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7. Iahrgnnlr

-ÜI-Urne T-grssritung- crlcheint leben Werttag. Regelmäßige BeilagenSn «mtrt an» Kellen«'.yie Spliinllube". Peiugagrei» i «ei den Pastanftalten vieriellährttch Ml. 1/5 bei de» Agenten monatlich 50 Psg. Hin,» tritt Postgebühr »der Trägerlohn. Ln,eigen: Grund,eile 20 Psg,. lokale 15 Pfg An,eigen oon ausmär,s werden durch Postnachnahme erhoben ErMungsort Friebberg. Kchristlritung und Verlag Friebberg (Hessen), Hanauerstrahe 12. Fernsprecher «8. PostlcheS-Conto Nr. 4859. Amt Frantfurt a. M.

Uebrrstcht.

DieGermania" will von gut unterrichteter Seite erfahren haben, daß die Stellung des Landwirtschastsmini- sters Freiherr» von Schorlemer Lieser ernstlich erschüttert

sei und daß sein Rücktritt bevocstehe. Auch seine Kandida- lur für den Statthalterposten in Elsaß-Lothringen käme nicht mehr in Frage,

Der Papst ließ durch den Kardinalstaatssekretär dein Breslauer Domlapital sein Beileid ausdrückcn, ebenso der preußische Gesandte beim Heilige» Stuhl, Herr von Mühlberg, sowie viele sonstige Würdenträger in Rom,

Amtlich werden die Pressemeldungen, daß in Petersburg die sibirische Pest ausgetreten sei, bestätigt. Eine Anzahl teurer Rassepferde sind an der Seuche zugrunde ge­gangen Tie Pest ist mit Futtermitteln aus den Gegenden, iro die Seuche herrscht, eingcschleppt worden,

In London wird offiziell bekannt gegeben, daß die englische Regierung für die in Vorbereitung besindlickie Süd­volar Expedition Sir Ernrst Shacklctons eine Beihilfe von 25N 000 M gewährt hat. Die Expedition wird den ossizicl- len Titel:Königliche antarktische Expedition" tragen.

Wie bereits gemeldet, wird General Liautetz Anfang nächster Woche in Madrid erwartet. Heute gibt das Mini- sterium bekannt, daß General Marina gleichfalls nach Madrid kommen wird, um mit der Regierung über ein ge- 1 ,,einsames Vorgehen Frankreichs und Spaniens in Marokko zu verhandeln.

Wackes-Talen.

Wie offiziell festgestellt ist, haben in der letzten Zeit etwa rvanziz Uebcrfälle von Militärpersonen durch die elsässische Zivilbevölkerung stattgesunden. Erst in allerletzter Zeit sind 1 solcher Fälle innerhalb 3 Tagen dorgekommen. Es ist ja jetzt gliicklickierweise der Befehl gegeben, daß die außer­halb der Stadt stehenden Posten mit geladenem Geivehr zu stehen haben, und zu wünschen ist nur, daß jeder Posten bei liuein Angriff auf ihn von seiner Waffe sofort und gründlich Gebrauch niacht.

Wie es in den Reichslanden hergeht, dafür möge eine Zuschrift vom 26, Februar in der gewiß unverdächtigen ^Frankfurter Zeitung" Zeugnis geben:

Von zuständiger Seite werden heute drei weitere Fälle von Angriffen aus Militärpersoncn mitgetcilt. Am v-rgangenen Samstag Abend wurde ein llnterossizier des Feld Artillcric-Regiments Nr. 51 von acht Zivilisten, die ihm solgtcu, in der Nähe des Metzgerplahes aus das- ge­meinste beschimpft und sodann zum Stehcnblciben auf- gefordert. Ter Unteroffizier erklärte, sic sollten ihm vom Leibe bleiben, sonst mache er von seiner Waffe Gebrauch. Als trotzdem einer mit offenem Messer auf ihn losging, zog er den Säbel und schlug, noch bevor der Gegner zu- strchcu konnte, ihn so kräftig über den Kops, daß er blu­tend und schreiend flüchtete. Seine Begleiter ergriffen gleichfalls die Flucht. Am Montag Abend wurde ein Sanitätssoldat in der Nähe der neuen Ortskrankcntaffe von vier Zivilisten ohne jeden Anlaß angegriffen und geschlagen. An dem Abend hörte der Posten vor dcnr Stallzelt auf deni Polygon auf einem Patrouillengang vor dem Zelt die Worte:Ich bringe den Posten heute Abend »och um." Aus seinen Haltruf erhielt er leine Antwort, wurde vielmehr von zwei Personen, die sich ofenbar im Zelt ansgehalten hatten, angesallen und ge- stoßen, Ter Versuch, während dieses Angriffes das Ge- wehr zu laden, mißlang den, Posten, sodatz die Angreifer ungestraft entkanien.

