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1. Beilage zurNeuen Tageszeitung.

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Samstag, den 14. Mär; 1914.

7 > Iahrguna

finr Zondkrsahrt nach dm heiligkn Lande.

1913.

Non Gräsin Marie z» Solins Roedclhrim. lFortsetzung).

Wir befinden »ns n»f dcni Woge nach Bethlehem. Dort zur rechten ist Rahel's Grab, wie man sägt. Es ist ein ganz malerischer weißer Kuppelbau im Schatten von Oelbäumen. Die Gegend ist hügelig, bald sieht man eine Ortschaft auf einer Anhöhe und nicht lange danach taucht Bethlehem aut. Es liegt wie auf Terrassen: diese schichtenartigen Gesteine zeigen sich auch hier. Bethlehem macht einen fteundlichcn Eindruck. Auf das Aussehen der einzelnen Häuser ist zwar kein grobes Gewicht gelegt. Meist sind es viereckige Gebäude aus Stein oder Lehm, ohne jeden äuberlichen Schmuck. In Bethlehem selbst sind meist Steinhäuser, in Baitsahur, aus dem Wege zum Hirtenfcld, sind sie aus Lehm. Die Leute machen dort einen verkoninienen Eindruck, aber in beiden Ortschaften sieht man auffallend sckpne Gestalten, ich war ost ganz hingenommen von den malerischen Gruppen.

Wir besahen erst die Gcburtskirche, die auch für Kunst­kenner sehr sehenswert ist. Sie ist sehr alt, fünfschiffig, mit schönen Säulen. Sonst herrscht hier ja bis zu einem ge- missen Grade eine grohe Gemütsruhe, weshalb ein Abend­länder einige Geduld braucht, um den Orientalen zu be­wegen, etwas eifriger bei der Sache zu sein. Aber in Bezug aus die Religion, verstehen hier alle keinen Spaß. In der GeburtSgrotte dursten wir nicht lange verweilen,wir usscu den Platz geräumt haben, bis die Griechen kommen",

ls eS von den Ortskundigen. Ter Geistliche*) und der Lehrer Bethlehems führten uns: beide waren sehr freund­st ch. Bor kurzem erst hatten sich ein griechischer und ein römischer Katholik dort geprügelt, und einer war tot liegen geblieben. Christlich kommt einem das ja gerade nicht vor. hle Griechen dürfen die Grotte nur von einer Seite be­noten und von der anderen, sie wieder verlassen. Wir sahen üe Grotten des heiligen Hyronimus, wo er die Bibel über­setzte. Er ist nur besonders lieb, obwohl katholischer Hei­liger. Auch die Grotten hatten etwas anheimelndes. In der Kirche selbst wechselten Armenier mit Griechen eben mit dem Gottesdienst ab. Eine große griechische Knabenschule war gerade in der Aufstellung begriffen. Es waren hübsche Knaben mit lebhaften Augen.

Wir verließen die Kirche, ohne einen ruhigen, weihe- vollen Moment erhascht zu haben. Ein Teil von uns ent­schloß s'ch aus das Hirtcnseld durch Sonnenglut zu wandern.

Diele blieben zurück.

Das w>ar ein fröhliches Schreiten, cS ging ab und auf

*) Der Geistliche und seine Frau starben in Zeit von «in paar Tagen im November vorigen Jahre» an Typhur und

hinterließen zwei kleine Kinder.

Auf dem Hirtenfeld angelangt, lagerten wir uns unter Blumen und Steinen. Ein Geistlicher las aus dem alten Testament die Geschichte Ruths und Davids Salbung: Der Pastor W. v. B. las die Geburtsgeschichte. Es tönten Weih­nachtslieder über die Fluren, es war so unendlich friedlich und schön, und alle schienen ftoh wie an Weihnachten. ..Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still." Der verheißene Friede soll in den Herzen wohnen. Es wurde noch eine Gruppe ausgenommen.

Jetzt ging es wieder nach Bethlehem. Aufwärts v ar <4 etwas ermüdend, und doch hätte man diese Stunde nicht missen mögen. Eine junge Frau wurde durch den Lehrer veranlaßt, ihren Kopfputz zu zeigen, der Geldmünzen im Werte von 600 M trug und noch mit Goldfäden gestickt war. Sie erhalten ihn zur Hochzeit und entschließen sich nur schwer, das darauf befesftgte Geld zu verbrauchen. Sie gab ihn nur ungern in fremde Hände.

