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Nummer 51

Wonrag. oen 3. März

7. Jahrgang

Die »Uen« Tagrssrituiix" crlchcint jeden Werltag. Regelmäßige BeilagenDer Kaner ans Helsen", ,,?i« Kpinnliulie". üeiligopre:»: Bei den Postanstalten oieriel/ahrlich Ml. 1 /J 5 bei den Agenten monatlich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Irägerlohn. A»,ei»»n! Grundzeile 20 Psg lokale 15 Pjg, Anzeigen von auswärtserden du ich Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Kchrifilritnng und Ueelag Friedberg (Hessen), Hanauerstrahe 12. Femlprecher -15. Postichcil-Conlo Nr. 4S.19, A,»i Fronlstirt o. M.

Ueberftcht.

Bon de» neu angekommencn Mitgliedern drr deut

schrn Militärmission wurden, wie der Korrespondent des Berliner Tageblattes" hört, ernannt: Oberst Tachitasoski ?nni Komniandanten der Festung Adrianopcl, Oberst Schneller zum Generalinspekteur der Feldartillerie, Major v. Wilhelm zum Kommandeur der Modellabteilung der schweren Artillerie, Major von Krester zum Kommandeur der Modellabteilung der Feldartillcrie. Oberst von Kirsten übernimmt das Kommando des ersten Reiterregiments.

In dem Gasthos Kristeller in Hohensalza (Posen) wurden sieben russisch türkische Händler schwer krank, zum Teil bewußtlos ausgesuiidcn. Man führt die Erkrankungen auf Gasvergiftung und den Genuß verdorbener Bücklinge zurück. Zwei Personen sind bereits gestorben.

In Klein Panknin (Regierungsbezirk Köslin) er­krankte die Familie des Besitzers Müncholv nach dem Abend­essen unter Vergistungserscheinungen. Die Frau ist bereits gestorben. Der Mann und 5 Kinder beftnden sich in Lebens- gefahr.

Tic albanische Deputation wurde gestern vom Kaiser Franz Joseph in Schönbrunn in Audienz empfangen.

Bor der Audienz Essad Paschas beim Kaiser wurde diesem das Großkreuz des Franz Joseph-Ordrns verliehen.

Das Urteil gegen den Spion Alexander Jandric, den Bruder des zu WA- Jahren schweren Kerker verurteilten Zedomil Jandric wurde am Samstag gefällt. Der Gerichis- liof erkannte auf 4% Jahre schweren Kerker.

Als gestern 5 Touristen aus Lausanne in zwei Ab- teilungen einen Ausstieg zum Coldechauvier im Kanton Wallis unternahmen, wurde die eine Abteilung, die aus dem Bürochef Meylnn, dem Architekten Marmillod und dem Tchlossermcister Dentan bestand, von einer Lawine begraben. Die Leichen aller drei Personen sind bereits geborgen.

Der Weihe Wolf, das Haupt der berüchtigten Rnubcr- t-a»d, ist mit 1000 Mann seiner Bande den ihn umzingelnden chinesischen Regierungstruppen entkommen und befindet sich auf der Flucht nach dem Honan-Gebirge. Seine Verfolger machen die größten Anstrengungen, ihn einzuholen, bevor er das rettende Gebirge erreicht hat.

Von 150 Eingeborenen der Insel Formosa, die unter der Anklage der Verschwörung standen, wurden 53 zu 5 bi« 13 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, lieber den Rädelsführer ivnrde das Todesurteil gesprochen.

DerMatin" hat über die Ermordung Bentons von General Villa ein vom 27. Februar datiertes aus Chihuahua konunendes Telegramm erhalten, in dem der General erklärt, daß Bcnton kriegsgerichtlich verurteilt wurden sei, da er des Mordversuches an ihm, nämlich Villa, für schuldig befunden i-aurden sei. Die Leiche Bentons ist auf dem Friedhof von Chilmh-m beigeicht worden. Villa hat nicht gestattet, das; die Leiche au? Chihuahua geführt wurde.

Inm lückenlosen Zolltarif.

Die Glieder des Hansabunocs beginnen sich wieder gegen den lückenlosen Zolltarif zu rühren. Am 25. Januar hat eine Versammlung von Vorstands- und Ausschußmitgliedern der pfälzischen Ortsgruppe» des Hansabundes eine Reso­lution beschlossen, die gegen jene berechtigte Forderung un­ter der Begründung Widerspruch erhebt: der lückenlose Zoll­tarif für landwirtschaftliche Produkte, insbesondere für Milch. Rahm, Kartofteln, ftisckje? Gemüse, frisches Obst u. s. w. sei nicht nur eine Gefährdung der ohnehin durch die bestehenden Lcbenk-mittclzöllc sehr stark belasteten Lebens­haltung der großen Massen unseres Volkes, sondern auch

I cine Bedrohung des sozialen Friedens in breiten gewerb­lichen Kreisen, da die Einftihrung der genannte» Zölle naturgemäß die Arbeiterschaft zu neuen Lohnforderungen veranlassen müsse.

