Parlamentskrisis abzukürzen und im Juni das Abgeordnetenhaus zu einer neuen kurzen Sommersession cinzuberuien.

Ein Unwetter wütet an der französischen Nordküste rnit großer Gewalt und richtet überall großen Schaden an. Die Schiffahrt ist vollkommen unterbrochen. 15 Dampfer liegen im Hafen und können nicht ausfabren.

In der russischen Kommission für Prelle und Litera- 4"r wurde gestern eingehend über de» Besuch Minderjähriger in den Kinematographcn Thcatern verhandelt. Die Kom- »lillian beschloß schließlich, den Minderjährigen den Besuch

er Kinos von jetzt an zu untersagen.

Aus Eawcs (JSle of Wight) wird gemeldet, daß das isrullche Schleppboot mit der Besatzung des auf der Fahrt von Hamburg *ach Poole gesunkenen DreimastersBalder" vor! eingetrofsc» ist. Die Besatzung desBalder" bestand neisiens auS Deutschen, während derBalder" selbst unter englischer Flagge segelte.

Man erwartet in Konstantinvprk die Entsendung klnrs montenegrinischen Sondcrdclcgicrtcn, um auf der lBoliS des türkisch-serbischen FriedcusvertrageS nunmehr auch den türkisch montenegrinischen Fricdensvertrag abzuschließen.

Nach einem Telegramm aus Giudad Juarez dauern die Kämpfe zwischen den Föderierten und den Truppen des BlcnernlS Pillan an und zwar in der Nähe von Torrean. Wie verlautet, sollen die Bundestruppen bisher siegreich ge- rvesen sein.

kaltrlsiiimmig in der Somldtmkralie.

So sehr die sozialdeniokratische Partei auch darüber hin- j »vegtüuschen will, es geht bei ihr nicht mehr, wie sie es I nerne mochte. Die jugendlichen Stürmer sind nicht mehr, die Begeisterung ist gewichen und statt dessen mästen sich rundliche I Nummern an der wohlgefüllten Parteikrippe, Papageien, die I lüs zum Ueberfluß das auswendig gelernte Sprüchlein von I l r Verelendung des Volkes und der Knebelung der freien I Meinung hersagen. Heute ist es mehr der Terror, die Furcht I cv-n Bovkottierung, die ihre Genossen zusammenhält, als der l innere Drang, der früher so mächtige Glauben an eine an- I d -re Zukunft. Die Führer sind sich auch dessen bewußt und ! sie suchen mit allerlei Larifari ihre Genossen über die schwin- I deuden Ideale hinwegzutäuschen. Dazu gehört die rote I Woche und deren angebliche Erfolge. Der ganze rote Blätter- » i vald rauscht davon, in mächtigen Ziffern, an die Reklame der ! ...goldenen 110" erinnern, wird de» Mitglieder- und Abon- L > u ntenzuwachs dey staunenden Genossen verkündet. Dabei I k weilt schon die ganze Veranstaltung derroten Woche". 1 ivf; die Partei außergewöhnliche Anstrengungen nötig hot, « ui vorwärts zu kommen. Auch die angeblichen Erfolge

> > allen gar nichts besagen. Wenn man einem alten Schimmel

t» p-ar Geißelhiebe verseht, da kommt er auch einmal den I ' -rg hiniiber, deshalb haben seine Kräfte doch nicht zuge-

iicmmen.

Daß es mit der Sozialdemokratie zum mindesten nicht

> rnchr vorwärts geht, das haben so recht die Wahlen zu klei- I icrct Verwaltungskörpern gezeigt, wo es der Sozialdemokra- I l- früher gelang, sich einzunisten und die Herrschaft an sich zu F reif-,- n. Hier hätten die roten Mundhelden zeigen können, I -, sie können. Fast überall aber ist der Erfolg der, daß I die Betroffenen alle Hebel in Bewegung setzen, um sich der f un Kesseln zu entledigen.

Ein Beispiel dafür sind die Ortskrankenkalsen. An ; Ten Orten endeten selbst in den Arbeitnehmerklossen die '-ölen mit einer vollständigen Niederlage der seitherigen I ' len Gewalthaber^ noch zahlreicher sind die Fälle, wo die k Gegner der Sozialdemokraten so starke Minderheiten stellen, I daß sie im Verein mit den Arbeitgebern, die sozialdemokro-

I t-siche Herrschaft niedergerungen haben.

