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Neue Tageszeitung. Dienstag, oen 17. März »914

Freunde sind bereit, das Abkommen von isos aus zwei Jahre zu verlängern, das die Eisenbahnsinanzen von den allgemeinen Ltaaissinanzen trennt, Ten vom Zentrum angekündigten An­trag das Abkommen nur aus ein Jahr zu verlängern, werden wir ablehnen. Aus alle Fälle muß der Ausgleichssonds nach oben begrenzt werden. Es geht nicht an, daß im Ausgleichs- ionds große Summen angesammclt werden, während man auch noch Steucrzujchläge erhebt. Es sind im letzten Jahre große Summen für Verbesserungen im Eisenbahnwesen ausge- gcben worden, hoffentlich kommen wir jetzt zu normalen Aus­gaben, Eine allgemeine Ermäßigung der Gütertarife wird von UNS nicht gewünscht, da sie zu große sinanzielle Konsequenzen haben würde. Schon eine allgemeine Herabsetzung der ELter- tarisc von 2 Pjg, würde eine Mindereinnahme von ng Millio­nen Mark ergeben. Man darf daher eine Ermäßigung der Handlungen Vorkommen, die zum Duell wigngen, Der Gütertarife nur von Fall zu Fall vornehmen. Die Einführung der 15-Tonnen Wagen darf nicht zu einer Benachteiligung der kleinen Verfrachter werden. Die wertere Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens darf nicht zu einer Abhängigkeit der Preußischen Eisenbahnverwaltunq von irgendwelchen andere» Faktoren führen. Gerade deshalb verlangen wir. daß gegen- iber den anderen Staaten das weitestgehende Entgegenkommen bewiesen wird, soweit es sich mit den preußischen Interessen nur vereinbaren läßt. Die Fahrpreissrage darf nur nach praktischen Gesichtspunkten geregelt werden. Bei dem unge­heuren Personal unserer Eisenbahnvcrwaltuug muß mit stras- ser Disziplin und mit Wohlwollen vcrgcgangcn werden, lleber die Petition zur Einführung von Bororttarifen werden wir sur Tagesordnung übergehen müssen; das Beispiel von Berlin zeigt, daß hier dauernd große Zuschüße geleistet werden müssen. Die Arbeiterwochenkarten dürfen nicht zur Entvölkerung des platten Landes rühren. Die günstigen Eisenbahnergebnisse sind die Folge unserer jetzigen Wirtschaftspolitik, Deshalb bat die Eisenbahnverwaltvng das größte Jnteresie an der Auf­rechterhaltung unserer jetzigen Wirtschaftspolitik, Wer Preu­ßens Selbständigkeit erhalten will, muß für gesunde Eisenbohn- finanzen sorgen. Wenn der Minister in diesem Sinne weiter wirkt, wird er uns stets an seiner Seite finden, lBeif, rechts.)

Eisenbahnminister v, Breitenbach bemerkte, daß eine allgemeine Tarifermoßigung nicht geplant sei, nach Bedürfnis sollten aber in den verschiedenen Landesteilen Ausnahmetarife in Kraft treten. Die Taiifermößigungcn stellten Opfer des Staates zu Lasten der Allgemeinheit dar, denn die großen Summen gingen dadurch dem Ausgleichssonds verloren. Der Uebergang zum größeren Eütcrwagentpp habe starke Erfolge gebracht, die Jnteresten der Kleinhändler feien dadurch beein­trächtigt worden, wenngleich nicht in bedeutendem Maße. Eine Entvölkerung des flachen Landes sei durch die Arbeitersahrkar­ten nicht zu befürchten, denn im allgemeinen blieben sie aus eine Entfernung von 1b Kilometer beschränkt.

