Nr. «4
Re,c Tageszeitung. Dienstag, den 17. März 1911.
Seite 3.
'Jiofct aus Aachen und Anna Voll aus Wiesbaden das von hier Herrschaften in sie gesetzte Vertrauen. Letztere unter- ichlug ihrer Diensrherrin einmal 100, einmal 66 Marl und siahl eine Brosche. Die Moser maust- in ihrer Stellung eine Unmenge goldene und silberne Schmucklachen, silberne Messer und Ellbein. Wäsche usw., wahrend die Obst zweimal 20 Mark, Sihmullsachcn und Wäsche stipitzte. Die Schössen nahmen di- Obst in eine, die Voll in zwei und die Moser in 5 Wochen Ge- sängnis.
7?. C. Wic-baden, 16. März. In der am 12. und 13. März im Lcmdechaus zu Wiesbaden unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters a. D. Or. v. Jbell und in Anwesenheit de? Obervräsrdenten Erzessenz Hengstcnbcrg stattgesundenen Tihnng des Landes-Ausslhusscs wurden folgende Defchlüffe ton allgemeinem Interesse gefaßt: Ter Gemeinde Hambach f.Qrci5 Untcrlahn) wurden zum Umbau ihrer bestehenden Lanswasserleitung in eine Hochdruckwasserleftung ein Tar- lrhen von 4000 J! aus dem Meliorationsfonds, der Kranken- t ftegesiation Massen (Kreis Biedenkopf) die bisherige jährlich? Beihilfe van 200 ,V vom 1. April 1915 ab und auf weitere fünf Jahre gewährt. Der Arbeiterkotonie Neu- »lrichstein in Oberhefsen wurde wie in früberen Jahren eine Neil iise von 1500 M für 1913 bewilligt. Für Züchtung und Veredelung der Rindviehrassen im Gebiete des Regierungs- l ezirks Wiesbaden wurden, wie in den Vorjahren, auch für des Rechnungsjahr 1913 10 000 den einzelnen Züchcerver- einigung im Bezirk zur Verfügung gestellt. Tie zweijähri- gen Zinsenerträge der Wirth'schcn Stiftung für Taubstumme i» Höhe von 600 wurden einem taubstummen Schuhmacher in Arzbach (Kreis llnterwefterwald) zur Begründung eines eigenen Geschäfts zugewandt. Dem Taubstnmmcn- lehrer TiggcS in Eamberg erteilte der Landesausschutz die rachgci.Ästc Entlassung aus dem Dienste des Bezirksverbon- ?es mit dem 1. April d. I. Die der llebergangsstation für entlassene Strafgefangene zu Frankfurt-Erkenheim gewährte Jahresbcihilfe von 1500 J( erhöhte der Landesausschuß vom I. April d. I. ab aus 2000 Jl. Ein Gesuch des Rheinischen Verkehrs-Vereins Coblenz um Bewilligung einer Jahresbeihilfe verfiel der Ablehnung. Für die geplante Herausgabe einer Sammlung der deutschen Volkslieder bewilligte man eine Beihilfe von je 1000 M auf sechs Jahre. Sodann wurde der dem <3. Kommunallandtag zur Genchniigung vorzulegcnde Voranschlag des Bezirksvcrbandes für das Rechnungsjahr 1914 im Entwurf beraten und festgesetzt. Er balanziert in Einnahmen ums Ausgaben mit 5703 200 M. In die Fürsorge des Nassauijchen Centralwaisenfonds wurden vier Kinder ans Berstadt, ein Kind aus Frauenstein, drei Kinder aus Montabaur und ein Kind aus Oestrich auf-
* Westerburg, 16. März. Beim Verladen von Steiublöcken wurden einem italienischen Arbeiter durch einen Block beide Beine zerschmettert.
* Marburg, 17, März. Die Strafkammer verurteilte den Zigeuner Andreas Wagner, der vor einigen Jahren in Wittelsberg einen Landwirt angefchossen hatte, wegen Körperverletzung zu 2 Jahren Gefängnis. Es ist dies derselbe Zigeuner, der in der Verhandlung gegen Ebender als Zeuge vernommen wurde. Er behauptete damals und auch heute, Meier zu heißen und stamm« aus Lyon in Frankreich. Die ihm heute zur Last gelegte Tat stellte er in Abrede.
