Beilage zur „Neuen Tageszeitung.
44
r. >.>
Freilag, den 6. März 1914.
7 > Jahrgang
Gedenktage.
t. März. 1834 Professor Gustav A. Warneck geb. — 187« Beter v. Cornelius, Maler, f zu Berlin.
Bauernregeln.
Wenn'» donnert in den Mürz hinein.
Dann wird der Roggen gut gedeihen.
Sä'st du im Mürz zu früh Isis oft vergeb'n« Müh'.
Zu Anfang zu End'
Der Mürz sein Oift verfend't.
Nimmt der März den Pflug beim Sterz. Hält April ihn wieder still.
Ist? an Mariä (25.) schön und hell, Gibt es viel Obst auf all« Fäll'.
Ist es um Lätare feucht,
So bleiben di« Kornböden leicht
Ein feuchter, fauler Mürz Ist de» Bauern Schmerz,
Ist an Ruprecht (27.) der Himmel rein, So wird er'» auch im Juli sei«.
Vom Snbwijkonswesen.
Das Submissionswesen der Stadt Köln bat eint be- nicrkenSwerte Umgestaltung erfahren und zwar nach der Richtung, das; nicht mehr der Mindestfordernde den Zuschlag bei der Vergebung städtischer Arbeiten erhält, sondern derjenige, der einen angemessenen Preis verlangt. So erhielt die Kölner Zimmermeister-Zwangsinnung ein« Arbeit von 82000 M übertragen, trotzdem sie an dritte« Stelle stand. Andere Arbeiten sind an Arbeiterkorporationen vergeben worden, obschon 18 Submittenten geringer« Angebote gemacht hatten.
Wie dieses Beispiel zeig!, gcht es in den komntunaken Dcrtvaltungcn ganz gut auch ohne Submission. Aebnlich« Beispiele gab es in Mainz, Dresden, München, Dortmund. Wo ein Wille ist, da ist immer noch ein Weg.
In Karlsruhe ist man dem Handwerk auch cnk- gegcngekommen. Zur Sachverständigenkonnnisston bei Vergebung von Arbeiten, Lieferungen und Festsetzung der Preise zu denselben, sind auf Anregung der Maler- und Tünchervereinigung die Herren Malermeister Andreas Postweiler und Einil Haag, zu Stellvertretern Albert Weber und Andr. Doll ernannt worden.
Ans der Heimat«
* Bingenheim, 5. März. Großh. Landwirtschaftslehrst' f>r. Hoffmnnn-Friedberg wird am Dienstag, den 10. März, abends 8 llbr hier im Gasthausc von Pipp einen Vortrag halten. Das Thema lautet: „Die Bedeutung der Frucht- selgc und ihre einschlägigen Systeme".
* 8e»tzen-vlnb«n. B. März. Hier ist di« Diphteritis unter den Kindern an »gebrochen. Fast kein Haus ist von der Seuche
Troppn», 4. März. Beim Eintreten der Katastrophe waren alle im Sterbezinimer Versammelten aufs Tiefste ergriffen und weinten. Eine Nonne vom Franziskanecordm drückte deni Kardinal, dessen Gesichtsziige nichts von einem Todeskampfe verrieten, die Augen zu. Im Lauf« des heutigen Tages erfolgte die Einbalsamierung und die Einsar- gung. Für morgen ist eine feierliche Einsegnung der Leiche in der Klosterkirche vorgesehen. Heute vormittag trat der österreichisch-schlesische Landtag zu einer Trauersitznng zusammen, wobei der Präsident Graf Larisch dem Kardinal einen warmen Nachruf widmete. Die Ueberführung der Leiche des Kardinals nach Breslau erfolgt am Freitag inittelst Sonderzuges, Die Einbalsamierung nimmt der Prorektor des Troppauer Krankenhauses, vr. v. Matter», vor. Als einer der ersten sprach der Landespräsident Heinrich Graf v. Coudenhove vor, um den Angehörigen sein Beileid auszudrückcn. Er verharrte länger« Zeit nr stummem Gebet vor der Leiche.