Abg, Schmedding (Ztr.j begründete einen Antrag, das Abkommen nur auf ein Jahr zu verlängern, weil man die weitere Entwicklung doch nicht übersehen könne. In keinem Falle dürften mehr als 2.1V Prozent des statistischen Anlage­kapitals allgemeinen Staatszwccken zugcführt werden. Die Abschaffung der Iv-Tonnen-Wagcn würde zu einer Schädigung der Landwirtschaft führen,

Finanzminister Dr, L e n tz e betonte, daß der im Jahre Illos geschaffene Ausgleichssonds seine Schuldigkeit getan habe. Wie sich die Verhältnisse im Jahre 1915 gestalten weiden, hänge von der wirtschaftlichen Lage ab. Der Wunsch, den Ausgleichsjpnds zu Tarifherabsctzungcn zu verwenden, könne nicht erfüllt werden, da er dann seine Schuldigkeit in Zeiten des Niederganges nicht tun könne. Zu warnen sei auch davor, den Ausgleichssonds alsMädchen für alles" zu verwenden, z, B, zur Aufhebung der Stcucrzuschläge, Das würde ihn auf eine schwankende Basis stellen, so daß man mit ihm überhaupt nicht mehr rechnen könne. Es treten an den Staat so große Anfor­derungen heran, daß die Eisenbahncinnahmcn e-ne große Rolle spielen. Deshalb müsse die Finanzverwaltung genügende Si­cherheiten erhalten,

Abg, Dr, Marco (Natl.) sprach sich dafür aus, den Aus- gleichsfonds stets genügend zu speisen und erkannte an, daß die Zentralverwaltunz allen berechtigten Wünschen ihrer An­gestellten entgegcngekommen sei und der Minister sich bestrebt habe, die Unabhängigkeit der Eisenbahnen festzustellen.

Minister v, Breitenbach betonte, daß das Verhältnis zwischen Verwaltung und Publikum gut sei. Die Verwaltung verfolge nur das allgemeine Wohl, Die Entwicklung des wirt­schaftlichen Lebens zeige, daß die Tarifpolitik im großen und ganzen richtig gewesen sei. In bezug aus die Unfallzisser stehe Preußen günstiger da als andere Staaten.

Abg, Graf M o l t k e (freitonf.) erkannte an, daß die Ver­waltung bemüht gewesen sei, allen Anforderungen gerecht zu verden. Eine Tarifänderung sei von größtem Einfluß aus die Linnahmen, so daß man sich's sehr überlegen solle.

Abg, Dr, P a ch n i ck e (Fortschr.) erkannte die Leistungen der preußischen Eisenbahnen an. Ob das Abkommen vom Jahre 1909 sich bewährt habe, sei fraglich.

Dienstag: Fortsetzung,

Tagesüberslcht.

Deutsches Reich.

:: Keine Mehrerträge infolge des Keneralpardoir» In

Frankfurt a. M. Frantsurter Blätter berichten mit Freude, daß durch die Erklärungen zum Wchrbeitrag und dem Gene- ralpardvn nicht, wie es zuerst geheißen hatte, viele Millionen Mehr-Vermögen entdeckt worden seien, sondern es sei von einer Wirkung des Eencralpardons überhaupt nichts zu be- n>crken gewesen. Wir sind davon keineswegs überzeugt. Wir halten vielmehr an der Auffassung fest, daß ursprünglich ganz bedeutende Steuerhinterziehungen ausgedeckt worden sind, die aber ausgeglichen würden dadurch, daß infolge der Veranlag­ung der Grundstücke auf der anderen Seite wieder ein Minder- irlös und dadurch ein Ausgleich erzielt wurde.

.. Verhaftungen in der Kieler Affäre. In der

Bestea, n,g-a,,^rc, di« sich als Nachspiel des «roßen Werffpro-

zestes entwickelt ha», wurden der frühere Hausvater des Kieler Gefängnisses, Wählers, der jetzt in Altona ein Zigarrengeschäft betreibt, sowie der frühere Hilssausseher Griese verhaftet,

> Oesterreich.

:: Vertagung de» österreichischen Abgeordnetenhauses.

Das österreichische Abgeordnetenhaus wurde gestern vormittag, da die Verhandlungen zur Herbeiführung eines deutsch-tsche­chischen Ausgleichs auch in letzter Stunde zu keinem Ergebnis gcsührt hatten und außerdem die von der Regierung gestellte Frist abgclaufen war, aus unbestimmte Zeit vertagt. Dann tritt sofort der Paragraph l i, welcher der österreichischen Re­gierung ausgedehnte Vollmachten jür Notstandsmaßnahmen cinräumt, tu Kraft,

:: Neun Russen unter Spionageauklage. Vor dem Er­kenntnis-Senat des Wiener Landgerichts begann gestern der für eine Woche anberaumte Prozeß gegen neun russische Spione, die, wie aus der Anklageschrift hervorgeht, zu Beginn des Balkankrieges, als in Petersburg die geheimen Ziele des Balaknbundcs woh! bekannt und alle Vorbereitungen zur Ent­fesselung eines europäischen Krieges getroffen waren, von Ruß­land nach Oesterreich entsandt wurden, um insbesondere die in den östlichen Grenzgebieten getroffenen militärischen Vor­bereitungen auszuspiouiercn. Alle neun Angeklagten sind rus­sische Untertanen.

