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Beilage zurNeuen Tageszeitung.

FF

Rr.

Gedenktage.

4. Mürz. 1882 Ludwig Kalisch f. 1884 Pastor Fr.

Ahlfeld t. 1890 Prof. Franz Delitzsch t. 1897 Mac STinlct) tritt fein Amt als Präsident au.

Keriiner Wilchlrvirg.

Wir legen dieDeutsck>e Tageszeitung", die ja in die Darstellung doch nur einen sündhaft agrarischen Zug tragen würde, beiseite und unterrichten uns über den Streit unter Anruf der mitleilsamcn Freundlichkeit derFrankfurter Zeitung." Nach deren Bericht vom 29. Juli 1913 läßt sich nicht leugnen, daß die neue Genosseniäpft der märkischen Landwirte bisher glücklicher operiert hat als die alle, später verkrachte Milchzentrale: durch ihre Pcrniittlung werden jetzt bereits etwa 250 000 Liter Milch nach Berlin geliefert. Die Situation der Milchgrobhändler hat sich immer nach der Schilderung der Franksurterin auch insofern ver­schlechtert, als sich in den letzten Jahren die kleinen Weiter­berkäufer, die sog. Abnehmer, organisiert und dann gegen die Großhändler Stellung genommen haben. In dieser Ab- «elunerorganisation hat die JnteressengemeinsckMst der MUchproduzenten eine starke Unterstützung gefunden, und » ieliach sind die kleinen Abnehmer schon dazu übergegangen, istren Bedarf direkt bei der Jnteressengenieinschaft zu decken und den Milchgrohhandel ganz auszujchalten. Das hat zu heftigen Angriffen von seiten der Milchgrobhändler geführt, die der Interessengemeinschaft in einem Flugblatt an die Landwirte Vorivarscn, die Interessen der Landwirtsck>ast zu slhädigen, und zwar nanicntlich durch Milchverschleudcrung > nd Preisdrückung.

Mit diesen Verhältnissen befaßt« sich am 28. Juli 1913 eine von der Interessengemeinschaft cinberufene Versamm­lung, in der, Wiederuin nach dem Bericht derFrankfurter Zeitung", die Sprecher der Milchobnehmerorganisation gegen die Milchgrobhändler viel agressiver vorgingen als die Nedner der Milck>produzenten. Ein Teil der kleinen Ab­nehmer begrüßte die Interessengemeinschaft geradezu als Erlöser von der Diktatur der Großhändler. Diese aber lieben damals erkennen, daß sie einer Berständigitng ,ou Organisation zu Organisation nicht abgeneigt seien.

Nun vom 18. Juli 1913 bis zum 1. März 1914. Im Berliner Lokalanzeiger" veröffentlicht derVerein Berliner Milchhäudler des Ostens, Abnehmerorganisation" einen Auf­ruf an die Milchhändler, der die Verbraucher- und kleinhänd- lerseindlichen Absichten der Berliner Milchgroßhändler so deutlich und einwandfrei schildert, daß sich alle Zusatzbemer­kungen beinahe erübrigen:

Der Verein Berliner Milchpächter hat absichtlich mit der Interessengemeinschaft, weil diese uns Abnehmern und dem Publikum gegenüber die Milch nicht verteuern will, einen Krieg vom Zaune gebrochen. Die Absicht des Verein? Berliner Milchpächter geht dahin, die Organi- sation der Landwirte und unsere Organisation zu ver­nichten, um sich ein Milchmonopol in Berlin zu sichern.

Es scheint die Absicht zu bestehen, die mit Mühe ge- ßhaffene Organisation der Abnehmer dem Verein Ber­liner Milchpächtcr auszuliefcrn. Gelingt dieser Plan, so Ist dantit der Weg für du? Milchmonopol dem Verein Berliner Milchpachter geöffnet, und die Abnehmer sind

Zum Pfiugeisen.

Roman von M. Prigge-Brook.

27 (Fortsetzung).

Welche Dersclüvendung!" eiferte Mary, die nur groß­städtische Einrichtungen kannte.Weshalb um HinnnelS- willcn vermietet Ihr nicht?"

Doktor Heinz lachte über daS ganze Gesicht. Ec fand den Einfall seiner kleinen Frau köstlich und nahm sich vor, ihn Nosemarie zu erzählen.

ES schien, als stecke eine Kaufmannsseele in Mary, sie gab ihm schon verschiedene Beweise ihres praktischen Sinnes.

