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Beilage zurNeuen Tageszeitung."

Grdenktage.

6- Maxim, v. Alinger, Dichter, 's'. 1888 Kaiser

Wilhelm 1- f. 1896 Hochwasserunfälle int Schwarzwald, -

Dnppcl.

3»t Erinnerung des Feldzuges vor 50 Jahren.

Don Hauptmann H eu bes.

Im Brennpunkt des Deutsch-Dänischen Krieges, der be- wnntiich um die Freiheit Schleswig-KolsteinS geführt wurde, steht die Erstürmung der Düppelcr Schanzen, deren custe Beschießung am 15. März 1864 begann und mit dem erfolgreiche» Sturm am 18, April zugleich Anfang und Ende des Krieges in sich begriff. Es ist daher lohnend, hier die Feder anzusetzen, zumal noch manches ungenutzte und unbekannte Material zur Beleuchtung dieses wichtigen Zeit- ebschuitteS in folgendem dienen kann.

Die Schanzen waren von den Dänen mit allen Mitteln der damaligen Befestigungskunst angelegt. Man hatte sich fo eine sehr starke Stellung geschaffen von einer Frontaus- tchnung von nur vier Kilometern. Sie war um so stärker, elä die Schanzen auf Hügeln lagen, die ihrerseits schon das ganze vorliegende Gelände beherrschten und ans beiden Flü­geln am Meere eine Anlehnung hatten, so daß Umgehungen ausgeschlossen waren. Ferner war so die starke dänische Marine imstande in da? Gcsecht einzugreifen, ebenso wie die dinier der Stellung auf der nahen Insel Alfen gelegenen Strandbatterien, die besonders die rechte Flanke schützten. Durch einen stark befestigten Brückenkopf war außerdem die Verbindung mit der genannten Insel sicher gestellt.

Seit Anfang Februar standen di« preußischen Negimen- ler vor der Stellung, und die zahlreichn Erkundigungsge- sechte hatten ergeben, daß man die Dänen nur durch eine regelrechte Belagerung besiegen könne. Dem Oberbefehls­haber, Prinzen Friedrich Karl sind vielfach gar schwere Vorwürfe gemacht worden daß er nicht energisch gemig und rascher zugegrifsen habe. In einem Briefe schreibt Man- teuffek an den Prinzen:Ich verberge es Eurer Königlichen Hoheit nicht, Sie werden streng kritisiert. Man wirft Euer Hoheit vor, der Auftrag, vor > l stehen zu bleiben fei Ihnen unangenehm gewesen, und weil Ihnen der Auftrag eben nicht gefallen, seien Sie verdrießlich geworden und nur halb und nicht mit fröhlichem, frischem Herzen an Ihre Auf- gäbe gegangen: darüber sei kostbare Zeit verloren worden/ Daß dem lebhaften Prinzen eine förmliche Belagerung nicht so lieb war und so lag, wie ein frischer, fröhlicher Be­wegungskrieg, ist nur zu sehr zu verstehen aber als preußi­scher Soldat und General führte er den Befehl seines Königs au?, so gut er wußte und konnte. Er selbst hat eingehende Rekognoszierungen vorgenommen, die in ihm die Ueber- zeugung reifen ließen, daß das bevorstehende Stück Arbeit kein leichtes sein würde. Er selbst sagt in voller Ueberein- stimmung mit seinem Generalstabschef Blumenthal: Düppel ist ein Stück Sebastopol, eine von Natur starke Stellung von der Art, daß sie in der Feldschlacht nur ungern von einem weit überlegenen Gegner angegriffen werden würde. Die Schanzen waren mit hundert Kanonen des schwersten Kalibers armiert und so angelegt, daß sie sich durch Kartätschseuer und Gewehrfeuer gegenseitig flankierten und

Montag, den 9. Mürz 1914.

Am 15. März vollendet Professor von Behring sein 60. Lebensjahr. Professor von Behring erfand das bekannte Heilssernm gegen die Diphterie.

schützten. Zu jeder Zeit des Tages und der Nacht konnten alle Waffen zum Gefecht entwickelt zwischen den Schanzen hervorbreche« und ebenso unter dem Schutze ihrer weit- tragenden, allerschwersten Geschütze sich wieder zurückziehen. Dasselbe konnte di« ganze feindliche Arme« die dort stand, deren Stärke zwischen 28 und 31 Bataillonen geschwankt hat, gleichzeitig unternehmen." Auch Moltke war der An­sicht des Prinzen, daß die Schanzen nur nach einer regekrech- ten, mehrwöchentlichen Belagerung zu nehmen seien.

