__ Beil age zur „ Neuen Ta geszeit ung".__
Vr. II | _ Ulittrvoch. den 1^. gfbnmv 191-1. _ | 7 Igiirguun
-»cdrnklaxe.
1j. Jlcbt. 1818 I*r. Martin Luther t. — 1 "j 61 Walilci geh.
1803 ä), Lud. WIcim, Xiattcr, t. — 1829 Hos-
bn-öiflot 'Jf. Sfiiticl geh. — 1877 fe'. L. v. Gcrlach t, O8«r- tfirnerir.fiitfr von Berlin. — 1880 Mrof ^inl. Andrasiy t.
Pttittvsillihkil Der UiiirjiHt litjiri lit 191415.
Riir dat Jahr 1011)5 werden folgende 3>re!saiisgaben geslelll'
Bor der Ibeoloaffchen Fakultät:
1. f ii- den akademischen Preis:
Tie mnstischcn Eleuienic in Luther; Frömmigkeit und lbeologie biS 17*21.
2 für den LeydheckervrciS:
Ter FoufcffionclMiitbrrifilK W'derlprnch argen die Innere Million in der Mitte des 10. Jahrhunderts, mit be- sviidere' Deriicksichlignng der ihm zugrundeliegenden Aus- st-sinng von der Kirck>e.
Bon der juristischen Faki-llät.
Es loll der Kanivs um die Anfgaln? der gcletzl'chen Be- tzeisihecrie im denffchen Sirasprazeßrecht des neunzehnten Iirhimdert dargestcllt werde». ^
Bon der medizinischen Faknliät!
1. für edn akademischen Preis:
Ter Statu» liypvvlasticuS und die Bedeutung konstitu- ?. »oller Momente.
2 fiir den Balservrcis:
An Gesunde» und Nierenkranken soll nach Zusnln ffick- sloiil altiaer nicht eiwcistartigcr Stoffe deren AnSsch dung »nterlncht werden.
Bon der philosophische« Fakultät:
1. aus der M a t h e m a t i k :
Di» nach Euler und Laplace benannten Methoden für die Lölnng linearer boinogruer Differentialgleichungen durch leftimmte Integrale sollen auf Systeme solcher Tifferential- gleickmngen übertragen werden.
2. aus der M i g e r a l o g i e :
Läßt sich die Verwitterung der Silikatgesteine unter dem Olnflnst der schwefligen Säure erperimentell verfolgen?
3. au» der Landwirtschaft:
llntersiichunqen über Iteimkrast. Triebkraft und Fnsa-
riiiiuerkennung.
4. aus der Geschichte:
Jnnoreuz III. und die deutsche Reichsverfassung.
In der Arbeit sind die Ansprüche Jnnocenz lll. tm An- schluK an die neueste Literatur über di« Staufische» Kaiser- Wahlen zusanunenzuslellen und auf ihr« Veranlassung und Begründung zu untersuchen.
5. au» der deutschen Philologie:
Tic Schlagwörter der literarischen Kritik in der Zeit der Klalsiler. Die staatlichen Preise betragen je 180 .H. der greis der Lendbeckcrstistung 200 ,U, der Preis der Balser- süffiing besteht in de» nngesähr 700 -st betragenden Jahres- •,:»*«» des Stfftuiigskapital». (rs kann auch die Hälfte der Preise zuerkannt werden.
Wer sich um einen Preis bewirbt, muh niindesten» in einem der beiden ans die Stellung der Aiisgabe folgenden Semester an der Universität Giesten inimatrikuliert gewesen lei».
Jede BewerbungSschrist darf nur einen Bersasjcr haben.
Die Bewkibungoichrist ist in der Sprache abzufassen, in der die Ausgabe gestellt ist. Auf dem Titel ist ein Kennwort anzubringen.
Die Bewcrbungssckn ist ist vor deni 1. April 1915 ein- xuscndrn unter Beifügung eines verfchlofsenen, mit dem Kennwort der Arbeit versehenen PriesumschlagS, der die Angabe de» Verfasser» und seiner Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu adressieren.
Beim Jahrcssest der Universität am 1. Juli 1915 verliest der Rektor die Urteile und verkündigt die Namen der preisgekrönten Bewerber.
der Gleichsiellvng der männlichen mit de» weiblichen Kraiiteii. Pflegerinnen, der Znlasffiiig eine» w.ileren Männciseelloige- orden» neben dem stapLzincroiden. I» d«r Schliff'rage sleillt er die Forderung der Konsessionsschnlc.
