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Mittwoch, de» 25. Februar i;tt4

7. Jaljrgattg

Ti-1l*tu cricheint leben Werllag. Regelmäßige BeilagenDer Knurr NU» Kellen".Dir Spinnende". K»,ugop»ei«: «ei de» Poslanstaiten vleriel,achi,ch Mk. , 9 ,

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Alebersicht.

». Der Warcnschmuggel aus dem Rhrin hat in der letz, fen Zeit einensolchen Umfang angenommen, daß sich die Re- gicrung veranlaßt suhlt, einen besonderen Zollwachtdicnst auf dem Strom einzusühren. Ter Sck,muggel erstreckt sich in erster Linie auf den Warenverkehr von Deutschland nach Holland und umgekehrt.

i Gestern Abend ist der erste Tirrktor der Innung«, sank in Breolau 6 . G. in. b. H-, Hugo Bockman», wegen drin- gcnden Verdachts, Betrug und Urkundenfälschung begangen zu haben, von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Eine Tepotrevision, die bereits heute vormittag siattgefunden hat, hat ergeben, daß de? Depots in Ordnung sind, i _ ter Prinz zu Wird wird sofort nach seiner Tbronbe- steigung eine Abordnung nach Konstantinopel entsende», die mit der Pforte eine Regelung der albanisch-ottomanischen

Beziehungen treffen soll. ^ , , .

i Die Spionageassäre der Gebrüder ^zandric enoete, wie dasNeue Wiener Abendblatt" erfährt, bezüglich des Oberleutnants Alexander Jandric mit der Verurteilung zu 19 Jahren schweren Kerker. Die Verhandlung gegen dessen Bruder, den Maler Cedcnil Jandrie, findet in den nächsten

Tagen vor dein Wiener Schwurgericht statt, i Die Auslösung des schwedischen Reichstages wird am 3. März erfolgen. Der Kampf ist im vollen Gauge. _ Pali- ljsche Reden werden täglich von hervorragenden Politikern aller Parteien gehalten. Die liberale Partei geht geteilt vor. Die verteidigungsfreundlichr Partei wird nur Ver- teidignngsfragen auf ihrem Programni haben, die Rcichs- tagSliberalen werden entweder Vcrteidigungsfragen und konstitutionellen Konflikt gleichsicllen oder den konstitutiv, ncllcn Konflikt auf ihr Programm setzen.

Aus Nizza wird gemeldet, dah, bei unsichtigem, stiir. mischen Weiler von den vier dort verankerten Torpedojägern zwei,Easqne" »ndDaguc", durch Anprall an die Kai- mnnrr schwer gelitten habe».

In lldschda wurde ein Marokkaner hinqcrichtct, der im Lager von llcd Tekag sechs Arbeiter ermordet und eine Frau entführt hatte, die siebe» Monate lang von den Beni Vnjahi gefangen gehalten wurde.

England hat ohne Rücksicht auf die amerikanische Un- tersnchung wegen der standrechtlichen Erschießung Bentors durch den Rcbcllcngeneral Villa eine Nntersnchung ringe- leitet, indem der britische Konsul in Galvcston den Befehl erhielt, sich unverzüglich nach Juarez zu begeben, um an Ort und Stelle alle Umstände, die zu Bentors Tode führten, fest-

zustellen.

Tic Gerüchte, dah die beiden-- Chile auf der eng- lischen Werst Armstrong in Bau befindlichen Ucberdrcnd. nouahtsAlinirantc Latorre" undCochrane" an eine Bal- kaninacht, vermutlich Griechenland, verkauft werden sollen, nehmen bestimmtere Gestalt an.

Der Konsttnaiilie Gedanke in Kessen.

Professor A. Gebhard zu Friedberg schreibt in der .Süddeutschen Zeitung":

Das kennzeichnende Gepräge unserer Zeit dürfte eine künftige Geschichtsschreibung darin finden, das; auf allen Ge­bieten des öffentlichen Lebens, trotz oft geradezu widerlicher Anbetung von Schein- und Tagesgötzen eine breite demokra­tische Strömung ihre alte Wahnbotschast von der mensch­lichen Gleichheit auf allen Gassen predigt und in wachsender Rücksichtslosigkeit Sturm läuft gegen alles, was sich an festen überkommenen Werten ihrer verflachenden Ansgleichswut entgcgenstellt. In deutschen Landen bekunden eine ganze Reihe bedenklicher politischer Erscheinungen die untcr- grabeudc Tätigkeit dieser Gewalten, cs sei hier, um nur einige bemerkenswerteste Marksteine unserer inneren Ent­wickelung herauszuheben, erinnert an die Bildung de? Rot- blocks in Baden, an die aushetzcnde Tätigkeit des Hansabun­des, an die Unzuverlässigkeit der nationalliberalen Partei, die auf der schiefen Ebene nach links unter ihrer jetzigen Fllh- rnng immer tiefer ins demokratische Lager hinabgleitct, an die planmäßige Hetze einer ganzen Schar sogenannter Witz- Rätter gegen alle großen und starken Triebe unseres Volkes, sine Hetze, die absichtlich alles, was vielen Deutschen noch heilig ist, täglich in den Kot zieht und jede Autorität in Staat, Heer, Kirche, Schule und Familie bewußt zir unter- wühlen trachtet.