Nosenmrie wird denken, daß das jungen Sebalds zu­gute kommt, die nach uns koinmen." Ec fand den Gedanken beglückend.

Doch schon hielt der Zug. Sie waren am Ziel.

Alles ausstcigeu!" rief der Schaffner und riß die Tür

auf.

Doktor Heinz raffte das Handgepäck zusammen, half seiner Frau aus dem Abteil und fand erst Zeit, sich über Nosemaries Fehlen zu verwundern, als Peter Jansen schon vor ihn, stand.

Grüß' Gott, junger Herr, und viel Glückt Viel Glück auch, schöne, junge Fraul"

Mit dem Vorrecht alter, treuer Dienstboten erhaschte er Marys- Hand und drückte sie.Nochmals Glück und Segen."

Dank Poker,: herzlichen Dank! Doch wie steht e? zu hause? Js! meine Schwester krank?"

Der Alle zupfte verlegen seinen Bart.

Die Fräulein haben viel Arbeit gehabt, erst gestern sind fie Handwerker aus dem Haus." Er wandte sich den Trä- gern zu, im Innern erfreut, daß ihn der Doktor nicht weiter befragte.

Dem gingen die Handwerker im Kopf herum. Rose­inarie hatte sich tviedergefunden und zweifellos große Vor­bereitungen zu seinem Empfang« gemacht, wenn sie dazu franko -Lilie benvtiate.

Mittwoch, den 4. Marx 1914.

wie in früheren Jahren den Milchpächtcrn ans Gnade und Ungnade ausgeliefert. Der Unterzeichnete Verein ist fest enffchlossen, dies zu verhindern, und bat bereits Mittel und Wege gefunden, den Milchhändlern ihre Eristenz zu versorgen."

Der Aufruf verdient auch insofern ernste Beachtung, als er keinen Zweifel darüber läßt, daß hinter den vreissteigern- den Bestrebungen der Berliner Milchgroßhändler der Hansabund steht, der in der Oefsentliibkeit so gern gegen die bösen Agrardemagogen da? Fähnlein des Konsuinenten- schutze? entfaltet. Wenn aber bei der vorstehend geschilder­ten Sachlage von demokratischen Blättern behauptet wird, die unersättlichen Agrarier wollen an der Kindernahrung einholen, was sie am Schnaps zu verlieren vorgeben, so rich- tet sich eine solche hämische Unterstellung von selbst. Nach den Mitteilungen des Frankfurter Hnudelsblattes und des Vereins Berliner Milchhändler de? Ostens ist es zweifels­frei erwiesen, daß die Interessengemeinschaft märkischer Landwirte gar nicht daran denkt, den Kleinhändlern und Verbrauchern die Milch zu verteuern, und daß es die Ber­liner Milchgroßhändler gerade deshalb zum Milchkrieg haben kommen lassen. Dabei macht die Interessengemeinschaft nicht etwa lediglich schöne Worte, sondern sie kann zugleich auf die bezeichnende Tat crwe isen, daß sie vor drei Jahren die Preiserhöhung von 22 auf 21 bezw. 24 auf 26 Pfennig nicht mitgemacht hat. Wie nur zu oft ist es eben auch hier der Großhandel, der nüt preisstei gern den Absichten Bennru- hignng in die weitesten Bevölkerungsschichten trägt und bei seinen Monopolbestrcbungen Produzenten, Kleinhändler »nd Verbraucher nnier seine Fuchtel zwingen möchte. Diese Dinge werfen aber zugleich auch auf die Preisbildung der wichtigsten Lebensmittel ein grelle?- Licht. Der Großhandel will über die Preisfestsetzung absotut herrschen, der Produ­zent soll nichts dabei zu sagen haben und der Verbraucher hat zu zahlen. Gegen diesen selbstischen Großhandelsstachel zu locke», ist Notwendigkeit und Verdienst.