* Cassel, 16. März. Ein grober Unfug wurde in einer der lettzen Rächte in Wolssanger bei Cassel verübt. Rach 16 Uhr obends warfen zwei Leute eine mit Pulver und zerhacktem Blei gefüllte Messinghülse in ein Zimmer der ersten Etage eines Hauses in der Bismarckstratze. Die Hälfte explodierte unter donerähnlichem Knall. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, obwohl ein Kind in dem betreffenden Zimmer schlief. Den Tätern ist man auf der Spur.
* Kreuznach, 17. März. In den umliegenden Ortschasten Hargesheim, Seibersbach, Spabrücken und dergl. werden die Diebstähle in Unruhe gesetzt. Run ist es gelungen, der Diebe babhast zu werden, und zwar ist es der 66 Jahre alte Fritz Barth aus Dalberg, ferner ein ebenfalls 86 Jahre alter Belgier und ein 21 Jahre alter Bursche aus Mayen, die sich alle drei im Zuchthaus kennen lernten. Das sauber« Kleeblatt wurde nach Etromberg ins Gefängnis gebracht.'
Ans Rheinhessrn.
* Mainz, 17. März. Die Vereisung der Rechtsanwälte Dr. Pagcnstccher und Dr. Schmitt gegen das Urteil des Kreisaus- ichusscs Mainz in Sachen der Mainzer Stadtverordnetenwahl gelangt am 23. März, vormittags halb 16 Uhr, im Kreisamts- gcbäude vor dem Provinzialausschutz der Provinz Rheinhessen zur Verhandlung.
* Rhein-Dürlheim, 17. März. Hier wurde eine männliche Leiche gelandet. Da die Leiche eine schwere Kopfverletzung auswies, ordnete das Gericht die Sektion an. Sie führte zu dem Ergebnis, daß offenbar der Eeländete auf verbrecherische Art ins Wasser gelangt ist. Es handelt sich um den am 6. Dezember 1676 zu Stuttgart geborenen ledigen Elektrotechniker Eugen lnscll. der dort in der Alexanderstratze 75 wohnte. Esell ist am 22. Dezember 1613 von Stuttgart auf eine Geschäftsreise gegangen und von ihr nicht mehr zurückgckehrt. Grund zum Selbstmord eischeint ausgeschloessn. Tic schweren Verletzungen las-
'i! darauf schließen, daß Kjell offenbar einem verbrecherischen 'Anschlag zum Opfer gesallen und dann ins Wasser geworfen worden >it. Der Uebcrzieher sowohl als auch die Zacke fehlten. Die Leich« mutz mindestens schon zehn bis zwölf Wochen im
' er gelegen haben.
Ans aller Welt.
Selbstmord im Badezimmer. Auf grausige Weife hat in Mannheim die Frau des staatlichen Prüfungskommissars Kunkel Selbstnwrd begangen. Sie begab sich ins Bade- zimmer, entkleidete sich und goß dann in die Badewanne Petroleum und Benzin, worauf sie dieses anzündete. Die Hausbewohner fanden einige Minuten spater nur noch ihre verkohlte Lcicha.
Vor einigen Tagen wurden von der Telcfunken-Groß- Station Nauen Versuche angestellt, die eine klare Verstau-
Flucht eines Grsangenen. Eine aufregende Szene spielte sich im Gerickitsgebäude ab. Der Schreiner Hermann Aemerisch, der in Gemeinschaft mit mebrcren Komplizen in Kassel eine Anzahl Einbrüche verübt hatte, sollte von der Verhandlung in seine Zelle zurückgebracht werden. Es gelang ihm, seinem Wärter zu entlaufen und auf die Straße zu flüchten. Trotz der sofort anfgenommenen Verfolgung durch mehrere Gcfüngnisbeamtc ist der Verbrecher entkommen.
Exzessen in Berlin. Freitag Nacht kam es in der Saar- brückcrstraße im Norden Berlins zu schweren Exzessen, in deren Verlauf die Kriminalbeamten Ludwig und Rhein von ihren Schußwaffen Gebrauch machten und die Kutscher Knsagk und Heitb schwer verletzten.