I» seinen Richtlinien versprach der Hansabund der­einst,für den Abschluß von auf einer gerechten Abwägung der landwirtschaftlichen und gewerbliajen Interessen be­ruhenden Handelsverträgen" zu wirken. Tie Preisgabe der kleinsten Landwirte, deren Schutz bekanntlich auch der inne- re» Kolonisation in so hohem Maße zugute käme, beruht offenbar auf diesergerechten Abwägung". Gewiß hat das Direktorium des Rießerbundes Ende September 1913 ver­sichert. unter den hcuftge» nationalen und internationalen Verhältnissen sowohl der Landwirtschaft wie der Industrie den ihnen notwendigen Zollschutz gewähren zu wollen. Aber auch dabei wurde der lückenlose Zolltarif wieder rundweg verworfen. Obendrein hatte ja die rätfrlhaftc Frage, waS der Haufabund unter demnotwendigen" Zollfchutz verstehe, in de» Jahren zuvor eine deutliche Auslegung gefunden. Faßten doch im Herbst 1011 zahlreiche Ortsgruppen des Hansabundes eine Resolution mit n. n. folgenden Fordcrun- Ctn:

1. Die Gestattung de' Zufuhr von lebendem Vieh auS allen in Betracht konuueudeu Ländern wie Frankreich,

Holland, Belgien, Däneniark und Argentinien, wobei nur die notwendigsten Beschränkungen zulässig sind. 2. die Aufhebung oder Herabsetzung der Zölle auf Gemüse, 3. die zeitweilige Aushebung oder angemessene Herabsetzung des Maiszolles sowie des Zolle? auf Fnttcrgerste und Heu, 4. die Revision des Getreidceinfuhrscheinsystems, 5. die Beseitigung der Ausfuhrtarife für Getreide.

Wenn Worte noch einen Sinn haben, fo ist die Resolu­tion der verwegene Versuch zur Abschüttelnng nahezu des gesamten landwirtschaftlichen ZollschntzeS, auch dessen, der wie der Heuzoll nur in der Phantasie der Hansabundesciserer besteht. Und bekanntlich setzte etwa zu der gleichen Zeit die Agitation des Hansabundsgeschäftsführers, des nationallibe­ralen Abg. Frhr. v. Richthofen ein, der zur weiteren Benach­teiligung der Viehzucht, also in der Hauptsache wieder der kleinen und kleinsten Landwirte, auch noch den 8 12 des Fleischbcfchaugesetzes beseitigen und damit das argentinische Gefrierfleisch herbcizaubern wollte. Unter diesen Verhält­nissen gehört zu der Beteuerung des Hansabundcs, er gönne auch der Landwirtschaft den ihr notwendigen Zollfchutz, sicher- lich viel Mut, und sein zäher Widerstand gegen den lücken­losen Zolltarif bringt nicht in Vergessenheit, daß auch der bestehende landwirtschaftliche Zollfchutz für düsen von der Steuerscheu geborenen Bund nur da? Gegenteil einer Not­wendigkeit ist.

Auch die in ihrer Art auffällige Trennung der national- liberalen Reichstagsfroktion von eiucni der früher führenden Geister des liberalen Bauernbundes, dem Abg. Hestcrmann, knüpft an den lückenlosen Zolltarif an und zieht von selbst einen Vergleich mit einem charakteristischen Ereignis- des Vorjahres. Der Hansabnnd hatte eben die schaukelnde Er­klärung über den notwendigen landwirtschaftlichen Schutzzoll und gegen den lückenlosen Zolltarif, also gegen den Schutz eines beträchtlichen Teiles der kleinbäuerlichen.Produktion veröffentlicht, da erschien der Vorsitzende des liberalen Bauernbundes, der nationalilberale Abg. Wachhorst de Wente, dankerfüllten Herzens beim Leiter des Hansabundcs, um zu erklären, daß er sich dieser Stellungnahme des Hansabundcs - von Herzen freue! Der Herr, der mit die- fer bezeichnenden Dankcsvifite den Schutz so vieler Klein­bauern prcisgab, ist jetzt im Parlament der bevorzugte naiio- nallibcralc Sprecher. Tein Abg. Hestermanu hingegen, der sich zuni Besten kleiner Landwirte ftir den Schutz des Obst- iind Gemüsebaus wie der Milchproduktion, also ftir den lückenlosen Zolltarif, aussprach, setzte die »ationalliberale Reichstagsfroktion schon in der nächsten Stiinde den Stuhl vor die Tür.

