Beil age zur „Neuen Tageszeitung.
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Do»u»erstag, den 5. März 101^.
7> Iaiskglrnst
Gedenktage.
f>. Mär;. 1800 Gr. Fr. Säumer, r;l. Schriftsteller und
Dichter, geb. — 1816 W. Müller von Königswinter geb.
— 1894 H. Hoffmeister, Bildhauer, t, Berlin. — 1904
Generalseldmarschall Graf W>rldersee ft.
Acr HfbfrfnU auf dit loijlrxprtition in |!fu=IHrdilfnburö.
Die Nachricht, daß Oberförster Deininger und Forftastessor Kc'Mpf in Neu Mecklenburg von Eingeborenen ermordet worden Irren, erwies sich, wie erinnerlich, Eoft fei Dank als unzutref- frno. Da; soeben ein-zeirosfene Amtsblatt für das Schutzgebiet Neu Guinea veröffentlicht nun sowohl den Bericht des Forst- asi.ssais Kemps wie den des Oberförsters Deininger. Nach Ihnen hat sich der Ueberfall wie folgt abgespielt:
Am IS. Dezember, vormittags 9 Uhr, kam die Fofttexpedi- tien an die Ortschaft Poronzuan, deren Name in der Sapper- M;ru Kart« nicht verzeichnet ist. Die Karawane bestand aus 8 Trägern, 7 Polizeisoldaten, 48 Polizeijuiigen und 3 Weihen, — Oberförster Deininger war 150 Meter unierhalb des Doftes mit -> Polizeijungen an einem Kreuzweg stehen geblieben. Aus der Ortiiltaft selbst kamen 3 Mann dorthin. Als nian sie nach dem Weg« nach dem Dorfe Fontalis fragt«, wollten sie ansä »glich diesen Ort nicht kennen, gaben aber nach einiger Zeit zu, dag der fkeg, an welchem Deininger mit seinen Begleitern stand, dorthin ftihrte. Der Obeftöftt«! rief dem im Dorf« befindlichen schwarzen Unteroffizier zu, er möchte di« Leut« in Bewegung ft, hm, da weiter morsichert werden soll«. Nach einiger Zeit wollt« sich Deininger selbst in das Dorf begeben, um zum Ausbruch zu mahnen. Als er auf ungefähr 50 Meter herangekom- ineii war, kamen all: Leut« in eiliger Fluch! deu Weg herunter- geftiirmt. Mit dem Rufe: „Halt. Halt" stellte Deininger sich den Trägern in den Weg, aber sie ftiirmten an ihm vorbei. Hinterher folgten mit Speer und Beil bewaffnete Eingeborene, von denen einer den Oberförster mit der Axt niederschlug, so das? er rii.twärts in den Busch fiel, Di« Rebellen stürmten vor dem vermeintlich Ertöteten vorbei aus dn Foftdasiesior Kemps zu, k-e, den bc, ihm stehenden 3 Polizeisoldoten zu laden und zu feuern befahl, und seinem Hausjungen di« Pistol« entriß, Zn- zwijchen war Obersörftcr Deininger aus seiner Ohmnacht erwacht und rief nach seiner Pistole, Sofort stürmten zwei Eingeboren« auf ihn «in. Mit Fußtritten gegen den Bauch wußte er sich ihrer zu erwehren und erreicht« den Jungen, der sein« Pistole trug. Aber schon hatte der Kanaker, der ihn vorher mit der Axt niedergeschlagen hatte, ihn erreicht und zielte mit einem erbeuteten Soldatcngewehr nach ihm. Deininger rief dem neben ihm stehenden Polizeisoldat Sam zu, „schieß!" Inzwischen hatte auch der Obeftörster sein« Pistol« schußsertig mvb gleichzeitig mit seinem Schuß trachte auch die Büchs« des Polizeisoldaten, der den Eingeborenen zu Boden streckte. E» gelang Deininger noch I Schösse abzugeben, dann sprangen all« feindlichen Eingeborenen in den Busch, Er ging daraus gegen das Dorf vor, wurde aber von 2 Polizeisoldaten «ingeholt, di« ihn darauf aufmerksam machten, daß di« Eingeborenen st« einkreisen wollten. Daraus zog sich Obeiföftter Deininger und Forstassessor Kempf auf ein Tarofeld zurück, das ein fteies Schußfeld bot. Sie beschlossen, da sie nur