Neber licht.
— Gestern Vornrittag fand die feierliche Beisetzung des Bischofs von Osnabrück, Hubertus Boß, statt Als Vertreter des Kaisers war Oberpräsident von Wentzcl anwesend.
— Ein Grubenunglück ereignete sich aus der Zeche 1—G der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser." Durch die Explosion eines zu ftüh losgegangenen Sprengschusses wurde ein Bergarbeiter getötet, einer schwer und und mehrere leicht verletzt.
— Das Schwurgericht zu Graudenz verurteilte die Ren- tiersfra,, Luise Haß in Marienwerder wegen Giftmordes zum Tode. Sie tötete ihren 49jährigen Mann durch Klöße mit Rattengift, um den Liebhaber heiraten zu können.
— Das Schwurgericht zu Marburg verurteilte gesteren den Zigeuner Ebender zu drei Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.
— Die Zweite Kammer des Landtages der Reichslande nahm gestern den Dispositionsfonds des Stafthalters in Höhe von 190 000 Jl mit 25 gegen 12 Stimmen an. Tie Zentrumsabgeordneten Hackspiehl und Wetterlö enthielten sich der Stimmabgabe.
— Wie in Bukarest verlautet, wurde der TebreSzincr Attentäter, der Student Catharou in Kischinew, in dem Augenblick verhaftet, als er im Begriffe stand, die Stadt zu verlassen.
— Der ehemalige rumänische Finanzminister Burew, Wurde, wie Sofiaer Blätter melden, wegen Gefährdung der Staatssicherheit verhaftet, jedoch gegen Stellung einer Kaution von 100 000 Franken wieder auf fteien Fuß gesetzt. Er soll sich anläßlich der Wahlbewegung in heftiger Rede gegen die Regierung gewandt und eine maßlose rnsfophil« Agitation im ganzen Lande betrieben haben.
— Die Skupschtina von Montenegro hat das Gesetz über die Versorgung der Invaliden aus den letzten beiden Kriegen angenommen. Ilnterstiitzungsber.'chtigt sind ungefähr 3000 Familien.
— Aus Larrasch (Marokkos wird rin Fall von Pest ge- ineldct ,der nach zwei Stunden tödlich verlief. Zwei wertere pestverdächtigc Arbeiter wurden unter Beobachtung gestellt.
— Nach einem Telegramm aus Ehartum in Aegypten hat zwischen einem Bataillon der ägyptischen Armee unter dem Befehle des Major? Conry und einer Schar von Rebellen bei Uadi Hadi ein heftiger Kampf stattgefunden. Die Verluste der Rebellen, die vollständig in die Flucht ge- schlagen wurden, sind sehr beträchtlich. Der Major Conry siel im Kampfe.
— Die mexikanischen Rebellen wurden nach einem hef- tigcn Kampfe in der Nähe von Torveon von den Regie- rnngstruppc» in die Flucht geschlagea. Sie ließen 400 Tote mif dem Schlachtfelde zurück.
— Felix Diaz fährt selbst nach Washington und sucht von den Vereinigte» Staaten die Zusage zu erlangen, man werde ihn a»erken»eu, wenn er Huerta stürze. Diaz glaubt, er könne dies in 36 Stunden erwirken. ,
Mt SfrUuntr des Dreibundes iu den riljjWen Rüstungen.
Nach Auskünften, die dem Wiener Korrespondenten der .frankfurter Zeitung" im Laufe einer Besprechung der Pressemeldungen über die russischen Rüstungen und deren Rückwirkung auf die Dreibund-Regierunge» von einer sehr hohen diplomatischen Seite gegeben wurden, wird weder Oesterreich-Ungarn noch Deutschland irgend etwas besonderes unternehmen. Insbesondere wird man nicht über das Maß 0er schon erhöhten Truppcnstände iu den Grenzbezirken noch Ineitere Reserven einberufen. Damit würde man nur große Kosten mnchcn und die Volkswirtschaft beunruhigen. Die Bestände an der Grenze seien stark genug, um jeder Ueber- rnmpclung vorzubeugen. Man könnte auch in Petersburg nicht Vorstellungen erbeben wegen der Probemobilisationen, da das eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines ftemden Staates und schon fast ein Akt der Feindselig- krit wäre. Auch könnten die Regierungen so fortgeschrittener Länder wie Deutschland und Oesterreich-Ungarn keinen Präsentivkrieg ftihren, dessen Notwendigkeit sich nie erweisen ließe. Es könne sich zwar kein Staat von Rußland vor- schreiben lassen, wo er seine Interessen haben dürfe. In dem Bestreben, die Türkei zu schützen, und eine Auftollung der lleinasiatischen Frage zu verhindern, stehen aber die Drei- bundstagtcil nicht abseits, sondern haben auch England an ihrer Seite. ES sei also unwahrscheinlich, daß Rußland einen Vorstoß versuchen werde, und da politische Anhaltspunkte zur Erklärung der Probemobilisatiouen nicht vorliegen so würde inan sich dainit begnügen, ihnen innerpolitische oder militärtechnische Beweggründe znzuschreibc», tvas um so eher möglich ist, als eine Mobilisation in Rußland für viele ein- jiußrerckc Leut« die Geleaenbeit aibt, Geld 1 » verdienen.