Rußland,

:: Die geheime Dumafitziing, Eine Petersburger Meldung derTimes" über eine gcheinie Konferenz des russischen Mini­steriums mit Vertretern der Duma-Parteien enthält di- An­gabe, daß den Abgeordneten gesagt worden sei, Rußland müsse seine Friedensstärke um 400 000 Mann auf eine Million 700 000 Mann erhöhen, um gegen Angriffe sicher zu sein. Die Extra-Ausgaben werden 500 Millionen Rubel betragen und auf drei Jahre verteilt werden. Der Finanzimnister habe rnit- getcilt, daß die Beschaffung der Mittel keine Schwierigkeiten mache,

:: Russische Luft-Drcaduoughts. Wie aus amtlicher Quelle mitgeteilt wird hat das Kricgsrcssort jetzt eirdgültig beschlos­sen, den Konstrukteur des RicjenäroplansJlja Muromez", I. I, Sikorski, mit der Herstellung von 10 Luft-Dreadnoughts i vm TypJlja Muromez" zu beauftragen. Die Dreadnought- flotte soll schon dr diesem Frühjahr im Bau vollendet werden. Das Kriegsresiort bewilligt für den Bau der Luftschiffe sowie für die Anlage von Laboratorien zur Ausarbeitung der Ver­vollkommnung solcher Luftgiganten über eine Million Rubel.

England.

" Sechs Eisenbahnwagen von Suffragetten verbrannt.

Die englischen Frauenstimmrechtlerdinen haben ein neues Ver­brechen begangen. Um Mitternacht wurde die Feuerwehr nach der Ausweichstelle der Midland Railway bei Kings Nor­ton gerufen, wo eine Anzahl Eisenbahnwagen in Flammen stand. Sechs Wagen sind vollkommen verbrannt, drei schwer beschädigt. Der Schaden beträgt über 1000 Pfd, Sterling, In der Nähe fand man Druckschriffen der Frauenstimmrechts-Be­wegung.

Mexiko.

:: Die Kämpfe um Torreon. Die Kämpfe um Torreon haben wieder begonnen. Vorerst scheinen die Regierungstrup­pen, die, die Offensive ergriffen haben, im Vorteil zu sein, Prä­sident Huerta teilte der Regierung in Washington mit, daß Mexiko völkerrechtlich nicht verpflichtet sei, für den Unterhalt der aus amerikanisches Gebiet llebergetretencn zu sorgen.

Ein Attentat in Paris.

Paris, 17. März. Die Gewitterschwüle der politischen Atmosphäre in Frankreich, die seit Wochen über dem ganzen Lande lagert, hat eine plötzliche Entladung herbcigeführt, die durch ihren dramatischen Verlauf nicht nur das höchste Interesse aller politischen Kreise erregt, sondern auch die Gesellschaft der französischen Hauptstadt aufs tiefste bewegt und erschüttert. Die Preßfehde zwischen dem Direktor des Figaro", Gaston Calmette, und dem Finanzminister Cail- laux hat gestern abend zur Katastrophe geführt. Die Gattin des Ministers, Frau Caillaux, hat zur Selbsthilfe gegriffen und den Angreifer der Ehre ihres Gatten, Calmette durch Nevolverschllsse niedergestreckt.

