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D»e»»stag, de»» 17* Marz lt>14.

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bei den Agenten monatlich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. An,eigen: Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Kchriftleitung und Verlag Fttedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Eonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. Al.

^lebrrftchl.

Wie die Landeszeitung für beide Mecklenburg amtlich meldet, hat sich der Großhrrzog gestern in seinem Schlosse ciner Tarmopcration durch Geheimrat Professor Bier aus Berlin unterziehen müssen.

Der RiesendampscrImperator" hat auf seiner ersten diesjährigen Ausreise nach Newyork mit schwerem Sturm zu kämpfen gehabt. Wie auf drahtlosem Wege nach Hamburg gemeldet wird, sind ihm durch die Gewalt des Sturmes vier Boote weggeriffcn worden. Gin Teil der Bugvcrzierung wurde gleichfalls abgetragen.

In der Nähe von Spik erfolgte rin Tammbruch, wo­durch mehrere Dörfer überschwemmt wurden. Tie Gefahr weiterer Uebcrschwcmmungen ist wegen der andauernden Regengüsse sehr groß. Zahlreiche Bewohner verlassen die überschwemmten Ortschaften und beziehen Notwohnungen in den Nachbarorten.

Ta nunmehr eine Brrständigung zwischen den Tschechen und Tentschen nicht mehr zu erwarten ist, wird jedenfalls noch heut« Abend die Vertagung des Parlaments l/iv zum Herbst erfolgen.

Auf den Chefredakteur des PariserFigaro" wurde von ciner Frau Caillaux, der geschiedenen Frau des Ministers glcick>en Namens, ein Revolperattentat verübt, an dessen Folgen er starb.

Bei heftigem Sturniwetter ist die Ortschaft Respiewo im nördlichen Kaukasus, die 2500 Cinwohncr zählt, nieder- gebräunt. 18 Personen fanden den Tod in den Flammen.

AuS San Sebastian wird gemeldet: Der belgische Flieger Hanouville ist nach mehreren gelungenen Flügen ins Meer gestürzt und ertrunken. Als das Flugzeug das Wasser berührte, explodierte der Motor.

Das BlattHestia" bestätigt heute, daß die griechische Negierung tatsächlich wegen des Ankanss des Dreadnoughts Rivadia" mit Argentinien in Unterhandlungen steht.

Eine «»»chlige Debatte.

Das Erscheinen des stenographischen Berichts über die Montagsitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses bietet willkommenen Anlaß, auf die damaligen wichtigen Erörte- rungen kurz zurückzukommcn. Gegenstand der Erörterung war bekanntlich der Antrag Dr. Roesicke Dr. Hahn, die Königs. Staatsregierung zu ersuchen, dem Abgcordneten- hause eine Denkschrift vorzulegen über 1. die Tätigkeit des ».önigl. Börsenkommissars: 2. die Entwickelung des Börsen- Handels und der Emissionen an den preußischen Börsen: 3. die Emissionen ausländischer Werte an den preußischen Bür- sen und die Anlage deutscher Kapitalien im Auslande. Ter Antrag wurde vom Abg. Dr. Roesicke in gedankenrelck>er Rede begründet. Ter angesehene Parlamentarier betonte