Tie GemeinderatSwahlcn, die am Ende des vorigen Jahres im Grobherzogtum Hessen stattgefundcn haben, be­stätigen diese Erscheinung. Sozialdemokratische Hochburgen, iv-ie Vilbel, Wieseck, Neu-Isenburg, Urberach, Eberstadt, Ar-' [Hilgen u. o. sind gefallen. Tort ist die Arbeiterschaft in einer solchen Mehrheit, daß der bürgerliche Sieg nur darum , » möglich war, weil zahlreiche Arbeiter, der sozialdemokratischen s Tevo-mundmig müde, ihre Stimmen den nationalen Kandi- ualcn gegeben haben. Nirgends wo ist ein Vorwärtskommen s Der Roten zu erblicken, wohl aber sind in einer ganzen An- I hl von Gemeinden die errungenen Stellunoen wieder ver- I oren worden

Gegenwärtig finden in Hessen-Nassau die Gemeindev-r- trcterwahlcn statt. Tort wird in drei Klassen gewählt. Tie dritte Klasse wird zumeist von Arbeitern gebildet. Im Großherzogtum Hessen herrscht auch bei den GemeinderatS- wahlen das gleiche Wahlrecht, hier besteht die Möglichkeit, und sie ist auch vielfach eingetreten, daß die Roten die ganze Gcmcindeverwallung beherrschen konnten. Diese Gesahr be­steht in den hessen-nassauischen Gemeinden kaum, meistenteils entsendet nur der dritte Wahlkörper Sozialdemokraten in den Gcmeinderat Und doch finden wir selbst in diesem Wahl­körper dieselbe Erscheinung wie bei den hessischen Gemeindc- ratswahlen : hinaus mitderSozialdemokraiiel

Schadenfreude ist kein schönes Gefühl, aber man hat sie, wenn man die Berichte über die Ergebnisse in der Frankfurter Dolksstimme" liest.

Am Samstag waren im lokalen Teil des roten Or­gans folgende Ueberschriften zu lesen:Stierstadt. (Wahlniederlage.)" Dort wird mit Wehmut ein Rück­gang von 1-1 Stimmen festgestellt und den Genossen Gleich­gültigkeit vorgeworfen.Seulberg. (Trauriges Wahlergeb ui s.)" Von ungefähr 0070 organisierten Arbeitern hätten nur 9 ihr Wahlrecht ausgeübt.H o r n a u i. T. (Ein schlechtes Wahlergebni s.)" Mit 28 bezw. 26 Stimmen seien die Genossen den Bauernkandidaten mit je 44 Stimmen unterlegen. Die Montagsnummer der Dolksstimme" enthielt folgende Stichmarken:Klein-

Schwalbach. (Eine Wahlniederlage.)" In die­ser sozialdemokratischen Hochburg siegte das Zentrum in der dritten Klasse mit 97 gegen 87 Stimmen, während vor zwei Jahren das Verhältnis 97 Sozialdemokraten und 66 Zen­trum war. Weiter:Sulzbach i. T. (Trauriges Wahlergebni s.)" Dort erhielten in der dritten Klasse die Bürgerlichen 74 und die Genossen 50 Stimmen. Die gestrige Nummer derVolksstimme" berichtet aus Rup­pertshain unter Wahlniederlage, daß das Zen­trum gesiegt habe, ebenso, daß in der arbeiterreichen Ge­meinde Schwanheim a. M. ebenfalls ein Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen zu verzeichnen ist. Sehr an- mutig lautet es da:

Es kann aber heute schon gesagt werden, daß wir die­ses Wahlresultat in der geradezu beispiellosen Versimpe­lung der Schwanheimer Arbeiterschaft durch die bürger­lichen Klimbimvereine zu suchen haben."