Dan man jedoch nur Feldartillerie ztw Zeit zur Der- fügung hatte, so mußte man das Eintreffen der schweren Ge­schütze erst abwarien, ehe man mit der Beschießung beginne« konnte. Die ersten Geschütze konnten am 15. Marz ein flankierendes Feuer gegen den linke» Flügel der Schanzen eröffnen, nachdem der Batteriebau auf der Halbinfel Btvacker nach manchen, den Feuerbeginn verzögernden Schwierigkeiten endlich geglückt war. Auch die Jngenieur- arbeiten, dos Ausheben der Parallelen, nahm seinen An­fang und unter mehrfachen heißen Dorpostengefechten feinen ständigen Fortgang. Bis. zum 11. April waren drei Lauf­gräben angelegt, und in der Nacht vom 14. zum 15. April hob man die vierte Parallele aus in einer Entfernung von 200300 Metern von den Schanzen entfernt. Inzwischen übten di« Stucmkolonnen sich in der Ueberwindung von Hindernissen, wie sie sich ihnen entgegenstellen würden. Der Prinz Friedrich Karl hatte selbst eine eingehende Instruk­tion über den Sturm ausgearbeitet und sie im Wirtshause von Wielhoi am 17. April seinen Unterführern bekannt ge- macht. Nach ihr war der Sturm auf den 18. befohlen. Nach sechsstündigem lebhaften Feuer aus allen Belagsrungsge- schühen sollten um Punkt 10 Uhr vormittags die sechs Sturmkolonnen unter Leitung des Generals von Manstein aus der letzten Parallele gegen die Schanzen 16 vor­brechen, während zur gleichen Zeit die starken Referveit dicht aufrücken sollten. Auch alle übrigen Truppen standen an

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bestimmten Plätzen bereit, um nach Bedarf sofort eingreifen zu können.

Der Morgen des denkwürdigen 18. April brach an. Seit 4 Uhr früh donnerten unaufhörlich die Kanonen. Prinz Friedrich Karl schildert seine persönlichen Eindrücke und seelischen Empfindungen also:

Als ich am Morgen mich in den Sattel setzte, hatte ich eine gewisse Besorgnis, die Dänen könnten die Anhäufung von Truppen bemerkt und die Schanzen freiwillig verlassen haben.Alles unverändelt" lautete die tröstliche Antwort von der Brigade Schmid bei Rackcbüll, und ein:Ich habe sie", war der Refiain in meiner Brust. Mit diesen Gefühlen betrat ich den Spitzberg. Es mochte gegen hfj 10 Uhr sein. DerRolf .Krake" lag mit zurückgeschobenen Feuern an der alten Stelle und trocknete seine Wäsche.Sie haben also nichts gemerkt", sagte ich mir. 10 Ubr rückte heran. Die Spannung war groß. Vier Musikchöre unter demgroßen" Piefke vom Leibgrenadier-Regiment intonierten den de- rühmten Dorckschen Marsch, dann den nachher noch volks­tümlicher gewordenen Diippelmarsch. Unsere Kolonnen eil­ten nicht, liefen nicht, sie rasten vorwärts."

Punkt 10 Uhr hatte, wie befohlen, der Kanonendonner gesrbwiegen. Dann erfüllte bald das brausende Hurrage- schrei stürmender Sieger und das Geknatter des feindliche» Gewehrfeuers die Lust. Wie eine rasende Welle stürmten die waffenblitzenden Kolonnen dahin. Um 10 Uhr war man zum Sturm losgebrochen und 4% Minuten nach 10 wehten die preußischen Fahnen zuerst auf Schanze 6, fünf Minuten nach 10 auch auf 3 >md 5. Was von den Mannschaften nicht durch Befehl oder andere zwingende Gründe als Besatzungen in den Schanzen zurückgehalten werden mußte, stürmte un­aufhaltsam vorwärts. Schanze 8 wurde durch zwei Kom­pagnien des 18. Regiments aus Flanke und Rücken gestürmt, Schanze 9 durch Kompagnien des Leibregiments. Der Kom­mandeur, Oberst v. Berger, war der erste im feindlichen Werk. Schanz« 10 irortet den Sturm nicht ab, sondern er­gab sich.