Studentenschlacht. An der Handelshochschule in Triest kam es zwischen italienischen und südslawischen Studenten zu blnftgen Zusammenstößen. Zwischen den beiden Parteien besteht seit langer Zeit ein Konflikt, der vor kurzem bereits zu Schlägereien führte. Gestern kam es nach Schluß der Vorlesungen wiederum zu argen Tumulten, bei denen auf beiden Seiten von Revolvern und Stöcken Gebrauch gemacht wurde. Die Slldslawen, die in der Minderzahl waren, wurden von den Italienern überfallen. Darauf zogen die Süd- stawen ihre Revolver und verletzten mehrere Studenten schwer. Auf Seiten der slawischen Studenten wurde durch Stockhiebe und Revolverfchüffe fünf Studenten nicht unerhebliche Verletzungen beigebracht. Die Polizei mußte ein- schreiten und die Kämpfenden auseinander treiben. Die Hochschule wurde geschlossen.
Vom Wahnsinn befallen. Nach einer Reutermeldung au? Melbourne ist Sydney Jeffreys, der die Polarerpedition MawfonS als Sachverständiger für die drahtlose Telegraphie begleitete, irrsinnig geworden. Man fand ihn auf einem Felde umherirrend vor. Er befand sich in furchtbarem Zustand«, da er bereits seit 6 Tagen keinerlei Nahrung zu sich genommen hatte. Die Expedition Mawfon war die erste, die vernnttelst drahtloser Telegravhie viährend der ganzen Tauer der Reise mit der übrigen Welt in Verbindung blieb.
Sparsame deutsche Scesoldaten. Anfang vorigen Jahres ist das 3. Stamm-Scebaiaillon von Wilhelmshaven nach Cuxhaven verlegt worden, was natürlich in mancherlei Weise auf die dortigen allgemeinen Verhältnisse eingewirkt hat. Am unerwartesten aber auf die Svarkaffe des Amtes Rrtze- büttel in Cuxhaven. Wie es nämlich jetzt im Jahresbericht dieser Svarkasse für das Jahr 1913 heißt, hat die Zahl der vkuangelegtcn Konten bezw. neuausgegebenen Sparbücher eine Steigerung uni 2708 erfahren, wovon allein 1698 mit 19 420 M auf Angehörige des 3. Staimn-Seebataillons entfallen!
Kronprinz und Invalide. Donnerstag früh, als der Kronprinz sich nach dem Generalstab am Königsplatz begab, kom in der Nähe des Gebäudes ein Invalide auf ihn zu und hielt ihm eine Bittschrift entgegen. Ter Kronprinz nahm das Schriftstück an und öffnete das Kuvert. Er überflog den Inhalt — der Invalide bat um eine Anstellung — und sagte dem Bittsteller, daß er sehen werde, ihm zu helfen.
Großseuer. Während der Freitag Nacht wurden durch ein verheerendes Großfeuer in dem Dorfe Höngeda bei Mühfhansen in Thüringen 8 Banerngehöfte und eine Gast- wirffchaft vollständig eingeäschert. Nach oberflächlicher Schätzung bettägt der Schaden rund 100 000 M. Die ©nt- stehungsnrsache des Brandes ist noch nicht aufgeklärt.
Im Kampfe mit Einbrechern. Eine Bande internationaler Geldschrankknacker, die von Berlin zugereist war, wurde r.nf dem Magdeburger Güterbahnhof im Kontor einer großen Svedittonsftrma von Angestellten der Wach- und Schließ- gesellschnst bei der „Arbeit" ertappt. Als die Beamten mit der herbeigerufenen Polizei eindringen wollten, wurden sie mit Schüssen empfangen. Dann ergriffen die Einbrecher die Flucht, wobei sie immer auf ihre Verfolger schossen. Ein Rangiererer und ein Schutzmann wurden durch Revolver- (chüssc schwer verletzt und mußten dem Krankenbause zugc- führt werden. Die Derbrecher entkamen! doch ist man ihnen auf der Spur.
Woher stammt unser Ossizierkorps? Es ist in der letz- tcn Zeit wiederholt behauptet worden, daß unser Offizier?- korvs sicü beute noch Lenau wie vor hundert Labren in der
digung mit der Station Saycille !m Staate Ncwyork ergaben. Die Entfernung beträgt 6400 Kilometer.