ein« Mauserpistole, ein« Parabellumpistol« und ein« Schrotfiinte mit geringer Munition besaßen, sich nach der Kiiste duechzujchlagen. Da di« 8 Polizeisoldaten, dl« im Dorf« «area, nicht» mehr von sich hören ließen, war mit Sicherheit anzunehmen, daß sie bereit, eftchtagen waren, Abend» 7 Uhr iiwrt« die Pflanzung htlolo» er,eicht, ans der der Pflanzungsleiter Rinck bereit; von dem Ueberfall gehört und der Station Nanat anai Nachricht gegeben hatte. Bereits am nächsten Bor. mittag traf der Stationsleiter Brückner mit 38 Gewehren dort ei» und nnternahm sofort ein« Expedit»»» nach dem Tatort. Man stieß zweimal aus Eingeborene und gab Feuer, Sie zöge» sich unter Verlust dreier Er wehre zurück. — Di« 8 Polizeisolda- teu im Dorfe waren durch Axtschläg« auf den Hinterkopf getötet
-e.mi) eine |iira)iuiut zxxpwnvn umroe --n -«eil der in Scherben gingen. Zehn Menschen wurde-- getötet und Anilinfabrik in Trümmer gelgt. Die Detonation war so ebensoviel schwer verletzt. ■
stark, daß die Fensterscheiben im Umkreise von 1 Kilometer -
worden, wie die im Dorfe Vorgefundenen Schädel zeigten. Sie müssen völlig überrascht worden sein, da während de» Ueberfal» le» im Dorfe nur «in Schuß fiel.
Besonders hobt Obeiföftter Deininger in seinem Bericht« di« musterhaft« Halutng der Polizeisoldaten hervor, ohne deren Tapferkeit er sicher nicht bei dem Uebeftall mit dem Leben da- vo,»gekommen wäre.
Ans aller Well.
Automobilunsälle. Ein schweres Automobilunglück ereignet« sich zwischen Werden und Kitzlingen. Der Düsieldofter Kaufmann Bufchlonger, der ein Automobil steuerte, fuhr gegen einen Chausseebaum. Er wurde vom Führersitz geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Auf dem Wege zum Krankenhaus »erstarb der Verunglückt«, — Di« Steuerung eines Kraft wagen» einer Brauerei in Haltern versagte beim Hinunteisahrcn «ine» Berges, Der Wagen fuhr ln eine Baumgruppe, dabei erlitt der Lenker schwer« Verletzungen, Ein Mitfahrer wurde ebenfalls verletzt,
Tragödie eine» lljähr'qe» Waisenknabe». In «mein in der Nähe bei Dessau befindlichen Wald« wurde der 13 Jahr« alt« Waisenknabe Max Lange, der bei einem Klempnerpaar aufgezogen wurde, erhängt aufzefunden. Dem Knaben war von der Mutter eines sechsjährigen Mädchens Borwürfe gemacht worden, daß ,r sich an dem Kinde vergangen habe. Der Knabe, der, wie sein« Pflegeeltern ausfagten, sehr sittenstreng erzogen wurde, stellte dies entschieden in Abrede. Trotzdem entfernte er sich kurz darauf aus dem Hause und erhängte sich au, Scham llbr dir üb!« Nachrede.
Au» falscher Scham ein Menschenleben geopfert. In Weinheim tn Bayern erreg! «in merkwürdiger Todesfall in einem Krankenhaus da« größte Anfsehe» Ein zweijährige» Mädchen, namens Kaiser, wurde wegen schwerer Diphterte von zwei Aerz- ten in da» Krankenhaus gebracht, «eil ein anderer Operationssaal nicht zur Verfügung stand. Di« Operation hätte sofort vorgcnonrmen werden müssen, Di» Oberin verweigert« aber de» Aerzten den Eintritt in den Operationssaal, weil Frauen darin seien und beharrte auf ihrer Weigening, obwohl di« Bergt« aus di« Gefährlichkeit des Falles hinwiesen und erklärten, daß das
Kind eftticken müsse, wenn di« Operation nicht sofort vorgenon:. men werd«. Auch dies half nichts. Das Kind fiarb nach ein.n halben Stunde. Mit dem Fall hat sich die Staatsanwatischaft bereits befaßt, um Wiederholungen solcher Fälle zu verhüten.