Die Stellung der Lehrerhaft jur Kejoldungs- vorlage.
Der Preßausschuß des Hessischen Landeslehrervereins schreibt i
In einer Anzahl von Blättern des Landes wiirde in einer Besprechung der jetzigen Gehaltssituation die Stellung der Lehrerschaft in einem solchen Licht dargestellt, daß unbe- dingt darauf erwidert werden muß. Die Lehrer sehen mit tiefem Bedauern, wie sich Wege» ihrer Besoldung die Gehaltsfrage zugespitzt hat, und wie man nun versucht, ihre Wünsche und ihre Haltung als nicht gerechtfertigt zn bezeichnen, Es ist das um so schmerzlicher, als gerade die Volksschullehrer nach dem Ausspruch eines Abgeordneten der 2. Kammer von Anfang an die Stiefkinder bei der jetzigen Besoldungsvorlage waren. Ist cs nötig, a» die bei den Verhandlungen über dns Provisorium ihnen zugesllgte Behandlung zu erinnern, als man am 11. Juli 1912 den Beamten 10 Prozent der ihnen von der 2, Kammer zugebilligten Aufbesserung, den Volksschullehrern aber 26% Prozent ab- schnitt?
. Die Dolksschullehrer verlangen nichts als Gerechtigkeit, und sie verlangen nicht, „besser behandelt zu werden, wie die Staatsbeamten". Wer gerecht denkt »nd sich nicht durch die gegen die Volksschullehrer in Szene gesetzte Stimmungsmache dem Blick trübe» läßt, muß es entschieden zurückweisen, daß ein unglücklicher Ausgang der Bcsoldungsreform „allein auf die höheren Ansprüche der Volksschullehrer zurückzuführen wäre,"
Die Lehrer fordern Gleichstellung mit den mittleren Beamten, Niemand kann einwandfrei stichhaltige Gründe gegen diese Forderung Vorbringen. Daß sie aber jetzt nicht verwirklicht werden kann, damit haben sich die Lehrer ab- gefiinden. Es handelt sich für sic nur uin die prinzipielle Anerkennung und um wenigstens eine kleine Verringerung der seitherigen Spannung zwischen den penstonsfähigen End- gehalte» der Lehrer und der zuui Vergleich herangezogeueu mittleren Beanitcn, Seither betrug diese Spannung 600 Mark, nach der Regierungsvorlage würde sie sich aber auf 1080 Mark erweitert haben. Die 2, Kanimer kam den Lehrer» dadurch entgegen, daß sie de» peusioiisfähigen End- gehalt auf 4000 Mark sestsetzte und damft die Spannung um 100 Mark verringerte.