! um nur einige seiner grundlegenden Gedanken mit erneuter Unterstreichung wiedcrzugeben den ungewöhnlich ernsten Umstand, daß ein so lange ausgedehnter Diskont von sechs f Prozent bei der ReiclMank noch nicht bestanden hat, und er- blickte den Hauptgrund des knappen Geldstondes und des hohen Zinsfußes nüt Fug in der zu starken Beteiligung un- feres Geldmarktes an der Emission ausländischer Werte. Die Wirkung dieser Zustände zeigte sich im Vorjahre in mehr als unerfreulicher Weise. Als das deutsckfc Reich und der preußische Staat im März 1913 550 Millionen Werte an den Markt brachten, wurden zwar die 50 Millionen vierprozen- tige RcichSanlcihe aufgenonimen und ebenso auch die 100 ! Millionen vicrprozcntiger preußischer Schatzanweisungcn j nur zur Halste gezeichnet. Als dann im Juni 1913 der preußische Staat 175 Millionen preußische Anleihe an die Börse brachte, wurde wiederum nicht einmal die Hälfte aus­genommen. Hingegen war zuvor die chinesische Reorganisa- tionsanlcihe in einem Betrage von 122 Millionen Mark fünfmal überzeichnet worden. Diese Verhältnisse schrien ge­radezu nach einem staatlichen Eingreifen, und etwas spät kam denn auch der preußische Handclsminister mit seinem Betonen, er werde die weitere Zulassung von ausländischen 1 Anleihen an den preußischen Börsen nicht genehmigen. Ter Erfolg war durchschlagend: die im Januar aufgelegten 350 j Millionen vierprozcntiger langfristiger, auslcsbarer Schatz- > aawcisungcn wurden bereitwilligst ausgenommen und etwa siebzigfach überzeichnet. Was in Preußen die Ausnahme, 1 ist in Frankreich bekanntlich die Regel. Sofern sich dort der Markt für die französischen Staatsanleihen nicht als unbe- '>gt aufnahmefähig erweist, läßt der dortige Finanzminister ohne Ausnahme keinerlei ausländische Werte in Frankreich zu, und jedermann betrachtet diese Regelung als etwas Selbfwerständliches. In der Frage der seit 1892 wiederholt ^forderten Zentralzulassungsstclle erkannte Abg. Dr. siocsicke an, daß gemäß Paragraph 38 des Börscngcsehes eie einzelstaatlichen Ressortminister die Möglichkeit zum Ein- .reifen haben und aus ZweckmäßigkcitSrücksichten die Auf- > ahme fremder Werte an der Börse versagen können, nur bat er, , die Zweckmäßiakeitsbeurteilung im Einzelfall auch

auf die Prüfung auszudchnen, ob der deutsche und einzel- staatliche Markt neben den Ansprüchen des Inlands auch die des Auslandes in umfassendem Maße beftiedigen kann. Der Redner verwahrte sich gegen den Gedanken, als wolle er die ausländischen Werte grundsätzlich und allgemein vom deut­schen Markte fernhalten, warnte jedoch vor ihrer Ueber- schätzung unter dem Gesichtswinkel der finanziellen Kriegs­bereitschaft und bot wertvolles statistisches Material über die periodische Ueberschwemmung des Jnlandsmarktes mit Aus­landspapieren, um schließlich zwecks Ermöglichung einer noch umfassenderen Beurteilung des ganzen Börsenhandels den Antrag abermals eindringlichst zu empfehlen.

Handelsminister Dr. Sydow gab von vornherein zu, daß mit Rücksicht auf den starken Inlandsbedarf, zumal bei ciner steigenden Tendenz des Zinsfußes, in d-r ganzen Welt ein hervorragendes Interesse dafür besteht, das Kapitalan­gebot im Inlands nicht herabzudrücken. Auf der anderen Seite können sich die deutschen Kapitalanlagen nicht auf das Inland beschränken. In dem scheinbaren Konflikt, daß die Kapitalien für den Jnlandsmarkt flüssig zu halten feien, während auf der anderen Seite der Besitz eines Quantums ausländischer Papiere erwünscht sei, stehe er auf dem Stand­punkte, daß in erster Linie der inländische Bedarf zu be­rücksichtigen sei. Wenn der Minister mit Wohlwollen auf die Ausländsanleihen blickte, mit denen sich politische oder wirtschaftliche Vorteile verbinden, so ist ihm natürlich zuzu- sftmmcn, wenn auch mit dem Hinzufügen, daß solche Aus­ländsanleihen bei uns leider die Ausnahme und im Aus­lande, insbesondere in Frankreich, die Regel bilden. Unter den zwingenden Erfordernissen einer folgerichtigen Heimats­politik hätten wir uns längst an die in Frankreich geltende Bestimmung gewöhnen müssen, daß bei ausländischen Emis­sionen zum mindesten ein Teil der ausgeliehenen Summe durch Bestellungen bei der deutschen Industrie der eigenen Ei werbStätigkeit wieder zugute kommt. Oft genug hat gerade umgekehrt der Erlös der Anleihen dazu herhaltcn müssen, die ausländische Industrie zum aussichtsreichen Wettbewerb mit dem deutschen Exportgewcrbc auszupäpvcln und so wurde die unbeschränkte Unterbringung von Aus- landspapieren noch über den Einfluß auf die inländische Geldknappheit und den hohen Zinsfuß hinaus zu einer schweren Schädigung der deutsch?« Volkswirtschaft. Da war es durchaus dankenswert, daß diese ernsten und wichtigen Fragen auf Grund eines besonderen Antrages erneut ein­gehend behandelt wurden, und da der Antrag Roesicke auf Wunsch des Ministers einer Kommission überwiesen worden ist, besteht erfreulicherweise die Gewißheit, daß dieser Kem- plex weittragender Fragen nach Abschluß der Etatsberatung noch einmal zur Verhandlung gestellt wird.