Paris, 17. März. Ueber das Attentat der Gattin des Finanzministcrs Caillaux auf den Direktor desFigaro", Calmette, erfährt dieTelegraphen-Union" folgende Einzel­heiten: Gestern gegen 5 Uhr nachmittags ließ sich Frau Caillaux, die Gattin des Finanzministers, im Automobil des Ministers nach dem Gebäude desFigaro" fahren, wo sie Herrn Calrnette sprechen wollte. Calmette war gerade mit Herrn Paul Bourgct beschäftigt, der fett Jahren ein intiiner Freund des hervorragenden ftanzösifchen Romanziers ist. Er ließ infolgedessen Frau Caillaux bitten, sich zu geduldigen. Frau Caillaux wartete IV 2 Stunden. Dann bat sie den Diener, CalmetteS, er möchte nachftagen, ob sein Herr nicht endlich Zeit für sie habe. Gerade als der Diener das Direk­tionszimmer betreten wollte, schickte sich Calmette an, mit Bourget auszugehen. Lächelnd sagte er zu ihm:Mit dieser Frau möchte ich nichts zu tun habem" Nichts desto weniger ließ er Frau Caillaux herein. Er war gerade dabei, den Ueberzieher abzulegen, als Frau Caillaux in höchster Er­regung aus ihrem Muff einen Revolver hervorzog und nach­einander fünf Schüsse abgab. Von vier Kugeln getroffen, stürzte Calmette blutüberströmt zusammen. Durch die De­tonation war das ganze Gebäude alarmiert worden. Ein Druckereibeamter war der erste, der ins Direktionszimmer stürzte und der hysterisch schluchzenden Frau die Waffe aus der Hand riß. Im Verein mit einem hinzu gekommenen Redakteur drängte er sie ins Nebenzimmer, wo Frau Caillaux ein über das andere Mal wiederholte:Das war für mich das einzige Mittel, meine Ehre und die meines Gatten zu rächen." Calmette wurde auf ein Diwan gelegt und von einem sofort herbeigerufenen Arzt verbunden. Sodann wurde er ui eine itUaJ m der Avenue. Viktor Luao gebracht.

______________ Seile 1

Paris, 17. Miirz^ Gaston Calmette, der Direktö?H

Figaro" ist heute Nacht kurz »ach 2'/ Uhr in der Hartmann- schon Klinik in der Avenue Viktor Hugo seinen Verletzungen

e> legen.

Hochwasser. Sturm «. Linwettr^

Aus der Weticrau, Die Nidda und ihre Nebenflüste a t e j, cfjcn Seen, die sich über weite Strecken ausdehnen. Von Fried­berg bis Bockenheim ziehen sich rechts und links weite Wafst^ flächen dahin, die schon seit Wochen die Felder bedecken. Auch die Wetter, die Nidder und die Horloff sind über ihre Usern getreten und die vom Master überschwemmten Ebenen geben der Landschaft ein ungewohntes Bild,

Das Hochwaster der Lahn ist feit vorgestern von 2,70 bi, gestern Abend auf 1,45 gestiegen. Die stündliche Zunahme be­trägt 7 bis 8 Zentimeter, Dar Master, das infolge des an haltenden Regens noch immer steigt, überflutet weite Strecken Vielfach wüsten die Keller geräumt werden.

Ans dem Schwarzwald Ein schweres Unwetter, verbau, den mit Südweststnrm und Regen, herrschte gestern Vormittag, Nachmittags 4 Uhr erreichte der Sturm die Stärke eines Or­kans und lichtete überall bedeutenden Schaden an. Die Schwarzwaldflüste steigen rapid. Das Briegach- und das To, nautal stehen bereits über weite Strecken unter Master. Der Verkehr zwischen einzelnen Orten ist ernstlich gefährdet,

Belgien. Man meldet bedenkliche Ueberschwemmungen ans den Stromgebieten der Maaß, Schelde und des Rheins, Mehrere Städte sind schwer bedroht, verschiedene Dämme be­reits durchgebrochen. Der Dampferverkehr Ostende-Dover und Galais-Dover ist gestört,

Frankreich. Das Stnrmwetter, das vorgestern die franzö­sische Küste heimsuchte, wütete gestern über ganz Frankreich, Zahlreiche Telephon- und Telegraphenlinien sind unterbrochen Die Flüste führen Hochwaster, Ueber Sedan ging ein W,1 kenbrnch nieder. Das Master drang in die Keller ein und rich tete großen Schaden an. Bei Lorient kenterte ein Fischer boot, wobei vier Personen ertranken,

England. Das stürmische Wetter, das am Samstag ur' Sonntag vorherrschte, dauert an. In vielen Gegenden de Landes wurde schwerer Schaden angerichtet. An der Themst wurde das Land an mehreren Stellen überflutet. In Nord, wale» herrschte gestern ein heftiger Schneesturm Die Flüsse führen Hochwaster, Bei dem Hasenort Portheawl erreichte» gestern die Wogen der See eine Höhe von 70 Fuß.