BrcSla«, 8. März. Die Beisetzungsfeierlichkeiten !m Dome zu Breslau werden am Dienstag .den 10. März, vormittags 10 Uhr, stattfniden. Die Gedächtnisrede wird der Erzbischof von Köln, vr. v. Hartniann, halten.
verschont geblieben: doch verläuft di« Krankheit bisher recht gutartig.
• Schotten, 5. Mürz Ende voriger Woche weilt« ein Gen«- ralftabsosfizier im Vogelsberg, der unter Führung rin«» Forstmeister» von Schotten au» da» Oberland besucht«, um sich über die in den Generalstabskarten noch nicht eingetragenen Aende- rungon zu vergewissern. Daraus dürft« mit Sicherheit hervov- gehen, dost der wesentliche Teil der Kaisermanöver im Vogel»- berg stattfinhet, __
* F, C. Frankfurt a. M., 8. März. Die ersten Flöße aus dem Main, sechs an der Zahl. 2000 Kubikmeter, passierten gestern auf der Fahrt nach Mainz die Stadt, Sie sind Eigentum der Firma Vowinkel in Mainz.
* Frankfurt a. M., 8. März, Aus einer verschlossenen Wohnung des Hauses Domstraße 4, stahlen Diebe einem Geschäftsmann für 1200 M Wertsachen und ein Sparkassen- buch über 2800 M.
Hessen-Nassau.
* Griesheim a. M,, 5. März. Bei den gestrigen Wahlen zur dritten Klasse siegten die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien mit 200 Stimmen Mehrheit über die sozialdemokratischen Kandidaten zum Ortsparlamont, die 560 Stimmen erhielten. Dieser Sieg ist außerordentlich hoch anzuschlagen, da Griesheim eine Domäne der Roten ist.
* Höchst a. M. 3. Mürz. Unter Leitung de» Vcrbanbsvor- sttzcüden Pfarrers Schmitt (Höchst) fand am Sonntag im Eoan. Veveinsha.se di« Delegierten Versammlung de» Mittelrheinischen Verbandes Evangelischer Arbeitervereine statt. Rach dem Jahresbericht find dem Verbände bis jetzt 2S Vereine mit 3625 Mitgliedern angeschlossen, Neugründungen von Ortsgruppen wurden vollzogen in Eörsroth bet Idstein, Schwanhcim a. M., Rödelhelm. Höchst i. Ob. und ränkisch-Erumbach. An Stelle des ausgefchiedenen Verbandssekrctärs Schmitt trat mit dem 1. Mär, Herr Wilhelm (Höchst) in di« Dienst« de» Verbandes. Für di« Unterstützung de» Sekretariat» bewilligl« der Ausschuß der Noffauischen Landessynode einen jährlichen Beitrag von Al. 1200. Die Bericht« de» Verbandsrechners Hofmann Uber bi« Verbandskasse. Verbands-Sterbekasse und die Volksversicherung de» Vorbandes boten in allen Teilen ein Bild gesunder Fortentwicklung. Ein Antrag des Verbandsvorstandes auf Eihöhm^ des Beitrages von 55 auf 60 Pfg. pro Mitglied und Monat wurde a.bgelehnt, dagegen stimmt« man der Erhöhung von 55 auf 56 Pfg. bei. Einen breit«« Rahm«n „ahm in d«n Verhano- lungen di« Besprechung über da« Verbanbsblatt. den „Hessisch- Raflauischen Volksboten"", «in. Der Antrag Frankfurts aus Aufhebung de, Zwangsabonnemenis stimmte die Versammlung nicht zu, doch wurde auf Vorschlag des Vereins Darmstadt die Angelegenheit der Prehkonrmisston überwiesen, di« der nächsten Tagung bestimmte Vorschläge machen soll. Der Rechtsberatungsstelle zu Eietzeu bewilligt« man ein« jährliche Unterstützung von 30 Mark. Ebenso gab man einem Wunsche der Ortsgruppe 6ilc. ßen aaf Erweiterung des Gestlmtvorstande« durch Hinzuziehung eln«s Beirates Folge. In diesen wählt« die Beriommlung Ber- ti«i«r der Verein« Darmftadt. Mainz und Gießen. Zum Vor-
i iltienbeit wurde Pfarrer Schmitt (Höchktj einhellig wiederge- roählt. ebenso wurde Höchst von neuem d«r Berbandsvarort. Aus Einladung des Bereins Wiesbaden wird da» diesjährig« Verbandsfest in Wiesbaden gefeiert, voraussichtlich am 5. Juli. Mit einem Bericht de Jugendpflege IS Kratz (Höchst) über Iu- gendpsteg« und der Bekanntgabe weiterer Verbandsangclegep- heiten schloß di« Delegiertenversammlung.