Wir möchten das Geheul hören, wenn sich ein Blatt bürgerlicher Richtung erlauben würde, von derbeispiel­losen Versimpelung der Arbeiter" zu reden. UcbrigenS ist die Sozialdemokratie mit ihrer Jereminade noch nicht am Ende, heute lesen wir:Köppern. (Kein Wahlerfolg.)" Auch dort ist die Sozialdemokratie in der dritten Klasse unterlegen. Niederlagen in der dritten Klasse hat die Sozialdemokratie weiter zu verzeichnen in Nie­derdorfelden, in Bruchköbel, in Roßdorf und in Hochstadt, sämtlich im Kreise Hanau. Bemerkenswert ist der Sieg der bürgerlichen Partei in dem großen Jndustrievorort von Frankfurt in Griesheim a. M., wo die Roten in der dritten Wählerklasse jahrelang unumschränkt geherrscht hatten. Ebenso erfreulich ist die rote Niederlage in dem großen Mainflecken Flörsheim, wo dieses Mal das Zen­trum in der dritten Klasse mit 566 Stimmen den Sieg er­rang, während die Sozialdemokraten, die vor 2 Jahren sieg­reich blieben, nur 311 Stimmen auf sich vereinigen konnten.

Hoffentlich kann dieDolksstimme" die Berichte über Niederlagen in denTorfparlamenten" ,,och weiter fort- setzen. Dieser Ausdruck ist überhaupt bezeichnend für die sozialdemokratische Berichterstattung. Aus dem guten, deut­schen Gemeinderat macht man ein Dorsparlament. Parla­ment kommt vom französischen parier, das heißt schwätzen. Die Roten gehen also von der richtigen Erkenntnis aus, daß ihre Genossen bestrebt sind, aus dem Gemeinderat eine Schwahbude zu machen.

Das erwerbstätige Volk aber ist es müde geworden, sich an den berufsmäßigen Volksverheher, etwas verschwätzen zu lassen, die ihm Steine statt Brod bieten. Daher die Nieder­lagen bei den Gemeinderatswahlen, die wir als den Anfang zum Besseren begrüßen.

August Bebel.

Zu unserem vorgestrigen Artikel:August Bebel", schreibt uns ein Freund aus Wetzlar:

Wie wenig groß und wie wenig deutsch August Bebel war und wie er sein Leben lang alle Einrichtungen, denen er als gewissenhafter Mensch zu größtem Danke hätte verpflich­tet sein müssen, bekämpft und beschimpft hat, das weiß man hier in Wetzlar besser, als anderswo. Hier ist er als kleines Kind mit seinen Eltern hcrgekommen und als ihm der Tod dieselben entriß, da war es das hiesige Hospital, eine kirch- liche Stiftung, das sich seiner annahm. Dasselbe hat ihn groß gezogen und wo es während dieser Zeit und auch später noch gefehlt hat, da haben Wetzlarer Kleinbürger- und Hand-

werkersamilien den verlassenen Waisen unterstützt. Wohl hatte die damalige Zeit noch nicht die sozialen Einrichtungen alle, wie wir sie heute besitzen, aber Christentum und Bürger tum hat trotzdem dem Verwaisten durchgeholfen und ihn später bei dem alten Drechslermeister Kornder hier auch ein Handwerk lernen lassen, das ihm sein weiteres Fortkommen crmöglichte. Wie aber hat Bebel seinen beiden Wohltätern, dem Bürgertum und dem Christentum, die Barmherzigkeit, welche sie dem elternlosen Knaben erwiesen, gedankt? Sein ganzes Leben hat er darauf verwandt, diese beiden Wohltäter zu bekämpfen. Dem deutschen Bürgertum hat er den Unter­gang geschworen und cs mit dem französischen Namen Bour- goisie belegt, auch ist bekannt, wie er über das Christentum gedacht hat.Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen"!, waren seine Lieblingsworte, wenn er auf's Christentum zu sprechen kam und seine Zusammenstellung von Junker und Pfaffen lebt heute noch in seiner Partei fort. Das Bürgertum wollte er, gleich Robespierie, durch die Tik- tatur de? Proletariats ersetzen und mittelst derselben auch die Throne stürzen und sein Ideal, die rote Republik errichten.

