Beilage zur „Neuen Tageszeitung.
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Donnerslag, den 26. Februar 1614.
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Gedrnlitaxe.
■" .Tf^tiiar. 1714 Hans Dan. Hassenpflug, hessischer 'i'tci", ^eh. — 1831 Alois ©oncfclbcr, (^rftnber bcr A.’iloatP4)6ic, t. — 1874 Georg Ludwig Hesekiel, Schrift- stiller, 's, Berlin.
lifüfi Abluadkil ältfrrr (Obftbiiiinir.
von Stadt,Baumwart B > 1 l 0 s <b.
Noch recht viele Baumbcsitzer glauben ihre Schuldigkeit getan zu haben, wenn sie alle 1 oder 5 Jahre einige dürr« oder gebrochene Aaste aus ihren Bäumen abschneidcn lasie». Aber r in, zum Ausputzen eines Obstbaumes gel>ört noch mehr und bcr Zweck dieser Zeilen soll der lei», die Ausmerlsamlcit der Beumbcsitzer auf die nachfolgend bespr»ilp:ne Arbeit zu lenken.
Hat man ebnen älteren Obstbanm ausgeschnitten, so nimin! Mn eine nicht allzuscharse Baumkratze und fängt in der Krone, an den kleineren Acsten, welch« noch mit abgestorbener Rinde und Moose behaftet sind, an, abzukratzen. Wer hierbei ein klein wenig auspaßt. kann beobachten, was er alles für Insel, len und Baumschädlinge, welche alle unter der abgestorbenen Rinde sich befinden, mit herunter nimmt. Da findet man den Apfelblütenstecher, di« Obstmade, di« Larve des Splinttäfers und beim g«nau«ren Hinsehen tausend« und abertausende von Ke-mmaläusen, welche zum größten Teil von der Baumkratz« schon zerstört werden: abgesehen von Moos« und Flechten,
loelche al» Schmaroherpslanzcn ebensalls auf dem Obstbaume leben.
Das Abkcatzen der Obstbäum« hat auch noch den Zweck, tcm Baum Feuchtigkeit und ebenso den Sauerstoff der Lust leichter zuzuführen, da durch das Abkratzcn di« Poren in der Baumriiid« geöffnet werde». Jünger« tragend« Obstbäume, welche nur mit Moose und Flechten behaftet sind, weiden nicht «bgekratzt, sondern mit der Stahldrahtbürste abgebvrstet.
Ist der Baum vollständig abgekratzt, so macht man sich «ine Kalkbrüht an und streicht die abgelrotzten Aest« sowie Stamm gründlich an, und zwar so, daß an dem angestrichenen Baum !c # dunkler Flecken mehr zu sehen ist. All« Löcher im Dauni, die vorher gut ausgekratzt oder ausgeschnitten waren, sind tüch. tig auszuspritzen und zwar solang«, bi» der Kalk barm hastet. Für den Kalkanstrich verwende ich den trockenen gemahlenen Schwarzkalk (Sackkalk) und zwar in der Weise, daß ich den Kall, etwa 4 Kohlenschausel voll ftir «inen 10 Liter haltenden Linier «insüll«, dann knapp 'A Liier „Dendrin" zuschütt« und :■ :ufe Flüssigkeit solang« umriihre, bt« sich da» Dendrin mit dem trockenen Kalt gut verbunden hat, dann wtrd unter stetein u.»rühren solang« Wasier zugeschüttet, bis di« Brüh« fertig ist. De Nb IUI unter gelöschten jeuchlen Kalk zu mischen, ist wegen brr imtensichenden Bestandteil« de» Dendrin nicht möglich. Da» Dendrin enthält einen kleinen Bestandteil Tavboltneum, wie Teer und hat demzusoige «inen starken Geruch. welcher rach dem Anstrich lehr lange am Bamn hastet: sogar bis in Juni riecht der Baum noch und wird wohl deshalb von de» Baunrschädlingen gemieden.
Zum A bk ratzen ist es noch Zeit bis zum halben April, da bis dahin der Baum noch wenig Lcbenstätigkeit zeigt.
Beim Abkratzen hüte man sich, di« Rinde bis aufs Holz loszu«eigen. Die leichteren Beschädigungen der äußer«» Rinde lassen sich nicht ganz vermetden, sind auch für den Baum nicht UHttet schädlich, zumal dann gleich der Kalkanstrich erfolgt.
Seitdem ich di« Obstbäume wie »de» angegeben behandle, lu^e ich den Blutenstecher sowie Apselgcspuchmott« in den letz.
len Jahren fast gar nicht mehr vor. Sill« übrigen Schädling« nur in geringer Meng«.
