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7. Jalirgan-

Unmmer 40

Diensiag. vrir 34. Februar 1914.

D<cV<«e Tagrsreitrrng" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige BeilagenDer Kauer au» Helfen",Die Kpinnstube". Kelugoprcis: Bei den Postanftalten vrerleliährltch Äik. 1/J5 dci den Agenten monatlich 50 Pjg. hinzu tritt Postgebühr -der Trägerlohn. Knzeigen: Erundzeile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch P-tnachn-hm- erhoben Erjüllungsort Friedberg. Kchriftleituug nud Verlag Friedberg (heffen), hanauerstra'gs 12. Fernlprecher 48. Postjcheck-Eonto lllr. 48Sg, Amt Franljuet M.

^lrberstcht.

ik- In der verflossenen Nacht ist ini Schwarzwald wieder

ein Witterungswechsel eingetreten. Bis auf 600 Meter her­ab schneit cs. Der Neuschnee liegt in der Höhenlage etwa 10 Zentimeter. Die Temperatur ist von gestern mittag ll Grad Wärine auf heute früh 2 Grad Kälte gesunken.

Amtlichen Mitteilungen zufolge findet die Eröffnung ecr Universität zu Frankfurt bestimmt am 1. Okt. d. I. statt.

Die erste Durchsicht der Wehrsteuerciklörungcn hat nach einer Bekanntgabe des Landratsamts Homburg v. d. H. ergeben, daß in diesem Jahre annäl)ernd 8 Millionen Mark Kapitalvermögen im Taunnsgebiet mehr deklariert worden sind.

Beim Trainregiment Nr. 13 in Ludwigsbnrg sind 31 Mann unter Vergistnngserscheinungcn erkrankt. Die Ursache der Vergiftung ist noch nicht einwandsfrei aufge­klärt.

Die gestern vormittag von Professor Landolt an der Königin von Rumänien vorgcnommcnc Staropcration am linken Auge ist vorzüglich gelungen. Das Befinden der Königin ist überaus zufriedenstellend.

Die Scepräfektur erhielt die Nachricht, daß der PanzerkreuzerWaldcck Rousseau" im Golfe von St. Jouan, wo sich die Flotte augenblicklich befindet, gescheitert ist. Zwei Schleppdampfer sind zur Hilfeleistung abgcgangen. Trotz der angestrengtesten Arbeiten konnte daS Schiff noch nicht wieder flott gemacht werden.

lieber Paris ist gestern morgen ein heftiges Gewitter nicdcrgegangen. Die Straßen waren bald in Bäche verwan­delt. Ini Departement Avehron^ist heftiger Schncefall ein- gctrctcn, der bereits 24 Stundeu^anhält. Die ganze Gegend st mit einer dichten Schneeschicht bedeckt.

Eine Konferenz, an der die führenden Persönlich­keiten der bedeutendsten internationalen Schisfahrtsgefcll- lchaften teilnahmen, tagte in London zur Diskussion der Festsetzung der Schifsnhrtstarife über den Atlantischen Ozean. Tie Verhandlungen wurden unter strengstem Ans- schlusz der Oeffeutlichkcit geführt.

Gestern erfolgte in England die Landung der depor­tierte» südasrikaniscchn Arbeiterführer. Der Dampfer ..Nmgeni", der sie an Bord hat, fuhr gestern beim St. Catha- rina Point an der Insel Wight vorüber und wird heute beim Gravesand erwartet. Die Londoner Arbeiterschaft bereitet einen festlichen Empfang der Verbannten vor.

Im Saratower Kreise (Rußland) wurden 1000 Bauern zur Haft bis auf einen Monat verurteilt, weil sic ihre Gehöfte, die wegen der Rückstände an Abgaben ausge­schrieben waren, nichts zum Ansgcbot stellten. Die Bauern werden in Scharen in die Gefängnisse gebracht.

rrnsrlands Dallranpottlik.