Aus Grund der letztgenannten Vorkomninisse ist nun­mehr vom Gouvernement angeordnct Ivordcn, daß alle außerhalb der Stadt stehenden Posten von nun ab mit geladenem Gewehr dort zu stehen haben."

Man sollte glauben, daß bei derartigen Zuständen die Gründung eines Vereins zur Wahrung der Autorität und beS Rechts angezeigt wäre: Die Elsässer gründen aber eine Verteidigung-Liga". Ihr Bestreben geht dahi», die angeb- lich bedrohten Rechte der Elsässer zu schützen und die miß- liebigen Korrespondenten z.i ermitteln, die den nationalen Blättern die Bubenstreiche des Elsässer Pöbels unverhüllt anfdccken. Wenn man allerdings in Betracht zieht, daß Leute vom Schlage eines Wetterlch Hantz, Blumcnthal, Ricklin, Langel, Knöpflcr und ähnlich"!' Kameraden bei der Gründung mitwirkte», so kan» man sich ohne weiteres vo» stcllen, >vas die Zwecke dieser Vereinigung sind und wie sie verfolgt werden. Eine Tatsache wird aber das empörte Er­staunen jedes national gesinnte» Mannes erregen: die Tat­sache, daß der Präsident des evangelischen Konsistoriums Dr. Eiirtius sich selbst so einschätzt, daß er dieser Gesellschaft bei- tritt.

Wie ein annektiertes Land nicht regiert ivcrden soll, das habe» wir in Elsaß-Lothringen nach dem Abgang Bismarcks in ollen Richtungen nnl das ausgwlüalle bewiesen. Statt

der Bevölkerung ihre Beamten bis hinunter zmn letzten Bür­germeister »nd Postschaffner zu nehmen und sie durch alt­deutsche Beamte zu ersetzen, statt die sranzösijche» »nd srau- zöselnden Zeitungen im ganzen Lande zu unterdrücken, statt die Diktatur und den Paßzwang aufrecht zu erhalten und die Bevölkerung mit eiserner Faust zum Gehorsam z» zwin­gen: sucht man sie durch fortwährende Nachgiebigkeit und sentimentale Versöhnungs-Maßnahmen z» gewinnen, ja man gibt ihr zum Schluß noch der Gipfel der lluglinb- lichkeit eine Verfassung, die sie selbstverständlich, wie wir unS sofort überzeugen konnten, in unsagbarer Weise miß­braucht. Werden wir denn niemals zur Einsicht kommen, daß wir auf diese Weise die Widersetzlichkeit und Ficchheit der elsässischen Bevölkerung nur immer mehr steigern? daß wir damit geradezu groß ziehen, daß sie in der weichmiitigen Sentimentalität und Vertranensseligkeit der Regierung nichts andcres sicht als den Beweis ihrer Schwäche, der sie nur den erforderlichen Trotz cntgegenziifetzen braucht, um sie z» immer weiterer Nachgiebigkeit zu zwingen und schließlich Ziele zu erreichen, die nur abgeleugnct wei den ans Reipekt vor dem Strafgesetzbuch?

2. Kess. Juyendlafl in Fricdkery.

(3. und 4. März 1014.)

Wenn im Frühjahr die Nolur erwacht, wenn neues Leben in den Wander-Svortrereinen einzieht, da regt es sich auch in Jnngdentschlnnd, Erst vor Jahresfrist ist der Hessisck>e Landesverband mit seinem ersten teorethischen Jugendtag in Tarmstadt hervorgetreien. Ter Ziveck war der Austausch von Erfahrungen, die die führenden Männer der Jugendpslegebewegung gesammelt hatten. Tie lebhafte Be­teiligung an diesem erste» Jugendtag gab die Veranlassung, daß alsbald ein zweiter folgte, der in den letzten Tagen in Friedbera stattfand.