Lkredte Iahiril von der frauj. Irtindklilkgion-

DieFremdenlegion", di« Beibandszeitschrtft de« Deutschen Schutzvecbondes gegen die Fremdenlegion, beschäftigt sich in ihrem Januarheft in einem ausführlichen Aufsätze mit der Stärke der französischen Fremdenregimenter. Dt« Zahlen, die di« Zeitschrift angibt, sind um so zuverlässiger, da sie den amt­lichen französischen Berichten oder mindeste»« solchen Berichten entstammen, diegut französisch" sind. Seit 1885 besteht di« gegenwärtig« Einteilung der Fremdenlegion in zwei Regime», te>: das erste hat seinen Sitz in Sidt-Bel-Jbbees. das zweite in Saida. Jedes Regiment schickt ständig seine beiden besten Ba­taillone nach Tongking: diese werden jedoch wegen des Klimas bald wieder abgelöst, das heißt, diejenigen, die di« Marter in Tongking überstanden haben, werden wieder zuruckgeschickt, Teil« der Legion werden auch ab and zu nach andern fra^öfischen Kolonien abgeordnet: so bauen gegenwärtig di« Legionäre Straßen ln Marokko, ferner Kasernen, Wasserleitungen, Eisen­bahnen und Festungen. Jedes Regiment verfügt über sechs Ba- taillone, jedes zu vier Kompagnien gerechnet, also über insg«. samt 21 Kompagnien: dazu treten noch eine nicht etalsmätzig« Kompagnie, wetche die Ersatzmannschaften. Spielleut« und Hand­werker enthaft, seiner zwei berittene Kompagnien, sechs Ma- schinengewebrabtetlungen. wel zDepotiompagnleu und dl« aus

Das warnie Gefühl für die Schwester, durch ihren Widerstand zeitweilig zurückgedrängt, lebte in des Doktors Herzen auf und machte es weit und geneigt, zu vergeben. Erwarftliigsvoll nahm er ini Wagen neben Mary Platz und trieb den Alten zur Eile.

Der Abend dämmerte. Die Laternen des Marktes ver­sandten ibr blasses Licht. In ihrem Schein präsentierte sich der mächtige Ban des alten Hause» gewaltig und groß. Die Linden vor der Türe bewegten grüßend ihre Zweige, durch deren Aestc konnte man den Beischlag sehen, hinter dessen schmiedeeisernem Gitter rotblühend« Geranien nickten.

Wie schönl" rief Mary unwillkürlich begeistert.Dein Pslugeisen gleicht einem Königsschloß."

Das war ein stolze» Wort, da» zu anderer Zeft den Erben der Sebalds entzückt hätte. Im jetzigen Moment be­rührte es ihn kaum.

Er saß im Fond zurückgelehnt und starrt« auf die Luke unter dem Giebel, aus der bei festlichen Gelegenheiten die Fahne flatterte. Heute nickte nur das eiserne Pslugeisen herab. Auch Kränze und Girlanden fehlten, es fehlten die Angestellten auf dem Beffchlag, im Erdgeschoß brannte kein Licht.

Wie alle Abende, waren die Läden geschlossen, und nur die Flurlampe erhellte den riesigen Raum.

Peter hielt vor der Rampe. Heinz' Lippen preßten sich zusammen. Er hörte, wie der Alte nach Knffcherart dreimal mit seiner Peitsche knallte, berechnete mit Herzklopfen di« ihm unendlich lang vorkominende Zeit, bis sich endlich die Haustüre öfstiete und Karl vor deni Wagenschlag erschien.

..Grüß' Gott, Herr Doktor! Grüß' Gott, gnädig: Frau! Willkommen im Pslugeisen I" schnarrte der Ge­wandte, der die Zeit seiner Muße benutzt, sich zum »Herr­schaftlichen" auszubilden.

Willkommen im Pslugeiseul" wiederholte Heinz Se- bald in dunklem Ton, indem er seine junge Frau aus dem Wagen hob.

Wo sind die Damen. .Karl?'

7 , Jßljr^sutä*

drei Zügen bestehende Strastompagnie nebst der zu Strasarbe.t verurteilten Abteilung. Rach einer bcigegebcnen, sehr über, sichtlichen Tafel kommen di« beiden Regimenter somit aus rare Stärke von 296 Offizieren. 18 938 Mannschaften (darnnlcr 2251 Itnterosfiziere) und 850 Reittieren. Bemerkenswert ist iiu.i gens, daß di« Tafel beim Wart Regime,itsstab die Lninerlnur «»thätt: ohne Aerzl-: auch weiter finden sich Anmerkung«!