Da? Petersburger Auswärtige Amt hat. soeben ein Eommuniqck veröffentlicht, da? eine Reihe von diplomatischen Dokumenten über die Stellung Rußlands während der letz» tcn Balkankrisis cnthtält. Warum gerade im jetzigen Moment diele Kundgebung erfolgt, ist nicht recht ersichtlich, es müßte denn fein, daß Rußland zeigen will, wie wohlgesinnt es an­geblich sämtlichen Balkanstaaten ist, ein kleiner Coup, um die Staaten an sich zu fesseln und die russische Vormacht auf dem Balkan zu behaupten. Aus den Dokumenten will Ruß­land seine llnparteilichkeit erweisen und die Welt glauben machen, die russische Aktion sei eine vollständig uneigen­nützig« gewesen. Schade nur, daß Dokumente, die vielleicht etwa? anderes verraten konnten, in der offiziösen Auslassung nicht enthalten sind, dann dürste daS Bild ein wesentlich an­deres sein, denn eSest zur Genüge bekannt, daß gerade Ruß­land nicht immer mit den anderen Mächten gemeinsam gear­beitet hat, sondern seine eigenen Wege gegangen ist. Schien doch eine Zeit lang die Entente gänzlich zerfallen zu sein; England ging gemeinsarn mit dem Dreibund vor und auch mit Frankreich gab e? mehrmals erhebliche Differenzen, linier diesen Umständen klingt es etwas eigenartig, wenn in dem Communiquä gesagt wird, daß die russische Diplomatie auf die Aufrechterhaltung der Einvernehmens zwischen den Großmächten hingearbcitet habe auf der Basis des territo­rialen Desinteressements und de? Ausschlusses jedes Einzel­vorgehens und nrit dem ausschließlichen Zweck, den Verbün­deten die durch ihre Anstrengungen erworbenen Vorteile zu sicher». Das letztere steht freilich hinwiederum im schroffen Gegensatz zu der anfänglich proklamierten Aufrechterhaltung des Status quo auf dem Balkan, freilich haben in dieser Hin­sicht auch alle Großinächte gesündigt, indem sie sich sagten, daß man nicht in der Lage sein würde, nach den Erfolgen der verbündeten Bnlkanstoaten hemmend einzugreifen und der Türkei den alten Besitz zu fiebern. Lächelnd muß der Ein­geweihte auch die Bemerkung lesen, daß Rußlands Programm hinsichtlich Albanien? darauf hiuzielte, dort fiir alle Groß- ,nächte eine gleiche Lage herzustellen; man entsinnt sich wohl noch, welche Schwierigkeiten nicht -»letzt gerade Rußland der

Festsetzung der Grenze deS neuen Fürstentums geniacht hat. Des weiteren enthält die Veröffentlichung Dokumente über die Grenzstreitigkeiten der Verbündeten hinsichtlich der er­oberten Gebiete, und auch hier will man zeigen, wie Ruß- land angeblich stets bemüht gewesen sei, eine Verständigung herbeizufühlen und eventuell auf schiedsgerichtlichem Wege die Differenzen zu schlichten. Bei dieser ganzen Veröffent­lichung konnte wieder einnial der alte Satz Tallcyrands an­gewandt werde», wonach die Sprache für Diplomaten dazu da fei, die Gedanken zu verbergen. Man kennt die Wege der russischen Außenpolitik zur Genüge, um sich nichts vormachcn zu lassen. Kein Engel ist so rein! Der erneut zur Macht gelangte Panslavismus wird stets darauf bedacht sein wollen, im näheren Orient die erste Rolle zu spielen, und es liegt auf der Hand, daß da Verwickelungen nicht nus- bleiben können.

Z<tM Feitchlö'iiwiwpo!.

Von volkswirtschafflichec Seite wird geschrieben:

Die elfte Kommission des Reichstages arbeitet zur Zeit mit Hochdruck, um den Gesetzentwurf des Leuchtölmonopols für die Plenorberastmg fertig zu stellen. Da erhebt noch in letzter Stunde ein alter Fachmann feine warnende Stimme gegenüber dom rosenroten Optimismus, von dem bisher alle schriftlichen und mündlichen Regierungskundgebungen zu die­serbrennenden" Frage erfüllt waren. A. Germanicus so zeichnet der Verfasser behandelt in seiner BroschüreDeut­sches Petroleummonopol und Wcltpetroleummarkt" (Ver­lagsanstalt Politik, Berlin W. 57) besonders eingehend die Dersorgungsfrage, um namentlich hier unter sorgfältigster Berücksichtigung der letzten Vorgänge auf dem Weltmarkt den Nachweis zu führen, daß die optiniistischen Voraussehun- gcn und Vorausberechnungen der Reickisregierungvon An­fang bis zu Ende in der Luft schweben." Bekanntlich rechnet das Reichsschobamt, um vermeintlich den deutschen Petro­leum-Markt von der Standard Oil Companh unabhängig zu machen, für die deutsche Zukunftsversorgnng mit den Her- künften au? Rußland, Rumänien, Oesterreichisch-Galizien, endlich mit den Lieferungen der amerikanischen Außenseiter, das heißt den nicht von der Standard Oil Co. geführten Pe- troleumsgcsellschaften jenseits des Ozeans. Die Hälfte des deutschen Verbrauches glaubt das Reichsfchatzamt allein durch Rußland, Oesterreich, Rumänien decken zu können, insgesamt 400 000 Tonnen, wovon auf Rußland 80 000 Tonnen, aus Oesterreich,, 60 000 Tonnen, auf Rumänien 260000 Tonnen kämen. Wie steht cs aber damit in Wirklichkeit?

