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Freitag, den 6. Wiir; 1VL4.

X\erieur Tages,eüuux" cilcheint jeden Werltag. Regelmäßige Beilagen bei den Agenten monatlich 5V Psg. Hin,u tritt Postgebühr oder Trägeilohn.

Erfüllungsort Friedberg. Zchriftleitung und Uerlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12.

..8er Kauer au» Kessen",Die Spinnst««.-". Ke.ugogrei«: Bei den Postanstaltcn o«ellel,at,«l,ch MI > >,z Anzeigen- Erundzeile 20 Psg., lokale IS Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Poltnachnahme erhoben Femlprecher 48. Postscheck-Eonto Nr. 48SS, Amt Franlsurt o. M.

Debersicht.

DerKölnischen Volkszeitung" wird aus Breslau gemeldet, daß als Vertreter des Kaisers Franz Joseph, der zukünftige Thronerbe Erzherzog Karl Franz Joseph an den Leichenfeierlichkeitrn in Troppau tejlnchmcn wird. Er trifft heute in Breslau ei».

In dem Prozeß gegen die Redakteure derWelt am Montag" wegen Beleidigung des Kronprinzen, erkannte die vierte Strafkammer des Landgerichts Berlin I gegen Hans Leus, auf sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte Alfred 3choltz wurde freigesprochcn.

Wie amtlich gemeldet wird, ist in der baherischc» ilutcrofsiziersschule Fürstcnseld-Bruck in den letzten Tagen Grippe ausgetreten. Insgesamt wurden 70 Erkrankungen sestgcstcllt. 42 Mann befinden sich noch in Behandlung Abgesehen von einem Fall, sind die Erkrankungen leichter Natur.

In das Krankenhaus zu München wurde eine an Bocken erkrankte Lokomotivsührerssrau eingeliesert und

sofort isoliert.

Das Landungskorps S. M. S.Kormoran" hat, wie auf funkentelegraphrschem Wege in Berlin gemeldet wird, mit dem Stationsleiter und der Polizcitruppe von Kiete auf der Bourgainville-Jnsel eine sechstäqige Expedition »ach dem südwestlichen Teil der Insel ausgesührt, als Demonstration und gleichzeitig als Etrasexpedition. Eine Stammessehde der Eingeborenen wurde dabei unterdrückt. Die Haltung der Truppen war vorzüglich.

In Militärkreisen aus Meran eingetroffcne Meldun- gen besagen, daß im Ortlcrgcbict, zwischen Gomogoi und der Pcüerhütte ein Detachement des 3. Landesschützen-Rrgiments bestehend aus drei Offizieren, zwei Fähnrichen und elf Mann, von einer Lawine verschüttet worden sind. Man be­fürchtet, daß alle Verschüttete tot sind.

In der pyrotechnischen Anstalt in Jckatcrinoslaw (Rußland) gerieten durch unvorsichtiges Umgehen mit Feuer, 8000 Raketen in Brand. Eine aus zehn Personen bcstehcndc Familie kam in den Flammen um.

Gestern Abend wurde die Hochzeit Enver Pascha's mit der Sultanstochtcr Prinzessin Radjic Sultana gcsciert. Sämtliche Minister, die Generalität und andere Persönlich­keiten haben sich hierzu eingefunden.

Präsident Huerta verhindert durch eine hohe Export- abgabe die Viehaussuhr aus Mexiko.

Die plitifdjc tage in Oesterreich.

