Beilage zur „Neuen -Tageszeitung.
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Ur. 00
Donnerstag, den 12. Mär; 1014.
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Gedenktage.
12. März. Wilhelm Lindenschniitt, Historienmaler, geb. — 1820 Professor Leberccht Wagner, geb. — 1821 Prinz Luitpold, Negeni von Bayer», geb.
öierbrauerei und Dierbeftenernng.
Im Gebiete der Norddenlschcn Braustcnergemeinschast wurde» während des Rechnungsjahres 1912 39.94 Millionen Hektoliter Bier erzeugt gegen 41.35 Millionen Hektoliter im Jahre 1911, also 1,81 Millionen Hektoliter weniger. Von der Mindererzciigiing entfallen 0,97 Millionen Hektoliter auf untergäriges und 0,84 Millionen Hektoliter auf ober- gärige? Bier. Tos steuerpflichtige Gesamtgewicht der ver- Iveudetcn Braustoffe betrug 733550 Tonnen gegen 760 394 Tonnen im Vorjahre. Tie Einnahme an Brausteuer betrug nach Abzug der Ausfnbrvergütnng (1,7 Millionen Mark) 127.5 Millionen * * * (1911: 131,7 Millionen M). An Ucber- gaugSabgaben für Bier wurden 8,6 Millionen <.W, an Zoll 1,6 Millionen -kk erhoben, so daß sich als Gesamtertrag der Bierabgabcn 140,7 Millionen d. i. 2,67 M auf den Kopf' der Bevölkerung ergeben (1911: 145,3 Millionen ,M = 2,79 M auf den Kopf). Ter Bierverbrauch betrug auf den Kopf der Bevölkerung (unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr von Bier berechnet): im Brausteuergebiet 78,6 Liter (1911: 83,0 Liter), in Bayern 237,6 Liter, (1911: 246,0 Liter), in Württemberg 166,5 Liter (1911: 178,8 Liter), in Boden 115,3 Liter (1911: 146,0 Liter), in Elsaß-Lotbringen
92.3 Liter (1911: 98,5 Liter) und im deutschen Zollgebiet
101.3 Liter (1911: 106,4 Liter). Bei Bayern und Baden gelten die Angaben für da? Kalenderjahr, bei den übrigen Stcuergebieten für dos Rechnungsjahr.
Ans der Heimat.
• Frirdbrrg, 11. März. Wir machen die Gartenbesitzer und Landwirte auf dos Entfernen der Klebgürtel an den Bäumen aufmerksam, wenn nicht der Zweck illusorisch werden soll. Unter dem .Klebgürtel hat sich eine Unmenge von Ungeziefer gesammelt, welches man tunlichst an Ort und Stelle verbrennt.
* Frirdbcrg, 11. März. Das Husaren-Regimenk König Hninbert von Italien 1. Kurhessi'ches Nr. 13 in Dietcnbofc» a» der Mosel stellt zuni Herbst diese?. Jahre? noch Handwerker als dreijährig Freiwillige ein. Bevorzugt werden Sattler, Schuhmacher, Schneider, Schmiede ufw. Meldungen unter Beifügung eines Meldescheines sind baldigst an drs Regiments Gesckiästszimmcr ZU richten.
* Rtirtbetg, 11. März. Die städtisch« Polnlechnffche Lehranstalt hatte zu einem am Dienstag Abend ftattgefun- dcne» Bortrage über „Die Kruppschen Werke" Einladungen an die Stadtvertretung, an die hier ansässigen Behärden, an die Direktionen der hiesigen Schulen, Anstalten u. a. ergehen lohen Der Vortrag, den von dem Dozenten Herrn Dipl.-Ing. K u s s l e r gehalten und durch viele gutgelungene Lichtbilder illustriert wurde führte der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft in sehr verständlichcr Art die Entwicklung und Bedeutung de» größte» lind in technischer wie sozialer Hinsicht höchstentwickelte» Industrieunternehmen«, der Welt vor Augen. Die Vielseitigkeit der Kruppschen Werke ermöglichte es. dasi die Aus- suhruiige» des Vortragenden den verschiedenartigen Interesien
fast 70jährigen Turkhan Pascha zum Premierminister.