* F. C. Höchst a. M., 8. März. Die Schöffen in Höchst a. M. hatten die dort wohnhafte Ehefrau Ktaharine Marx, geborene Jakobi, in zwei Wochen Gefängnis genommen. Iveil sie im vorigen Jahre verschiedentlich ihren 12jährigen Stiefsohn Anton i» grausamster Weise mit Stock. Knüppel »nd eisernen Schürhaken und dergleichen mehr mißhandelt hatte. Die Strafkammer Wiesbaden verwarf die von der Angeklagten eingelegte Berufung, während ihre Revision beim Oberlandesgericht Frankfurt Erfolg hatte. Gestern
Zum Pfluyeisen.
Roman von M. Prigge-Brook.
89 (Fortsttzung).
„Du brauchst niemanden zu furchten, wen« ich bei Dir bin." Tröstend setzte er sich auf den Bettrand und zog ihr dunkler Köpfchen in seinen Schoß.
„Wir gehen morgen hinauf, begrüßen Rosemari« und biite» sie, wieder herunter zn ziehen. Das mit dem Platz ist Uusiun, wir haben Platz genug. Du wirst sie bitten. Lieb- ring. Dir schlägt sie's nicht ab."
„Ich fürchte, sie mag mich nicht, und ich werde nicht bitten könne». Sieh', Heinz, das ist das Schreckliche an mir. Wenn ich schon merke, daß einer nicht gut zu mir ist, ziehe ich manch ganz in mich zurück. Ich kann dann »in die Welt nicht lieb und freundlich sein, nicht mal natürlich, wie ich selbst. Drum werde ich Deiner Schwester nicht gefallen, sie wird mich nicht liebeil können. Alles ist aus." Sie schluchzt herzzcrbrechend.
„Närrchen, süßes! Sorge Dich nicht. Du bist meine geliebte tleine Frau, die erste Person im Pflugeisen. Alle andern kommen erst nach Dir. Wie soll alles aus und vorbei lei» können, was kaum angefangcn hat? Wir zwei sind glücklich, daS ist die Hauptsachel Das andere findet sich!"
Er sprach, wenn auch gegen seine Ueberzeugung, so zu- ^ersichtlich, daß Mary getröstet war. Wie ein glückliches llind sah sie zu ihm auf, ließ sich die Träne trocknen und folgte ihm in das Eßzimmer, in deni der Tisch noch gedeckt fländ.
Monika bediente sie. Ihr altes Gesicht war eitel Glanz. H'ß Doktor Heinz, nachdem Mary im Schlafzimmer verschwunden war, noch einmal in die Küche blickte, saß die treue Seele am Tische und weinte.
„Na, Alte, noch immer so nahe am Wasser gebaut?" ckeckte der Doktor sie.
„Ach, lieber Gott, wenn man fast vierzig Jahre in der Familie ist, und ansehen muß, wie eines so schweres Un
recht tut. Die junge Frau ist gut und schön wie ein Engel und der Herr Doktor sind glücklich mit ihr! Ist denn da» nicht genug? Das Fräulein sollten sich schämen, aus purer Eifersucht und Eigensinn so hartherzig zu sein."
„Laß nieine Schwester aus dem S'fiele, liebe Alte", wehrte Doktor Heinz ab. „Wenn Dri itS^einen Gefallen tun willst, siehe nach meiner Frau. Sie soll sich nicht kränken: wer ihr zu nahe tritt, hat es mit mir zutun."