Geist de»»»» das?

Von A. Röder, Karlsruhe.

Uni die Massen ftir die Zwecke derroten Woche" auf­zupeitschen, zieht Rosa Luxemburg in Süddeutschland um­her und hält beispiellos aufreizende Reden.

Mit dem Urteil des Frankfurter Gerichts wird Schind­luder getrieben. Rosa Luxemburg begrüßt dies Urteil und feiert cs enthusiastisch als ein Mittel, um der Oeffcntlichkeit die Verrottung unserer Rechtsprechung und des gesamten Staatswesens vor Augen zu führen.

Aber nicht nur das. Die Rosa Luxemburg wiederholt alle die Sätze ihrer Rede, die zur Bestrafung geführt haben. Ich bin verurteilt worden so sagt sie weil ich das und das gesagt habe. Und nun folgt der genaue Wortlaut der inkriminicrten Aeußcrungen.

Und noch weiter.

Die Rosa Luxemburg wiederholt die Aufforderung zur Verweigerung des Gehorsams beim Militär: sie zeigt ge­nau, wie cs gemacht werden muß, um Kompagnien und Regi­menter zum Widerstand und zur Gehorsamsvcrweigeru >g zu erziehen". Acht bis zehn Mann so sagt Rosa Luxemburg in einer Kompagnie reichen aus, um den Widerstand zu organisieren. Haben diese zehn Mann je einen weiteren Mann aus ihre Seite gebracht, dann ist die Kompagnie lahm gelegt und der Widerstand kann aktive Formen an- nehmen.

Und nun muß man in Rechnung setzen, welch ein Pub­likum diesen Reden lauscht. Es sind bis zu vier Fünfteln junge Leute, 17- und 18jährige, und unsere Reservisten.

Und diese geflissentlich systematische und gewissenlose Aufhetzung, diese ungeschminkte Aufforderung zum Wider- stand und Gehorsamsverweigerung beim Militär, diese Her- absetznng und Verächtlichmachung unserer Rechtsprechung, die Verhöhnung des Richtcrstandes und aller öffentlichen Ge­walten, läßt man sich ruhig gefallen I Qberamtmänner, Negierungsräte, Polizeilcute sitzen ruhig dabei, und lassen alle Gewalten, auf denen sich unser Staatsleben nufbaut, Militär und Gerichtsbarkeit, in rücksichtsloser, revolutionärer Sprache angreifen und herunterreißen.

Wenn aber ein Jejuitemxcter übcr den Vallikal reden

will, oder über ein sonst interessantes wissenschaftliches oder künstlerisches Thema, verbietet doS die Polizei. Man kann es den Katholiken wahrlich nicht übel nehmen, wenn sie über solch ganz unhaltbare, alle Dinge aus den Kopf stellende Ver­hältnisse den Kopf schütteln. Man muß sagen, eine Regie­rung, die sich derartige Verhöhnungen, Aufreizungen, die als direkte Aufforderung zur Revolution wirken müssen, ge­fallen läßt, hat keine zutreffenden Vorstellungen von ihren Aufgaben und ihrer Machtbefugnis.

Auf die Presse ist kein Verlaß: sie geht mit witzelnden, oder geistreich sein sollenden Redeformen über den unge­heuren Ernst der Lage hinweg, ein Ergebnis der durch den Großblock hervorgerufenen politischen Verseuchung.

Das öffentliche Rechts- und Verantwortungsgefühl ist vollständig abgestumpft: die einfachsten Begriffe über Ord­nung und Obrigkeit sind auf den Kopf gestellt. Man schlägt dem Gesetz, wo eS geht, ein Schnippchen.