Seit Jahren hat die östcrreichisch-ungarische Monarchie unter inneren Wirren zu leiden gehabt, höchstens daß cs nur ganz vorübergehend einmal etwas besser wurde, und tatsächlich haben diese Zustände dazu beigetragen, die Stcl- lung der Tonaunionarchie als Großmacht ungemein zu schwächen. Ja, man geht vielleicht in der Annahme nicht fehl, das schärfere Vorgehen Rußlands auf dem Balkan da­rauf zurückziisühren, daß man in Petersburg sich die Herab­setzung der Kräfte des Rivalen zu Nutze machen wollte. Allerdings hatte.man nicht damit gerechnet, daß die mili­tärische Stärke ini großen und ganzen noch die alte war und daß vor allem Deutschland seinem Verbündeten treu zur Seite trat. Mehrere Versuche, Ordnung in die inneren Dinge zu bringen, hatten nur geringen Erfolg, wenn sic nicht ganz und gar scheiterten, und eben ist wieder eine Ak­tion mißlungen, die für die Handhabung der Geschäfte von bedeutendem Einfluß sein sollte. Tic von der österreichischen Regierung vor kurzem eingeleiteten Verhandlungen zwischen Deutschen und Tschechen zur Herbeiführung eines Ausglei­ches in Böhmen sind gänzlich gescheitert. In einer Ver­sammlung deutsch-böhmischen Landtagsabgeordnctcn wurden die Ausgleichsvorlagen des Ministerpräsidenten Stürgkh wohl endgültig begraben; allseitig erklärte man die Aus- glcichsvorlagcn für unannehmbar und verlangte deren be­sinnungslose Zurückziehung. Ebenso erklärten die Führer der Tschechen in einer Verfamnrlung, daß sie in der bevor­stehenden Rcichsratssession unter keinen Umständen von der Obstruktion ablnssen, sondern vielmehr die Regierung zwin- gen würden, wiederum zum Paragraphen 1k zu greifen. Bemerkenswert ist, daß in der Versammlung der Deutschen unter diesen selbst zu eineni Bruche kam, indem es seitens der Deutsch-Radikalen getadelt wurde, daß die Fortschrittler ohne den Beschluß der Gcsamtversammlung abzuwarten, selbstständig bereits an, Samstag der Regierung mitgetcilt hätten, daß sie an den Ausgleichsverhandlungen nicht teil- nehme» würden. Daranfhtn verliehen die deutsch-radikalen Abgeordneten den Beratungssaal. Diese Spaltung ist für die deutsche Sache ungemein zn bedauern, hoffentlich aber wird dadurch die Taktik der deutschen Parteien nicht zn leiden haben. Durch all das ist die Lage noch verworrener geworden und es ist daher Wohl anzklnehmen, daß eine bal­dige Auflösung des Reichsratcs erfolgen wird, zumal die tschechische Obstruktion dasür sorgen dürfte, das Parlament

arbeitsunfähig zu machen. Vielleicht hat man auch mit einer baldigen Demission des Kabinetts Stürgkh zu rechnen, das sich länger über Wasser hält, als man anfänglich glaubte. Irgend welche Erfolge hat es während seiner Amtspcriode kaum zu verzeichnen gehabt und sein Abgang würde keinen sonderlichen Verlust bedeuten. Wer soll ober die Erschuft StürgkhS antretcn? Einmal wird unter den maßgebenden Politikern hierzu wenig Geneigtheit vorhanden fein und an- dererfcits fehlt es augenblicklich auch in Oesterreich an ir­gend wie hervorragenden Männern. Wahrscheinlich wird man wieder zu einem sogenannten Beanitenministcrium greifen und auf eine wirkliche Gesundung der Verhältnisse wird nian darum noch recht lange warten können.

Der Hanaltnnnel.