Ein Reuter-Marsch. Oberst von Reuter hat nicht nur allen!, halben Bewunderer, sondern sogar einen Sänger gefunden. Ein Lehrer a, D, in Kissingen hat ein Gedicht auf den Obersten ver. saßt und kompiniert.
Ein rechtzeitig verhütete» Familieudrama. Die 29 Jahr« alte Gattin de» Fabrilanlen Vogel in Wien versuchte in einem Anfall« von Geistestörung sich und ihr« drei im Alter von 4 bi» 1)4 Jahren stehenden Kinder durch Leuchtgas zu töten. Nur dem Umstand, daß ihr Gatte vorzeitiger nach Haus« zurückkehrte, ist es zu danken, daß di« Tat verhindert und Frau und Kinder gerettet weiden konnten.
Weil man sie nicht sreihielt. In Eskurial bei Madrid fand zwischen Studenten, di« kürzlich in ein Regiment eingestellt worden waren, und Rekruten «in Streit statt. Ein Student wurde dabei getötet und 9 verwundet. Von den Rekruten wurden 8 Personen schwer verletzt. Der Streit ist aus di« Weige. rung der Studenten, die anderen Rekruten, die sich hauptsächlich aus Arbeitern und Landleuten zufammensetzten, in der bisher üblichen Werse fteizuhalten. zu erblicken.
Ein diebischer Kardinalsnefse. Giovanni Danotelli, ein Nesse zweier Kardinal«, halt« sich wegen der Beschuldigung, seiner Mutter Pretiosen entwendet zu haben, vor dem Gericht in Rom zu verantworten, Vanotelli halt die Schmuckgegcnständr, die «inen Wert von 34 888 Mark repräsentieren, für 18 888 Mt, versetzt, Di« Verhandlung, die einen sehr erregten Verlauf nahm, führt« zur Verurteilung Vanatellis zu 12 Monaten Ge- fängnis,
Di« Ruhe der Talen. In der Gemeinde Lalbenwue im Departement Lot hat sich «in merkwürdiger Zufall ereignet Die Mauer des Gemeindefrirdhofss gab plötzlich noch und Gerippe und Knochen rollten auf die Straße, Da neu« Einstürze besürch- t«t werden, so hat der Gemeinderat beschlossen, die Gebein« aus den gefährdeten Stellen des Friedhofes auszugraben und an einem anderen Platze beizusetzen,
Ei« Soldat al» Feauenmördee. Im Walde bei Guesen ist eine Frau von einem Geftetten des Infanterieiegimenis Nr. 49
ZttM Mugrilen.
Roman von M. Prigge-Broot 38 (Fortsetzung),
l,Monika, alte, treue Seele, bist Du toll? Komm, gib meiner Fron streu Kuß. Sie kennt Dich schon und weiß, daß Du den kleinen Heinz gründlich mit er- und verzogen hast. Und schönen Dank auch für Deinen Willkonim an der Türe, Er ist der Einzige, wie ich sehe,"
Das letzte hatte er lauter gesprochen, als nötig, Z» vieren standen sie vor der Wohnzimmertüre, aus der dem Bruder im nächsten Moment die Schwester erwartete.
llniständlich zögerte er im Flur, nahm seiner Frau das leichte Seidentuch von der Schulter und richtete sich merklich zur Abwehr. Der Empfang verstimmte ihn tief.
Erna, die ihn erriet, öffnete entschlossen die Tür. „Mit Kott!" flüsterte sie der jungen Frau zu, deren Liebreiz ihr Herz im Sturm gewonnen. An Heinz vorbei führte sie die junge Frau an den Hausfrauenplatz 'im Sofa hinter dem tübsch gedeckten Tisch.
Die Lampen brannten. In hohen Gläsern dufteten löstliche Rosen, süßer Duft erfüllte das Zimmer. Ans dem Tische suninite der Teekessel über der Spiritusflamme, das beste Silber, das feinste Porzellan prangte auf bliite;i- weißem Damast.