Monika reichte ihrem Herrn die Hand. „Ich bin unten geblieben, um nach dem Rechten zu sehen", sagte sie schlicht. „Die junge Frau wird keine Tränen vergießen, wenn ich es hindern kann."
Uni die Besuchsstunde des folgenden TageS führte Heinz Mary die Treppen hinauf. Erna empfing sie an der Türe. Sie schien geweint zu haben und eingeschüchtert zu sein, denn nach der flüchtigen Erkundigimg, was Mary die erste Nacht geträumt habe, stockte das Gespräch und wollte nicht recht in Fluß kommen.
Heinz, der !m Salon aus- und abschrftk, mißhandelte un- barniherzig seinen schönen Bart. Dies Antichambrieren auälte ihn. Rosemari« ließ sich erwarten. Eildlich schlug eine blasse Hand die Portieren zurück, hochaufgerichtet, in tiefer Trauer erschien sin.
Sie reichte Mary zwei eiskalte Finger. „Willkommen im PflugeisenI" Zu ihrem Bruder gewandt: „Gott grüß' Dich Heinzl"
Hinter ihr ging Luise schluchzend aus die junge Frau zu und drückte einen Kuß auf ihre Wange.
Heinz stand unter dem Bann de« frostigen Empfanges. Er fand keine Worte. Am liebsten hätte er seiner Empörung Lust gemacht und Rosemarie geschüttelt.
Sie saß wie eine Königin in ihrem hohen Stuhl, tot hier und da eine Frage, nahm gleichmütig die schüchterne Antwort in Empfang, die Mary sich abzwang und benahm sich im übrigen wie eine, die mtt Anstand einer schweren Pflicht genügt.
Nach einer halben Stunde erhob sich Hein», seine Ge.
dnld war erschöpft. Er bot seiner verängstigten Fran, der die Tränen nahe waren, den Arm.
„Kann ich Dich heute ungestört sprechen?" fragte er die Schwester in drohendem Tone.
„Rach vier Uhr, wenn Dll willst, im Kolitor."
Ohne sie anzusehen, schritt er hiaails.
Auf der Treppe brach Mary in Tränen aus. „Sie haßt mich, glaube mir. Ich habe es gemerkt. Die ganze Zeit, während die Tante mit mir sprach, hat sie mich angesehen, wie man was Häßliches, Verächtliches ansieht. O, Heinz, das ertrage ich nicht."
„Sie ist verrückt l" sagte er hart. „Doch tröste Dich, Liebling. Ehe ich leide, daß jemand Dir zn nahe tritt, mache ich ein Ende und brauche mein Recht."
Die Unterredung zwischen den Geschwistern erbittertc Heinz noch mehr.
Roseniarie hatte sich ihren Standpunkt zurecht gelegt und beharrte eigenfinng, der Schwägerin nichts in den Weg zu legen, ihr aber doch in keinem Stücke zu iveichen.
„Sei froh, wenn ich mich nicht ganz von Euch zurückziehe", wagte sie ihrem Bruder ins Gesicht zu sehen. „Mir paßt Deine Heirat nicht. Wenn ich mich trotzdenr der voll- zogenen Tatsache beuge, brauche ich darum keine Freundschaft zu heucheln. Meine Türe steht Deiner Gattin offen, mein Herz empfindet nichts für sie. Vielleicht ändert sich s noch, ich glaub's aber nicht. Es sollte mich freuen, wenn ich mich irrte."
„Rosemarie, Du bist schrecklich", rief er außer sich. Er sah, gegen diese Starrheit war nicht zu kämpfen. Er konnte nichts tun, als das Werk der Versöhnung der alles heilenden Zeit überlassen.
Das Leben !m Pftugeisen gestaltete sich seltsain. Die oben und unten lebten getrennt. Rosemarie hielt an ihren Worten fest und behandelte die Schwägerin wie eine Fremde, wenn sie ihr, von Heinz, der immer noch ans friedlichem Ausgleich hoffte, getrieben, einen seltenen Besuch ab- liattete, der fic£> nie über eine Stunde ausdebnte. Er wie-


