Nr. 58
51«»« Lag«»t«it»ug. Samsiag, kt« t. 9tf«| 1914,
E«i,. 5
ZUM Vfirrgeileri.
Roman von M. Prigge-Brssk.
10 (Fortsetzung).
Die junge Frau weilte am liebsten dort, sie fühlte sich heimisch zwischen den Sachen, die des Verstorbenen Hand berührt, hier empfand sie auch das Heimweh und die Vereinsamung niindcr, die sie zuweilen bedrückte. Denn ungeachtet
der tiefsten Liebe, die Heinz ihr entgegenbrachte, ungeachtet des reichen Glückes, das ec ihr bot gab es doch viele Stunden, in denen Mary einsam war.
Ihr Mann hatte sie der Familie vorgestcllt, die üblichen Gegenbesuche kamen, Einladungen schlossen sich an, die, da sie aus Rücksicht auf die tiefe Trauer der jungen Frau sich auf den engeren Kreis beschränkten, njcht ausgcfchlagen waren. Doktor Heinz wünschte dringend, daß seine Frau den Seinen näher trete, da er aber selbst zu keinem von ihnen, Tante Julie ausgenommen, in näheren Beziehungen stand, blieb Mary ihnen fremd.
Man fand sie reizend, lobte die tadellosen Manieren und die großstädtische Gewandtheit der kindlichen Frau, da sie aber keine der landläufigen Frauentugenden besaß, sich weder für Dienstboten, noch für Kinderfragen interessierte, und stumm dabei saß, wenn die Frauen ihre Küche lobten, fand man sie langweilig und oberflächlich und bedauerte Rosemarie.
Man verstand, daß sie dem unerfahrenen Kinde nicht weichen wollte und lieber ihre eigene Häuslichkeit bcibe- bielt. •
Ter Doktor bemerkte alles und ärgerte sich. Er ver- brachte jede frei Minute bei seiner lieblichen Frau und liebte sic womöglich immer leidenschaftlicher, leider bemerkte er, daß ihre strahlende Fröhlichkeit von ihr wich. Befragt, da leugnete sie und gab nur zu, nicht wohl zu sein. Das brachte ihr Zustand mit sich.
Seit Monaten wußte Heinz, sein Weib werde ihm einen Erben bescheren, seitdem liebte er sie noch mehr, ihr süßer Leib war ihm heilig. Auch auf seine Schwester, mit der er dann und wann zusanunentraf, schien die Erkenntnis von Marys Zustand Eindruck zu machen. Sie ließ sich zu ungewohnter Zeit im unteren Stock sehen und saß der jungen Frau still gegenüber, ohne mit einem Worte auf ihren Zustand anzuspielen. Heinz, der einige Tage später durch den Flur schritt, als Rosemarie ins Kontor treten wollte, hörte sich plötzlich anrufen:
„Auf einen Augenblick, Heinz.*
Höflich folgte er der Aufforderung und trat nach ihr in den alten Raum, in dem die Geister der Vergangenheit umgingen. Schweigend wies die Schwester auf einen Stuhl.
„Isis wahr, was Monika nur heute sagte?" fragte sie
invermittelt. „Deine Frau erwartet?"
„Seit drei Monaten", entgegnete Heinz, ein Leuchten auf seiner hohen Stirn. „Ich wußte nicht, daß Du Anteil an meiner Frau nähmtest, sonst hätte ich Dir längst die frohe Botschast gebracht."
„Eine frohe Botschaft auch für mich. Das Kind wird ein Sebald sein, glaubst Du, daß mich das kalt läßt?"
„Ich habe jeden Glauben an Dich verloren, Rosemarie", antwortete er schmerzlich.
Sic sah ihn an. Ein müder Zug lag über dem jungen Gesicht und tiefe Falten. Rosemarie erschrak plötzlich.
„Bist Du krank, Heinz?" rief sie heftig.
„Rur müde und betrübt. Glaubst Du —'
Er deckte die Hand über die Augen, um das aufsteigende Naß der Schwester zu verbergen — „glaubst Du, daß Dein Benehmen mich nicht schmerzt? Ich könnte so glücklich sein, Rosemarie, wenn Du nur wolltest."
„Du hast Deine Frau!" wehrte sie ab.
„Muß ich darum auf meine Schwester verzichten, und mischen, wie sie sich in Kummer verzehrt? Sich da und da", :r faßte ihr .Haar und berührte die grauen Strähnen, die
sich durch Rosemaries Blondhaar wand««. „Meinst Du, das quält mich nicht?"
„Du konntest es besser haben", erwiderte sie hart. „Jetzt hast Du gewählt, ich kann Mary nicht lieben, alles an ihr berührt mich ftemd."
„So wird ihr Kind Dir auch fremd bleiben?"