Wie aber jedes Uebel sein Gegenmittel in sich zu tragen pflegt, so hat auch diese zunehmende Vcrpöbelung das Gute, dah sie in stets wachsende Kreise das immer steigende Ver­langen nach einer starken, unerschütterlichen Scknitzwchr gegen dieses gemeingefährliche Treiben wachruft. Diese Schutz- Wehr kann nur gefunden werden durch einen festen, seiner schweren Aufgabe voll bewußten Zusammenschluß aller kon- servativ denkenden Kreise unseres Volkes. Und da es sich hier um Fragen höchster politischer Bedeutung handelt, da der Kampf auf politischem Boden ausaefockücn werden muß.

so kann dieser Zusanimenschluß nur erreicht und erhalten werden durch eine zielklare politische Organisation auf kon­servativer Grundlage. Gerade die Zaberncr Vorgänge, die eine maßlos übertreibende Wühlarbeit zu Gunsten demo- kratischer Errungenschaften auszunutzen versucht hat, haben auch einer weiteren Oeffentlichkeit die Augen über die drohende Gefahr geöffnet. Galt sei Tank hat ja gerade bei dieser Gelegenheit der gesunde Sinn unseres Volkes bis weit nach links hin sich sehr schnell bekundet und gar manchem der bürgerlichen Mitheulcr bei der großen Entrüstungsmoche vom Ende des vorigen Jahres wäre es jetzt gewiß lieber, er hätte damals kaltes Blut bewahrt. Es ist im Sinne poli­tischer Klarheit aber zu begrüßen, daß die Ziele der Demo­kratie: ZertrUmniciung der unbedingten kaiserlichen Be- fehlsgewalt über das Heer, unbeschränkte Parlamentsherr, schüft, bedingungslose Beugung der Regierung unter die Herrschaft einer allmächtigen urteilslosen Masse, nach den Vorgängen von Zaber» und ihrer Behandlung im Reichstag nnverhüllt vor aller Augen dastehen.

Demgegenüber wird ein Znsauimenschlnß aller konser­vativer Kreise eine Notwendigkeit, besonders stark und drin- gend im Süden und Westen des Reiches. In Hessen tritt dies Bedürfnis zwingend zu Tage. Infolge des bedauer­lichen Mangels einer konservativen Organisation hatten in dir jüngsten Vergangenheit die rechtsstehenden Kreise in Hessen sich daran gewöhnt, ihre politische Vertretung in den Händen der nationalliberalen Partei zu sehen. Das mochte gehen, so lange diese Partei Raum bot für so rechtsstehende Männer wie Freiherr« von Hehl-Worms, Graf Oriola- Büdesheim, Or. Vecker-Sprcndlingen. Seit die Partei aber rücksichtslos alle derartigen Männer ausznscheiden begonnen bat, seit sie im jungliberalen Fahrwasser selbst vor Ver- brudcrung.mit dem Umsturz nicht zurückscheut, können Männer konservativer Richtung schon um ihrer Selbstachtung willen nicht bei ihr verharren und auf Gnade und Ungnade sich ibr ausliefern. Erst vor kurzem in der ausfallend schrof­fen Lösung ihres Verhältnisses zu ihrem Hospitanten Hcster- mann hot diese Partei gezeigt, wie empfindlich sie gegen jede Regung recht gerichteter Politik in ihren Reihen ist, wäh. rend man gegen links hin glirrcnde Anschauungen nur mil- deste Versöhnlichkeit seststellen kann. Mnn denke z. B. nur an das Verhalten der Partei zu dem nun nach Fug und Recht durchgefallenen' Abgeordneten Kölsch.