Rosa Luxemburg ist zu einem Jahr Gefängnis verur­teilt worden. Die Gesetzgebung hat da? Recht, bei allen Strafen, die über 6 Monate hinaus gehen, den Verurteilten zu internieren. Weil aber die Rosa Luxemburg eine kranke Frau sei, hat man von der Maßregel abgesehen.

Diese Krankheit, durch die Frau Rosa Luxemburg davon abgehalten wird, die verhältnismäßig milde Unbill einer Untersuchungshaft zu tragen, hindert die Dame aber nicht,, stundenlang in Massenversammlungen zu sprechen und die strapazierenden Reisen von einem Ort nach dem anderen zu ertragen.

Und der Teufel lacht dazu". Ein Staat, der es nicht über sich gewinnt, dem Gesetz volle Autorität zu wahren, der gegen die gewissenlosen Volksverderber nicht rückhaltlos einschreitet, gibt sich selbst auf.

Die Demokratie arbeitet da ganz anders. Wo sie an der Herrschaft ist, schreitet sie gegen ihre Gegner rücksichts­los ein. 1789 hat man Tausenden von Anti-Demokraten den Kops vor die Füße gelegt und wenn bei uns die Sozial­demokratie heute ans Ruder käme, sie würde genau so nach dembewährten" Rezept von 1789 verfahren.

Der moderne Staat aber sieht ruhig zu, wie man alle seine Grundlagen gewissenlos aushöhlt und unterminiert. Er wird die Früchte ernten.

Gnt ?n arritiaf llrrtrrtuna oon Industrie nnd siandel in den pilrllm knien.

Während nach den letzten Reichstagswahlen der Hansa- bnnd in hellen Jubeltönen verkündete, daß die Mehrheit der Gegner von Handel und Industrie im Reichstage gebrochen sei und die durch seine Geldmittel unterstützten neu Gewähl­ten für die Folge die erste Violine in dem politischen Konzert spielen würden, macht jetzt eine Denkschrift der Handels- kammer Düsseldorf die Runde bei den deutschen Handels­kammern,-in welcher Klage über das mangelnde Entgegen­kommen geführt wird, welches Handel und Industrie in der letzten Zeit, besonders im Reichstage gefunden habe. Der Ricßer-Bnnd scheint also die auf ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt zu haben. Für den Mittelstand heißt es darum: aufgepaßt, denn wenn die umFrankfurter Zeitung" und Berliner Tageblatt" über Zurücksetzung ihrer Interessen klagen, dann soll das schaffende Volk noch mehr herhalten. Willig hat z. B. Handwerk und Landwirtschaft jeweils die Ausgaben für Heer und namentlich für die Flotte getragen, obwohl gerade die Marine in erster Linie dem Schutze des Handels und der Industrie dient. Erst in der letzten Zeit hat sich auch der Freisinn, dem Drucke einer na.ionnlen Strö­mung folgend, dazu bequemt, für die notwendigen Heeres- forderungen zu sftmmen, während früher bei allen Militär­vorlagen die Blätter vom Schlage derFrankfurter Zeitung" im Ton nicht von denjenigen der roten Internationale zu unterscheiden waren.

Nicht im Gegensatz, sondern im Anschluß an die natio­nalen Parteien, sollen Handel und Industrie suchen, für ihr Gedeihen zu wirken. Keineswegs ist die Vertretung von Handwerk nnd Landwirtschaft, Industrie- oder Handelsfeind­lich. Sie verlangt nur, daß die Lasten gerechter verteill werden und daß der Mittelstand nicht immer als das Pack- eselchen betrachtet wird, dem man immer noch mehr aus> bürden kann.

Prentzilchcr ^andtay.

Abgeordnetenhaus.

50. Sitzung, 1«. März, II Uhr.

Am Ministertisch: v. Breitenbach, Dr. Lentze Etat der Eisenbahn-Verwaltung.

Abg. Graf v. d. Eroeben (kons.): Die Ausstellung der Eisenbahn-Etats ist von ganz hervorragender Bedeutung für die Finanzen des preußischen Staates. Der vor fünf Jahren geschaffene Ausgleichssonds hat ein sehr gutes Ergebnis ge­habt. Wir tonnen der Staatsregierung unsere lebhafte An - : - kennuna aussprechcn. fiit die euiclten autcn Einnab--':::, iicino