Rosemaries Herz pochte. Sie hatte eine Vision. Sie sah ein Kind mit ihres Bruders Zügen, ein hilftoscs, kleines Kind, wie Heinz gewesen, als der Vater ihn ihr an das Herz gelegt. Der Kleine streckte die Arme aus, Heinz Sebalds Kind. Ihr war, als müsse sie es umfangen und in dem Kinde Verlorenes wiedersinden.
„Dein Kindl" stammelte sie au? ihrem Traum „es wird auch das meine sein. Vergib mir, Heinz."
Sie hielt ihn umfangen und weinte ihren Haß und Groll an seinem Halse aus.
Der Doktor war selig. Elastischen Schrittes trat er bei Mary ein.
„Ist es nicht wie ein Wunder?" Erregt erzählte er, was
sich begeben.
„Ein Wunder, an dem ich keinen Teil habe", antwortete sie betrübt. „Rosemarie hat längst bereut. Dir weh getan zu haben. Das habe ich oft bemerkt. Ich aber zähle nicht mit, ich bin und bleibe die Unwillkommene, daran ändert auch Eure Versöhnung nichts."
Er fühlte sich in seiner Schwester Seele gekränkt. „Du tust ihr Unrecht, Du kennst sie nicht."
„Und sie will mich nicht kennen lernen", beharrte Mary.
Es nutzte nichts, daß Heinz anderer Meinung war. Sie blieb bei der ihren. Sie behielt recht.
Von Stunde an war zwischen Rosemarie und Heinz alles beim alten, zur Freude der Verwandten, die ihren Zwist schrecklich gefunden. Täglich fand Rosemarie Gelegenheit, den Bruder zu sprechen, entweder im Kontor oder im Garten wohin er manchmal zwischen der Arbeit zum Ausruhen ging.
Er arbeitete angestrengt, wurde blaß und mager dabei. Der langjährige Hausarzt warnte ihn. „Sie haben das Se- baldsche Herz, Herr Doktor; muten sie ihm nicht zuviel zu. Sonst geht's Ihnen, wie Ihren: Vater, der auch nicht hören wollte."
Der Doktor versprach alles mögliche, wenn er erst sein Examen bestanden haben würde. Bevor sein Sohn das Licht der Welt erblickte, mußte der Vater fertig sein. Zum Glück erreichte er im Frühling den Anschluß, reiste äuf vierzehn Tagen nach Berlin und kehrte als „Bestandener" zurück.
Mary hatte ihn in den kurzen Trennungstagen schwer vermißt, obgleich Rosemarie ihre Abneigung so weit besiegte, daß sich die Schwägerinne täglich sahen. Im Grunde blieb ihr Verhältnis, wie es war. Mißtrauen auf der einen, Furcht und Abneigung auf der anderen Seite, ließen eine ehrliche Annäherung nicht zu.
Heinz gab sich Mühe, seine kleine Frau von Rosemaries Güte zu überzeugen: er fand im stillen selbst, Mary gegenüber ließ sie sie im Stich. Sie war gegen niemanden schärfer, herausfordernder, als gegen das kindliche Weib, das sich so redlich mühte, seine Pflicht zu tun.
Tante Luise liebte die junge Frau, die die Beschwerden in der Schwangerschaft mit großer Tapferkeit ertrug und niemals klagte. Sie ahnte eine starke Seele in ihr. Rosemarie lachte sie aus.
„Sieh' doch gleich eine Heldin in ihr! Tatsache ist, daß sie weder nervös noch sensibel ist. Das ist kein Verdienst."
In Wahrheit nahm Mary sich zusammen, weil sie ihren Heinz über alles liebte und ihn nicht leiden sehen konnte. Er war nach deru Examen erschreckend nervös, und klagte häufig über Herzbeschwerden. Die junge Frau ängstigte sich. Der alte Hausarzt benihigte sie:
„Die Sebalds haben alle ihren Herzfehler gehabt, dabei ist mancher siebzig Jahre alt geworden. Wenn der Doktor sich schont und keine Aufregung hat, kann er's nach dem heutigen Stand der Medizin auf achtzig bringen. Aergern sie ihn nur nickt, schöne Frau." _
Mary ärgerte ihn nicht, sie betete Heinz an. Seit sie wußte, daß sie Mutter werden sollte, wuchs in ihr ein sti ft« heimliches Glück empor, an dem nur der Geliebte Anteil nahm. Rur zu ihm sprach sie von ihrem Kinde, von dem sie fest überzeugt war, es sei ein Sohn.
__ (Fortsetzung folgt). _
Vereinigte Etadttheater Frantjurt a. Bi.
Opernhaus.
Sonntag, den 8. März, nachm, halb 4 Uhr: Borstettung bei ermäßigten Preisen: „Der Zigeunerbaron". Außer Abonu. — Abends 7 Uhr: .Zigaros Hochzeit". 19. Borftcllung im Soni:- tag- Abonn. Eroß« Preise.
Montag, den 9. März, abends 8 Uhr: „Parsisal". Außer Abonn. Große Preise.
Dienstag, den 10. März, abends halb 8 Uhr: „Eugen One. gtn", 19. VorsSevung im Dienstag-Abonn. Groß« Preise.