Schon vor geraumer Zeit trat in Darmstodt unter der Führung des Rechtsanwalts Bopp eine Vereinigung rechts­stehender Männer unter dem NamenHessische Noichspartei" ins Leben, die während ihres verhältnismäßig kurzen Be­stehens erfreuliche Fortschritte gemacht und selbst im roten Osfenbach Fuß gefaßt hat. Nun ist es aber sicher, daß bei der großen Verschiedenheit der Stammesart in den drei Provinzen des Großherzogtums und der durchaus nicht über­einstimmenden Zusammensetzung der einzelnen hessischen Wahlkreise, es sehr schwer sein dürfte, einfach van Darmstadt aus eine neue politische Organisation über das gesamte Land auszubreiten: die richtige Arbeitsweise dürfte es viel­leicht sein, in den einzelnen Wahlkreisen zuerst feste, arbeits­fähige und vor allem arbeitsfreudige Organisationen zu gründen und ihren Zusanimenschluß dann der reifenden Zeit und gründlicher Vorarbeit zu überlassen.

Von dicscni Gedanken ausgehend traten auf Anregung von Pfarrer Holl. Nicder-Rosbach am 1. Februar etwa 69 auf konservativer Weltanschauung stehende, im übrigen ollen Bcrufsständen angehörige Herren in Friedberg zusammen und beschlossen nach einem Vortrag des Landge­richtsrat von Pfister -Tarmstadt die Gründung einer konservativen Organisation zunächst für den Wahlkreis FriedbergBüdingen. Mit den Vorarbeiten wurden die sechs Herren betraut, die zu der Versaminlung geladen hatten mit der Aufgabe, sich durch Znwahl zu einem größeren Ans- lchuß zu erweitern. Diese Erweiterung bat mittlerweile stattgesunden und noch vor Ende dieses Monats werden die Grundzüge der künftigen Organisation im wesentlichen fest­gestellt sein. Die neue Bildung dürfte sich Wohl (ein end- gültiger Beschluß liegt noch nicht vor) konservative Vereini­gung nennen. Darüber, daß der Namekonservativ" in unserem überwiegend bäuerlichen Wahlkreis nicht vermieden werden dürfe, war man sich bei den einleitenden Vorbe­sprechungen allseitig klar und der NameKonservative Vereinigung" soll den festen Willen bekunden, in der neuen Organisation alle konservativen Richtungen jeglicher Abschottung zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuschließen. Etwaige Befiirchtungen der kleineren konservativen Gruppen der Christlich-Sozialen oder der Reformpartei und ihrer An- Hänger in Hessen, als taste eine solche Vereinigung ihre älteren Rechte an und gefährde ihre Selbständigkeit, sind durchaus unbegründet. Wir glauben vielmehr, daß auch die- fen Richtungen bei aller selbstverständlichen Schonung ihrer politischen Sonderüberzeugungen, die kein M'nsch verge­waltigen will, aus dem Zusammenschluß mehr Heil er- sprießen wird, als aus ibrer bisherigen Verein.zeknna un»

zahlenmäßigen Unterlegenheit. Ganz selbstverständlich ist es auch, daß die neue Organisation nicht einen Augenblick als Gegensatz zu der schon bestehenden Hessischen Reichspartei auch nur gedacht werden kann.

Wir wollen bei alle dem nicht vergessen, daß wir damit, daß wir bet, konservativen Gedanken auch nach Hessen tiageu, nationale Arbeit im besten Sinne leisten, indem wir das unbegründete Vorurteil beseitigen helfe», als sei der deutsche Süden und Westen seiner Natur nach zu radikaler politischer Gesinnung verdammt. Dieses Vorurteil hat ge- rade in Preußen vollen freudigen Anschluß ans Reich häufig gestört, und das Wachsen konservativer Staatsgesinnung außerhalb Preußens wird ein neues einendes Band um die deutschen Stämme schließen.

Der hessische Bauer ist im Grunde seines Herzens voik jeher konservativ gesinnt, und auch die Handwerker und der Mittelstand der kleinen Städte des Wahlkreises werden bei geschickter Aufklärungsarbeit nicht allzu schwer zu überzeuge» sein, daß ihre wirtschaftlichen und politischen Wünsche und Röte sie fraglos auf die rechte Seite fuhren müsse». Diese Bevölkerungsschicht ist dieser Einsicht bei uns bisher ver- schlossen geblieben, weil der konservative Gedanke in unserem Wahlkreis bisher nur Lurch den Bund der Landwirte ver. treten war, dem man wegen seiner rein wirtschaftlichen Ria;, tung sich anzuschließe» Bedenken trug. Im übrigen kann die verdienstliche Arbeit des in unseren, Wahlkreis geradezu vor- bildlich organisierten Bundes gar nicht genug anerkannt werden.