Ein auf di« oben angegeben« Weis« bechaudebnder Baum sieht im Frühjahr viel frischer und gesünder au», denn «in« solche Reinigung ist so gut wie halb gedüngt.
Obstbaumbesitzer! Roch ist es Zeit, folgen Sie meinen An. regungea und reinigen Sie noch in diesem Frühjahr Ihre Obstbäume nach der oben angegebenen Weis« und Sie werden sehen, daß der Erfolg nicht ausbleibt.
Die tlimntüfiifu MältilU der Aelt nuf Skr Avsjtrklung für tzksullShtilöpfltgt Stuttgart 1014.
Bon Oberrealiehrer Dr. Broß Für den klimatischen Charakter eines Landes ist neben der Tdmperaturangabe das wichtigste Element die Größe der jährlich niedersallenden Regenmenge. Ihre Ermittlung ist nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern st« ist mit Erfolg auch praktisch in Aniveiidung gebracht worden. Di« Menge der atmosphärische» Rädeischstige, wie zusamme»fassend alles Wasser bezeichnet wird, das in Form von Regen, Tau, Reif, Schnee und Hagel zur Erde fällt, gibt sowohl wichtlg« Anhaltspunkte über di« Wetterverhäktntsse, als auch einen Maßstab über die natürliche» Hilfsquellen eine» Lande». Di« Größe des jährlichen Regeitsoll» st »bei z. B. in den Weizen«
baugebietcn von Slldanstialien praktische Anwendung. Der Ertrag der Ernte für das soigendc Jahr kann bis aus 5 Pioz. genau nach der im vorheigegangenen Jahr« beobachteten Rege,imenge festgestellt werden. Ebenso konnte für die Insel Barbados die Ausfuhr an Zucker für das kommend« Jahr aus der Regenmenge des gegenwärtigen genau in Beziehung g«. bi acht werden. Ja es sott sogar di« Zunahme des Schasbcstau des in verschiedenen Bezirken von Ausiralien und Argeniinien mit einer Zunahme des Regcnsalis in Zusammenhang stehen Ebenso besitzt die Zn- und Abnahme der Regenmenge in de., Kafseegebieien einen Einsluß aus de» nächstjährige» Ertrag eine Tatsache, dir i,n Börsenwesen wohl bekannt ist.
Ausschlaggebend kann di« jährliche Niederschlagsmenge st,! solche Gebiete ein die sür die Wasscrentaahme großer Slädle in Betracht kommen, wie z. B. bei der würitembcrgischen Lan, deswasjerversorgung. Aus der Regcnhöhe ergibt sich die jähi. lich«. in den Boden gelangende Wasscrmasse und nach Abzug des in Bächen und Flüssen ablausendcn und verdunsteten Teil» die im Erdboden ausgespeicheitc Menge. Natürlich kann die Rechnung nur die Bohrproben und Versuch« unterstützen.
Die meteorologische Messung der Rcgeuhöhe kann sich auf die Feststellung der Regenmenge jeder einzelnen Stunde erstrecken. Daraus ergeben sich dann die d»rchschnittliü>rn Regenmengen für den Monai und für das ganze Jahr. Auch di« Au. gäbe der Tage mit starken Regenfäkkeu. die Zahl der regeufreien und -armen Tag« ist notwendig.
Wie wird nun diese Regenmenge bezw Regen-Höhe gemes sen? Wenn z. B. im tiefen Winter auf den geiroreuen Boden Schn«« „iedergeht, wird die Höhe des gesallenen Schnees sür den betreffenden Schneesall inaßgebend sein. Dies« Höhe kann einfach dadurch bestimmt werden, daß man die Dick« ihrer Schicht mit dem Maßstab au irgend einem Punkte des belief, senden Gebietes feststellt. In der Höhenangabc dieser Schicht in Zentimetern oder Millimetern hätte man die gesuchte Zahl. In schneereichen Gebieten lassen sich oft an den Wegrändern die Schichten verschiedener. zeitlich getrennter Schneesälle an leichten. in den Zwischenpausen etngelagcrten Staubschichten erkennen. Ebenso wie hier Schicht um Schicht sich austllrmt, niüßi« man sich vorstellen, daß all« Regenfäll« eines Jahres — Schnee und Hagel in Wasser verwandelt — ohne in den Boden z» sin. ken, ln Bächen abzulausen oder zu verdunsten, liegen blieben Ihre Höhe in Zentimetern gemessen, wäre dann die gesuchte Regenhöhe. In dieser Weise gedacht, würden die jährlich«.! Niederschläge z. B, Süddeutschland 80 Zentimeter hoch, Mitteldeutschland 70 Zenffmeter, die norddeutsche Tieseben« i>0 Zeu timeter hoch bedecken.