Mittwnch, den II. März, abcntds halb 8 Uhr: „Polenblui Außer Abonn. Gew. Preis«.
Schauspielhaus.
Sonndag, den 8, März, nachm, halb 1 Uhr: Vorstellung be, ermäßigten Preisen: „Dr. Klaus". Außer Abonn. — Abends 7 Uhr: „Die Tangoprinzessin". Außer Abomi. Gew. Pr.
Montag, deir 9, März, abends 8 Uhr: „Das Phantom". 19. Vorstellung im Montag-Adonn. Gew. Preise.
Dienstag, den 19. März, abends 8 Uhr: „Seite 195". 19
Vorstellung nn Dienstag-Abonn. Gew. Preise.
Mittwoch, den 11. März, abends 8 Uhr: „Die Tangopnnzcf. sin", 17. Vorstellung im Mittwoch-Abonn. Gew. Preis«.
Spielplau des Stadttheatcrs in Gießen.
Sonntag, den 8. März, nachm, halb 4 Uhr: Bolksvorst.'ll. ung: „Krieg im Frieden". Ballspiels«. — Abends halb 8 Uhr: „Wie einst im Mai". Gew. Preis«.
Kirchliche Anzeigen.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag Reminisere, 8. März.
. Gottesdienst in der Stadtkirch«.
Vormittags Ski Uhr: Herr Pfarrer Ritter.
(Benutzung der hohen Kanzel).
Nachm. 2 Uhr: Herr Kandidat Bernhard,
Gottesdienst in der Burgkirche.
Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienst: Herr Pfr. Ritter. Rachm. SX Uhr: Herr Pfarrer Klebriger. Anschließend Beicht« und hl. Abendmahl.
Gottesdienst im Stadtteil Fanerbach.
Dorm, 19 Uhr: Herr Pßirrer Zatzmann.
Nachm. 1 Uhr: Jugendgottesdienst.
Katholische Gemeinde Zweiter Fastensonntag. 8. März
Gelegenheit zum Beichten Samstag nachmittag von 4 Uhl, Sonntag früh von U6 Uhr an.
„Großes Gebet".
A7 Uhr: Frühmesse mit Beginn der Betstunden
8 Uhr: Hl. Messe.
XtO Uhr: Hochamt.
Nach dem Hochamt« werden di« Betstunden den ganzen Tag durch fortgesetzt bis Abends 6 Uhr, zu welcher Zeit die letzte Stunde beginnt: zu Ende derselben ist seierlicher Schluß.
Mit dem heutigen Sonntag beginnt di« Zeit für die österliche Kommunion.
Dienstag und Freitag Abend sind um A8 Uhr die in de, Fastenzeit herkömmlichen Andachten.
Feierabend Friedberg.
Jeden Sonntag abends von 8—y 2 10 llyr Versammlung.
Sonntag, den 8. März: Vortrag: „Das Handwerk einst
und jetzt".
„Feierabend" im Stadtteil Faurrbach
Jeden Sonntag: Spiel, und Leseabend _
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Zur Frü ly änrsaussaat
halten wir grosse Lager in garantierten Originalabsaaten, reinen Sorten bereit:
Ia. Saatsommerweizen (Roter Schlanstedter, Ble Japhet.) la. Sautsomnierroggen (Petkuser)
Ia. Saatgerste (Hanna, Goldthorbe, New bourton malling)
Ia. Saatmais (echt „Virginia“, Natal)
Ia. Saathafer (Beseler II, Strube, Ligowo, Kirsche, Fichtel- gebirgs, Anderbecker, Leutewitzer, Heyne’s ertragsreichster) Ia. Kleefarnen (Rotklee und Luzerne, Incarnat in höchster Keimkrait, sämtliche Sämereien)
Ia. Ruukelkerne in allen Sorten Ia. Saatwicken, Saaterbsen
Ia. Saatkartoffel, norddeutsche Ware, (Magnum bonum, Früh- rosen, Kaiserkrone, Paulson’s Juli, Perle von Erfurt, Ella, Industrie, Märker, Wolthmann No. 34, Saß, Up-to-date, Silesia, Böhm’s Erfolg, Böhm’s Hassia, Vater Rhein etc.
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Sämtliche Kunstdünger:
Chilesalpeter (is—16 0 /, Stickstoff), roh und gemahlen Pera-koano (7X10X2), Füllhommarke Schwefelsaures Ammoniak, Kalkstickstoff Kali (40°/,). Kainit (12,4%), Thomasmehl (16 — 18%) Superphosphat (S. P. 20 und 22) sowie sämtliche Misch- Dünger von Ammoniak — Kali — Salpeter — Superphosphate mit höchstem Gehalt, zu den billigsten Preisen in jedem Quantum. Um recht frühzeitige Angabe des Bedarfes wird höflichst gebeten, damit die nötigen Dispositionen getroffen werden können.
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