Hoffen wir darum, daß der konservative Gedanke i» Hessen durch die neue Gründung neue Stärkung erfahren, daß staatserhaltende Gesinnung, ruhiger Fortschritt im kon­servativen Geiste sich auch in Hessen immer weiter ausbreite zum Segen für unser gesanitcs deutsches Volk.

Prritßilcher Kandlag.

Abgeordnetenhaus.

35. Sitzung. 24. Februar, 11 Uhr.

Am Ministrrtischz o. Breitenbach.

Etat der Bavcei»altung.

Abg. Schmedding (Ztr.j: Die Institution der Waffe», straßeuberrate ist vielfach noch zu wenig bekannt. Aufkläran.z ist ferner notwendig über die neuen Wafferstratzentarife.

Abg. Hirsch-Effen (Raff.): Die Zuständigkeit der Was serbauräte sollt« erweitert werde». Nicht nur eine großzügig: Eisenbahn-politik ist notwendig, sondern auch eine großzügig; Wafferstraßenpolitik.

Minister der öffentlichen Arbeiten v. Brettenbach: Die neuen Wafferstraßentarif« beruhen auf de» Boraussctzon. gen. die bei der Verabschiedung des Wafferstraßengcsetzes zu­grunde gelegt worden sind. Auf Grund der vorjährigen An­regungen und entsprechend dem Beschlüße des Herrenhaus-, hat sich die Regierung bereit erklärt, nochmals in «in« Prüfung der Frage einzutreten, und es haben auch schon eingehende Der - Handlungen stattgesunden. Eine endgültige Entscheidung ist jedoch noch nicht erfolgt. Aber das möchte ich jetzt schon aus. sprechen, daß eine Reihe von großen Schwierigkeiten hervorire- ten. Schon in der Bewertung des Kahnraumes bestehen erheb, liche Meinungsverschiedenheiten. Aach über die Höhe kw-clinr Kostenbeträge läßt sich nichts Sicheres sagen. Hinzu komm«, baß die Regierung nicht Transportsührer ist, Transportsützrr ist der Schiffer. Jedenfalls steht keineswegs fest, daß unser- ftühcren Ansätze schlecht sind. Eher möchte ich behaupten, dost di« neuen Ansätze, die uns von den Jntereffenten vorgeschlag . worden find, im Widerspruch zu dem stehen, was vor einigen Jahren als wtznschenswert festgestellt wurde. Bezüglich eines Kanalabgabentarifes und des Schlcppmonopols sind eine gain: Reihe von Vorschlägen gemacht worden. Aber es ist unmöglüb. in so kurzer Zeit ein abschlieehndes Urteil über einen neue, Tarif zu geben. Es ist Meinung ber Regierung, zunächst unter allen Umständen die wirtfchastliche Wirkung des ganzen W - sefftraßenfystems, bas wir geschossen haben, abzuwarteu.

Abg. Dr. v. Woyna sfreikons): Meine politisch-«

Freunde stehen durchaus auf dem Boden des Kompromiss von 1905. Wir stehen der Weitersührwng des Mittellandkanei, nicht ablehnend gegenüber, doch - wünschen wir den Beginn erst, wenn di« bisher bestehenden Wasserstraßen voll ansgenutzt sind. Es muß besonders in Rorddeutschland alles geschehe», um den Ausbau der Wafferstraßen wie auch der Eisendah >r Pu fördern. Der Dortmund Ems-Kanal kann erst voll zur Geltung kommen, wenn der Küstcnkanal geschaffen wird. Es ist ein« wichtige Aufgabe des Staates, die Kraftwerks an d-r Oberwescr miteinander zu verbinden, NM die elektrische Kraft in den Dienst von Landwirtschaft, Handel und Industrie zu stellen. Es muß durch di« Wasserkraft g«liug«n, eine umjas- sende Versorgung mit elektrischer Kraft zu erzielen. Fernlei. langen müffen das ganze Land durchziehen, der Staat muß tca Privatgesellschaften zuvorkommen. (Beifall rechts).

Abg. Lippmann (Fortfchr.): Die Nutzbarkeit der Kae nälc ist abhängig von den erhobenen Abgaben. Sie muffen festgesetzt werden von den Jirtevcffenten gemeinsam mit der Regierung. Seit 1905 haben die wirtschaftlichen Bcrhältniffe sich bedeutend geändert. Di« neuen Tarife basiernc aus »cm alten llUnanrrlan. die jetzigen Verbältniffe miisien aber berück-.