Nach den aus genauer Sachkenntnis fußenden Feststel­lungen de? Verfassers Germanicus ist Oesterreich z. Zt. zlveifcllos unfähig, die Lieferung irgendwie nennenswerter Mengeg auch nur fiir die nächsten Jahre kontraktlich zu übernehmen. Es hat eine vertragliche Bindung nbgelehnt und geht einer völligen Erschöpfung seiner Rohölvorräte bei allen Fabrikationscinschräukungcn schnell entgegen. Ruß­land leidet unter einem solchen Oelmangel, daß es ander­weitig dauernd selbst kaust, seit 1013 Oel zollfrei einführen läßt und sogar au ein Ausfuhrverbot denkt. Runiäniens ganze Produktion stünde einem Monopol nicht zur Ver­fügung, sondern im besten Falle nur der größere Teil des von den deutschen Banken kontrollierten Anteils. Dieser aber ist nach heutigem Stande nnr etwa 25 Prozent der Ge- samtcrzeugung; über den Rest verfügen andere Gruppen in eigenen Organisationen. Die Produktionszunahme hat den Höhepunkt vielleicht schon überschritten. Die Leistungsfähig­keit ist so gering, daß schon eine kurze Mobilisierung der Truppen während des Vorjahres 1913 geniigte, sie voni Grund aus zu erschüttern und aus Monate hinaus unmöglich zu machen, auch nur 30 000 Tonnen Heizöl, also, in Leucht­öl umgerechnct, nicht mehr als 2 Prozent des deutschen Be­darfes z» liefern. Dazu kommt, daß Rumänien wirtschaft­lich in erster Linie den Ausfall russischer Produktion decken muß.

Die amerikanischen Außenseiter haben keine Raffine­rien an der Küste und keine Röhrenleitung; das alles ein­schließlich Betricbsvergrößcrnngen soll erst nach Einführung des Monopols gebaut werden. Sie verfügen nicht über Re- fervcn an Rohöl, sondern müßten solches anderen Verarbei­ter- zu entziehen virluchen. Sie habe» trotz de? der Reichs - tagSkomnüssion gegenüber erwähnten Angebotes weder un­tereinander, noch gegenüber einem Dritten vertragliche Lieferungsverpflichtungen z» Gunsten eines deutschen Monopols gehabt. Wie denkt man sich überhaupt, fragt Germanicus, einen solchen Vertrag? Soll er gesichert sein durch Bankgarantien? Aber selbst mit solchen Garantien könnte man bei Lieferungseinstellung die Lampe des deut­schen Verbrauchers nicht füllen; dazu gehört Oel und wie­deruni Oel, und wenn das Monopol kein Oel bekommt, nützen alle Garantien nichts.

Germanicus kommt zu dem Schluß, daß wenig Hoff­nung iibrig sei, es werde sich ein deutsches Petrolcununono- v-A etwa mit aänzlicher llmaebuna txr Standard Oil Eo.

ins Leben rufen lassen. Außerdem aber sei cs zweifellos, daß Deutschland für solche Mengen, die es bei Ausscheidung der Standard Oil Co. übcrhaiipt erhalten kann, unter einem Monopol auf alle Fälle wesentlich höhere Preise für de» Ein­kauf zahlen niüsse, als dies im freien Wettbewerb der Fall, und daß, soweit die Beschaffenheit in Frage konimt, schon deswegen eine große Gefahr bestehe, weil die Monopolver- waltuiig darauf angewiesen sei, jeden nur irgend erhältlichen Tropfen Leuchtöl, einerlei ob gut oder ob schlecht, nnz», kaufen.

Prcnlrllcher Landtag.

Abgeordnetenhaus.

44. Sitzung. 24 . Febr. 12 Uhr.

Am Ministertifch: v. Dallwitz.

Die Beratung des

Etats des Ministeriums des Inner« wird fortgesetzt beim Kapitel Mediziualmesen.