Dentkcher Reichstag.

Der Reichstag führte am Saiiistag die Erörterung des Etats der Reichseifenbahnen z» Ende.

Minister v. Breitcubach iiahm noch einninl das Wort n,ih bezog sich ans die Ausführungen seines Vorredners, des Abg. Weilt (Soz.), der anerkannt hatte, daß auf den, Gebiete de: Betriebssicherheit die deutschen Bahnen an erster Stelle von allen anderen stehe». Die neue Lohnordming für die Arbci- tcr habe bei ihnen volle Anerkeiinuiig gefunden und die Rechtslage auf eine sichere Grundlage gestellt. Er (der Minister) versehe im übrigen sein Amt mit der gleirhen Sorg­falt wie das des preußischen Ministers.

Nach kurzen Bemerkungen der Abgeordneten Dr. Schatz (Lothr.) und Jckler (nntl.) schloß die allgemeine Aussprache. Bei de» Einiiahiiien aus Personen- »»d Güterverkehr ge­laugte die Mosel- »nd Saarkanalisieruiig zur Besprechung.

Abg. Dr. Wcill (Soz.) hielt die Kanalisierung ftir nct- tvendig.

Abg. Bassermaun (natl.): Ich halte die Ablehnung der Saar- und Moselkanalisierung für wirtschaftlich falsch. Aber darüber hinaus ist sic auch aus vielen Gründe» bedauerlich, zumal im übrige» die preußische Regierung auf ihre eifrigen Kanalbauten mit Recht stolz sein kann. Die großen Vor- teile der Saar- und Molelkanalisterung siiid oft und ein- gehend eröricrt worden. Man erhofft von dem Kanal eine Wiederbelebung der kleinen Binnenschissahet und damit wird die Frage auch zu einer wichtigen Mittelstandsft ige. Auch vom militärischen Standpunkt hat der Kanal große Bedeu- tung. Die Befürchtung erheblicher Eiscnbahneinnahmeans- solle kann ich nicht teilen. Die Agitation für die Saar- und Moselkanalisierung ist nicht gering, sonder» stärker gewor­den. Besonders im elsässischen Landtag tritt inan lebhaft dafür ein. Der Reichsgedanke könnte wesentlich gestärkt werde», wenn man diesen Wunsch-» der Reichslandc Rech- »ung tragen würde. Die ablehnende Haltung der Regie­rung ruft in der Bevölkerung lebhafte Erregung hervor, und zwar im Mittelstände und den Arbeitcrkrciscn. Ich bin überzeugt, daß auf die Dauer der Widerstand des Ministers nicht imstande sei» wird, die Saar- und Moselkanalisierung z» verhindern, sondern daß der gesunde, nationale und Wirt- ! schaftliche Gedanke zum Sieg gelange» wird. (Beifall der Nationalliberolen.)