Das Unwetter im Kaukasus. Infolge des Orkans sind die Master im nordwestlichen Kaukasus über drei Meter gestiegen. In dunkler, stürmischer Nacht wurden aus der Atschujewsk- Landzunge, an der südöstlichen Küste des Asowschen Meere», durch Hochwaster 380 Häuser zerstört, wobei sich schreck­liche Szenen abspielten. 800 Eingeborene verloren auf dieser Stelle ihr Leben, wenige konnten sich vor den anstürmenden Wogen retten. 32 Kosakendörfer sind voll­kommen verwüstet, Im Dongebiet zerstört« ein Orkan f/inl Dörfer. Acht Personen wurden getötet. Ebenso wurden in den Gouvernements Astrachan und Saratow große Verheerun­gen angerichtet. Mehrere Personen wurden verletzt.

Parieinachrichten. *

Aus dem Kreise Kana».

Die rote Woche" der Sozialdemokratie scheint doch nicht überall dieZugkraft" zu besitzen, die man erwartete So wird unS über eine Versammlung berichtet, welche di« rote Woche in Dörnigheimwürdig" einznleiten be- sttmnit war, aber rechtkläglich" verlief. Der Bericht lautet:

Mit großem Tamtam waren die Dörnigheimer Genos­sen und Genossinnen aufgefordert, Pardon cingeladen wor­den, in der am Sonntag %3 Uhr imFrankfurter Hof" statt­findenden öffentlichen Versammlung zu erscheinen. Um 3 Uhr waren noch keine Zuhörer da, um Vi nach 3 Uhr harrten mit dem Versammlungsleiter 2 Vertreter der Polizei der Versammlnngsbesucher und als um 4 Uhr ganze 6 Personen zugegen waren, da verkündete der Versammlungsleiter die Vertagung um 20 Minuten, Diese Zeit benutzte man, einig, Parteifteunde in der Nachbarschaft des Versammlungslokals zu veranlassen, sich zum Versammlungslokal zu drängen. Und so konnte 20 Minuten nach 4 Uhr die Rednerin vor IS Zuhörern ihren Dortrag über unsere schlechte Welt, pardon: über das Wahlrecht der Frauen, beginnen, wobei sie die Freude erlebte, daß gegen 5 Uhr ganze 43 Personen (Männe, und Frauen), darunter etwa 1320 eingeborene Dornig- heimer. ihren Worten aufmerksam lauschten, die besonder» markanten" Stellen derwuchtigen" Ausführungen mit brausendem" Beifall unterstrichen und nichtendenwollen­den" Jubel denaufklärenden" Worten folgen ließen.

Woran es wohl gelegen hat, daß die Versammlung nicht besser" besucht war, zumal doch das Wetter nicht so schön und zu Spaziergängen verlockend war?" Diese Frage warf der Diskussionsredner. Genoffe Ernst Manz, nach einer Tankesabstattung an die Rednerin auf. Und er war neu­gierig genug, weiter zu ftagen, warum überhaupt alle Ver­sammlungen der letzten Zeit so schlecht besucht wurden? Der Fragesteller gab auch selbst die Antwort:Ich habe noch vorhin unseren Freund Wilhelm (Freund Wilhelm kellneriert bei den Genoffen. D. B.) gefragt, wo denn die Genossin blieben und der sagte, unten sitzen ein paar Tische voll, aber die wollen nicht rauf." Und Genosse Manz fuhr fort: n vr wenn» Maskenball wäre, da kämen sie, oder Lumpenabenk da täten selbst die Frauen in Männerkleidern nicht fcdlen So Sachen kosten doch auch Geld, warum läßt man da? m» besser der Partei zukommen!?" Auch dieVolks'timme nimmt an Abonnenten ab, statt zu, soklagte" Genosse weiter, und verriet damit das Geheimnis, warum die ® zialdemokraten die rote Woche veranstalteten:Alles ums Geschäft I"