Nun besahen wir die evangelische Weihnachtskirche. Oben an der Decke sind sehr hübsche Engel gemalt, die in die kleine Kuppel mit Oberlicht zu fliegen scheinen. Es inachte einen lieblichen Eindruck. Wir sangen:Zu Bethlehem ge­boren", dies altdeutsche Lied mit der hübschen Melodie,Dein eigen will ich sein", als Refrain, auch das war schön! Dan» in's armenische Waisenhaus. Die Kutscher bedurften erst des Zuredens und Versprechungen, bis sie uns dorthin führten. Dort fanden wir die anderen, auch diejenigen, die auf Esels Rücken hergekominen waren. Waisenknabm in blauen Kitteln sangen und bliesen Lieder. Wir wurdni mit Wasser, Wein, Tee und Gebäck bewirtet, alles war sehr hübsch mit Blumensträußen geschniückt. Als ich mir ein Glas Wasser eingoß, stürzte ein fremder Herr, wohl zur Gemeinde Bethlehem gehörend, auf mich zu und beschwor mich, das Wasser nur mit Wein vermischt und nicht so zu trinken. Es war sehr freundlich, fürsorglich. Vom Balkon und Dach des Hauses hatte man einen schönen Blick. Wir fuhren dann nach Jerusalem zurück. Die Studenten trugen ihre Blas­instrumente im Arm, auf dem Esel reitend. Sie waren aber ftoh, wenn die Instrumente in den Wagen Aufnahme fan­den. Der Dragonian ermahnte sie, die eselreitend m Damen nicht allein zu lassen, der Abend rückte heran. Den nächsten Tag war es Sonntag Cantate, es waren 8 Tage her, daß die Schleswig" Venedig mit uns verlassen hatte.

Um %7 Uhr fuhren wir 6 Personen in 2 Wagen, nach Gethsemane, das Kidrontal entlang. Der griechische Mönch öffnete. Wir verbrachten dort wobl eine stille Stunde, genau kann ich das nicht angeben, da ich mich nicht daruni ge- kümmert habe. Levkojen blühten in Fülle, schön gepflegt unter alten Oelbäumen. Das störte mich nicht. Es wird ja zu Christi Zeiten anders gewesen sein, Gethsemane nicht ver­schlossen, vielleicht erst drüben über der Höhe bei Beth.mien. Es ist hier in der Nähe, wo Christus den bitteren Kciupf

durchrang uns zu Liebe. Es ist verständlich, daß die Stätte so gepflegt wird. Er hat ja auch fertig gerungen, er ist ja euch siegreich durchgedrungen. Man ging, i achdem die Ge­schichte verlesen war, unter den Bäumen allein, sich nicht um die anderen kümmernd. Hier soll wieder ein Vers au? Gerocks Palniblättern stehen:

Gethsemane, in deine stillen Räume Laß oft mich pilgern aus dem Lärm der Zeit, Gethsemane, im Schatten deiner Bäume Gib mir den Frieden, den die Welt nicht beut.

Und kommt dereinst die bängste Stunde,

Dann bett ich mir auf deinem Heilgen Grunde Daß ich getrost den, Tod in3 Auge seh Gcthsemanel"

Wir kehrten heim zum ersten Frühstück. Dann war Gottesdienst und Abendmahl in der Erlöserlirche. Nachher folgten wir der Aufforderung der Schwestern nach Talitha Kami, der Mädchen-Anstalt, zu konimen. Das Haus hat einen herrlichen Garten, die fteundlichen Schwestern senk­ten mir Mandeln und Blumen. Die Kinder waren beim Essen. Sie machten einen sehr ftöhlichen Eindruck.

Nachmittags verlor unser Wagen ein Rad, als wir zum Oelberg hinauf sichren. Ein Mißgeschick traf eines der In­strumente, es wurde überfahren. Es kam daher, daß uns das Quartett fteundlichst ihren Wagen überlassen hatte. Man sah Scharen griechischer Pilger in ihren grauen Män­teln wandern. Sie hatten etwas rührendes für mich. Wir machten alles so schnell und beauem wie möglich. Der Ein­druck muß beim Wandern ein tieferer sein, da überhaupt mehr Zeit darauf verwandt werden niuß: nur fragt es sich, ob das kleine, unbequeme Drum und Dran nicht wieder die erhebenden Momente verwischt? Zwar, Ivas man init Mühe erlangte und errang, wertet man höher, als was einem zu­flog. Man müßte es beides ausprobicren, uni cs beurteilen zu können.

(Fortsetzung folgt).

Ans dem hest. Landtag.

Zweite Kammer.

Präsident Köhler eröffnete die gestrige Sitzung »m 9 Uhr. Die Beratung der Etaatsvoranschlager für 1911 wird fortgesetzt bei der 8. Hauptabteilung, Ministerium der Innern.

Abg. Brauer lBbd.) bespricht die schwierige Loge der Landwirtschast. Der Rus nach Beseitigung der Futtermittcl- zolle sei kindisch. Die Ansicht der Verbraucher, auf allen Futrer- mitteln liege «in hoher Zoll, stimme nicht, sondern nur Mais, Bohnen, Erbsen und Futtergerste kommen in Frage. Mit der Erhöhung der Löhne steigen auch die Produktionskosten und die Landwirtschaft müsse dieselben Löhne bezahlen, wie Handel und Industrie, wenn sie gute Arbeiter haben wolle. Die Gegensätze zwischen Land und Stadt in der Arbeitersrage aus«

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