Um 12 Uhr 40 Minuten mittags konnte Friedrich Karl schon an den König in Berttn telegraphieren:Ich lege zehn Schanze» Euer Majestät zu Füßen." Um 2 Uhr nachmittags folgte die Meldung, daß der Brückenkopf genommen sei. Die Antwort König Wilhelms lautete:Nächst deni Herrn der Heerscharen verdanke ich meiner herrlichen Armee und Deiner Führung den glorreichen Sieg des heutigen Tages. Sprich den Truppen meine höchste Anerkennung und meinen König­lichen Dank aus für ihre Leistungen."

Im Hauptquartiere des Prinzen befand sich ein fran­zösischer Generalstabsoffizier, der den Krimkrieg mitgemacht hatte. Unter einem Strom von Tränen ,die vor Begeiste­rung über seine Wangen liefen, gratulierte er dem Prinzen mit den Worten:RouS avons pris un Malakoff, vo:>s cn avcz pris bis J

Trotz dieses herrlichen Erfolges war Prinz Friedrich Karl doch, auch mit sich selbst, nicht ganz zufrieden. Er hätte den Sieg lieber weiter ausgenutzt und wäre noch Alfen hinüber gegangen. Aber ihm wurde von verschiedenen Seiten abgeraten, um nicht ein so schönes Unternehmen durch ein sehr gewagtes zweites in Frage zu stellen. Unzwnsel- haft wurde man es in gleicher Lage sechs Jahre später ge- tan haben. Es standen allerdings noch 20 frtWip Bttr-llo-ie

Zinn Vfingeisen.

Roman von M. P r i g g e - B r o o k.

41 (Fortsetzung).

Rosemarie brachte die alte Wiege herbei, in der seit Jahrhunderten die Sebalds geschlafen: sie müht« sich auch um die kleine Ausstattung, so west sie nicht schon vorhanden war. Dennoch kam sie der jungen Frau nicht näher. Ihre Liebe galt nach wie vor Heinz, mit dem sie sich ausgesöhnt fühlte in der Freude auf den kommenden Erben der Firma, für die sie arbeitete und strebte: daß dieser Erbe nebenbei noch eine Mutter haben würde, der der Hauptanteil seiner Liebe zufiel, vergaß sie.

Der Winter verging. Der Doktor und seine junge Frau lebten für sich.

Rosemarie nahm wie gewöhnlich an den zahlreichen Fa­milienfesten teil und versuchte zeitweilig ihr Pflegefind Erna zu bewegen, an den Vergnügungen der Jugend teilzu- nehmen. Doch das Mädchen zeigte wenig Lust, auszugeheu. Sie saß lieber in Marys phantastisch ausgeschmücktem Zimmer und lauschte ihren Erzählungen von einst. Sie batte ihre Liebe zu Heinz tief in ihr Herz gesenkt. Alle Zärtlichkeit, die sic empfand, schüttete sie über die süße, kleine ,rra» aus, die in der Sonne des Glücks voll erblühte. Sie hatte ihr Heimweh beesigt, die Fremdheit überwunden, und fühlte sich unendlich glücklich an der Seite ihres Heinz, lind er der über einer neuen Arbeit saß und oft die Nacht Zu Hilfe nehmen mußte, weil er sich bei Tage nicht von seiner Frau trennen konnte, blickte mit weltentrücktem Lächeln in ihr kindliches Gesicht und zählte die Tage.

Am ersten Mai erblickte ein neuer Jobst Heinrich Sebald Iiach einer bangen, qualvollen Nacht das Licht der Welt. Sein Vater zitterte für das Leben der geliebten Frau. Endlich hörte er aus dein Nebenzimmer, wohin der Dofior ihn ver­kannt, ein Schrei. Es war der Schrei seines Kindes. Des Vater- Herz erbebte in stummer Seligkeit. Schon öffnete Hg»samt die Tür.

Ein Sohn, Dofior Heinz, ein prächtiger Jungei Den Sebalds aus deni Gesicht geschnitten. Stimmen Sie schnell zu Ihrer Frau."