In den siebziger Jahren war Turkhan der Bcrlincr türkischen Botschaft als Botschaftsrat zugeteilt, und wiederholt wurde er von Sultan Abdul Hamid zu Missionen an den deutschen Kaiser verwendet. In Rom und Madrid war er Gesandter und auf Kreta er türkischer Gouverneur.
der Zuhörer — zu denen ersreulicherweise auch wieder eine stattliche Reihe von Damen gehörte — gerecht werden konnten. Der wohlverdiente Beifall, der dem Vortragenden gespendet wurde, bestätigte die» in vollem Matze. — Dem nächsten der von unserer städtischen Polytechnischen Lehranstalt zu veranstaltenden Sondervorträge soll das Thema „Wesen und Wert moderner Propaganda" unter besonderer Beziehung auf die Technik zu Grunde gelegt werden. In diesem Vortrage, der bei der heut« allumfasienden wirtschaftlichen Bedeutung der Reklame zweifellos weitgehendes Interesse haben wird, will Herr Direktor Dipl.-Ing. Michenseldec an Hand von Anschauung», material kritische Betrachtungen der verschiedenartigsten Wer- bemöglichkeiten und deren Wirkungen anstellen.
* Sendungen an Militärpersonen auf Truppen-Uebung»- vlätzen. Aus Postsendungen an Militärpcrsonen aus Truppen- Uebungsplätzen weiden vielfach als Bestimmungsort sowohl der Garnisonsort als auch der Truppen-Uebungsplatz, also zwei Bestimmungsorte, angegeben. Dadurch entstehen bei den Postanstalten Zweifel über die Leitung der Sendungen, sowie Unzu- träglichkeiten für den Betrieb und die Empfänger. Namentlich wird auch die Unterbringung der an Offiziere, Fahnenjunker, Einjährig-Freiwillige usw. gerichteten Sendungen häufig durch derartige Aufschriften erschwert. Mit Rücksicht aus die au» der Angabe von zwei Bestimmungsorten entstehenden erheblichen Weiterungen und Verzögerungen empfiehlt es sich, auf Sendungen an Militürpersonen aus Trupprn-Uebungsplätzen entweder den Garnisonsorl oder de» Truppen-Uebungsplatz — am zweckmäßigsten den letzteren — als Bestimmungsort anzugebcn.
* Bad-Rauheim, 11. März. Das Vertrauen ihrer Herrschaft benutzte ein Dienstmädchen in Bad-Nauheim und stahl während der Karncvalszeit seiner Herrschaft au» einer verschlossenen Kassette 200 Mark. Sie genoß hierfür den Karneval und führte bei dieser Gelegenheit mit gleichalterigen Mädchen noch
Znm Jlflnflcifeit.
Roman von M. Prigge-Brook.
44 (Fortsetzung).
In diesen letzten Spätsomuiortagen befand sich Heinz auffallend wohl. Mit fnfrfvm Kräften bereitete er sich zu seiner neuen Tätigkeit vor, auch macht« er mit Mary weite Spaziergänge in die linigegcnd und lehrte sie die Reize der cngcrcn Hciinat kennen, ehe sie sie vielleicht für immer verließ.
Sic waren wunschlos glücklich »nd lebten einander nur zuliebe. Nie war das Leben ihnri, köstlicher vorgekommcn, als in der Zeit, da jeder Tag ei» Abschied wurde.
Im September reisten die zwei nach Bonn und mieteten eine Billa am User des Rheins. Ein wahres Bijou. Durch bohr Bogenfenster drang Lickst und Lust hinein, im Garten blühten späte Rosen, Dahlien und Chrysanthemen. Beglückt kchrten sie nach wenige» Tagen heim, uni sich zum Umzug vorzubereiten.
Roscinarie wagte keine Bitten mehr. Sie hielt sich grollend fern. Und so sehr Heinz das abermalige Mißverständnis schmerzte, so konnte er doch nicht der Schwester Willen tun. Im Stillen hoffte er auf die Zeit und die häufigen Besuche, die er mit seiner Familie dein Pflugeisen abzustatten beabsichtigte. Roscniarie sollte mit ihm zufrieden sein.
Der zwanzigste Sepien,ber kam. - Zum dreiundzwan- zfgsteu erwartete man die Packer. Mary war mit ihren Gedanken schon in Bonn und richtete ein. An, letzten Abend vor dem Umzüge trat Heinz z» ihr ins Zimmer.
»Wollen wir »och einmal nach dein Sandberg gehen?"