Di« Wetterkunde bedient sich zu diesen Bestimmung:!! eine» sehr einfachen Apparates. Er besteht in der hauptsuch, aus einem Trichter, dessen obere kreisrund« Ocffr.uug siharfkan. «ig und genau gemessen ist und ineist 200 Quadrat Aeutimctcc, etwa 2 Handflächen, faßt. Der Trichter sammelt in kleine cn lindrische Gefäße all« Regentropfen, di« auf 200 qcm. Bodenfläche fallen. Die cylindrifchen Gesäße werden nach jede: Stunde gewechselt und enthalte» je sür die bctrejsende Stunde des Tages diejenigen W-ffermengen. die auf den Flä-henrau.u von 200 qcm. gefallen wären und die überall in der Nähe d-s Appavates niederfallon. Auf einfache Weife wird dann der In Hali jcstxs Eylinders für die Trichterfläche umgcrechnet. Sind st. B, in einem dieser Cylrnder 200 Kr. Wasser, das siicd 20» cbom., so ergibt sich durch Division mit 200 qcm, «ine Höhe nun I cm, oder 10 Millimeter. Das wäre di« Rogenhöhe fiir d < betreffende Stund«. All« dies« Messungen für das ganze Jul-, busammengenomnren, ergeben di« jährlich- Regeuhöhc eine.
ZUM Dfiugeiseu.
Stoma» von M. Prigge-Aroök.
»3 lFortsetzu-Ä- - - s.
„Meinst Du, ich sei g»i genug dazu. Mag er sie bei raten, ich räume ihr bann meinen Platz. Bis bahin bin ich die ®.ii,»fron nnb erwarte meine Gäste. Wenn er sie wirklich herzübringe» wagt... 1
„Aber Mn. bedenke doch! Was soll Heinz tu», wenn »r sie liebt? Er will hoch nur, daß wir sie kennen-ke««,,, las ist doch ganz natürlich." J t* 'P]‘ ^
»Natürlich, baß ec ihr schon vor der Hviksteit seinsHaus öffnen muß, wcil sie kein Dach über dchlr F«r
da» nrcht sLb<> ant< sstMtzz u-M fc-i l
einen Sehalb biinkr mir Aber freilich, Du hast ja inmier-'ssiKtz-B FW Ä f I, -ena.de Dich mit ibr. Laß-.m^w - • !,»•*» Hanssrau. ^t*
Ja, kenne Dich uirlaivielx'" ^ock^^erqÄSMpV»? l»lädck>en kühl. „Unedle PenieÄrnni»«" chmr "fÄdft- oiistäi dtich fern. Wenn ich mich in Eure A«gosigenhäiien mische jo ist's, weil Du mir leid tust. Biel urehir/ats Heinz. E» gewinnt sich bie Frau, bie et lieb bat. Du bleibst allein Ist- kann verstehe», u-fj Dich das Wwwryit muß. Anch-st-nn ii verstehen, baß Dir eine bekannte Schwäger m "lieb« miKe gibt Dir aber lei» Recht, Heinz' Braut gering zu,achten. ' - - che, daß ihr Pater ein Masti: ist . .
Oikir"; verbesserte Roseinarie. •'»
„Er ist als» tot? Hut s» traurig«, für seine Tochter) ine >' - ,'lleii, auf Heinz augewiefe» ist. Nun erst verstehe ick, Er v raucht seine Sck.nvc.srer, nnb Du wirst zu ihnen
f . iu-u." . * ‘ J . V 1 i i H'fß»
„Das w-erbe ich nicht tun", antwortete Rosemarie, ge- r baß Erna ihr alle Gründe ans den Händen wand es sti niilit Wege» des Vaters, der mag ein tüchtiger Künstler gewiesen sein, wenn ich auch wünschte, daß Kiinstlerblut dem Pllng.'iie» fern bleibt. Ich kann aber Heinz' Wahl nie gut lieksieu". siibr iie nach einer Pause fort. ..denn wisse, des
Mädchens Mutter verließ ihren Manu. Er darf sie nicht heiarführeii." - j, ' ’ |»- t - 1 t
„Da er sich mit ihr verlobt Hatz' wrrHDit..btz« -LaufR>er Dinge nicht ändern können." 1 r 1
„Und doch ändere ich ihn!" Mvsemarie war leibenschast- lich. wie nie in ihrem Lebe«. „Ich stehe hier an nnserer Eltern Statt", sagte sie feierlich, „ich weigere ihn, diese Heirat, will sehen, ob er mit trotzt."