Er lag vor ihrem Beste auf den Kiste« und küßte ab­wechselnd die fieinen, weißen Hände und das blasse Gesicht, in das der Schmerz tiefe Falten gezeichnet.

Mein Lieb, mein Weib", flüsterte er beweg!. Eben brachte die Wärterin den t» Spitzen gehüllten Kleinen. Marys schwache Hände betasteten das Herne Bündel.

Dein Sohn, Heinz", sagt« ste feierlich.Unser Sohnl Hast Du gewußt, daß nmn ihn so lieb haben kann?"

Zärtfich beugte sie sich über dos winzige Gefichtchen und drückte einen Kuß auf die Herne Stirn.

Draußen läuteten die Glocken den Sonntag ein. Rose­mari« war mst Luise und Er>m zur Stirche gegangen. Vor­her noch kämpfte die fimge Frau mit ihrem Schmerz Hopste sie an des Bruders Tür. Er öffnete und zeigte ihr kein verstörtes, von banger Sorge erbfaßtes Gesicht. Er­schreckt faßte sie feine heiße Hand.Du fieberst ja, ist etwas geschehen?" ,

Wenn sie mir stirbt, ich überlebe es nicht", sagte er heffer.

Sie wandte sich ab. Eifersucht nn Herzen. Von der Wärterin erfuhr sie, daß man das frohe Ereignis jeden Augenblick erwarte.Die Frau ist sehr schwach", fügte die Alte hinzu.Wenn nur alles gut geht."

Rosemarie konnte nicksts helfen: sie ging. Zum erften- male konnte sie in der Stirche nicht beten. Ihre Gedanken weilten im Pflugoise«. Wenn Mary starb? Sie erschrak selbst vor der wilden Freude, die plötzlich in ihr aufstieg, fast hätte sie sich darum gehaßt, aber es half nichts, der Ge­danke kehrte wieder.

Wenn Mary starb, gehörte das Kind ihr. Sie durste es hüten und pflegen, wie einst den Heinen Heinz, der dann wieder der chrige wäre. In das alternd« Herz des Mäd­chens zog Seligkeit. Sie konnte den Schluß des Gottesdien­stes nicht erwarten, sie mubte beim.

Im Pstugeisen öffnete Monika die Tür. Die alte, treue Seele hatte ihre Herrin kommen sehen und erwartete diese nun.

Ein Sohn, ein Sohn!" Sie lachte und weinte,lind unserer Frau geht'? gut."

Rosemarie hatte di« Klinke erfaßt. Plötzlich wandte sie sich um.Ich komme, wenn ich mich umgekleidet habe", nritrmelte sie.

Oben mirtzte sie sich erst fassen, bevor sie ihre sündhaften Gedanken zur Ruhe gebracht und bei der Schwägerin cin- treten konnte. Sie fand Heinz nn ihrem Bett, die Hand der Leidenden in der seinen.

Sie schlummerte. Der gückliche Vater legte den Finger an die Lippen, um Rvfemarie zu bedeuten, nicht näher zu treten.

ES hätte des Winkes nicht bedurft. Ohne einen Blick aiff die junge Frau, wandte sie sich der Wiege zu, in der der jüngste Sebald schlummerte. Der Anblick des Bübchens rührte ste. Er glich aufs Haar seinem Vater und erinnerte sie lebhaft an die schönste Zeit, in der sie ihm alles gewesen!

Mein bist du, mein", flüsterte sie leidenschaftlich.Des Hauses Stind."

Der Kleine erhiett ln der Taufe die üblichen Familien­namen und wurde auf Wunsch seiner Mutter Heinz ge­nannt. Die Tante protestierte.

Es geht der Reihe nach Er müßt« Jobst heißen. ' ' unser seliger Vater", erklärte sie.

Mary kümmerte sich nicbt darum. Das Kind w"- Stolz und ihre Wonne. Sie ging völlig in dem P' ' , auf. Selbst Heinz kan: einstweilen nicht zu seinem Reö bettagte sich scherzend über Zurücksetzung.

Du wirst mich noch eifersüchtig machen", drohte er. Wahrheit war er in den Jungen ebenso verliebt wie > kleine Frau, die die Strapazen des Wochenbettes schnell v ' wand und wie eine Rose blühte. Sie war schöner denn je, und entzückte die ganze Verwandtschaft, die ihr gleichwohl nickt näher kam