Er war müde und angegriffen, da er den ganzen Tag nicht von den Büchern kam. Die junge Frau nahm Hut und Cape und hing sich an seinen Arm. Draußen dämmerte «8. Rasch ausschreitend durchquerten die beiden die Stadt und kamen ins Freie-
Heinz atmete ans. Un, den Sandberg z» erreichen.
einen kleinen Hügel, auf den, ein Wirtshaus stand, nmßte inan durch den Wald. Die Abendsonne fiel durchHie Zweige und vergoldete das dunkle Grün der alten Eichen »nd der Rüstern, die einträchtig beisammen standen. Es war still im Walde. Von fern drang dumpfer Stadtlärm herüber. Die tiefe Einsamkeit umher wurde noch sfiller, westentrückter.
Unter einer Eiche auf einer Rasenbank zog Heinz Mary auf seinen Schoß. Und ganz allein mit ihr besprach er Vergangenheit »nd Zukunft. Es war eine glückliche Stunde.
Der Doktor stand endlich auf.
„Die Bank vergessen wir nie, Liebstes. Mir ist wieder recht klar geworden, daß ich Dich liebe, wie sonst nichts auf der Welt »nd Dich so nötig brauch«, wie meiner Augen Licht."
Mary schmiegte sich an ihn.
„Und Du?" flüsterte sie zärtlich, „bist meines Lebens Inhalt, bist mir das Leben selbst. Ohne Dich würde »min Dasein wertlos sein! Ich iveiß gewiß, wenn ich Dich ver- Vieren würde, da würde ich sterben müssen."
„Du würdest leben, mir zuliebe", antwortete er ernst. „Für unser Kind. In meinem Geist, in meinem Sinne ihn zu erziehen, wäre dann Deine um so heiligere Pflicht, als Du allein weißt, wie ich's gewollt hatte."
Er verstummte plötzlich Wehmut erfüllte sein Herz. Mary? Augen füllten sich mit Tränen.
Der Waldessaum war erreicht. Vor ihnen dehnte sich der Sandberg.
»Ob wir noch einkehren?"
„Ich fürchte, wir kommen vor Mitternacht nicht heim", meinte Mary bedenklich
„Was schadet das? Seien wir einmal leichtsinnig! Schlimmsten Falles gibt uns der Sandwirt Wagen und Pferd. Wir fahren auf dem kürzesten Weg, auf der Landstraße kaum eine halbe Stunde. Wenn Du nicht gar zu inüde bist ..."
„Ich denke nur an Dich", wehrte die junge Frau. »Du sollst Dick, schonen, bot bi*r Doktor oelaat"
mehrere Diebstähle au». Bei der Haussuchung wurden :,od> viel wertvolle Sachen gefunden. Die Diebin wird wohl jetzt hinter vcrschlosicner Türe mit gemischten Gesühlc» der Freuden de» Karneval» gedenken. — Im Teich ertränkte sich ein: ältere ledige Person au» Schlitz aus unbekannten Gründen
" Ziegenderg. 12. März. Hier fand eine Versammlung der Bürgermeister des Usatale» und verschiedener anderer Interessent» statt um eine Aussprache über die elektrische Bah» Butzbach—Bad-Nauheim herbeizusührcn. Bestimmte Beschlüsse wur den nicht gefaßt, jedoch kam man überein, an beide Landtage - Preußen und Hesicn — Eingaben zu machen, in denen un, Anbau der Usingerbahn aus beiden Landesgebieten gebeten wir»
* Butzbach. 11. Marz. Dieser Tage erhielt ein wohlhaben der iEnwohner aus Pohl-Göns einen Brief, welcher die Ans sorderung enlhiell, bis zum Samstag eine Anzahl IN Marl- scheine postlagernd Butzbach einzusende», andcrensalls er erschaffen würde. Der Bedrohte suchte Hilft bei der Polizei, die den Schalter beobachten ließ und den Erpresser in der Person eines jungen Burschen aus Pohl Göns vcrhastcic, als er den Brief mit fingierter Einlage abholen wo.te. Was de» jungen Menschen aus die schief« Ebene brachte, ist undegrcislich, da er dis zur Stunde ein tüchtiger und fleißiger Bursche gewesen ist. Möglich, daß er sich der Lektüre von Schuiidromanc» hingoh