„Er kann ja gar nicht anders. Versteh' hoch, bas Mädckien ist seine Braut."
Erna vergaß ihren Kummer über der Aiigst, die ihr kam. Roseniarie niit Heinz im Streit, im ernstlichen Kampf? Das tat nicht gnt »nd es durfte nicht sein. Dies eine Mal niußte sich die Tante füge». Sie sprach noch stundenlang aus sie ein, immer mit dem gleichen Erfolg. Rosemarie blieb dabei, daß die Heirat mit Mary ein Uglück sei und sie dagegen reden werde, so lang« es noch Zeit sei.
„Die Tochter einer solchen Mutter unter unserem Dach? Mir ist, die Ahnen im roten Saale müßten qus ihren Rahmen heraustreten."
„Was kann das arme Kind dafür?'' ;*
'. „Kennst Du nicht das alte Wort von der Väter Sünde?"
Erna erschauerte. Die Tante wurde ihr plötzlich unheimliche Sie starrte sie niit rotgeweinten Augen an, mit dem Blick einer Fanatikerin.
Die Uhr schlug Mitternacht, als Erna auffland. „Du reist nickst nach Wien, es ist Dein letztes Wort?"
„Mein letztes!" '
„So erlaubst Du wohl, daß ich hinfahre und Heinz beistehe?"
„llnterstche Dich!" grollt«.Roseniarie empört. „Wag's nicht, gegen mich Partei zu nehmen. Wenn Du schon nicht fiir mich bist, so fordere ich als einfache Psticht der Dankbarkeit, nicht gegen mich zu sein."
Betrübt senkte das Mädchen de» dunkelhaarige« Kopf, glitt aus dem Zimmer, zum ersten Mgle im Leben-Heftia ent. tciiisckst von Rosemari-. ",
Es gelang weder den Bitten des Mädchens, das anderen Tages sein Heil auss neue oersnchte, »och Luisens Zureden, die weiter blickte und schwere Tage über das alte Haus kemmen sah, Rosemarie zur N-ichgiebigkeit zu bewege». Sie schrieb an Heinz, daß sie zu leidend sei, um eine Reise zu N'agen. auch sffinde deS Oheims Ableben bevor, sie könne ihn nicht verlassen.
Von Mary schrieb sie kein Wort, kein guter Wunsch zu seiner Verlobung. Umsonst bat Luise, ihr zu erlauben, i» ihrem eigenen Namen ein paar freundliche Worte für die junge Braut hinzuzufügeu.
„Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich", mit dein Spruche wies Rosemarie jede Bitte -»rück und blieb nnzu- gänglich, bis sich die beiden, Tante »nd Nichte, getränkt zn- riickzogen.
Der Ohm erfuhr nichts von dem. was ihr Herz be- wogte. Ec wurde immer stumpfer. Rosemarie trug ihre Enttäuschung und ihren Schnwrz unsäglich schwer. Heinilich hoffte sie, Heinz besinne sich, und die Verlobung init dein fremden Mädchen sei eine Wallung gewesen, die er vielleicht bererw. Gewiß hatte es sein weiches Herz bewegt, sie einsam und verlassen zu sehen, und in der Todesstunde des Frenn- des mochte ihm das entscheidende Wort halb wider Willen entflohen sein. Sie war unfähig, die kseinste Arbeit vc-rzii- nehmen. Von Stunde zu Stunde wartete sie auf eine Botschaft von Heinz, ein« Depesche ober einen Brief. Beides blieb aber aus.
Ihren Bruder hatt« die kühle Ablehnung, niit der sie seine Bitte beantwortete, tiefer getroffen, als sie ahnte. Er wurde irre an ihr. Konnte sie wirklich so kühl und herzensarm sein, ihm seine Bitte abzuschlagen? Er faßte es nicht. An ihre Krankheit glaubte er keinen Augenblick. Rosemarie war nie krank. Und was den sterbenden Ohm betraf, so hätte es dem alten Manne nichts gemackst, wenige Tage allein zu sein. Ihm blieb Luise, die Dienerschaft und Monika, an deren Pflege er gewöhnt war. Ihm hätte nichts gefehlt. Sei» Liebstes, seine M-rrv. aber saß wie ein krankes Vögel-