Nicht nur seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten erwägt man das Projekt einer Untcrtunneluug des AermelkanalS, da die, wenn auch nur sehr kurze Seefahrt doch mancherlei Gefahren in sich bergen kann und vor allen« aber auch mehr oder minder von der Witterung abhängig ist. Vor allen Dingen könnte der Verkehrsdienst dann regelmäßiger und bei weitem schneller gestaltet werden, und es liegt auf der Hand, daß eine derartige Regelung beiden beteiligten Län­dern nach den verschiedensten Richtungen hin zugute kommen würde. Bei dem heutigen Stande der Technik können Uber die Ausführbarkeit des Projektes irgend welche Zweifel nicht obwalten, und der Bau würde sich, da nach den angestellten Forschungen der Untergrund keine sonderlichen Schwierig­keiten bieten soll, in verhältnismäßig kurzer Zeit bewerk­stelligen lassen. Wenn trotzdem an die Ausführung des Pro­jektes nicht herangetreten w««rde, so hatte das seinen Grund in der Opposition der englischcn Regierung, welche mili­tärische Bedenken hegte. Man glaubte, daß in« Kriegsfälle einer französischen oder anderen Armee nach Niederzwin- gung der letzteren eine Invasion nach England ungeniein erleichtert werden würde. Nachdem nunmchr aber die Be­ziehungen zwischen England und Frankreich, die früher man- chcs zu wünschen übrig ließen, sich zu einer recht intimen Entente gestaltet haben, können die militärischen Bedenken nicht mehr derartig schwer ins Gewicht fallen, «venn gleich sie sich nicht gänzlich aus der Lust schassen lassen mögen, zu­mal es keineswegs gänzlich ausgeschlossen ist, daß eines Tages die englisch-französisch« Freundschaft angesichts eines Widerstreites der Interessen in die Brüche geht. Immerhin «nässen die Bedenke«« zurücktreten, wenn es möglich ist, durch ein derartiges Projekt den« beiderseitigen Handel und Wan­del die größten Vorteile zu verschaffen. Diese sind so ein­leuchtend, daß man sie nicht erst niehr in das rechte Licht zu setzen braucht, und es ist daher begreiflich, wenn jetzt eine neue Bewegung sich auftnt, um das Tunnelunteruehmen in die Wirklichkeit umzusetzcn. Allem Anschein nach findet der Plan jetzt in weiten Kreisen Englands mehr und mehr Zu­stimmung, und eine in London im Unterhause stattgefun­dene Verfamnilung von Gefchäftsle««ten, an der auch Ver­treter des Kriegsministeriuins und anderer Regierungs­stellen teilnahmen, nahm einstimmig einen Beschluß an zu Gunsten des Baues eines Kanaltunnels, wobei der Ansicht Ausdruck gegeben wurde, daß ein solcher Tunnel die herz­lichen Beziehungen Englands zu Frankreich und anderen Festlairdsinächten steigern «vürde. In einer ganzen Reihe von verlesenen Zustimmungssihriftcn hervorragender Per­sönlichkeiten wurde betont, daß der Tunnel für den Han­del Englands von großem Nutzen sein würde, während er in Kriegszeiten leicht durch Dynamit zerstört werden könnte. Tatsächlich würd der T««nnel nicht nur für den Verkehr zwischen England und Frankreich von Nutzen sein, sondern auch andere kontinentale Staaten würden davon Nutzen haben; nicht zuletzt Deutschland, da auch für uns der See­weg nach England keine unbedingte Notwendigkeit mehr wäre, sondern man mit der Eisenbahn über Frankreich nach dort gelangen könnte.

3. Hess. Jirgendilig in Friedverg.

(3. und 4. März 1914.)

(Schluß).

Die Grüße der Ortsgruppe Friedbergs übermittelte Direktor I>. Dr. Schoell. Er wies au Hand von Bei­spielen nach, wie diplomatisch der Ortsgruppenleiter verfah­ren muß, um die vielen Interessen der einzelnen Vereine zu wahren und glücklich zu fördern. Das Ziel müsse sei««, kör­perlich und beruflich tüchtige, sittlich gefestigte Männer her- anznziehen. E rz i eh en sei die Aufgabe. Zu venig sei cs, daß man die Jugend nur unterhalten will, zu wenig, daß man sie bewahren will, lieber die Kinder habe man die schulentlassene Jugend vielfach» vergessen, die inan nilht gängeln und nicht reglementieren wolle. Anknüpfcn niiiffe man au das positiv Gute. Die Zukunft eines Volkes liege in der g e i st i g e n Bewcgmrg. Noch inrmer sei der Fort­schritt in der Menschheit von denen aetraacn worden, die

fiir die Allgcineinbcit Opfer zu bringen verständen. Er schloß mit der Hoffnung, daß es gelingen möge, die Jugend zu deutscher Gesinnung, zu schlichter Art und ächter Frömmig- keit zu erziehen. Auch diese Ausführungen fanden den wohl­verdienten Beifall.

Herr Professor K i s s i n g e r - Darmstadt, eine Autori­tät auf dem Gebiete des Jugendwanderns, knüpfte an den Vers an; Wem Gott will rechte Gunst erweise», den schickt er in die weite Welt. Dem will er feine W«inder weisen, in Berg und Tal, in Wald und Feld. Er bezeichnete in feiner Rede die einzelnen Kenntnisse, die der Wanderleiter sich zu eigen machen muß. Er schildert bis ins kleinste die Vorbereitungen, die ein gewissenhafter Leiter vor der Wan- derung treffen soll und gibt wichtige Winke über das Ver­halten und die Ausrüstung der Jugendlichen bei der Wan­derung. Er nahm dabei die Gelegenheit wahr, einen Ans­slug zu erwähnen, der von nahezu 100 Schülern zu Ostern des vorigen Jahres durch den Odenwald veranstaltet wurde der a«n ersten Tage über die Neunkircher Höhe, den Roden- stein nach Reichelsheim führte. Angcnchin berührte uns in diesem Vortrage die Würdigung der Landbevölkerung. So hob der Redner als einen Vorzug der Ausflüge hervor, daß die jungen Städter den Landinann und seine Arbeit kennen lernten, daß sie Kenntnis von den Feldfrüchten, Bäumen und anderen Dingen, die ihnen« Gesichtskreis ferne liea-n, erhielten. An einer anderen Stelle hob er hervor, daß den Ausflügen erwachsene Leiter beigegebe» werden müßten, d, die Jugend zu Uebermut neige und ostinals die Sitten und Eigenart des Landinannes, seine Arbeit und sein Eigentum nicht genügend achtete». Die vortrefflichen Ausführungen fanden lebhafte Zustiinmung.