Gewissermaßen die Einleitnug der Verhandlungen ioac die Tagung der Hessische» Jugendhelservcreinigung im Pre- digerseminau 0111 3, März, Herr Hanptuiaiui Teis- Bntzboch, der reiche Erfahrung ans praklischer Tätigkeit bei Jimgdculschlaiid geschöpft hat, hielt dabei einen sehr intruk- live» Vortrag überWas treiben wir mit unserer Jugend im Gelände". Ter Vortragende steht auf dem Standpunkt, daß man die Jugend aus den vielfach schlechten Wohnungen »nd voiii Biertisch wegführen soll hinaus in die Natur, daß man ihnen die Sinne schärfen soll für all das Schöne, was es draußen zu sehen gibt, Anregung der BeobacktmigSgabe, Spähen »nd Sehenlernen, wird mit einfacher Lebensweise der Gewinn sein. Gcnieiiisanie Geländeübungen sollen gc- wissermaßen nur deu Abschluß von vorher Erlerntem dar- stellen. Also Kleinarbeit in den einzelnen Vereinen und erst dann Borführnngc» in Masse,

Herr Direktor I). Dr. Schnell Friedberg sprach über Hoffnungen niid Henminisse der Jugendarbeit in der Gegen- wart." Er begrüßt mit großer Freude den neuen Geist, der sich in der Jugendbewegung zeigt und insbesondre das Jn- Irresse in der nkadeiiiischen Jugend für die praktische soziale Arbeit (Arbeiternntei« ichtskursc). Tie Jugend habe ein Be- dürsnis, sich selber zu betätigen, das durch die Wanderlust, Sport »nd so weiter Bewegung zum Ausdruck konniit. Da­bei uehme sich die Jugend mehr in Zucht, Es sei zu hoffen, daß so ein Geschlecht heraiiwächst, das dein höheren zugewandt ist. Gefahre» für die Bewegung bedeiilct der Radikalismus, der anschrincnd in einem Teil der Jugcndverbände hoch- kommt, den Erwachsenen gegenüber. So erfreulich der Drang »ach Selbständigkeit sei, so babe die Jugend auf der anderen Seite die Leitung der Erwachsene» sehr wohl nötig. Ter Redner warnte ferner vor falschen Motive» in der Be- lvegnng, Egoisten foUcn die Hand von der Jugend lassen. Auch die Veräußerlichung sei liliädlicst, Endlich macht der Redner daranf aufmerksam, daß die starke» Wurzeln in der Jugend selbst liegen müssen, daß die Arbeit von den einzel­nen Vereinen betrieben werden i!i»ß, »iid keine Macht von oben darstellen darf.

An beide Vorträge sistloß sich eine lebhafte Aussprache

an.

Am Abend hatte die Ortsgruppe Friedberg einen I u g e n d a b e n d" veranstaltet, der sich einer sehr zahl- rcichen Beteiligung erfreute. Namentlich waren die Vertre- ter der deni Verband angeschlolsenen Vereine aiiwesend, die sich auch an dem Gelinge» der Veranstaltung in dankenswer­ter Weise beteitigien. Ter Vorsitzende der hiesigen Orts- grnpp?, Seminardirektor D. Dr. S ch 0 cIl hielt eine lvarm empfundene Begrüßungsansprache, in der er besonders den Vorsitzenden d,s Landesverbandes, Herrn General-Major Freiherr von Hetzt »nd General vvii Bernhart willkomnien hieß. Aus der Fülle des Gebotenen heben wir nur die Chorvorträge der Gesangsabteilung de-s hiesigen Turnver­eins und die turnerische» Vorführungen desselben Vereins hervor. DerFeierabend" brachte zwei Stücke in tadelloser Weise zur Anfsührung »nd ein Zögling der Blindenanstalt leistet unter die Beateituna des Herr Lehrers Schmidt

vorzügliches aus der Geige, So leitete derJugendabcnd' den heutigenJngendtag" wirkungS- und stimmungsvoll ei».

An, Mittwoch war schon um 1) Uhr der große Saal des Hotels Trapp dicht besetzt und als derZweite Hessische Jugendtag" eröffnet wurde, waren über 306 Mitglieder und Gäste nnwesend, die durch ihre Gegenwart ihr Interesse an der Jugcndbewrgung bekunden wollten. Am Vorst,indstüc! erblickten lvir neben dem Landesvorsitzenden, Generalmajor Freiherr» v. Hetzt, den Direktor des evangelischen Predi­gerseminars D. Dr. Schoell zu Friedberg und Professor Leonbardt vom katholischen Lehrerseminar zu Ben? heim. Anßerdeni waren anweiend der Provinzialvorsitzender Dr, Usinger, die Kreisräte v. Scheu ck, Hahn und Werner, zahlreiche evangelische und fntbolifcf'c Geistliche »nd Lehrer.