Hanplsache aus Mitgliedern der adligen grnndbcsihendcn Familien znsammensetzt. An der Hand amtlicher Statistiken kann aber nachgewiesen werden, daß diese Behauptung den Taffachen nicht enffpricht. Etwa 10 Prozent unserer deutschen Offiziere stammen vom Lande und gehören ihrer Abstammung nach dem Großgrundbesitz an, 5V> Prozent sind Söhne von Unteroffizieren und unteren und mittleren Beamten. Die übrigen rund 85 Prozent bestehen aus Söhne» von höheren Beamten, Offizieren, Akademikern und Fabrikanten. Diese 85 Prozent wieder verteilen sich so, daß runA 60 Prozent davon aus Offizierskreisen, Staatsbeamten und akademischen Berufen stammen, während 15 Prozent ans die Industrie und der Rest auf sonstige Berufe entfallen. Aus diesen Zahlen geht zue Genüge hervor, daß es falsch wäre, von einem Reservat des Offizier berufts für bestimmte Klassen zu sprechen. Unser deutsches Offizierskorps rekrutiert sich aus jungen Leuten, die zum Osfizierbernf Lust haben und dazu befähigt sind, und es wird bei der Einstellung weit mehr Wert auf die persönlichen Eigenschaften des Aspiranten, als auf Beruf und Herkunft seiner Familie gelegt.
Das gepföndeke Schloß der Destinn. Die Sängerin, die zurzeit in Amerika weilt, hatte vor einiger Zeit bas Schloß Plaß bei Prag angetanst. Bkättermetdnngen infolge hat die Budweiser Dorfchutz-Kaffe das Schloß wegen einer großen Schuld der Sängerin unter Seguestrakion gestellt und alles, was nicht niet- und nagelfest war. bereits weggeschafft.
GaSeplosion in einer Volksschule. In der Volksschule in Wischau (Mähren) ereignete sich eine furchtbare Gasexplosion, die großen Schoden anrichtete. Durch die Ent- zündung aussttömenden Gase? wurden die Frau sowie die Tochter des Schuldieners, die sich auf dem Korridor befanden, schwer verletzt. Die Crplosion erfolgte während des Unterrichts. Unter den Kindern entstand eine große Panik, doch gelang es den Lehrern, die Kinder zu beruhigen, Kdaß eine Katasttophe vermieden wurde. Durch die hcrumfliegen- den Glassplittrr und Holztrümmer wurden einige Passanten ebenfalls verletzt.
Vcrbrcchcrischc Anschläge ans englische Flieger. Bei der Untersuchung über die Todesursache der beiden jüngst abge- siürzten englischen Flieger Hauptmann Allen und Lcntngnt Bnrrongbs hat eine gründliche Prüfung des Flugzeuges folgendes überraschendes Resultat gehabt: Der Zweidecker
kippte infolge eines Bruches der Lenkstange des KöbensteuerS um. Es konnte festgestcllt werden, biß diese Stange da, wo st? mit dem Steuer verbunden war, angefeilt worden war. Würde dies vor dem Fluge bemerkt worden sein, so wäre die Stange bestimmt ausgewcchselt worden. Der mit der Ucber- wochung des Apparates betraute Mechaniker hatte aber nichts bemerkt, es konnte auch nicht sestgestellt werden, wer an der Stange gefeilt hat, man nimmt allerdings an, daß es sich um einen Akt von Sabotage handelt. Es taucht min das Gerücht auf, daß die Zerstörung der Lenkstange in verbreche- rischer Absicht gesck>ehen ist. Es ist nicht das erste Mal, daß englische Flieger auf diese Weise verunglückt sind. So macht beispielsweise der „Evening Standard" darauf aufmerksam, daß vor dem Absturz, der am 27. Mai v. I. den Tod des Leutnants Arthur zur Folge hatte, die Verhältnisse ähnlich lagen. Der Apparat war repariert worden und es gelang niemals, festzustellen, wer die Reparatur ausgeführt hatte. Der Kriegsminister Oberst Seely wurde deswegen damals von einem Abgeordneten heftig angegriffsen. Auch diesmal soll dem Kriegsminister eine diesbezügliche Frage vorgelegt werden.
Ein Ehrendegen für Sir Edward Carson. Ein Ehren- degen noch dem vorschriftsmäßigen Jnfanteriemodell ist Sir Edward Carson von mehreren Freunden und Mitglieder» des englischen Oberhauses, die ein Bankett zu feinen Ehre» veranstaltet hatten, überreicht worden. Auf der Säbelkling« find folgende Worte cingravicrt: „Geschenk aa Sir Edvard Carson von seinen Ulsterfteunden, die überzeugt sind, daß Gott das gute Recht verteidigen wird. Marz 1914."
Das gestohlene Tagebuch der Gräfin Esterhasi. Unter dem Verdacht des Diebstahls wurde am Samstag der Baron Strahlenberg aus Pretzbura verhaftet. Dieser ist vecdäch-