Der zwei!» Referent war Pfarrer Schnhniach-i Lä»,i»er- spiel. der über „Religion und Leben" sprach - Zur Frage der Landtapewohlen, die tm Rooember staltsi»d:n. wird nach Ostern da» Landee-komitee zusamineiltrere». um Richllinie» sür die Wahl sesizulegrn. Die Zahl der PerlrauensmLnner tu dem Ibahlkreif« beträgt >20
Rach einer kurze» Aussprache. in der »amentlich zum *».-• druck gebracht wurde, das, die jungen Leute mehr znm politi. scheu Leben herangezogen werden mühten, wurde unter Danke», warten die Tagung vom Vorsitzenden gefchlosse».
Irnlrnm»Parteitag Offenfiach-Pieh»rg.
NI. Seligenstadt, ,8 Februar.
Dle Zentiumspaitei de» Rr>ch»tag»wahlkrelsei Offenbach. Dieburg hielt am Sonnlaz unter dem Vorsitz de» Dekan Eber», mann-Dieburg in dem Saal, de» Gasthauses ,Zum Riesen" ihren Parteitag ab. der von annähernd 500 Personen besucht war. Der WahUreis OssenbochDieburg. dem 89 Orte (32 >m Kreis Offenbach und 57 im Kr«>« Dieburg) a»gehären, hat 50 810 Reichstogswähler. dcien Zahl >907: 40 981 und 1003: 42 841 betrug Die politische Parkirichtung dieser 50 840 Vsah- ler, von denen l7 215 aus die Stadt Offenbach. >9 389 auf den Kreis Offenbach und 14 230 auf de» Kreis Dieburg entlallen, ergibt sich aus dem amtlichen Wahlergebnis der letzten Reich», lagswahl. Bei dieser erhielten die Sozialdemotrate» 24 727 (1907 : 20 248), di« Rationalliberal.-n 8291 (13 479), das Zen. ltum 7330 (7382). di« Forijchritller 3123 (ohne Kandidatur) und dt« Wirtjch Vgg. 1571 Stimmen.
Zn seiner Begrützungsanlprache wie» der Vorsitzende aus »>e nunmehr erfolgte Eründung eines Reichsausschusses der Zentrumspartei in Berlin hin. in dem die einzelnen Staaten ver. treten sind. Auf seine» Vorschlag hin wurde dem Reichslogszentrum «iu Zustimmuiigslelegramm übermittelt. Rechtsai»- walt Dr. Wenn«»he>mer.Worms hielt danach ein Referat über „Die polttisch« Lag« tm Reich unb Hessen", tkr erging sich zu. nächst in Betrachtungen über di« auswärtig« Politik der letzten Jahrzehnte und kam daun aus die inner« Politik zu sprechen, in der di« Zabcruer Affäre einen bedauerlichen Konflikt zwischen Militär, und Zwilbehörd« heroorgerusen Hab«, deren endgiltige Regelung von dem Gedanke» einer genauen Abgrenzung der Militär. ur>d Zivilgewalt geleistet werde. Mit kurzen Strichen streifte der Redner weiter den Geiverkschaftsstreit unter Hinwc!» auf di« bekannte Proklamation des Rcichsausschusics und betonte nachdrücklich, dost keine Wendung in de: Zentrumspartel «ingetreten fei. Es tue Rot, einig zu sein, nm nach autzen hin ein« geschlosien« Phalanx und nicht zwei Parteien tn einem Tag« zu bilden.
In der hessischen Politik kam der Referent aus dt« Orden», ftafl« zu sprechen, deren prinzipielle Regelung die Aufhebung der Gesetze von 1874 und 1895 erheische Bei der Erörterung dieser Frage im Landtag habe die Zentrumssrattion zweisellos Gegenwartspolitik getrieben und man könne ihr mit Rücksicht auf di« Konstellatiou leinen Boiwurf darüber machen, wenn der Wunsch der Aushebung der erwähnten Gesetze nicht durchge. sührt wird, weil dieser Weg nicht gangbar erschien und «ven- luell «ine Störung de» komsefsionellen Friedens heroorgerusen hätte Für di« Zukunft aber hat die Rcglerung in dem Ordens- wesen »in« Reibe Milderung«» «intrelen lassen und zwar mit
Ano aller lUrlt.
Tvdeeurtril eines Deutschru. D>is Dckgvnrgericht von Belfort verurteilte gestern eine» Driitscknm inuiien« Kir. sletter ivegen Moide« zum Tobe. Kirjletter war bei dem (rfv- paar König, d>iS bei Beifort Landwirtsllmst betreibt, als HouSknecht beöicnstet. Wegen roher Mißhandlung der Tiere hatte inan ihn rntlaffen. An» Rackw drang er ln die Woff- n»ng des EbepliareS rin und erlniirgte die Tochter der Ebe» lente König.