Nach einer kurzen Begrüßung übergab der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, D. Dr. Schockt den Vorsitz nn den Generalmajor v. Hetzt, der zunächst des Kaisers und des Großherzogs gedachte und ihnen ein Hoch weihte. Anßerdeni schlug er die Abiendnng eines Telegramms an den Groß- hcrzog und an den Fcldmarschall v. d. Goltz, der so große? Interesse der Jugendbewegung entgegenbringe, vor, Zn de- Tagiing übergehend, bemerkte er. daß der ungemein starke Besuch von dem Interesse zeiige, das nian hier den Bestrebun­gen vonJungdeutschtand" enigegenbringe, Zii lange leider babe nian sich zu wenig um die schulentlassene Jugend ge­kümmert, bis man mit Erschreckeil wahrgenominen habe, n< weit die Entartung unserer Jiigend vorgeschritten sei. Un­sere Entwickelung ziir Jndiistrie, die die Jugend in die Groß­städte dränge, trage am nieisten zu ihre.' . Zuchtlosigkeit bei, Tarnin müsse die Parole lauten: Pflege der Jiigend, Pjlegc der Volkskrast bedeute Stärkiing der Wehrpflicht lind SÜD- riing der Zukunft, Es genüge ober nicht, diese Ziele zu ver­treten, man müsse für sie w e r b e n und sie in die weitesten Kreise tragen, (Lebhafter Beifall.)

Nach einigen geschäftlichen Miiieiliingen ergreift der Vertrauensmann des Bezirks- Friedberg, Regieriuigsrot Herberg, das Wort, uni zu danken dafür, daß als Sitz der zweiten Tagung des Hessischen Jugendlages, die Sladt Friedberg ausersehen worden ist, und weiter, nm den Herren des LandesaiisschusseS stir ihr Erscheinen zu daiike». Nach Begrüßung drr zahlreich erschienene» Gäste, forderte er nuf, einzutreten für die Ziele der Jupgdentschlandbewegimg : 111 b zur Mitarbeit bereit zu sein. Sei es, daß die Jugend hin- ansgeführt Ivürde in Wald und Feld, damit die Sinne ge- schärft und die Glieder gestälilt wurden sei e§, daß die Ver­eine, die die körperliche Ausbildung der Jugend betätigen, gefördert würden, sei es, Laß anheimelnde Ränme oder Spiel- platze geschasst würden, nm die Jugend z» beschäftigen, »m sie vor Gefahren der Straße und vor schlechter Gesellschaft zu bewahren. Redner schloß mit der Aufforderung, ille Kräste einzusetzen, die körperliche und sittliche Erstarkung dee Jugeud im vaterländischen Geiste zu erreiche» zum Heil« unserer Jugend »nd zum Segen unseres Volkes, lschlug solgi)

Aentlcher Peichstayl.

Ter Reichstag nahm am Mittwoch zunäcW die Erkiäriing des Krieg? mini sters b. Falkenhaun entgegen, daß die Zen truiusiutcrpellatiou betr. den Zweikampf zwischen zwei Lenl- nantS in der nächsten Woche beantwortet werden würde nad stimmte über einige Etalskapitel ab, die »och nicht erledigt waren. Ter ablehnende Beschluß des Hanshalinngsaiis- schnsseS betr, de» 'Neubau eines Ossizierskasinos in Kiel wurde bestätigt, die Summen sür Verbclserungen bei den reichsländischen Eisenbahnen bewilligt. Tarans konnte da, Haus die allgeincine Erörterung des Postetats sortsetzen,

Abg, Diez-Konstanz (Zeiitr.) wünschte Einschränkiiiig des Postlagerverkehrs und Beschassimg billiger Wohnungen für Unterbeamte,

Statssekretär Kractke erlmderte, daß die Reichspostv r< Wallung an der Versügimg über die vom Rcichsamt des Innern bewilligten Summe., nn gemeinnützig- Bange« nossenschaftcn beteiligt sei. Eine Aenderung der Trucksachc'n« Portos könne er nicht zujagen.

Abg. Jcklcr (iiatk.) bezeichnele eine» NelchSarbeile,. schuß und eine einheitliche Betriebskraiikenkasse.

Abb. Hubrich (sorischr.) erkannte a», daß die denljche Post nn der Spitze aller Verlvaltnngeii stehe, lehnte aber die Verantwortung seiner Partei sür das Scheitern bei Fern- sprechnovelle ab. Eine neue Novelle möge dein plattei, Lande geben, was ihiii gebühre, aber den Städlen lassen, >v >. sie haben. Redner bcsaßlc sich in ziveistündiger Red: mit zahlreichen Beaintenwünschen.

Abg. Dr. Haegi, (Elf.) besliitt, daß die Zaberner Post­beamten bewußt gefehlt habe» und fragte nach deni Stande der Uniersuchung darüber.

Staatssekretär Kraetke verwies auf seine frühere Er- klärnna. daß Versehen »oraekomme» !e>:n lind teilte mit daß