* Gießen, 11. März. (Schöffengericht.) 1) Der Oie- ftgenheitsarbeiter Wilhelm Weber den Gießen sollte am Morgen des 5. Januar durch einen Gerichtsvollzieher mit Grund eines Haftbefehls dem Amtsgericht zum Zwecke der Ableistung des Offenbarungseides vorgesührt werden. Er leistete zunächst dem Gerichtsvollzieher passive» Widerstand, indem er erklärte, er würde nicht initgehcn und es bringe ihn auch keiner dazu. Der Gerichtsvollzieher sah sich deshalb genötigt, einen Schutzmann herbei zu rufen. Aus diesen entlud sich nun die ganze Wut des Weber. Er bedachte den Schutzmann mit den gemeinsten Schincpfwort-'ii, drang niehrmals auf ihn ein und bedrohte ihn mit Totstechen. Schließlich wurde er handgemein, soduß sich ein heftiger Kampf zwisck>en beiden entwickelte. Ter Gerichtsvollzieher sah sich deshalb nach weiterer Hilfe uni, und holte noch zwei Schutzleute herbei. Dem gemeinsanien Vorgehen dieser dre> Sicherheitsbeamten gab Weber schließlich nach und ließ sich znm Justizgebände abführen. Weber erhielt heute wegen Beamteiibclcidigung, Bedrohung, Widerstand usw. eine Ge- samtgcfängnisstrafe von 4 Wochen. 2) Im aiigetrnnkenei, Zustande rüttelte der Student Adolf L. von hftr an einer Gaslaterne, sodaß Glühstrumps und Eylindcr entzwei gingen. Er erhielt wegen Sachbeschädigung eine Geldstrafe von 25 M eventuell 5 Tage Gefängnis. 3) Die beiden jugendlichen Arbeiter Wilhelm W. und Heinrich M. von Alten-Bnseck, ivarfen auf dem Heimweg von der Arbeit mit Steinen nach einem anderen Arbeiter, wobei W deni Arbeiter ein Loch in den Kopf warf. Beide erhielten die Straft des gerichtlichen Verweises.
* Gießen, 11. März. In der gestrigen Versammlung der BLrgervcrcin, mußte wegen Verhinderung des Proftffors Sommer dessen ongekündigter Vortrag ausfallen. Uebcr die Gcwerbcausstellung 1914 für Obcrhesscn und angrenzende Ge- biete sprachen Pros. Krausmüllcr und Architekt Kösterbeck. Er- srerer legte dar, daß die Anregung zu derselben von dem Orl» gewerbevercin Gießen ausgegangc», nachdem in zirka 50 Iah, re» keine Gewerbeausstcllung hier stattgefunden habe, daß sie aber doch nicht nur eine Ausstellung für Gießen, sondern für
Doktor Heinz lachte sein schönes, sorgloses Lachen. „Ich habe mich nie wohler gefühlt."
Nach dem Abendbrot brache» die Gatten auf. Mary verschrnähte den Wagen, zog indessen den kürzesten,!; hausfto iveg vor.
Bcinl Essen war Heinz übermütig gewesen, hatte gescherzt, gelacht und Zulnnftsplänc gesponnen. Ans dein Heimwege wurde er still. Er schob seinen Arm durch den der Frau und stützte sich schwer auf sie.
„Ich bin sehr müde", gestand Heinz ans ihre besorgte Frage.
Es war nach Mitternacht. Im Pflugeisen war alles dunkel, die Leute zu Bett. Heinz küßte seine Frau, die schlafen ging, zärtlich. „Hab' Dank, Geliebte, für den schöne» Tag, er wird mir unvergeßlich sein."
Sie sah in sein Gesicht, das bleich nnd niüde anssah. „Willst Du nicht auch zur Ruhe gehen, Du »intest Dir zu viel zu, Heinz."
„Nur noch ein Viertelstundchen. Ich sehe »ach der Post und lese die Zeitung. Du wirst noch zu dem Jungen gehen."
Der Kleine lag mit schlafiotem Gesicht in seinein weiß umsponnenen Gitterbettchen, die dicken Fäustchen um die Stäbe gepreßt. Sanft löste die Mutter die süßen Kinderhändchen und drückte einen Kuß auf sein blondes Gciock. Dann schlich sie sich leise, um die schlafend« Sophie nicht zu stören, in ihr nebenan gelegenes Ziimner und entkleidete sich. Sie wartete eine Weile auf ihren Mann, allmählicy siegte die Müdigkeit.
Sie sank in Schlumnicr, aus dem sie bald darauf er- schreckt auftnhr. Die Lampe brannte, der Wind strich durch das offene Fenster, die Vorhänge bewegten sich leicht. Heinz' Bett war leer: er fehlte ffn Zimmer. Sich schnell erinun- ternd, sah Mary auf die Uhr. Sie stand auf zlvei: cs war halb eins gewesen, als sie ihr Lager ausgesucht batte. Das bedeutete ein niid eine halbe Sttinde, die Heiiiz feinciu
Schlafe entzog.
(Fortsetzung fotflt).