Minist-'r v. Brritcnbach: Es ist sehr schwierig, hier z» eiiier Frage zu sprechen, über die ich mich erst vor einigen Tage» ausführlich im preußischen Abgeordnetenhaus« ge­äußert habe. Ich kann heute »ur feststellen, daß zurzeit die preußische Staatsregierung nach wie vor aus deiii Stand- piiiikt steht, daß ans überwiegend wirtsihastspolitifchen Rück- sichten die Kanalisierung vvii Mosel und Saar nicht in Aus­sicht genoiiiincii werden kann. (Sehr giit! rechts.) Die große Bedcntiing der Frage wird von mir Vollkvininen ge­würdigt. Der Widerstniid im niedcrrheinischen Revier, im Ruhrrcvier hat nicht abgenoiiirnen. Ans der Rede des Abg. Röchliirg im Abgcoröiictenhanse und aller Herren, die an der Mosel und Saar sitzen, ans deiii Schweigen anderer dür­fen Sie nicht etwa den Schliiß ziehen, daß in, preußische» Abgeordnetenhansc eine starke Meinung für die Kanalisation ist. (Sehr richtig! rechts.) Das Stillsckjweigen bedentsimc, Parteigruppen oder die vereinzelte Verteidigung des Stand­punktes der Regierung ergibt sich vollkonnncn aus der Er­wägung heraus, daß die Gegner der Kanalisierung der festen Ilcberzeuguug sind, daß die preußische Regierung ihren Standpunkt, den sie aus wohlerwogenen Gründen ein- nimmt, nicht anfgeben wird. (Sehr richtig!) Tie Gründe der preußischen Regierung sind doch durchaus überzeugend. Nun wurde gesagt, daß die wirtschaftspolitischen Moniente im Ruhrrevicr nicht anerkannt Ivürden. Im Jahre 1011 gaben die gesainten Hochosen- lind Walzwerke des rheinisch- westsüliichen Jndnstriercvicrs in einer Eingabe an das preußische Bergwcrksiiiinistcrium mit aller Energie gegen die Aiisnahiue der Mosel und Saar Stellung gcnomnicn. Dib.'i haben sie daraiis hingcwiesen, daß die Kanalisierung der beiden Flüsse, die doch die notwendige Folge der Ausnahinc gewesen wäre, zu ganz unheilvollen wirtschaftlichen Folgen führen würde. Jedenfalls ist die lleberzcugnng, daß im nüdcrcheinischen Ruhrrevier ein Wechsel der Meinungen eingetreten ist, trügerisch. Wir können die Abwanderung, die sich langsam vollzieht, nicht noch fördern. Die nn Rnhr- gebiet ansässigen Arbeiter und die vielen kleinere» und größeren Gemeinden würden sehr empsindlickjen Schaden davon haben. Dieser wirtschaftliche Gesichtspunkt hat zu allererst die preußische Staatsregierung zu ihrer Stellung- nähme veranlaßt. Weder von dein Abgeordneten Weilt noch von dem Abgeordneten Bassermann ist dieses Monient gewürdigt worden, sie haben immer in den Vordergrund ge­stellt, daß einseitige fiskalische Interessen maßgebend ge­nesen sind. Das trifft nicht zu. Ich bitte dock, der Erwägung Raum zu geben, wenn sich in einer so bedeutsamen wirtschaft­lichen Frage sehr erhebliche Mciniuigsverschiedenhcile» gel­tend machen, und unsere Großindustrie sich heute gegen diese Maßnahme auslchnt, dann kann inan unniöglich verlangen, daß die preußische Staatsregicrung gegen diese Wünsche ei» ganz uiigehencr großes Opfer bringt. Diese Opfer gehen in die Millionen. Wenn mann ein leistungsfähiges Eisen­bahnnetz zur Verfügung habe, dann könne man dasselbe er­reichen wie mit der Kanalisation. Jnnnerhin sei er (der Minister) überzeugt, daß er noch öfter Gelegenheit haben werde, in, Hanse Über diese Frage zu verhandeln.

Bundesbevolluiächtigter 9,-. NobiS bezeichuete die Kana- lisiernng als im Jutercsse des Landes liegend >,»d crhossle, die Verwirklichung des Projekt, die sich vor allem auch da­rauf gründe, daß man gewohnt sei, daß der preußische Staat »ach dein Grundsatz Noblesse oblige handle.

Abg. Coßmnun (Zentr.): Die Zahl der Anhänge, der Kanalisierung wächst ständig. Die Befürchtungen wegen der Abwanderung sind übertrieben. Die Frachtermäßigiing, die man jetzt der Industrie zugute kommen läßt, sind zwar sehr dankenswert, aber gegenüber drr FrachtenvcrbilligiNig, die dnrch eine Kanatisieruiig herbeigcsührt würde, bedeuten sie gar nichts. Wir im Moselgebiet zahle» auch Steuer», wir wollen mehr berücksichtigt werde».

dibg. i.r. OcrfeJ (kons.): Der elsaß-lollft»>o!sche Ver­treter spr (!) die Erwartung aus, daß Preuß.» sich auch da- bei ti.i den alten Grundsatz»oblejje oblige" halten werde. Das ,0 entweder selbstverständlich oder sollte eine Mabiiiing sei». Cs Hand:'! sich hier mir um Abwägung wichtig"- volkswirtschaitliiijor Interessen und nicht um eine Partei- politische Frage. Man kann gewiß verschiedener Meinung sein. Manches des von de», Vorredner Angeführte» hat vieles für sich, aber die Aiissührnngen des Herrn Ministers sind für mich überzeugend. Es sprcckjeii so durchschlagendl rein volkswirtschaftliche Gründe für diese Darlcgiiiigcii, d'4 sich auch die Herren ans Elsah-Lothriiigen de,» Gewicht die­ser Gründe nicht entziehe» können. Hier handelt es sich nur um die Frage: was ist zweckmäßig für die Gesamtheit, für die. Reichslande, und der Standpunkt der preußischen Regie- rung scheint mir vollkommen einwandfrei, für mich wenig­stens überzeugend. Das niöchtc ich auch dem Herrn Ver­treter Elsaß-Lothringens zur gebührenden Beachtung cmp>rhlen. (Lebhaftes Bravo! rechts.)

Rach weiteren kurzen Bemcrkiiiige» der Abgcorduet n

I Tchno E!!, und Lcdedonr (Soz.) wird das Kapitel bewillig!.

> Aliib der Rest de? Etats i»ird aenebniiat.