Mary stieß einen kleinen Freudenschrei aus, „O, Heinz steh', das ist wie i>» Nürnberger Museum. So alt, so schön febe ich mir Dein Pslugeiseu nicht vorgestellt."
„Wo ist meine Schwester?" fragte seine tiefe Stimme in der Nöbe der Tür.
Erna nahm ihren Mut zusammen. „Tante fühlt sich nicht wohl, sie hat sich legen müssen, doch hofft sie, inorgen wohl zu sein und Euch bei sich zu sehen."
„Bei sich?" fragte Heinz, dem plötzlich das Fehlen einiger Gegenstände aufsiel. „Was soll das heißen?"
„Tante meinte, ihr brauchtet den Platz hier unten allein. Sie hat den Oberstock Herrichten lassen, seit vorgestern wohnen wir oben."
„Wer, wer? Du, Tante Lu, Monika und die Mädchen? O, ich verstehe!"
Verstört sank Heinz in einen Stuhl. Er starrte zur Erde, Er tat Erna unsäglich leid.
„Fasse Dich, Heinz", bat sie leise, „denke, es ist besser
so,"
„Du hast recht. Es wird besser sein, aber es tut weh. Sage meiner Schwester, da ihre Ueberraschung gelungen sei, Ich hätte eher an den Einsturz des Hauses gedacht, ehe ich Rosemarie zugetraut, daß sie mich verlassen könnte,"
„Nimm's nicht so schwer", versuchte das Mädchen zu trösten. „Tante ist es selbst nicht recht. Sie hat sich in die Idee verrannt, daß Du sie ausgewiesen, dagegen kommen wir nicht an. Du kennst Mu. Man muß ihr Zeit lassen."
„Ist sie wirklich krank?" fragte Heinz dringlich.
„Sie leidet, Heinz, Du mußt Nachsicht haben. Dri bist ihr gegenüber ihm Vorteil. Sie hat Dich gehabt und glaubt Dich verloren. Du hast Deine süße Frau, ich denke, Du iniiht glücklich sein!" schloß Erna leise.
„Gutes Kind!"
Er strich ihr liebevoll die Wange und merkte nicht, wie Oe erschreckt »urückwicki. ..Wes-» Marv nicht bättel Aber
sag', wird Rosemarie die Unversöhnlichkeit so weit treibe», daß sie meine Frau ignoriert? Das würde ich ihr nicht raten!"
Seine großen Augen funkelten Erna so zornig an, daß sie sehr erschrak.
„Tante wird Deine Schwelle ungebeten nicht übertrete» so glaube ich, sie verstanden zu haben. Dagegen erlvartet sie Euren Besuch. Es hängt von Euch ab, ob sich ein Verkehr zwischen oben und unten anbahnt. Ich meinerseits komme auch so, wenn Du mich haben willst."
Wortlos drückte er des Mädchens Hand. „Ich danke Dir, Erna, sei gut mit meiner Frau,"
Er sah nach dem Sofa, der Platz war lerr. Von ihnen unbemerkt hatte Mary das Zimirnr verlassen.
„Ich muß zu ihr", sagte er unruhig. „Sie hat gemerkt und ist traurig. Sage meiner Schwester" — die Stimme wurde rauh — „nein, sage ihr lieber nichts. Ich bringe ihr morgen meine Frau. Es wird Mary gelingen, Rose- niarie von ihrem ungerechten Vorurteil zurück zu bringen. Sie hat ja nichts gegen sie. Oder kennst Du den Grund?"
„Sie glaubt, daß Mary Dein Unglück wird!"
„Torheit!"
Heinz' Zorn kehrte zurück. Flüchtig drückte er Ernas Hand, ehe er aus dem Zimmer stürmte. Er fand Mary in Rosemaries ehemaligem Zimmer, das jetzt für daS junge Paar eingerichtet war, weinend auf ihrem Bett.
„Laß uns fort von hier, Heinz", flehte sie, als er sich zärtlich über sie beugte und ihren Namen rief. „Ich fürchte mich."
^Fortsetzung folgt)