Mord in Berlin. Gestern iiachmillag 5 Ulir wuröe in dem Hanse Raninerstrasle 23 der 3l Jahre alte Schneider Isidor Rose mit drei Kugeln tm Kopse tot ausges,inden Man fand ihn an der Türe de» Freindenziinnier» erhängt vor. Da die Umstände auf Mard bindeuteten. so wurde die Mordkoinmisston der Kriminalpolizei herbeigernsen Denn es gilt als auSgescksioffen, daß der Ermordete mit dt» er- haltenen schweren Schnbverletzunge,, sich noch in da» Frei», denzimnier schleppen konnte. Man imifj annehnicu, daf, eine Person die Tat begangen hat, die dann ihr Opfer a» die Türklinke knüpsle. Es liegt auch kein Grund zum Sell', 1 - niord vor. Bisher find keinerlei Anzeichen gefniiden worden, an» denen man auf die Person des Täler» fchliefjc» konnte.
Ein Student an der sibirischr» Pest erkrnult. Ein Student Barabanow, der an» dem Uralskcr Gebiet in Saratow eintraf, erkrankte an der sibirische» Pest. Die Ein- wolinerschast der Stadt ist in Aufregung, da die eingefchtepple schreckliche Seuche sich wegen der ungenügenden Sanitäls- inasiiiahnien iveiter verbreiten dürfte. Der Gouverneur bc rief eine Acrztekonserenz ein, nm über Vorbengnngsnias'. regeln zu beraten.
Selbstmord aus Liebeskummer. Die Näherin SWnrir Decker wurde gestern in einem Gebüsch bei Sterkradc ver, giftet aufgefunden, Anscheinend handelt es sich i„n Selbst Mord au» Licbeskumuier.
die beste Lilienmilch-5eiFe
v,«»n Bergmann L. Co., .Rjdcb£uI, M fgr i»rlc wriii« Kaut und bi. ndctul sthur.en Tvfnt. m Slütli WPfg. Lb«iall. zu habco.
Bum Pflngrilen.
Akoman von M. Prigge-Brook.
2kl lF«tK4wng).
Heinz atnwte erleichtert auf. Er khikte schon gefürchtet, dr-8 Ohm» Befinden halte ihn »on der Reise-ab. „Hpie mir den Koffer. Karl", befahl er, „den Neinen braune». Ich breiulic Kleider und Wäsche für acht, nein, sür vierzehn Tage", verbesserte er sich,
Karl war schon an der Tür. „Weitzt Du, wo die Dame» sind?" ries der Doktor ihm nach.
„Fräulein Sebald ist mit den» Fräulein Tante auSge- gangen. zum Kaffee bei LandgerichtSral Schmitt."
„ES ist gut."
Heinz fühlte sich erleichtert, wenn er sich da» auch nicht gern ringestand. Freilich konnte selbst RoseinarieS stets rege Eifersucht nicht wünschen, dasi er den kranken Freund int Stich liest. Seine Leidenschaft f,ir Mary ahnte seine Schwester glücklicherweise nicht. ES war nicht nötig, dah sie sich deswegen beunruhigte. Marn war ein Kind von siebzehn Jabren. Heinz hätte rS sich zur Sünde gerechnet, ihr junges Gemüt zu beuiinibiaen. Lieber wollte er sein zuckendes Herz in beide Hand, nehmen und leine ivrlangenen Sinne beherrschen, bi» aus dem ahnungslosen Kinde ein Weib ge- worden. dem er die beiste Liebe feines Herzens darbringen durste. Denn d>E; hie Liebe z» Marv nur mit seinem Leben tiiöe» wüide, d.-. einnsand er ksar Er batte niil-.t gew>ck-I.
Mannesliebe bedeutet die Tändeleien seüwr Studenten, .iit siltzenen ihm nicht des Ausdruck" wert. Sinnenlnft. rin leichter Rausch, erzeugt im Tonmel der Tage. d»e ni^ch in Freud« imd Swerz ihn znin fliifMigcu Genuß «'»sge Mate in > ne - Mädchen» Arm getrieben
Jetzt schimte er sich dieses Rairstbok und trachtete, ibu ;» bergesien. Mary allein sollte die 0-attin seines .Kerzen: sei» Ibr blieb er fortan treu. Zuweilen erwog H.i: , b.i sin. äie Frage, ob er nichi Wohl d-rraii tue. sich Ea.eenuo zu i -r Ra»».-' Ter Maler kannte unb ,0». , >
würde er ihm fein Kind anvertrauen, wenn dieses Kind seine Liebe erwiderte. Vielleicht beernilichte er gar Mach zu seinen GnnskenI
Doch gerade diese Idee verwarf der junge Mann plötzlich. wie sie gekommen. Sticht snnndeni Einslich wollte er daS höchste Glück, da» die Erde ich» bieten konnte, verdanken, aus freier Wahl und eigener Entschhestung sollte Mary eine» Tage» die Seine werden. Und wenn es ihm nicht gelang, sie zu erringen, dann hatte das L-ben keinen Reiz mehr sür ihn. dann lohnte es sich nicht, um Ehre imd Ansehen zu kämpfen, sich einen Platz unter den Männern der Wissenschaft zu erobern, dann, ja dann . . .