Das Geld, das die 2. Kammer für den Aufbau ihrer Lehrerskala verlairgt, ist nun nicht etwa eine verhältnismäßig höhere Aufwendung, als wie sie die Beamten be- kommen, es ist ungefähr die Suimne, die den Lehrern schon beim Provisorium hätte werden müssen, wenn man auch bei ihnen damals, wie es bei den Beamten geschah die pensionsfähigen Bezüge jeder Stufe zur Grundlage der prozentualen Aufbesserung gemacht hätte. (Siehe Bericht des Finanzausschuss.-s der 2. Kanimer, Seite 138, Spalte V!) Die jetzige Besoldungsreform sieht eine Herabsetzung der bisherigen Pensionsguote von 100 Prozent auf 85 Prozent vor. Würde die Regierungsvorlage zum Gesetz erhoben worden sein (die 1. Kammer hatte dementsprechend verfabrcu!), dann wären die Lehrer ini Höchst- pcnsionssatz nicht nur nicht erhöbt, sonderii sogar um 170 Mark gegen das Gesetz von 1907 gekürzt worden, lim den seitherigen Penfionssatz von 3400 Mark ober zu erreichen, durfte man gar nicht unter 4000 Mark pen- sionsfähiqcs Gehalt heruntergehenl Mit der neuen Reform soll außer der regelrechten Aufbesserung bei einer großen Anzahl Beamten durch den Grundsatz der Beseitigung von „Unstimmigkeiten und Härteil" eine Heraushebung aus ihrer seitherigen Stellung vorgenommen werden. Auch bei de» Volksschullehrern wurde das Vorhandensein von „Unstimmigkeiten und Härten" festgestellt, aber bei ihnen werden sie nicht beseitigt. Nein, es werden sogar eine ganze Anzahl von Beamten, denen es die Lehrer durchaus nicht mißgönnen, die aber seither gehaltlich unter den Lehrern standen, jetzt au der Regierungsvorlage verglichen, über die Volkssckml- lehrer hinausgehoben; so hatten z. B. eine Reihe von Beamten seither 2700 Mark, bczw. 3000 Mark pensionssäbiges Endgchalt, in Zukunft sollen sic 4100 Mark beziehen. Darf das die Volksschullehrer neben dem Streben auf Erfüllung ihrer allgemein als bereckrtigt anerkannten prinzipiellen Forderung gleichgültig lassen, und kann nia» cs als Starrköpfigkeit bezeichnen, wenn sie demgegenüber an dein End- gehalt von 3800 Mark festhalten? Namentlich auch dann, wenn wie oben nachgewiesen, die ulehrgefordcrte Summe fast restlos nichts anderes darstellt, als ein beim Provisorium eigentlich schon fällig gewesener Betrag? Es zeiigt daruni das Beginnen, die Lehrer bei der jetzigen Krifis der Gehaltsfrage als das Karnickel hinzustellen, von allem anderen mehr, als Wertschätzung dem Lehrerstande und der Volksschule gegenüber. Die Lehrerschaft hat eine höhere Achtung vor der Einsicht und dem Gerechtigkeitssinn unseres Volkes,
--wie. unserer, Beamteirlchast, als datz.ste.iürchien liiüßte, daß
durch solch durchsichtiges Gebahrcn irgend jemand mit einem Schein von Recht die Gehaltswünsche der Volksschullehier als ungerecht gegenüber den Beamten wie gegenüber de, Leistungsfähigkeit unseres Landes bezeichnen könnte.
Deutlcher Reichstaff.
Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag standen zunächst kleine Anfragen Die Abgeordneten vr, Becker, Hessen natl.), Dr. Gcrlach (Zentr.) und I>r. Struvc (fortschr.)' wünschten Auskunft über die Todesfälle infolge der Salvnr» sanbehandlung Sypilitischer.
Ministerialdirektor Dr. Joncquisres antwortete, daß es, an amtlichen Mitteilungen über die Todesfälle fehle, S» bedauerlich solche Todesfälle seien, so müsse doch anerkannt werden, daß das Mittel bei einer großen Anzahl von K>an- ken ohne Schädigung angcwendct worden sei, Aiich bei anderen Heilmitteln blieben vereinzelte Todesfälle nicht au?. Ein Anlaß zu einschneidenden Maßnahmen gegen das Mittel liege nicht vor; jedoch werde die Reichsverwaltung der Angelegenheit fortgesetzt größte Aufmerksamkeit widmen.
Auf eine Anfrage des Abg. Baumann (Zentr.) die Einfuhr von Weinen bctr. erwiderte
Ministerialdirektor vr. Joncquiörcs, daß ein Mißstand nicht bestehe, daß jedoch über die Herstellung von Dessertweinen unter Zusatz von Alkohol eine letztinstanzliche Ent- scheidung demnächst zur Entscheidung kommen werde.
Auf eine Anfrage des Abg. Or. Ounrck (Soz.) erwiderte
Ministerialdirektor Nr. Caspar, daß die einheitliche Re. gelang der Dienstvorschriften der Straßenbahner Landes fache fei, der Reichsregierung eine Einwirkung deshalb nichi zustehe.