Doch, noch wachsen die Bäume nicht in den Himmel. August Bebel ist dahin gegangen, aber Deutschtum, Christen­tum und Bürgertum, werden auch weiterhin in der Welt ihrer Aufgabe gerecht werden und in eherner Ruhe dem Sturme trotzen, den Bebels Partei gegen sie entfacht. Nicht gilt es mir, das Andenken eines verstorbenen Politikers zu verunglimpfen, aber die Wahrheit muß gelten und die Re­dakteure des sozialdemokratischen Speikastens sollen wissen, wie trotz ihres politischen Roten-Wochen-Ausverkaufs, Leute denken, die ganz genau Bescheid wissen.

Preußilcher Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch teilte vor Eintritt in die Tagesordnnnk Präsident Gras v. Schwerin dem Hause die Geburt eines Thronfolgers am braunschweigischen Herzogshause mit. Das Haus ermächtigte den Präsidenten, dem Herzogspaare die Glückwünsche auszusprechcn.

Bei Beratung des Eienbahnetats ging zunächst

Minister v. Breitcnbach auf die gestern geäußerten, ver­schiedenen Wünsche ein. Eine Eisenbahndirektion in Dllssel- dorf könne nicht errichtet werden. Die neue Lohnordnung, die allgemein als Fortschritt anerkannt wird, trete am 1. April in Kraft, die Ausgleichszulogen würden 1914 bedeu­tend erhöht werden. Die Löhne der Oberbauarbeiter seien um 38 Prozent erhöht worden. Gern sei die Verwaltung be­reit, mit den Vertretern der eigenen Arbeiterverbände zu verhandeln, nicht aber mit Vertretern anderer Verbände Ausführlich verbreitete sich der Minister dann über da? ge- forderte Staatsarbeiterrecht. Dies könne nicht zugebilligt werden. Die Staatsarbeiter seien in jeder Beziehung gün­stiger gestellt als die Arbeiter in Privatbetrieben.

, Abg. Lcincrt (Soz.) übte Kritik an verschiedenen sozial Einrichtungen der Verwaltung, die, wie die Ruhetage, meist nur auf dem Papier ständen.

Präsident Graf v. Schwerin Läwitz ersuchte die nun fol­genden Redner, sich möglichst kurz zu fassen, um den Etat schnell zu erledigen.

Abg. Schmidt-Conz (Zentr.) erkannte die Lohnpolitil des Ministers an, wünschte aber, daß noch mehr als bisher an die Arbeiter Land verpachtet würde zur eigenen Lebens­mittelproduktion.

Abg. Or. Gottschalk (natl.) erkannte die Verbesserungen die durch die neue Lohnordnung geschaffen werden, an und trat für eine Neuregelung der Dienstzeit der technischen Be amten ein.

Minister v. Brritenbach ging auf die angeschnittene- Frage der Nebenbeschäftigung der Beamten ein. Diese müß­ten sich auch bei schriftstellerischer Betätigung immer bewuß' sein, daß ihr Beruf nicht vernachlässigt werden dürfe. Nach Möglichkeit solle das Privatunternehmertum in der Ver waltung, so auf den Güterböden und in der Gepäckabfer­tigung, ausgeschaltet werden. Bei der Vermehrung der etats- mäßigen Stellen würde Schritt gehalten mit der Dermeh rung des Personals. Don 1911 bis 1912 seien die Arbeiter erheblich im Lohn aufgebcssert worden, z. T. im größeren Maße als die Unterbeamten. Abg. Leinert solle den Mut haben, seine Behauptung, daß unter der Aegide eines Bahn- hcssvorstehcrs die Unfälle in dessen Bezirk erheblich zuge- nommen hätten, außerhalb des Hauses zu wiederholen oder zu widerrufen. Der Minister müsse die Beamten gegen der­artige, unbewiesene Ncrdächftgungen in Schutz nehmen.

Abg. Pr. v. Kries (kons.) dankte dem Minister für die Ablehnung der Forderung nach einem Staatsarbeiterxecht und für die dem Abg. Leinert erteilte Mftwr.-rn'lnefem Sinne sprach sich auch Abg. Pr. König (Zentr.) aus.

Nach weiterer, unwesentlicher Aussprache, vertagte lick- das Haus auf Donnerstag 11 Uhr: Fortsetzung

Schluß nach 5 Uhr.