Der Doktor wurde aus seinen Gedanken unsanft ausgestört. Karl öffnete die Türe und schob den Kofsee über die Schwelle.
„Mein Vater läßt fragen, mit welchem Zuge Herr Doktor fahren will?"
„Eiut, dast Tu mich daran erinnerst", lobte ibn Heinz. „Ter Zug nach Wien geht gegen siebe» Uhr. Um dreiviertel jiebcn innst der Wagen vor der Türe stehen."
„Soll ich die Damen benachrichtigen?" Karl tat sich einiges aus feine Fixigkeit zugute und toar wirklich anstellig. Diesmal kani sein Eifer dem Doktor ungelegen.
Er zog die Uhr. Es war nach fünf. Ihm blieb nur wenig Zeit. Wenn er de,, (Obm aiifsnchte. der »liltte, weile e-warben würde, und ihn, Griiste sür Rosemarie »nd Tante Lu anstrug. eiitzc-.z er sich allen neugierigen Frage». Freilich. Rosemarie würde mit Recht böse sein. Sie machte sich iiu.cks ans Kaffee. Wenn Karl jetzt binging. war Heinz sutx'r. die Schwester eine VicrtessNinde svät-r bei ffch zu sei»'», b-erade das nwltte er vermeiden.
„Ja, tverde schreiben", bcichicd er Karl, der wartend vor Ü'iii stand. »Parke erst den Koffer »nd sehe d-'v» nach Deinen,' H. er», von ihm inöcht.- ich Abschied netnncn."
Jr'k-.b Etitcrs rrvwchte kurz »ach jod'S Uhr. Der Alte schlief die Nackü fast gar nicht mehr. Dafür stellte der 2 ü, lu,»iner ii.-ii über Taa vertckäedentlra, unaehekru ein.
kürzlich verschiies er inmier die Dämmcrslnnde. Es war ihn angeiicüin, weil er di« Zeit zwischen Tag und Dunkel nie ge- liebt, auch pflegte Roseinarie am Abend längere Zeit bei ihm »» sitzen.
Am Tage hielt die Arbeit im Kontor sic fest. Sie hatte, seit sich dec -Ohm zurückgezogen, ans seinen Rat einen tüchtigen Leiter engagiert, der ihr den grötzten Teil der Arbeil abnahi». doch behielt sic sich auf EhlerS Rat die Enticheidniig bei allen wichtigen Ereignissen vor und liest dein Fremden nur eine beschränkte Selbständigkeit.
Mit Ungeduld hatte Heinz Ehlers Ertvacknin abgewa,- tet. Er war ganz reisefertig. Den Mantel über dem Arni in der .Hand die Reiseniütze, betrat er Ehlers Zimmer. De» Ohm richtete sich verwundert auf.
,,Ni.i>», nicin Sohn, gestiefelt >:nd gespornt? Im Rcii.'- onzugi"
„Tein Schorsünn marht eine,» Detcktiv Ehre", versuchte der junge Mann z» scherzen. „Es stimmt, Ohm, ich reife. Um sieben Uhr geht mein Zug nach Wien."
„Da» ist sehr plötzlich gekoinmen", erwiderte der Alle. „Rosemarie hat mir nichts davon gesagt, als sie vorhin von mir Ablchied nohm. Sie weiß dock» von Deiner Reife?"
„Es kam ganz unerwartet", aiitwortete Heinz unsicher. ..Sic war kauni fort, da brachte Postjcses mir den Brief. Ich erzählte Dir schon, daß Earenno schwer leidend ist. Ter Doktor sckückt ibn in ein Sanatorium nach Graz. Er bat aber krine Ruhe und kan» auch keine haben, ehe nicht die Skizzen und Photographie», um derentwegen er die große Reise mitgemacht, an Ort und Stelle sind. Ich soll sie sichten und verlendrn. -an» will er dem Rat der Aerzte folgen und e'nsllich etivas sür seine ltzcsiindheit tun."
..Eni", niachte der Ohm. „sonst nicht?"
He-inz zuptte »ngeduldig »ie Spitzen seines Sckmnrr- br-tes.
(Forlletzvn, folgt)