Ueber dieBedeutung des Turnunterrichts in den Forl- bildungsschulen" sprach Herr Lehrer Saum-Darmstadt, Er wies nach, wie die Pflege der Leibesübungen und speziell des Turnens fiir die schulentlassene Jugend eine Notwendig- feit -fei. Er redet der Einführung des obligatorischen Turnunterrichts in den Fortbildungsschulen das Wort. Auf eine Rundfrage, die an 6000 Stadtverwaltungen ergangen sei, hätten nur etwas über 700 geantwortet. In nur 70 Fortbildungsschulen sei der Turnunterricht obligato­risch, in 86 fakultativ und in 15 gemischt. Merkwürdiger­weise fände inan in den Großstädten für diese Forderung wenig Verständnis und Sllddentschland stände hinter Nord­deutschland zurück. Die Forderung niüsse iminer wieder er­hoben werden. Eine körperlich tüchtige Jugend bewahre uns vor dem Schicksal Rom's. (Beifall.)

DaS dritte Referat, erstattet von Herrn Bürgermeister M u e l l e r - Darmstadt, behandelte die Rechtsberatung der jugendlichen Mitglieder der Jungdeutschlandvereine. Das Gesetz verleihe den Jugendlichen einen gewissen Schutz. ES sei aber bei der heutigen Rechtslage für den Uneingeweihten schwer, sich zurecht zu finden und wirklich unparteiische Be- ratungen zu erhalten, ohne den Beteiligten eine moralische Pflicht zum Beitrittt zu der beratenden Organisation aus­zuerlegen. Der Redner hat hier speziell die Rechtsauskunfts- stellen der Gewerlschafte», der konscsfionellen Verbände und dergleichen im Auge. Auch die gemeinnützigen Rechtsaus- kunftstellen bieten iin allgemeinen nicht das. Was Not Int. Der Redner meint, Jungdeutscbland habe die Pflicht, eine gelegentliche, freundschaftliihen Charakter tragende Rechts­beratung seiner jugendlichen Mitglieder zu bieten. Gewiß seien in jedem Jugendverein rechtsknndige Mitglieder vor- Händen, die gerne die geringe Mühe auf sich nehinen, als Freund und väterlicher Berater den« Jugendlichen zur Seite zu stehen. Dieser Pflicht sollte sich Jungdentschland in seinem Interesse bewußt werden und da dein jungen Manne die Hände zu reichen, wo es Not tut. Das ausgezeichnete, von warmem Interesse für die Jugend durchlvchte Referat, fand lebhafte Zustiininung.

Eine rege Aussprache, die viele Anregungen und Wünslhe brachte, setzte nun ein. Gewünscht wurde die Ein­führung eines allgemeinen Liederbuches, eine gedrängte Zu­sammenstellung der Winke in den« Referate des Herrn Prof. Kissinger, die gegenseitige Meldung der Gruppe», die sich auf Wanderungen besindcn, an die Ortsgruppen der Städte, welche die Wanderung berührt, die Achtung der kirchliihc» Sitte» bei sonntäglichen Wanderungen und anderes mehr, lieber die Verbands««ngelcgenheiten, besonders über die Vor­gänge im abgelaufcncn Jahre, berichtete Herr Generalleut­nant Bernhard Exzellenz. Er wandte sich besonderi gegen die Uniformierung der Jugend. Tic «nilitärischc Uni­form sollte nicht zu eineni Spielzeug herabsinkcn. Die für billiges Geld durch die Gerilhtsgcfängnisse hergefleNte» Touristenanzüge sollten da benutzt werden, wo der Wunsch nach einheitlicher Kleidung zu Tage tritt.

Die eindrucksvolle Versammlung schloß Herr General- major Freiherr v. Hehl mit Dankesworten für die treue Hingabe der Bezirksvertrauensinänner.

Ein gemeinschaftliches Mittagessen hielt einen große» Teil der Erschienenen noch lange zusammen. Gelobt wurden die ausgezeichnete Verptleauna im Hotel T.ravu d«e vor-