Darauf wurde ohne wesentliche Erörterung der Rest des Postetats genehniigt, »nd das Haus wandte sich der zweiten Lesung des Postscheckgesetzes zu. Dazu lag ein Kompromiß- antrag vr. Ocrtcl (kons.), Beck (natl.), Nacken (Zentr ), Tode (fortschr.) vor, der einen Ausgleich zwischen der Regierungsvorlage und den Konunissionsbeschlüssen e.nstrrble und eine Gebühr von 8 Pfennig für Beträge bis 25 und von 10 Pfennig bei höheren Beträgen forderte, der Postverwaltung die Aufhebung eines Kontos bei Mißbrauch einräumte und die Herstellung der Formulare durch Privat» industrie zulassen wollte.
Abg. Bogtherr (Soz.) lehnte diesen Antrag ab, trat für die KoininissionsbeschlUssc ein und beantragte ferner, erst von 100 Jl ab 10 Pfennig Gebühr zu erheben und die Sta-nnr- einlage auf 25 Jl anstatt 50 Jl zu bemessen.
Abg. Nacken (Zentr.) führte au?, feine Freunde hätten noch viel weitergehendere Wünsche, wollen aber als Realpolitiker das Erreichbare nehmen. Der Komproinißautrag bring« viele Vorteile und man müsse anerkennen, daß die Verwaltung bestrebt gewesn sei, den bargeldlosen Verkehr zu fördern.
Abg, Roland-Lücke (natl.) erkannte an, daß in der letzter« schweren Gcldperiode der Postscheckverkehr die geschäftlich« Situation gemildert habe. Dem Mittelstände werde durch den Scheckverkehr die Einbringung von unbezahlten Rechnungen crinöglicht werden.
Abg. Frommer (kons.) trat für Errichtung eines Postscheckamtes in Königsberg ein und erklärte, dem Kompromiß- antrag bezw, der Kommissionsfassung zuzustimmen.
Nach zustiinmenden Ausführungen der Abgeordneten Schweickhardt (fortschr.) und Behrens (w. Vgg.) sprach
Staatssekretär Kraetke die Hoffnung aus, daß das Gesetz dem Scheckverkehr zu neuer Blüte verhelfen werde.
Damit schloß die allgemeine Aussprache, Paragraph 1 wurde angenomnien, ebenso der Kompromißantrng, Auch der Rest der Vorlage wurde in der Kommissionsfassimg genehmigt.
Beiin Etat der Reichsdruckerei bemängelten die Abgeordneten Irl lZentr.) und Böttgcr (natl.) die den Privatbetrieben gemachte Konkurrenz.
Abg. v. Wintcrfcld (kons.) schloß sich dem a», gab aber zu bedenken, daß die Reichsdruckerei mit dazu beigetragen babe, das Buchgewerbe so hoch zu stellen, wie es jetzt stehe. Im Buchgewerbe eines Volkes sei ein Kultrrrbaromcter enK halten.
Der Etat wurde genehmigt.
Samstag: Kolonialetat.
.prenstilchcr Landtag.
Aigeaedxetenhaa».
Die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbe- Verwaltung wurde anr Freitag fortgesetzt,
Abg. Lkincrt (Soz.) verlangt von der Staatsregieruug die ernsthafte Lösung der Arbeitslosen-DersicherungSfragL Dem Generallandschastsdircktvr Kapp von der össent.'ich- rcchtlichen Volksversicheruug sagte Abg. Leiuert nach, er h.che gelogen.
Wegen dieser Beleidigung eines Staatsbeamten, rief Präsident Gral v. Schwerin de» Redner zur Ordmuro u.rd
Nummer 36
Samstag, oen 7. März 1914.
7. Jahrgang
Neue Tageszeitung
Di- ..ri.u- Tage,,»»«,,« erlchemt jeden Werktag. Regelmäßige B-U-gen „®« Kauer o»« S*ITen“, „,i. SptunSube". Se.ugaprei»- «-> den P-I.anitalt-n Mettel,alul.ch
bei °cn Agenten monatlich 50 V\g. hinzu trttt Postgebühr oder Trägerlohn. A»r,ig.nr Errmd,eile 20 Pjg„ lokale 15 P,g„ An,eigen von au-wart-werSen ourch Potnachnahme „yol-'.n
_ Eisüllmrg-ort Friedberg. Kchrikile.tung und »erlag Friedberg (Hessen), hanauerstiaße 12. Fernlprecher 48. Postscheck-Conto Re, 48,;» Amt Frenlsurt a »I * ’ °
die heutige Nimmer umfaßt 12 Seiten.