Abg. v. Pappenheim (kons.): Die großen Kranken­

häuser hoben die ihnen gestellten Ausgaben bisher gut gelöst. Es muß aber dafür gesorgt weiden, daß mehr als bisher Nein« Krankenhäuser geschaffen werben. Das fordert schon der Aus­bau unserer sozialen Gesetzgebung. Dem Vertreter der Mcdi. zinalabterlung dank« ich für seine entgegenkommenden Erklä- inngon vom Samstag. Daß der neu« Ministerialerlatz über die Krankeahiiuser in die Form einer Polizeivcrordnung ge. kleidet worden ist, bedeutet »och «inen recht erheblichen Ein­griff in die Selbste rwalrung. Diese Reglementierung in di, Selbstverwaltung der Krankenhäuser hinein war wenigstens für die öffentlichen Krankenhäuser nicht nötig. Ich kann wirk, lrch keinen Grund sehen, weshalb man hier von der Form des Ministerialerlasses abgegangen ist und dt« Form einer Polizci- verordnung gewählt hat. Dieser Eingriff in die Selbstverwal­tung wird dem weiteren Ausbau der Krankenhäuser nur scha­den tonnen. Ich warne die Regierungslommrssär«, ohne Be­rücksichtigung dieser Bedenken mit solchen Polizeiverordnungrn weiter vorzugehen. Wenn hier nicht energisch dagegen prote­stiert wird, können sehr leicht auf anderem Gebiete der Selbst. Verwaltung solche Eingriffe erfolgen. Man daff nicht durch Polizetverordn-ungen in die Befugnisse der Landesverwaltung eingreifen. Besonders die Vertreter der großen Kommunalver­bünd« mache ich auf diese Konsequenzen aufmerksam. Der An. regung zur Schaffung kleiner Krankenhäuser stimm« ich durch, aus zu: es ist wirklich nicht nötig, daß sie mit dem ganzen teu. reu Apparat der großen Krankenhäuser bedacht werden.' Jeden - falls daff man aber nicht am Material sparen wollen: Das teuerst« ist immer noch das beste und auf die Dauer billigste. Unter den, gewerblichen wie unter dem charitativen Kraulen. Pflegepersonal bffindet sich ganz vorzügliches Material. Es ist wünschenswert, daß aus allen Kreisen möglichst viel und mög­lichst gutes Material sich diesem schweren Berufe zuwcndeff Pflegerinnen ans allen sozialen Schichten haben geradezu Be. wnn-dernswertes geleistet. Die niedrigste Magd, wie die gebil­detste Frau kann sich in der Krankenpflege erfolgreich betäti­gen, wenn sie nnr mit Lieb« dienen will. Deshalb müssen wi> diesen Krankenpflegerinnen auch durch den Schutz ihrer Tracht die nötig« Sicherheit für die Ausübung ihres Berufes geben.

Abg. Frhr. v. S t e i n a« cke r-Trier (Ztr): Der Gebar« tenrückgang im Deutschen Reiche ist geradezu erschreckend. Sink wir denn auf dem absteigenden Ast mit unserer Volkskrajt an. gekommen? Was soll aus unserer Wehrmacht werden? Wo her sollen wir di« nötigen Arbeitskräfte bekommen? Alle Kreise sollten sich an dem Kamps gegen den Geburtenrückgang beteiligen. Herr Minister, unierstützen Sie uns m diesem Kampf- Nicht die Gesundheit des Volkes hat abgenommcn sondern man verhindert künstlich di« Empfängnis. Der Ec. brauch von antikonzeptionellen Mitteln ist ein« schwer«»d> wider Gott. Die Sozialdemokratie kämpft für den Geburten­rückgang. Religion ist ja bekanntlich Privatsache, das wißen wir ja. Aber man untergräbt die Religiosität der Frauen, um sie fiit die Gedanken der Ecburteuverhülang gefügig zu machen. In Spandau hat neulich eine Agitatorin in ein«! Fraucnver. fammlnug öffentlich zur Grburtenvcrhütnng aufgefordert. -Ein« solche Frau ist schlimmer als ein wildes Tier. (Zustimmung) Derartig« Lachen müssen verhindert werden. Das Ministeriun des Innern soll Las führend« Ministerium sein, Herr Mirüster, übernehmeu Sie auch auf diesem Gebiete di« Führung! Sit werden dafür den Tank des Vaterlandes ernten. Rehmen wie den Kamps gegen die Gek-urtenverhinderung aus, damit es nicht einst in der Geschichte heißt: Das preußische Volk gb I durch Selbstbefleckuug und Selbstveffchuldung zugrunde! (Bei­fall rechts).

Minister des Innern v. Dallwitz: Um dcni Ecburkenrück, gong, der vor allem auf die zunehmende Genußsucht und aus die Agitation gewisser Krcise zugunsten einer Einschränkung der Geburten zarückzu-sühren ist, wirksam «ntgegenzutretc». sind außer polizeilichen Mitteln auch noch ander« geboten. Was init polizeilichen Mitteln geschehen kann, soll versucht werden und ist zum Teil bcreiis veffucht worden. Es sind bereits Weisungen an die Stontsauwaltschaften «rlosien, den Handel und di« Aupreifung von Aborlivmitteln scharf zu überwach.» und zu verfolgen. Bekanntlich liegt dem Reichstag ferner ein Gesetzentwurf vor, wonach die Anpreisung solcher und ähnlicher Mittel von üaus --- liaus im ltmb«,,i«hen und der Berk i-l