ohne Sanitätspersonal und ohne Krankenträger. lieber bi:'.- Abteilungen gibt der Beruht der Zeitschrift ' leider kein« er. schöpfend« Darstellung: es h-ißt weiter unten lediglich, daß die Zuteilung der Aerzt« ministerieller Enisck^idung vorbehalieu ist er scheint aber, daß der Kriegsministcr recht selten von seinem Recht« dieser Trupp« Aeizic und Saniiätspersonat zuzui.il«,, Gebrauch macht. Kauz abgesehen daran also, daß der Dienst unerträglich, Esten und Trinken miserabel, das Klima gesund hkftsschädlich ist, scheint auch die gesundheitliche Verpflegung oe- Truppe in einem unbeschreiblichen Zustande zu sein. Lehrreich ist aber nun die Schlußsolgcrung, die die Zeitschrift weiter zieh! Di« Gesamtstärke der beiden Regimenter betragt also, wie e, wähnt, 18 938 Mann: da die Legionär« im Durchschnitt einen 5. jährigen Vertrag abschliehen, so ergibt sich also ein Jahreab.- darf von 3787 Alaun. Hierzu kommt aber noch, daß nach einer französischen Statistik 15 Hundertstel der Legionäre überhaupt mit Tode abgehen, sei es nun, daß sie sich rötliche Kranlhciien zuzlehen, oder im Gefecht oder aus den Märschen im Sonnen brande der Wüst« umtomme»: 10 Hundertstel aller Legiouäre verlasten dl« Legion, soll heißen, bei jedem zehnten Legionär glückt di« Flucht. Das ergibt also noch 55 o. H, zum Jahl-sb-, davs, als» 3787 und 2083, insgesamt also 5870 Mann. Folglich muß die Logion, um sich auf ihrer Eesamlstärte zu «lhaiten, jährlich 5870 Mann einstellen. Rach einer weiteren französisch.',, Statistik sind 57 v. H. aller Legionäre gebürtige Deutsch«: t-iv raus kann man berechnen, daß Frankreich jährlich 3316 Dcutjche für di« Fremdenlegion anwirbt: ln den 25 Jahren von 1885 bis 1910 hat die Fremdenlegion also «in« Armee von Deutsche,, in ihren Rechen gehabt, zusammen 83 650 Köpfe! Da nur sehr wenige zurllckkchren, so hat Frankreich in dieser Zeit gegen 79 000 Deutsch« vernichtet. Di« Niederlage, die Frankreich im Jahre 187071 erlitten hat, hat es Mithin längst wiedei weit, gemacht. Di« Fremdenlegion hat grausame Rache geübt! Man bedenke, datz tm ganzen Kriegs nur etwa der dritte Teil an To Kn »u beklagen warl Jeder Vaterlandsfreund sollte es für !«ln« Pflicht halten, über di« Fiemdenlegion aufzuktäien. wo sie chm Gelegenheit bietet.

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Ehe dieser die heikle Frage beantworten konnte, össncte sich zum zweiten Male di« Türe. Ein junges Mädchen trat über dir Schwelle.

Heinz, lieber Heinz!"

Alles vergessend, schlang Erna ihre Arnr« urn des Dok­tors Hals.

Er war beglückt und zugleich betroffen, zog ihren Arni durch den seinen und führte sie die Stufen hinab zu seiner Frau, die verwirrt und betreten stehen blieb.

Hier bringe ich Dir mein Pflegeschwestercl>en, liebstes, Kind. Ich habe Dir von Erna erzählt. Gebt Euch die Hand und haltet Freundschaft."

Mary sank ihr an den Hals.

Habe mich ein bischen lieb", bat sie so leise, daß selbst ihr Mann ihre Worte nicht verstand,Ich habe niemanden ol» ihn in der Welt!"

Der Blick heißer Liebe, der ihren Mann streifte, be- glückte und schnierzte Erna zugleich. Sie verwand jedoch tapfer ihre Erregung, ergriff Marys H>md und führte sie über die Schwelle ins Haus.

Heinz schritt mit seinem finsteren Gesicht hinter ihnen. Daß Rosemarie seiner Frau nicht einmal an der Schivelle entgegentrat, ließ ihn Böses ahnen. Sie hatte ihre Ab­neigung nicht besiegt.

Oben an der Eingangstüre hing ein bescheidenes Plakat, von einer Girlande eingerahmt. In roten Lettern stand zu lesen:Gott segne Deinen Einzug, junges Paar!"

Die Worte wie das Schild waren einfach, doch sie er- fteuten des Doktors Herz. Sein ftagendcr Blick heftete sich auf Erna.

Don Monika!" sagte sie beschämt. Sie ärgerte sich daß sie nicht größeren Mut gezeigt und, der Tante Verbot ungeachtet, das Haus bekränzen ließ.

Die Dorsaaltür stand offen. In ihrem Rahmen erschien der alten Monika behäbige Gestalt. Sie knixte verschämt und feierlich vor ihrer neuen Herrin und zog Heinz' Hand an ihre Lippen. Heftig entriß er sie ihr. (Fortsetzung kolatl.